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Das Ritterbild in den Schriften Bernhards von Clairvaux

Wie versucht Bernhard von Clairvaux die milites Christi zu legimitieren?

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bernhard von Clairvaux

3. Der Templerorden
3.1. Gründung des Templerorden
3.2. Probleme des Templerorden

4. Analyse des Liber ad milites Templi - De laude novae militae
4.1. Datierung
4.2. Gliederung und Inhalt
4.3. Argumentative Analyse
4.4. Sprachliche Analyse

5. Zusammenfassung

1. Einleitung

Obwohl Bernhard von Clairvaux bereits vor mehr als 850 Jahren gestorben ist, ist er in der heutigen Zeit noch außergewöhnlich gut bekannt. Bernhard hat sich durch seine „Wirksamkeit in Kirche und Gesellschaft“1 einen derartigen Namen gemacht, dass man noch heute vom „Bernhardinischen Zeitalter“2 spricht.

Aus seiner Vielzahl an Werken und Schriften soll in dieser Arbeit das Liber ad milites Templi - De laude novae militae im Mittelpunkt stehen, in dem Bern- hard versucht, die Existenz und Berechtigung der Tempelritter zu legitimieren. Dabei soll sowohl die argumentative als auch die sprachliche Art und Weise untersucht werden, mit der Bernhard von Clairvaux diesen Legitimationsver- such unternimmt. Zum besseren Verständnis der Analyse wird der Arbeit ein kurzer Abriss des Lebens von Bernhard von Clairvaux vorangestellt, in dem bewusst auf eine vollständige Biographie verzichtet worden ist und lediglich ein Schwerpunkt auf den für diese Fragestellung relevanten Aspekten liegt. Im Anschluss daran soll die Notwendigkeit seiner Schrift dargestellt werden, in- dem kurz auf die Vorgeschichte der Tempelritter und auf ihre Anfangsproble- me eingegangen wird. Den Hauptumfang der Arbeit wird dann die anschlie- ßende Analyse umfassen. In einer abschließenden Zusammenfassung soll die vorangestellte Fragestellung dann noch einmal knapp und konkret beantwortet werden.

Als Quelle liegt die kritische Edition von Gerhard B. Winkler vor, der eine vollständige Quelleneditierung aller Werke Bernhards von Clairvaux vorgenommen hat. Die Schrift Liber ad milites Templi liegt bis heute in über 120 Kopien vor, so dass die Originalquelle sehr gut rekonstruiert werden konnte. Wichtige Historiker, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, sind Jean Leclercq, Gert Wendelborn, Peter Dinzelbacher und Josef Fleckenstein, auf die in dieser Arbeit auch häufig verwiesen wird.

2. Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux wurde 1090 auf der Burg Fontaines bei Dijon geboren. Er war der dritte Sohn des Ritters Tecelin le Saur, Vasall der Herzogs von Burgund, und seiner Mutter Aleth de Montbard. Demnach war er mit dem französischen und burgundischen Hochadel verwandt und gehörte der gesellschaftlichen Schicht des Militäradels an.3 In seiner Kindheit wurde er von den Regularkanonikern von St. Vorles in Châtillon unterrichtet und erhielt dort „eine beachtliche wissenschaftliche Bildung“4.

Im Jahr 1112 ging er zusammen mit 30 Verwandten und Freunden in das strenge Reformkloster der Zisterzienser Cîteaux bei Dijon. Dort vertiefte er seine Bibelkenntnisse und studierte zusätzlich die Schriften der Kirchenväter. „Bibel und Väter blieben stets die Grundpfeiler seiner Lehr- und Predigttätig- keit.“5

1115 wurde er von Abt Stephan mit zwölf Mönchen in die Champagne geschickt, um dort das Zisterzienserkloster Clairvaux zu gründen. Friedrich Wilhelm Bautz schrieb dazu: „Bernhard brachte den Zisterzienserorden mit seiner rücksichtslosen Askese und Armut rasch zu höchster Blüte und vollzog von Clairvaux aus, das bald den Glanz von Cluny überstrahlte, 68 Neugründungen.“6 Im gleichen Jahr noch wurde er von Bischof Wilhelm von Champeaux in Châlons-sur-Marne zum Priester geweiht.

Er sei schon damals für sein diplomatisches Geschick, seine schriftstellerische Gewandtheit und seine glänzende Rednergabe berühmt gewesen und habe da- her als Ratgeber für Bischöfe, Fürsten und Päpste fungiert.7 Besonders von 1130 bis 1145 war er kirchenpolitisch tätig, indem er sich z. B. beim Papst- schisma von 1130 zugunsten Innozenz II. erfolgreich engagierte. Des Weiteren arbeitete er beim Zustandekommen des zweiten Kreuzzugs (1147-49) als Kreuzzugsprediger mit, nachdem er dazu von Papst Eugen III. aufgefordert worden war. Der Kreuzzug jedoch scheiterte, und bis zu seinem Tode 1153 in Clairvaux suchte er die Schuld dafür nicht bei sich, sondern bei der gesamten Christenheit. Jean Leclercq beurteilt dies jedoch anders: „Die Rolle, die Bernhard in diesem zweiten Kreuzzug gespielt hat, zeigt klar die Grenzen eines Mannes des Geistes auf, wenn er Politik treibt.“8

Das nach dieser Darstellung vielleicht etwas zu militärisch entstandene Bild Bernhards soll aber noch durch einen wichtigen Grundsatz entschärft werden: Bernhard gelte als der bedeutendste Begründer der mittelalterlichen Christusmystik, der so genannten Christusdevotion.9 Das bedeutet, dass Christus, der Gekreuzigte, immer den Mittelpunkt seines Denkens bildet, so dass man z. B. seine Unterstützung des Kreuzzuges nur dann richtig verstehen kann, wenn man berücksichtigt, dass er es nur auf den Befehl des Papstes tat und somit, nach seinem Verständnis, auf direkten Befehl Christi.

