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Die Stellung der Nachrichtenagenturen im internationalen Informationsfluss

Seminararbeit 2009 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung

2. Nachrichtenagenturen
2.1 Global, international
2.1.1 Globale Agenturen
2.1.2 Internationale Agenturen
2.2 Aufgaben und Funktionen von Nachrichtenagenturen
2.3 Einfluss auf die Berichterstattung der Medien
2.4 Kooperationen
2.5 Wettbewerbsstrategien von Nachrichtenagenturen
2.6 Kriterien der Nachrichtenauswahl
2.7 Sachgebiete der Basisdienste

3. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Sachgebiete und Herkunft in den Basisdiensten

Tab. 2: Herkunft der Meldungen in den Basisdiensten

1. Einleitung

Im Zuge der Globalisierung ist die Welt zusammengerückt. Informationen über Naturkatastrophen in Thailand oder Myanmar, von denen die Menschen in früheren Zeiten nie etwas erfahren hätten, erhalten sie heute live aus den Krisengebieten. Ferne Länder sind für die Menschen erreichbarer geworden. Ermöglicht wird dies durch die verbesserten Kommunikations- und Informationsströme zwischen den Ländern. Diese fortschreitende Entwicklung zeigte den Menschen die vielseitigen internationalen Verflechtungen zwischen den Ländern auf. Diese internationalen Abhängigkeiten, vor allem auf politischer Ebene, machen ein ausgedehntes Kommunikations- und Informationsnetz zur absoluten Notwendigkeit. und sind wesentliche Bestandteile internationaler Beziehungen. Einen großen und wichtigen Beitrag zur internationalen Verständigung zwischen den Völkern und zur Förderung der Beziehungen zwischen den Staaten leisten dabei die Nachrichtenagenturen (vgl. Genscher 1981: 7f.).

1.1 Problemstellung

An der Arbeit der Nachrichtenagenturen wird jedoch häufig Kritik geübt. Es wird bemängelt, dass die weltweit tätigen Agenturen nur aus den großen und wichtigen Ländern und von einigen großen internationalen Organisationen berichten. Entfernte und politisch weniger beachtete Länder bleiben dagegen solange außen vor, bis Ereignisse auftreten, die für die einflussreichen Nationen als Bedrohung wahrgenommen werden könnten. Trotz wissenswerter Informationen, werden die Probleme kleiner, unbedeutender Länder in der Berichterstattung häufig vernachlässigt. Des Weiteren werden Nachrichten aus der Politik ohne wirklichen Grund Nachrichten aus der Wirtschaft oder aus dem sozialen Bereich bevorzugt. Weiter wird die Tatsache bemängelt, dass es häufig an guter Hintergrundberichterstattung fehlt (vgl. Höhne 1984: 137).

1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchun g

Welche Bedeutung haben Nachrichtenagenturen im heutigen Medien- und Informationssystem eigentlich? Welche Aufgaben und Funktionen erfüllen Agenturen überhaupt? Ist eine Nachrichtenberichterstattung ohne die Tätigkeit der Nachrichtenagenturen überhaupt noch denkbar? Am Ende dieser Arbeit soll zu allen oben aufgeführten Kritikpunkten Stellung bezogen werden können.

Dabei wird zunächst die Geschichte und Entwicklung der heute bedeutendsten Nachrichtenagenturen beschrieben. Die Deutsche Presse-Agentur dient hierzu als Vergleichsmaßstab und Bezug zur Berichterstattung in Deutschland. Im weiteren Verlauf wird der Unterschied zwischen globalen und internationalen Agenturen erläutert, die Aufgaben und Funktionen der Agenturen benannt und ihr Einfluss auf die Massenmedien beschrieben. Des Weiteren soll gezeigt werden, welche Möglichkeiten Nachrichtenagenturen haben, um weltweit und flächendeckend an Informationen zu gelangen (Kooperationen) und dem bestehenden Wettbewerb standzuhalten. Nach einem Einblick in die thematischen Sachgebiete der Agenturen, runden abschließend eine Zusammenfassung und ein Ausblick für die Zukunft die Arbeit ab.

