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International Management - Spanien

Hausarbeit 2003 19 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spanien als Wirtschaftsland
2.1. Wirtschaft und Regierung
2.2. Die Wirtschaftssektoren
2.3. Die Rechtsformen der Unternehmen
2.4. Das Finanzsystem
2.5. Demographische und soziale Situation

3. Unternehmenskultur und Führungsstil in Spanien
3.1. Die Bedeutung der Unternehmenskultur
3.2. Das spanische Unternehmensumfeld
3.3. Führungsstil

4. Kulturelle Besonderheiten in der spanischen Geschäftswelt

5. Deutsch-Spanisches Management

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spanien ist heute nicht nur das Land von Carmen und Flamenco, von Stierkampf, Gitarren- und Kastagnettenklang, von Sonne und Stränden. Es ist auch ein Land, dass sich in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Wirtschaftspartner innerhalb der europäischen Union entwickelt hat.

Im ersten Teil dieser Arbeit möchten wir Spanien als Wirtschaftsland vorstellen und dabei verschiedene Aspekte, die Einfluss auf die Ökonomie nehmen, ansprechen.
Anschließend folgt eine kurze Analyse über die Unternehmenskultur und den Führungsstil in spanischen Firmen. Schließlich stellen wir einige kulturelle Besonderheiten bei der Verhandlung mit spanischen Geschäftsleuten vor.

2. Spanien als Wirtschaftsland

Die spanische Wirtschaft hat in den vergangenen 25 Jahren seit dem Tod des Diktators Franco einen starken Wandel vollzogen. Nach der jahrelangen Isolation vom Rest Europas, stellt Spanien heute einen bedeutenden Wettbewerber auf dem Weltmarkt dar. 1975 arbeitete noch 1/5[1] der spanischen Beschäftigten auf dem Land, heute lebt ein Großteil der Bevölkerung in den industriellen Ballungszentren und erwirtschaftet überdurchschnittliche Wachstumsraten.

Die demokratische Öffnung, der EU-Beitritt 1986 und die Teilnahme an der WWU sind Meilensteine der wirtschaftlichen Entwicklung Spaniens. Die Industrie wurde und wird zunehmend liberalisiert und modernisiert. Spanien nimmt gegenwärtig unter den Industrienationen mit einem Bruttoinlandsprodukt von 559 Mrd. Euro den 10. Rang ein. Die Wirtschaft verzeichnet seit Jahren die höchsten Wachstumsraten in Europa (2000: 2,8%). Diese Dynamik gründet auf einer starken Inlandsnachfrage, niedrigen Zinsen und einer steigenden Zunahme der Beschäftigung.

2.1. Wirtschaft und Regierung

Das gemeinsame Anliegen aller politischen Kräfte war nach dem Tode Francos 1975 die Schaffung eines sozialen und demokratischen Rechtsstaates.

Mit dem parlamentarischen Machtwechsel im Oktober 1982 durch die sozialistische Arbeiterpartei PSOE unter Führung von Filipe Gonzáles, begann eine grundlegende Reformierung der spanischen Wirtschaft. Ziele der Gonzáles-Regierung waren unter anderen die Inflation zu zügeln, die Schaffung von mehr Freiheit und Flexibilität in der Wirtschaft, die Öffnung Spaniens zum europäischen Wettbewerb und die Rationalisierung und Modernisierung der spanischen Schwerindustrie.

Die Regierung wurde jedoch noch mit vielen ökonomischen Problemen aus der Franco-Ära konfrontiert, z.B.:

- Die Vielzahl von kleinen Firmen (weniger als 50 Angestellte) - 90 % aller spanischen Firmen
- Technologische Rückständigkeit im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten
- Ineffizienz des landwirtschaftlichen Systems
- Niedriges Bildungs- und Ausbildungsniveau
- Viele staatseigene Betriebe mit hoher Bürokratie und finanziellen Verlusten

Ein anderes Problem war die hohe Arbeitslosigkeit, die im Jahr 1986 21 % betrug. Ein Grund war die Umstrukturierung in den spanischen Stahlwerken und Schiffswerften mit hohen Arbeitsplatzverlusten. In den ersten beiden Jahren nach dem Beitritt zur EU 1986 gingen ca. 150.000 Firmen pleite aufgrund von ausländischer Konkurrenz.

Trotz aller Probleme schaffte es die Gonzáles-Regierung durch politische Maßnahmen bis 1996 vor allem die Inflation zu senken (von 14,4 % 1982 auf 3,4 % 1996), die Investitionstätigkeit zu erhöhen und die Infrastruktur Spaniens zu verbessern.

