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Intuition - Über Bedeutung und Nutzen unserer inneren Stimme

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Intuition?
2.1 Begriffsklärung
2.2 Formen der Intuition

3. Bedeutung, Nutzen, Grenzen
3.1 Neurologische Erkenntnisse
3.2 Wie funktioniert Intuition?
3.3 Grenzen der Intuition

4. Intuition im Beruf
4.1 Akzeptanz von Intuition im Beruf
4.2 Was leistet Intuition im Unternehmen?
4.3 Intuition im Beratungsgespräch

5. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Neffe von Benjamin Franklin (ich nenne ihn John) stand zwischen zwei Frauen. Er liebte beide, konnte sich aber nicht entscheiden. Hilfesuchend wandte er sich an seinen Onkel. Dieser gab ihm folgenden Rat: „Wenn du zweifelst, notiere alle Gründe, pro und contra, in zwei nebeneinanderliegenden Spalten auf einem Blatt Papier, und nachdem du sie zwei oder drei Tage bedacht hast, führe eine Operation aus, die manchen algebraischen Aufgaben ähnelt; prüfe welche Gründe oder Motive in der einen Spalte denen in der anderen an Wichtigkeit entsprechen […] und wenn du alle Gleichwertigkeiten auf beiden Seiten gestrichen hast, kannst du sehen, wo noch ein Rest bleibt.“ (Gigerenzer 2007, S. 13). Gesagt, getan. John war froh einen logischen Lösungsweg für sein Problem erhalten zu haben. Er nahm sich also etwas Zeit, schrieb alle Gründe auf, die für und gegen jede der beiden Frauen sprachen, gewichtete sie und begann zu streichen. Er war zu einem Ergebnis gekommen. Es stand schwarz auf weiß vor ihm, aber eine innere Stimme sagte ihm, dass es nicht stimmte. John erkannte, dass sich sein Herz bereits entschieden hatte – „gegen die Kalkulation und zugunsten des anderen Mädchens.“ (Gigerenzer 2007, S. 13). Durch diese Berechnung wurde ihm eine unbewusste Entscheidung bewusst. Die Gründe dafür kannte John nicht. Wie war es möglich, unbewusst eine Entscheidung zu treffen, die seinem bewussten Denken widersprach? - Diese kleine Anekdote reizte mich schon beim Lesen, mehr über das Thema Intuition zu erfahren. Besonders bei komplexen Konflikten treffen wir Entscheidungen aus dem Bauch heraus, also intuitiv, und können die Gründe, warum wir uns gerade so und nicht anders entschieden haben, nicht genau benennen. Intuition spielt sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich eine, im wahrsten Sinne des Wortes, entscheidende Rolle. In meiner Arbeit werde ich das noch genauer beleuchten. Doch zunächst werde ich versuchen eine Definition zu finden, um in das Thema einsteigen zu können.

2. Was ist Intuition?

2.1 Begriffsklärung

Der Begriff Intuition stammt ab von dem lateinischen Verb intuieri und bedeutet so viel wie genau hineinsehen (vgl. Hänsel 2002, S. 7). Laut Definition ist Intuition „die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne Schlussfolgerungen, zu erlangen.“ (Wikipedia, 10.03.09). Eine recht nüchterne und rationale Erklärung, die mir das „was genau“ und „wie genau“ noch nicht näher bringen konnte. In der Literatur wird der Begriff Intuition oft gleich gesetzt mit Eingebung oder Einsicht oder dem sogenannten sechsten Sinn (vgl. Berne 1999, S. 36). Darüber hinaus ist es auch als implizites Wissen, Erfahrungswissen und tacit knowledge ein Begriff (vgl. Zeuch 2008, S. 6). Bedeutende Philosophen, wie z.B. Kant oder Descartes, hingegen bezeichnen Intuition sogar „als einen der Bausteine ihrer großartigen Gedankengebäude.“ (Berne 1999, S. 36). Für Berne wiederum ist Intuition Wissen, „das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit dem Wahrgenommenen erworben wird, ohne daß der intuitiv Wahrnehmende sich oder anderen genau erklären kann, wie er zu der Schlußfolgerung gekommen ist.“ (Berne 1999, S. 36). Das bedeutet also, dass wir etwas wissen, ohne zu wissen, wie wir es wissen. Darüber hinaus kann es sogar sein, dass wir nicht einmal wissen, was wir wissen, jedoch handeln wir so, als ob unser Verhalten auf etwas beruht, das wir wissen (vgl. Berne 1999, S. 37).

Schmid, Hipp und Caspari machen deutlich, das Intuition weder positiv, noch negativ zu bewerten sei. Wenn man sich mit Intuition befasse, dürfe man das Urteilsvermögen, welches sich in der Intuition zeigt, nicht außer Acht lassen. „Intuitives Urteilen kann falsch oder richtig, qualifiziert oder unqualifiziert, befangen oder unbefangen, konventionell oder kreativ, borniert oder weitsichtig, versponnen oder weltzugewandt, liebevoll oder gnadenlos sein […] und ist wie jedes Urteilsvermögen im Zusammenhang mit der persönlichen Entwicklung von Menschen und der Kultur zu sehen, in der sie sich bewegen.“ (Schmid; Hipp; Caspari 1999, S. 3). Es kommt daher auch darauf an, ob ich meiner Intuition offen gegenüber stehe, welche Erfahrungen ich bereits mit meiner Intuition gesammelt habe und inwieweit meine Umgebung Intuition ermöglicht bzw. zulässt. Bezüglich des letzten Punktes muss vor allem im beruflichen Umfeld noch viel getan werden. An anderer Stelle werde ich darauf noch näher eingehen.

