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Fertigkeit Lesen - Aufgabenkonzept zum Text "Rauchen - Griff nach dem Risiko"

Seminararbeit 2009 18 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Anforderungen an die Fertigkeit

3 Lehr- und Lernziele zur Entwicklung sprach- kommunikativer Fertigkeiten/Fähigkeiten

4 Didaktisch-methodische Modelle

5 Aufgaben-/Übungseinheit zur Weiterentwicklung der Fertigkeit Lesen
5.1 Bedingungen, Anforderungen und Ziele
5.2 Ausgangstext
5.3 Aufgaben/ Übungen zur Zielfertigkeit und erwarteter Zieltext

6 Didaktische Reflexion

7 Quellen

1. Einleitung

Sprache verbindet uns mit den anderen Menschen. Drücken wir beim Sprechen und Schreiben aus, was wir denken und fühlen, so fassen wir die Gedanken der Mitmenschen durch das Hören und Lesen auf. Lesen dient der Verständigung; wie jedes sprachliche Mittel, schlägt es eine Brücke zum Partner. „Ein Mensch, der liest, dringt damit in die Welt ein, lernt Menschen kennen, gewinnt Wertmaßstäbe des Handelns, wird vertraut mit dem Wort des Dichters. Lesen bildet wie kaum ein anderes Mittel. Es hilft dem Menschen, sich ein Weltbild aufzubauen und seine Persönlichkeit zu entfalten.“1 Somit ist das Lesen folglich unverbrüchlich mit dem Denken verbunden. Gut lesen heißt: denkend in eine neue Sache einzudringen, die Aussage des Schriftstellers mit den eigenen Gedanken zu verschmelzen. Die Güte unserer gedanklichen Arbeit wird dabei entscheidend von der Lesefähigkeit geprägt, denn sie bestimmt, in welchem Maße wir am geistigen Leben teilnehmen können, weil wir den größten Teil unseres Wissens durch Lesen erwerben.

Die Lesefertigkeit ist demzufolge die „Fähigkeit der Lernenden, ihre Bedürfnisse nach Informationen, die in einem fremdsprachlichen Text enthalten sind, selbstständig zu befriedigen.“2 Für Fremdsprachliche Schüler sind solche Texte bspw. Zeitungsartikel, Fahrpläne, Straßenschilder, Werbetexte, Dokumente und Formulare. Der Unterricht zur Entwicklung der Fertigkeit, in der Fremdsprache genannte Texte lesen zu können, findet weltweit auf rein intuitiver oder ziemlich traditioneller Weise mit Hilfe verschiedenster mehr oder weniger effektiven Methoden statt. Entscheidungen bezüglich der methodischen Verfahren werden oft dem Zufall überlassen oder dem intuitiven didaktischen Geschick des Lehrers.

Folgende wissenschaftliche Arbeit soll sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und Lesen im Unterricht auf eine begründetere Basis stellen. Dazu möchte ich zunächst die Anforderungen an die Fertigkeit sowie die Lehr- und Lernziele dieser näher charakterisieren. Nach dem darauf folgenden Beschreiben der verschiedenen Stufen zur Herausbildung fremdsprachlichen Könnens durch Lesen im DaF-Unterricht werde ich zum bedeutungstragenden Teil meiner Arbeit überleiten: Schwerpunkt soll ein Konzept einer Aufgaben- und Übungseinheit zur Weiterentwicklung des Lesens sein. Dabei möchte ich jeweils zunächst ausführlich auf die Lernbedingungen, die vorausgesetzte Lernergruppe und die Lernziele eingehen. Darauf folgend gehe ich auf die Anforderungen ein, die der Text an die Schüler stellt, entwickle eigene Aufgaben bzw. Übungen um die Zielfertigkeit zu fördern und stelle den erwarteten Ergebnistext dar. Nach einer kritischen didaktischen Reflexion zum eigenen Konzept wird eine zusammenfassende Betrachtung des Sachverhalts den abschließenden Rahmen dieser Hausarbeit bilden.

2. Anforderungen an die Fertigkeit

Um erfolgreich die Lesekompetenz zu entwickeln ist als erstes die vielfach unbeachtete und vernachlässigte Lernbereitschaft Voraussetzung für das Lernen und Verstehen. Darunter zählt an erster Stelle die Wachheit des Lerners. „Aufgeweckt“ über einem Text oder einer Aufgabe zu sitzen, ist schon so entscheidend wie die Eröffnungszüge im Schach. Die mentale und körperliche Präsenz öffnen dem Leser die Pforte für jegliches Verstehen. Depressivität, Langeweile, Stress und Panik verschließen diese. Desweiteren ist auch Anwärmung - das Vertrautmachen mit dem Thema - der Bereitschaft zu lernen förderlich. Ein weiterer bedeutender Punkt ist die Konzentration, das heißt die eigene Ablenkbarkeit auf ein Minimum zu reduzieren; und schließlich zählt unter Lernbereitschaft auch die Aufmerksamkeit, das Ausrichten der eigenen Wahrnehmung auf einen bestimmten Ausschnitt der Umgebung.3