2. Nachrichtenagenturen

Der Zeitungswissenschaftler und Publizist Emil Dovifat definiert Nachrichtenagenturen sehr kurz und prägnant als Unternehmen, die mit schnellsten Beförderungsmitteln Nachrichten zentral sammeln, selektieren und an feste Kunden weiterliefern (vgl. Schenk 1985: 9).

Ob es um die Weltwirtschaftskrise, die Vereidigung des neuen amerikanischen Präsidenten oder die Unruhen im Gazastreifen geht, derartige Nachrichten gelangen über Nachrichtenagenturen zu den Zeitungen und Rundfunkanstalten. Presse, Hörfunk und Fernsehen haben zwar häufig eigene Auslandskorrespondenten im Einsatz, das reicht jedoch bei Weitem nicht aus, um die ganze Welt abzudecken. Aus wirtschaftlichen und kostentechnischen Gründen kann sich keine dieser Institutionen flächendeckend Berichterstatter leisten. Dies zeigt, welche Rolle Nachrichtenagenturen für den weltweiten Informationsaustausch einnehmen, und dass sie letztlich als Zulieferbetrieb für Presse und Rundfunk gesehen werden können (vgl. Wilke/Rosenberger 1991: 11f.). Dabei wird zwischen globalen, internationalen und nationalen Nachrichtenagenturen unterschieden.

2.1 Global, international

Nachrichtenagenturen produzieren täglich eine riesige Menge von Nachrichten. Im Mittelpunkt dieser Weltproduktion stehen dabei die Schwergewichte Agence France-Presse (AFP) und Associated Press (AP). Direkt nach Fertigstellung der Nachrichten werden diese Nachrichten sowohl an Medienkunden als auch an Kooperationspartner übermittelt: internationale und nationale Agenturen vervielfältigen das Nachrichtenmaterial, übersetzen es und verbreiten es anschließend abgeändert oder im Original weiter. Die Trennung zwischen globalen und internationalen Agenturen ist nicht ganz einfach. Globale Agenturen sind mit großen Korrespondentennetzen weltweit vertreten und vertreiben ihre Dienste in vielen verschiedenen Sprachen. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) ist zwar auch global aktiv, wegen ihrer geringeren Wahrnehmung in der Welt wird sie jedoch den internationalen Agenturen zugeordnet (vgl. Segbers 2007: 15-17). Daneben gibt es noch nationale Agenturen und Staatsagenturen, auf die im weiteren Verlauf aber nicht eingegangen wird. Im Folgenden werden einige der bedeutendsten Nachrichtenagenturen und deren Historie vorgestellt.

2.1.1 Globale Agenturen

Die AFP ist die älteste Nachrichtenagentur der Welt. Ihr Gründer und damit Begründer der Nachrichtenagenturen war der Kaufmann und Bankier Charles Louis Havas. 1832 gründete er zunächst das Bureau Havas, 1835 dann die Agence Havas. Seine Hauptaufgabe sah Havas darin, aus dem Ausland kommende Informationen für die nationale Presse zu übersetzen. Entscheidend für das heutige Bestehen der AFP war die Befreiung von Paris am 20. August 1944. Frankreich wurde zuvor von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt. An diesem Tag marschierten Journalisten in das Agenturgebäude an der Place de la Bourse und befreiten die Agentur. Damit wurde die AFP zu einer öffentlichen Einrichtung und staatlichen Nachrichtenagentur (vgl. Wilke 1993: 57-62). Interessant ist vor allem die Tatsache, dass im Revolutionsjahr 1848 zwei deutsche Emigranten Arbeit in der Agentur in Paris fanden, nämlich Paul Julius Reuter (späterer Gründer der Agentur Reuters) und Bernhard Wolff (Gründer des „Wolffs Telegraphisches Bureau“). Heute hat die AFP mit 1.200 Festangestellten und mehr als 2.000 freien Mitarbeitern in 165 Ländern das dichteste Korrespondentennetzwerk weltweit. Besonders geschätzt wird deren Berichterstattung aus Krisenregionen. AFP-Journalisten sind stets bemüht die Perspektive betroffener Zivilisten aufzuzeigen. Sie nehmen jede Gefahr auf sich und wurden dafür schon mehrmals ausgezeichnet (vgl. AFP (o.J.)). Das wichtigste Produkt der AFP ist die tägliche Nachrichtenproduktion im Textdienst. Zusätzlich wird ein Bilderdienst mit Bildern aus aller Welt, ein Multimedia Dienst mit Internet News oder Mobile News für Nachrichten per SMS, sowie ein Video Dienst (vgl. AFP (o.J.)) angeboten. Die AFP ist außerdem ein vom französischen Staat abhängiges Unternehmen.

