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Deutsch als Zweitsprache

Bereichert DaZ-Unterricht in einer Klasse die gesamte Klasse oder lediglich die Schüler/innen mit Migrationshintergrund?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. DaZ in der Schule
2.1 Interkulturelles Lernen
2.2 Deutsch als Zweitsprache: Ausgangsbedingungen
2.3 Rahmenplan und Verwaltungsvorschrift in der rheinland-pfälzischen Grundschule
2.4 Deutsch als Zweitsprache (intern)
2.4.1. Das Konzept des Miteinander-und-Voneinander-lernens
2.4.2. Die Bedeutung der Muttersprache
2.4.3. Aufbau des DaZ-Unterricht
2.4.4. Lernszenarien
2.5 Deutsch als Zweitsprache (extern)

Fazit und Hypothese

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Erwerb der deutschen Sprache gilt als Voraussetzung für die Integration, den Schulerfolg und die gesellschaftliche Partizipation. Kinder mit Migrationshintergrund sprechen innerhalb ihres familiären Umfeldes meist ihre Herkunftssprache und so übernehmen Kita und Schule sowie außerschulische Kontakte die Aufgabe, diesen Kindern die deutsche Sprache näher zu bringen und somit einen erfolgreichen Schulabschluss zu ermöglichen. Aber auch für Kinder ohne Migrationshintergrund kann die Erfahrung Mitschüler mit Migrationshintergrund zu haben eine große Rolle spielen. Vor allem in der Kindheit werden die Grundsteine für die Werteerziehung und das spätere Wertverständnis als Erwachsener gelegt, u.a. für den Wert Toleranz. Somit ist das interkulturelle Lernen von besonders großer Bedeutung und aus dem heutigen Unterricht mit dem Anspruch auch emotionaler und nicht lediglich interkultureller Erziehung nicht mehr weg zu denken.

Ohne Kenntnisse der Landessprache ist eine gelungene Integration nicht möglich. Für Kinder mit Migrationshintergrund und unzureichenden Sprachkenntnissen gibt es deshalb den Deutsch- als- Zweitsprache(L2)- Unterricht. Dieser lässt sich in den Regelunterricht integrieren oder auch außerhalb der Klasse in kleinen Übungsgruppen durchführen. DaZ-Schüler sind „nur diejenigen Schüler nichtdeutscher Erstsprache, die keine oder unzureichende Deutschkenntnisse für den schulischen Unterricht haben“[1]. Als Grundlage dient der Rahmenplan Deutsch als Zweitsprache, welcher seit Februar 2006 bewilligt ist. Die Verwaltungsvorschrift für den „Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund“[2] trat im November 2006 in Kraft. Von Deutsch als Zweitsprache (DaZ) spricht man, „wenn der Erwerb innerhalb der Zielkultur stattfindet“[3] und eine wichtige Rolle im Leben des Lernenden spielt. Von Deutsch als Fremdsprache hingegen spricht man, „wenn der Erwerb im Kontext der Ausgangskultur geschieht“[4].

2. DaZ in der Schule

2.1 Interkulturelles Lernen

„Kulturelle und sprachliche Vielfalt wird weltweit zum gesellschaftlichen Normalfall.“[5] Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Kultur werden selbstverständlich. „Der nahe Fremde ist nicht mehr außergewöhnliche, sondern alltägliche Erscheinung. Interkulturelles Lernen ist deshalb keine beliebige, sondern eine selbstverständliche und notwendige Reaktion auf diese tiefgreifenden Realitätsveränderungen.“[6]

Die Sprachenvielfalt ist heutzutage vor allem in städtischen Schulen groß. Klassenkameraden sprechen nicht nur eine andere Sprache, sie haben zum Teil auch andere Bräuche, Sitten und Rituale, die Begegnung damit gehört zur Alltagserfahrung von Kindern. Die Lebenswelt der Lerner wird in das schulische Lernen miteinbezogen.