Er wurde 1174 von Alexander III. heilig gesprochen, und Pius VIII. verlieh ihm 1830 den offiziellen Titel doctor ecclesiae und ernannte ihn so zum Kirchenvater.

3. Der Templerorden

3.1 Gründung des Templerordnen

Im Zeitraum zwischen 1118 und 1120 gründete der französische Ritter Hugo von Payns (manchmal auch Payens oder Paganis) den ersten Ritterorden der damaligen Zeit, den Orden der Tempelritter. Benannt ist er nach der Unterkunft des Ordens innerhalb des Palastes von König Balduin II. von Jerusalem auf dem Gelände des einstigen Tempels und er bestand zunächst nur aus einer kleinen Zahl Adliger, die sich das Ziel gesetzt hatten, den Pilgern freien Zu- gang zu den Stätten der Christen innerhalb und um Jerusalem herum zu gewäh- ren und sie vor Raubüberfällen mit militärischen Mitteln zu schützen. Sie bil- deten eine Art Bruderschaft und verbunden mit ihren Verteidigungsaufgaben schnell auch religiöse Lebensformen. Leclercq sieht dies in der Nachbarschaft zu den Regularkanonikern begründet, die im Tempel Salomons den Altardienst verrichteten.10 Mit der Zeit wuchs die Bedeutung des klösterlichen Lebens für die Tempelritter. Sie legten die drei Gelübde der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams ab und fügten „das feierliche Versprechen hinzu, gegen die Feinde Gottes zu kämpfen“11. Doch damit wuchsen auch die Probleme der Templerrit- ter.

3.2 Probleme des Templerorden

1957 veröffentlichte Jean Leclercq ein bis dahin unbekanntes Dokument, näm- lich den Brief eines Hugo peccator12. In dieser Quelle werden die damaligen Probleme der Tempelritter besonders deutlich. Die Templer wurden von außen kritisiert, weil sie die klösterliche und die ritterliche Lebensweise kombinierten - zur damaligen Zeit etwas völlig Neues und somit Ungehöriges. Bedingt durch das strikte Drei-Stände-System und die laudatio temporis acti hatten die Tempelritter deswegen für ihre Lebensweise keine Legitimation. Zeitgenossen sagten, die Templer seien vel inlicita sit vel pernitiosa13, also ein Instrument nicht des Heils, sondern des Verderbnis. So müsse es 1127/28 zu einer ernst- haften Krise des neuen Ordens gekommen sein, in der die Berufung des Ordens auf Gott sowohl von außen als auch durch die Templerritter selbst in Frage gestellt worden sei.14 Leclercq schrieb dazu: „Sie bedauerten, daß ihre militäri- schen Aufgaben ihnen nicht genug Zeit ließen, sich dem Gebet zu widmen.“15

[...]


1 WINKLER, G. B.: Bernhard von Clairvaux: Sämtliche Werke, Band 1, Innsbruck 1990, S. 15.

2 WOLTER, H., Art.: Bernhardinisches Zeitalter, in: KASPER, W. u. a.: Lexikon für Theologie und Kirche, Band 2, 3. völlig neu bearbeitete Auflage, Freiburg u. a. 1994, Spalten 280-282.

3 WINKLER, G. B.: Bernhard von Clairvaux, S. 30 f.

4 GRÉGOIRE, R., Art.: Bernhard von Clairvaux, in: Lexikon des Mittelalters, Band 1, München 1980, Spalten 1992-1994.

5 GRÉGOIRE, R., ebd.

6 BAUTZ, F. W., Art.: Bernhard von Clairvaux, in: BAUTZ, F. W.: Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon, Band 1, Nordhausen 1990, Spalten 530-532.

7 BAUTZ, F. W., Art.: ebd.

8 LECLERCQ, J.: Bernhard von Clairvaux: Ein Mann prägt seine Zeit, München 1990, (= Große Gestalten der Christenheit), S. 102.

9 BAUTZ, F. W., Art.: Bernhard von Clairvaux

10 LECLERCQ, J.: Bernhard von Clairvaux, S. 58.

11 LECLERCQ, J.: ebd.

12 Die Frage, ob es sich bei dem Autor um Hugo von Payns oder um Hugo von Saint-Victor handelt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Leclercq ist der Ansicht, es handle sich um Erste- ren, weil der Brief zusammen mit einer der vielen Überlieferungen von Bernhards Schrift De laude novae militae gefunden worden ist und in einem inhaltlichen Zusammenhang mit dieser Quelle steht. Sclafert dagegen ist Vertreter der Gegenthese und begründet dies mit der Über- schrift der in Nîmes gefundenen Handschrift Incipit prologus magistri Hugonis de Sancto Victore. Allerdings ist diese Überschrift selbst nur eine Interpretation des damaligen Kopisten. Eine Zusammenfassung dieser Forschungskontroverse findet sich in FLECKENSTEIN, J.: Die geistlichen Ritterorden Europas, S. 9ff.

13 LECLERCQ, J.: Un document sur les débuts des Templiers, in: Revue d'Histoire ecclésiastique 52, Zürich 1957, Seite 81-91.

14 WENDELBORN, G.: Bernhard von Clairvaux: Ein großer Zisterzienser in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 1993, S. 61f.

15 LECLERCQ, J.: ebd.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640539024
ISBN (Buch)
9783640538508
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144339
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Bernhard von Clairvaux Ritterbild Liber ad milites Templi De laude novae militae

Autor

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