Wie AFP zählt auch AP zu den Weltagenturen. Die Ursprünge der AP gehen bis in das Jahr 1848 zurück. In diesem Jahr taten sich sechs konkurrierende New Yorker Zeitungen zusammen und gründeten die „Harbour News Associated“. Ziel war es Kosten zu sparen und schneller an die neuesten Nachrichten der übrigen Welt zu gelangen. Dafür fuhren Reporter sogar ankommenden Schiffen entgegen. „The Associated Press“ - wie sie heute heisst – besteht seit dem 22. Mai 1900 als gemeinnützige Genossenschaft. Sie ist in Besitz von 1.483 Zeitungen und 5.924 Rundfunkanstalten in den USA. Durch den Status der gemeinnützigen Organisation verpflichtet sich AP dazu alle erwirtschafteten Überschüsse für den Ausbau des personellen und technischen Apparats zu verwenden. Gemessen an der Zahl der Medienbezieher ist AP sogar die weltweit größte Nachrichtenagentur. Finanziert wird die Agentur über Mitgliedsbeiträge und die Bezugsgebühren der Kunden (vgl. Wilke/Rosenberger 1991: 33-37). Der erste in Deutschland tätige Korrespondent für AP war Wolf von Schierbrandt 1898. Sitz der deutschen und mitteleuropäischen AP-Zentrale ist seit 1950 Frankfurt am Main. Heute hat AP allein 15 Büros in Deutschland und sogar 250 Büros weltweit (mit 4.000 Mitarbeitern). Die Nachrichten werden täglich in 5 Sprachen übermittelt. Auf dem deutschen Markt erreicht AP etwa 70 Prozent der gesamten Tageszeitungsauflage (vgl. AP (o.J.)). Damit nimmt AP neben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) den zweitbesten Rang in der Bundesrepublik ein (vgl. Wilke/Rosenberger 1991: 40).

Im ersten Teil wurde nun auf zwei der drei wichtigsten Nachrichtenagenturen eingegangen. Die dritte namhafte Agentur, Reuters, wird im weiteren Verlauf nur zu Vergleichszwecken herangezogen. Reuters wurde 2008 vom kanadischen Medienunternehmen Thomson Corporation übernommen und heißt jetzt Thomson Reuters Corporation (vgl. Thomson Reuters (o.J.)). Die neu gegründete Gesellschaft beschäftigt weltweit etwa 50.000 Mitarbeiter und konkurriert seitdem mit großen Informationsdienstleistern wie Bloomberg (vgl. Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (o.J.)). Somit ist ein Vergleich mit AFP und AP nicht mehr möglich.

2.1.2 Internationale Agenturen

Nachdem nun globale Agenturen benannt wurden, schauen wir auf den deutschen Agenturmarkt. Hier findet sich als wichtigste Agentur die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Nach dem zweiten Weltkrieg errichteten die vier alliierten Besatzungsmächte eigene Agenturen: in der amerikanischen Zone entstand die Deutsche Nachrichtenagentur (DENA); in der britischen Zone entstand der Deutsche Pressedienst (dpd); in der französischen Zone die Südwestdeutsche Nachrichtenagentur (SUEDENA). Nach und nach wurden diese Unternehmen an die ansässige deutsche Presse übergeben. Im August 1949 kam es zu einem Zusammenschluss der DENA und der dpd zur Deutschen Presse-Agentur. Ähnlich der AP ist auch die dpa nach dem genossenschaftlichen Prinzip organisiert, das heißt sie hat keine Gewinnerzielungsabsicht. Sie ist in den Händen von 180 Verlagen bzw. Rundfunk- und Fernsehanstalten. Für die Massenmedien in Deutschland ist die dpa eine Primäragentur und klare Marktführerin (vgl. Wilke/Rosenberger 1991: 43-45).