Das interkulturelle Lernen hat das Ziel, dass alle Kinder, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, interkulturelle Kompetenz und ein Verständnis für Fremdheit erwerben. Im Vordergrund steht hier vor allem die Akzeptanz und Toleranz gegenüber fremden Kulturen. Der Abbau von Vorurteilen als erster Schritt soll bis hin zur Entwicklung von Verhaltensweisen, um gegen Diskriminierung und Rassismus einzuschreiten, fortgeführt werden. Unterschiede sollen als Bereicherung erfahren und Widersprüche ausgehalten werden. Interkulturelle Kompetenz bedeutet auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Menschen anderer Kulturen.

Der Umgang mit fremden Kulturen im Unterricht wird immer wichtiger. Themen mit interkulturellem Schwerpunkt gibt es viele. Das gemeinsame Erkunden der Bekleidungsgewohnheiten, die Essgewohnheiten und landestypischen Gerichte kennen lernen, die Sprachen der Nachbarländer erkunden, Geburtstage oder landestypische Feste feiern sind nur einige Möglichkeiten. Achtgeben muss man hier jedoch darauf, dass eine Kultur nicht vereinfacht dargestellt wird, so dass es zum Schubladendenken und dann ganz leicht auch schon zum Kulturalismus kommen kann. Anregung und Orientierung bietet der Teilrahmenplan Deutsch als Zweitsprache.

Eine ganzheitliche Behandlung ebendieser Themen im Unterricht kann eine Integration „auf einer höheren Ebene“[7] ermöglichen. „Für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler ist es wichtig, dass sie ihre Herkunftskultur nicht aufgeben müssen, um integriert zu werden.“[8] So lernen und gewinnen alle Schüler in gleichem Maße dazu. Beide Gruppen (DaZ-Lerner und D-Muttersprachler) gewinnen an Erfahrung mit fremden Kulturen und lernen diese zu schätzen, durch „Mehr-Wissen“[9], die „Kenntnis von Unterschiedlichkeiten, auch von Trennendem“[10]. Allerdings kann und darf die interkulturelle Erziehung nicht nur ein „Harmonisierungs-Konzept“[11] sein. Sie muss auch Probleme ansprechen, wie die Angst vor dem Fremden, und sie muss auf die ebenfalls oft problematische Situation der Gesellschaft reagieren. Nicht nur die Schüler mit Migrationshintergrund haben Aufgaben, sei es die Notwendigkeit, die neue Sprache zu lernen oder in einer fremden Kultur zu leben, dies gilt für alle Schüler. Denn die interkulturelle Erziehung „geht davon aus, dass unterschiedliche Menschen und Kulturen in gleichberechtigter Weise existieren, und dass man voneinander lernen kann und sich gegenseitig bereichert.“[12]

In der Schule kann das Ziel der interkulturellen Kompetenz am besten durch Projekte erreicht bzw. angestrebt werden. Schüler lernen handelnd und entdecken die eigenen Fertigkeiten, aber auch ihr Interesse für die fremde Kultur und den Willen diese zu erforschen. Der „Ausgangspunkt für ein Projekt sollte immer […] die Lebenswirklichkeit sein.“[13] Petra Hölscher, Mitautorin des Rahmenplans DaZ Rh-Pf. und eine der derzeit beachtetsten ForscherInnen im Bereich DaZ, schlägt in ihrem Buch „Interkulturelles Lernen“ verschiedene Projektmöglichkeiten mit dem Inhalt der interkulturellen Erziehung vor. So zum Beispiel einen „Minisprachkurs- Reinschnuppern in andere Sprachen“[14], Memory oder Bingo. Die Schüler sollen einige Redemittel kennen lernen, um so mit ihren Mitschülern mit Migrationshintergrund, deren Zweitsprache Deutsch ist, kommunizieren zu können. Um Einblicke in deren Kultur zu erhalten werden Diaserien, Powerpointvorträge, gemeinsame Feste, Textsammlungen mit Fotos, Rollenspiele oder Lese-Bild-Parcours über die Sitten und Gebräuche ihrer Heimat oder sogar ein Schüleraustausch für die Sekundarstufe I und in abgewandelter Form auch für die Grundschule vorgeschlagen. So werden das sprachliche Lernen und das Interkulturelle Lernen für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund miteinander verknüpft.