1996 übernahm die Volkspartei PP (Partido Popular) die Regierung. José Maria Aznar wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Aznar hat sich zum Ziel gesetzt, den Übergang Spaniens zu einer etablierten, gesicherten und reifen Demokratie zu vollenden. Hierzu sollen Konsenswille und -fähigkeit von Regierung und Opposition und der Dialog zwischen den Sozialpartnern ebenso beitragen wie eine breitangelegte Politik zur Ausfüllung der von der Verfassung vorgegebenen Autonomierechte der Autonomen Gemeinschaften. Ein Schwerpunkt der Regierungsarbeit ist die Wirtschaftsliberalisierung und Sanierung der Staatsfinanzen. Ein erster Schritt war der Verkauf von 40 staatlichen Unternehmen in den letzten 4 Jahren. Damit hat sich der Staat Einnahmen von ca. 27 Mrd. Euro gesichert.

Die vorrangigen Ziele - Erfüllung der Maastrich-Konvergenzkriterien, Abbau des Haushaltsdefizits, Renten-, Steuer- und Wirtschaftsreformen - hat die Regierung in den letzten Jahren mit Erfolg umgesetzt. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (zum Zeitpunkt ca. 13 %) bleibt weiterhin prioritär, die höchste Arbeitslosenquote der EU (1996: 22,9%). Besonders gravierend ist die Arbeitslosigkeit mit 25% in der Gruppe der 16 - 29jährigen und mit nahezu 20% bei den Frauen. Mit einem Gesamtvolumen von 57,3 Mrd. Euro (2000-2006) ist das Land weiterhin größter Nettoempfänger der EU.

Wichtigste innenpolitische Herausforderung ist die Befriedung des Baskenlandes. Nach der Aufkündigung ihrer "unbefristeten und umfassenden Waffenruhe" vom September 1998 im Herbst 1999 hat die terroristische baskische Untergrundorganisation ETA erneut Anschläge verübt.

2.2. Die Wirtschaftssektoren

Die sektorale Aufteilung der spanischen Wirtschaft entspricht der anderer Industrienationen: 67% Dienstleistungen, 18% verarbeitende Industrie, 7% Bauwirtschaft und 4% Landwirtschaft(einschließlich Ernährungswirtschaft und Fischerei)

In der Industrie hat der rasche Zuwachs der Bereiche chemische Industrie, metallverarbeitende Industrie (einschließlich Kraftfahrzeugsektor und Schiffbau), Elektronik, Informationstechnologie und Industriedesign die älteren, rückläufigen Industriezweige abgelöst. Vor allem der Bereich Telekommunikation ist in den letzten Jahren schnell gewachsen. Telefónica , die größte spanische Firma in diesem Bereich, ist einer der Marktführer weltweit.

Ein anderer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus(2001: 49,5 Mio. Besucher, Spanien ist nach Frankreich und USA drittes Tourismus-Ziel weltweit). Über 1 Million spanische Familien arbeiten direkt oder indirekt im Fremdenverkehr. Die Tourismusindustrie erwirtschaftet ca. 9 % des BIP und befindet sich weiter in der Wachstumsphase.

Nach einer Krise zwischen 1975 und 1985 ist die Bauindustrie heute mit mehr als 1 Million Angestellten so stark wie nie zuvor. Die Marktführer Cubiertos und Dragados profitieren von zunehmenden Wohnungseigentümern in Madrid und Barcelona und erhöhten Regierungsausgaben für die Infrastruktur.

Spanien ist weltweit der sechstgrößte KfZ-Erzeuger (Kraftfahrzeug), in Europa liegt es knapp hinter Frankreich auf dem dritten Platz. Von den 6 Multinationalen Automobil-Giganten, sind 5 mit eigenen Fabriken in Spanien vertreten (Renault, Volkswagen-SEAT, Daimler-Chrysler, General Motors, Ford). Aufgrund von niedrigen Lohnkosten und günstigen Investitionsbedingungen wird Spanien auch in der Zukunft ein wichtiger Produktionsstandort für Automobilunternehmen bleiben.

Die wichtigsten Handelspartner Spaniens sind die EU-Mitgliedsstaaten, in die ca. 70 % der spanischen Ausfuhren gehen und aus der knapp 65 % der spanischen Einfuhren kommen. Haupthandelspartner sind Frankreich und Deutschland. Wichtigste spanische Exportgüter sind Automobile, landwirtschaftliche Produkte(Obst, Gemüse, Wein), Ausrüstungsgüter und chemische Erzeugnisse. Importiert werden Energieträger, Automobile, Maschinen, Elektronik und chemische Erzeugnisse.