2.2 Formen der Intuition

Hänsel und Zeuch (2003a, S. 30f) beschreiben Intuition „als Bündel meist unbewusster Kompetenzen und Wissensbestände“, die wir in drei unterschiedlichen Formen erleben: Intuition als Handlungswissen, als Geistesblitz und als intelligentes Körpersignal. Bezüglich letzterem reagieren wir in bestimmten Situationen mit körperlichen Signalen. Entweder spürt man etwas positives (z.B. ein Kribbeln im Bauch) und merkt, dass es passt oder man verspürt negatives (z.B. Unbehagen, Kloß im Hals) und merkt, dass irgendwas nicht stimmt. Solche und ähnliche Empfindungen sind Ausdruck der Intuition, äußern sich aber bei jedem Menschen individuell. Diese somatischen Marker, wie sie der amerikanische Neurophysiologe Antonio Damasio bezeichnet, entstehen im Zusammenspiel mit dem Erfahrungsgedächtnis. „Dieses Gedächtnis verarbeitet eine äußere Begebenheit vor dem Hintergrund bewusster wie unbewusster Erfahrungen und drückt dann über das Körpersignal aus, wie es vor diesem Hintergrund die gegenwärtige äußere Begebenheit bewertet.“ (ebd., S. 31). Wir nehmen tagtäglich in vielen noch so kleinen Begebenheiten Informationen auf, ohne dass sie uns bewusst sind. Unser Unterbewusstsein verdichtet diese Informationsflut dann zu einem Eindruck, der wiederum in der jeweiligen Situation verfügbar ist und sich entweder in einem guten oder schlechten Gefühl äußert. Rational können wir uns in diesem Moment jedoch nicht erklären, warum wir uns so fühlen. Das Erfahrungsgedächtnis arbeitet eben schneller als der Verstand (vgl. ebd., S. 32).

Eine weitere Form von Intuition ist der Geistesblitz. Wir alle kennen diese Probleme, an denen man sich festbeißt und krampfhaft nach einer Lösung sucht und man trotzdem nicht weiterkommt. Wenn man nun für einen Moment loslässt, verträumt aus dem Fenster schaut oder erstmal den Schreibtisch aufräumt, sich also mit etwas ganz anderem beschäftigt, kommt meist in diesen abwesenden Momenten ein Geistesblitz, der uns auf dem Lösungsweg den entscheidenden Schritt voranbringt. „In der Kreativitätsforschung wird dieses mit einem Problem schwanger gehen Inkubation genannt und wird als wesentlicher Teil jedes schöpferischen Prozesses angesehen.“ (Hänsel; Zeuch; Schweitzer 2002, S. 43).

Die dritte Form der Intuition ist das Handlungswissen. Intuition kann als unbewusst angewandtes Erfahrungswissen, also Handlungswissen, erlebt werden. Bestimmte Aktionen führen wir fast automatisch aus, so als würden wir von einem inneren Autopiloten gesteuert werden. Typische Beispiele hierfür sind das Autofahren, Schwimmen oder Radfahren, um nur einige zu nennen. Einmal erlernt, vergessen wir meist das ganze Leben nicht wie es funktioniert. Diese Form der Intuition ist in der Psychologie als implizites Wissen bekannt (vgl. ebd.).

3. Bedeutung, Nutzen, Grenzen

3.1 Neurologische Erkenntnisse

Neurologische Studien der letzten Jahre belegen, wie wichtig menschliche Emotionen „für ein gesundes und effektives Denken“ (Hänsel; Zeuch 2001, S. 3) sind. Dank des amerikanischen Neurologen Antonio Damasio wissen wir heute, „dass es Zusammenhänge zwischen Emotionalität/Intuition und Denken im menschlichen Gehirn gibt, die eine Grundlage unserer Denkprozesse sind.“ (ebd.). Es wurden PatientInnen untersucht, die im Bereich des Stirnlappens Schädigungen aufgrund von Tumoren und den damit verbundenen Operationen erleiden mussten. So muss aus medizinischen Gründen oft nicht nur der Tumor, sondern auch umliegendes Gewebe der Stirnlappen entfernt werden, was fatale Folgen für das Denkvermögen haben kann. So war es auch im Fall „Steve“. „Steve“ war vor diesem Schicksalsschlag ein junger erfolgreicher Mann – beruflich wie privat. Doch nach dem Eingriff veränderte sich seine Persönlichkeit so stark, sodass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte und sich auch seine Familie immer mehr von ihm entfernte, bis es letztendlich zur Scheidung kam. Seine Intelligenz hatte nicht gelitten, was verschiedene Tests bewiesen, allerdings konnte er sich weder an Zeitpläne halten, noch Zusammenhänge erkennen oder Prioritäten setzen. Dieser Fall zeigt den engen Zusammenhang zwischen emotionalen und rationalen Vorgängen im Gehirn. „Im Bereich der geschädigten Stirnlappen vollzieht sich unter anderem die bewusste Verarbeitung emotionaler Prozesse, die in einem engen neurologischen Wechselspiel mit Denk-, Plan- und Entscheidungsprozessen steht.“ (ebd.).

Auch der Berner Psychiater Luc Ciompi ist der Ansicht, dass Emotion und Kognition in jeder psychischen Leistung miteinander verbunden sind und konstruktiv zusammenarbeiten (vgl. ebd.).

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Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640555765
ISBN (Buch)
9783640556427
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144576
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena – Fachbereich Sozialwesen
Note
1,7
Schlagworte
Intuition Bedeutung Nutzen Stimme

Autor

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