Aufgabe des Unterrichts ist es also, das Interesse an anderen Kulturen und Sprachen zu wecken, vor allem situationsorientiert, die der Mitschüler. Sozioökonomische und geschlechtsspezifische Unterschiede müssen und sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Das Land Rheinland-Pfalz hat eine Sammlung der Reihe Interkulturelles Lernen für die Grundschule und die Orientierungsstufe herausgebracht. Hier lassen sich Spiele für nichtdeutschsprachige Kinder als Anreiz für den Erwerb der deutschen Sprache, aber auch Spiele aus aller Welt finden.

Auch außerhalb der Schule nehmen Angebote zur kulturellen Bildung immer mehr zu.

Beispiel: Die Bundesakademie für kulturelle Bildung veranstaltet an verschiedenen Wochenenden 2008 ein Theaterprogramm, welches auch interkulturelle Themen umfasst: „Spielend sprechen und interkulturell kommunizieren“[15]. Kinder, deren Erstsprache nicht deutsch ist, haben oft Probleme, sich ohne Hemmungen vor der Klasse zu äußern. „Theaterpädagogische Methoden verhelfen zur Überwindung von Sprachhemmungen und werden zur Vermittlung von Grammatik- und Wortschatzarbeit genutzt.“[16] Das Interesse an Theaterpädagogik nimmt von Jahr zu Jahr zu und macht es dem Lehrer möglich, dem Lernenden einen Raum zu bieten, in welchem er sich angstfrei mit der neuen Sprache auseinander setzen kann. Gleichzeitig ist es möglich, interkulturelle (Miss)Verständnisse zu äußern und vor allem zu klären, was für den Lernenden als besonders wichtig erscheint, da er in einem wertfreien Raum lernt, Unterschiede zu verstehen und gegebenenfalls sogar zu akzeptiere. „Der Werkstatt-Kurs wendet sich an SprachlehrerInnen, die Theaterpädagogik als mögliche methodische Erweiterung erfahren. […] Ausgehend von deren unterschiedlichen Erfahrungen wird die sinnvolle Einbettung theaterpädagogischer Vorgehensweisen in den Sprachunterricht vorgestellt und praktisch erprobt. Der Kurs funktioniert dabei in der Balance zwischen theoretischen und praktischen Elementen wie Labor und Selbstversuch.“[17]

[...]


[1] Rösch, Heidi(Hg.): Deutsch als Zweitsprache. Grundlagen, Übungsideen, Kopiervorlagen zur Sprachförderung. Braunschweig 2003. Seite 7

[2] Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend. 1.2.2007

[3] Kniffka, Gabriele/ Siebert-Ott, Gesa: Deutsch als Zweitsprache. Lehren und lernen. Paderborn 2007. Seite 15

[4] Ebd. Seite 15

[5] Lehrplan Deutsch als Zweitsprache. Thüringen 2003

[6] Ebd.

[7] Hölscher Petra: Interkulturelles Lernen. Projekte und Materialien für die Sekundarstufe 1. Frankfurt am Main 1994. Seite 9

[8] Ebd. Seite 9

[9] Ebd. Seite 10

[10] Ebd. Seite 10

[11] Ebd. Seite10

[12] Ebd. Seite 10

[13] Ebd. Seite 11

[14] Ebd. Seite 15

[15] http://www.bundesakademie.de/th.htm

[16] http://www.bundesakademie.de/th.htm

[17] http://www.bundesakademie.de/th.htm

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640553914
ISBN (Buch)
9783640553518
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144406
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Fachdidaktik
Note
2,3
Schlagworte
Deutsch Zweitsprache Bereichert DaZ-Unterricht Klasse Schüler/innen Migrationshintergrund

Autor

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