Für ausländische Unternehmen ist Spanien ein attraktiver Investitionsstandort. Die größten Einzelinvestoren sind die Niederlande, die USA und Großbritannien. Auch die spanische Wirtschaft hat sich stark internationalisiert und engagiert sich zunehmend im Ausland. Das meiste Investitionskapital fließt dabei traditionell nach Lateinamerika.

2.3. Die Rechtsformen der Unternehmen

In Spanien unterscheidet man zwei Arten von Rechtsformen: die Einzelunternehmung und die Handelsgesellschaft.

Das Einzelunternehmen kann aus einem Einzelkaufmann (comerciante individual) bestehen, der sein Geschäft ohne Gesellschafter betreibt. Diese Unternehmensform ist sehr häufig in Spanien und man findet sie besonders in den Bereichen Einzelhandel, Gastwirtschaft, Handwerk und Dienstleistung.

Bei der Handelsgesellschaft unterscheidet man zwischen Personengesellschaft und Kapitalgesellschaft. Die Personengesellschaften, zu denen die offene Handelsgesellschaft (Sociedad Colectiva) und die Kommanditgesellschaft (Sociedad en Comandita) zählen, sind nicht sehr verbreitet im spanischen Wirtschaftsraum. Die Rechtsgrundlagen sind vergleichbar mit Deutschland, daß heißt bei der OHG haften sämtliche Gesellschafter, bei der KG nur die Komplementäre mit ihrem gesamten Vermögen persönlich. Die anderen Gesellschafter der KG haften nur bis zur Zahlung ihrer Einlage.

Zu den Kapitalgesellschaften gehören die Aktiengesellschaft „AG“ (Sociedad Anónima), die Kommanditgesellschaft auf Aktien (Sociedad Comanditaria por Acciones) und die Gesellschaft mit beschränkter Haftung „GmbH“(Sociedad de ResponsibilidadLimitada). Bei diesen Rechtsformen ist die Haftung der Gesellschafter auf ihre Kapitaleinlage beschränkt.

2.4. Das Finanzsystem

Spanien besitzt ein umfangreiches und modernes Finanzsystem. Das System umfaßt international ausgerichtete Kredit-, Aktien- und Geldmärkte.

Der Geldmarkt wird von der spanischen Zentralbank (,,Banco de España") überwacht und steuert die Geldpolitik und das Bankensystem. Im Zuge der Europäischen Währungsunion wird diese Institution jedoch an Bedeutung verlieren, denn die Europäische Zentralbank in Frankfurt ist zukünftig für die Steuerung der Einheitswährung Euro zuständig.

Die Teilnehmer am spanischen Finanzsystem können wie folgt klassifiziert werden:

1. Zentralbank Spaniens ,,Banco de España"

2. Banken:
- Staatseigene Banken
- Privatbanken (BBVA, BCH, Banco Santander)
- Ausländische Banken (Barcleys, Citibank, Deutsche Bank)
- Sparkassen (La Caixa, CajaMadrid)
- Genossenschaftsbanken (Caja rural)

3. Finanzinstitute:
- Hypothekgesellschaften
- Leasing-, Factoringunternehmen
- Kreditunternehmen

4. Investmentgesellschaften:
- Fondsgesellschaften
- Handel mit Rentenfonds, Risikokapital

5. Makler:
- Börse
- Geldmarkt
- Versicherungen

6. Versicherungsunternehmen

Die wichtigste Börse in Spanien befindet sich in Madrid. Der Index ,,IBEX 35" der 35 wichtigsten Aktiengesellschaften gibt Auskunft über die Entwicklung auf dem Aktienmarkt. Seit der Verabschiedung eines neuen Börsengesetzes 1989 hat die Madrider Börse an Bedeutung gewonnen. Durch die Anpassung an andere europäische Börsen kann mehr ausländisches Kapital nach Spanien fließen. Auch immer mehr spanische Privatanleger investieren Kapital in den Kauf von Aktien.

Über der Finanzpolitik ganz kürz können wir kommentieren dass nach einem Überschuss in den Jahren 1995-1997 weist die spanische Leistungsbilanz seit 1998 ein Defizit auf; die Rekordeinnahmen aus dem Tourismus (2001: 31,7 Mrd. Euro) haben nicht mehr ausgereicht, die Verluste aus der Handelsbilanz zu kompensieren.

[...]


[1] Diese und alle folgenden Zahlenangaben entnommen aus: siehe Literaturverzeichnis

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638198233
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14416
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Schlagworte
International Management Spanien

Autor

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Titel: International Management - Spanien