Heute beschäftigt die dpa 1.200 Mitarbeiter in über 100 Ländern der Welt und berichtet in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch (vgl. dpa (o.J.)).

2.2 Aufgaben und Funktionen von Nachrichtenagenturen

Der Weg einer Nachricht vom Ereignis bis zum Endkunden wird von Beginn an von den Nachrichtenagenturen begleitet. Zuverlässigkeit, Objektivität und die genauen Angaben von Quellen sind nur drei wesentliche Aufgaben von Agenturjournalisten. Agenturen haben die zentrale Funktion der Informationsverarbeitung in der Gesellschaft. Um dieser Funktion nachzukommen, sind drei Hauptaufgaben zu erfüllen: Das Sammeln, Selektieren und Verbreiten von Informationen und Nachrichten.

Journalisten haben in der Regel drei Möglichkeiten Nachrichten zu beschaffen. Sie können ihre Informationen durch Beobachtung beschaffen, beispielsweise auf öffentlichen Veranstaltungen wie Pressekonferenzen oder Kongressen. Sie können mit Hilfe von Interviews an Informationen gelangen. und sich bei der Berichterstattung zum Beispiel auf Augenzeugen beziehen. Oder sie beschaffen sich Informationen durch das Auswerten von Dokumenten wie zum Beispiel aus archivierten Unterlagen.

Nach der Nachrichtenbeschaffung folgt die Auswahl der wichtigsten Informationen. Hierbei müssen Agenturjournalisten ihre Kompetenz unter Beweis stellen und die Relevanz einer Nachricht und damit den Nachrichtenwert beurteilen. Es ist unmöglich alle Ereignisse der Welt zu bearbeiten. Agenturen haben demnach täglich zu entscheiden, welche Informationen zu Nachrichten weiterverarbeitet werden. Aus dem ganzen gesammelten Nachrichtenmaterial wird letztlich nur ein Bruchteil in den Tageszeitungen abgedruckt, woraus die Leser dann wiederum ihre persönliche Auswahl treffen. Vom Ereignis bis zum Leser findet also ein mehrstufiger Selektionsprozess statt, bei dem Nachrichtenagenturen die Rolle von so genannten „Gatekeepern“ übernehmen. Die Agenturen bzw. Agenturjournalisten entscheiden, welche Informationen zu Nachrichten produziert werden und schlüpfen somit in die Rolle eines Torhüters.

Nachrichtenagenturen sammeln, selektieren und sie verbreiten Nachrichten. Hinter dieser Verbreitung steckt jedoch sehr viel mehr als man vermutet. Nachrichtenagenturen haben die Möglichkeit die Redaktionen in Presse, Funk und Fernsehen zu beeinflussen und sogar Themen vorzugeben. Man spricht hier auch vom „Agenda-Setting“. Der Agenda-Setting Theorie zur Folge nehmen Rezipienten die von den Medien konstruierte Medien-Agenda als soziale Wirklichkeit wahr. Themen, über die viel berichtet wird, werden von den Rezipienten als besonders wichtige Themen wahrgenommen. Nachrichtenagenturen verbreiten somit nicht nur Nachrichten, sondern nehmen auch eine Thematisierungsfunktion ein (vgl. Schuller 2003: 83-90).

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Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640534425
ISBN (Buch)
9783640534203
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144208
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
globale Nachrichtenagenturen; internationale Nachrichtenagenturen; Wettbewerbsstrategien; Nachrichtenauswahl; Basisdienste; Medienberichterstattung

Autor

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Titel: Die Stellung der Nachrichtenagenturen im internationalen Informationsfluss