Neben der eher neuropsychologischen Betrachtung der Voraussetzungen des Textverstehens sind andere kognitive Determinanten der Lesekompetenz von entscheidender Bedeutung: Auf der Textseite ist dies zum einen die Textbeschaffenheit, also die Inhaltsorganisation und Strukturierung, und zum anderen die Leseanforderung, die der Text an den Leser stellt. Auf der Grundlage dessen sind die Merkmale des Lesers wichtig. Voraussetzung ist, dass der Lerner Leseinteresse zeigt, sein Vor- und Weltwissen aktiviert und seine Vorerfahrungen in den Prozess mit einbezieht, um verschiedene Bedeutungsaspekte herauslesen zu können. Der Lerner muss die Sprache kennen, um die Textaussagen zu verstehen: „Während der Begriff der Lesefertigkeit nur die Kompetenz umfasst, Grapheme in Phoneme umzusetzen und damit dekodieren zu können, bezieht sich der Begriff Leseverständnis auf die Kompetenz, aus Geschriebenem den Sinngehalt zu entnehmen, und damit auch auf die Verarbeitung von ganzen Sätzen und Texten.“4 Er muss außerdem zwischen den Zeilen lesen können, um Nicht- Gesagtes herauslesen zu können. Die hier angesprochenen Kompetenzen nennt man Bottom- up- und Top-down-Lesestrategien. Bottom-up bezieht sich auf die Textwahrnehmung, also die schnellere Entschlüsselung von Phonem-Graphem-Relationen und der Bedeutung aus dem Schriftbild und zieht somit eine schnellere Identifikation von Wörtern nach sich. Zuletzt genannte Fertigkeiten gehören zu den Top-down-Lesestrategien. Das sind Interpretationsstrategien und kognitive Prozesse. Sie ermöglichen es den Sinn bzw. die Bedeutung aus den einzelnen Bottom-up-Informationen zu erkennen bzw. zu erraten. DaFLerner benötigen in der Anfangsphase ausschließlich Bottom-up-Strategien, die Voraussetzung für flüssiges und korrektes Lesen sind.5

Weiterhin gehören dazu die Landeskunde, sein Wortschatz, seine Kenntnis von Textmerkmalen, sein Wissen über verschiedene Lern- und Lesestrategien als auch sein lexikalischer Zugriff.6 Letzerer kann man weiterhin in verschiedene Kenntnisbereiche unterteilen, die ebenfalls für ein Textverständnis essentiell sind: Das Wissen über die Wahrscheinlichkeit von Buchstaben- und Wortkombinationen, den wahrscheinlichen Verlauf von Sätzen (also bspw. voraussagen zu können, welche Wortart folgen wird, dass man weiß, ob ein Satz zu Ende ist oder noch weitergeht u. Ä.) und über logische Strukturen (z.B. das Kennen verschiedener Strukturmarkierer wie Konjunktionen und Satzzeichen).7

Auf der Grundlage der eben genannten Voraussetzungen, die die Lerner in unterschiedlichem Maße mitbringen, und den verschiedenen Hintergründen, aus denen sie kommen - sprich Migrationshintergrund, Kultur, soziale Situation -, interpretieren sie die einzelnen Äußerungen und erfassen die beschriebene Situation sowie die Intention des Textes. Da aber jeder Leser wiederum eine andere Vorstellung von der Wirklichkeit hat, wird er den Text jeweils auf sein Bild von Wirklichkeit beziehen, sodass unterschiedliche Deutungen entstehen. Jeder Leser trägt somit etwas von sich hinein und bewertet dementsprechend auch den Text.8 Voraussetzung für den Lehrer ist es dies zu berücksichtigen und eventuelle Verstehensschwierigkeiten und Lernmisserfolge erklären und ihnen entgegenwirken zu können.

3. Lehr- und Lernziele zur Entwicklung sprach-kommunikativer

Fertigkeiten und Fähigkeiten

„Die Schulung des […] Leseverstehens erfolgt mit dem Ziel, die Lernenden zum eigenständigen Verstehen […] geschriebener Texte zu befähigen, das Verstandene zu verarbeiten und u. U. zum Ausgangspunkt bzw. zur Grundlage eigener Textproduktion zu machen.“9 Dabei wird das Leseverstehen als eigenständige, rezeptive Fertigkeit betrachtet und nicht als bloße Grundlage der produktiven Fertigkeiten: Sie werden weiterhin als Teilfertigkeiten einer allgemeinen Verstehenskompetenz betrachtet, um deren Ausbildung es letztendlich geht.

Mit Hilfe verschiedenster Lerneraktivitäten und damit einhergehenden Lern- bzw. Lehrtechniken, auf die ich später in meinem selbst erarbeiteten Aufgabenkomplex noch näher eingehen werde, werden automatisch meist auch gleichzeitig mehrere Lehr- und Lernziele verfolgt. Wie diese aufeinander aufbauen, erläutere ich im folgenden Kapitel. Ziele sprachkommunikative Fertigkeiten und Fähigkeiten zu entwickeln können bspw. sein: Erschließen von einzelnen Wörtern mit Hilfe von Zusammensetzungen, Ableitungen oder Cognates10, Erkennen des „roten Fadens“ eines Textes, Transformationen, Verbesserung des Grobverständnisses (z.B. durch den Vergleich von einer richtigen und einer falschen Zusammenfassung oder auch durch Zuordnung von Nebeninformationen zu Hauptinformationen), Anwendung (z.B. Reproduktion bestimmter Wendungen aus dem Text), Hypothesenbildung über den Textinhalt sowie flüssiges Lesen.11

Unabhängig davon, weiß man aus der eigenen muttersprachlichen Lesepraxis, dass man nicht immer mit demselben Ziel liest, was vom Leseinteresse in einer ganz bestimmten Situation zusammenhängt. Je nachdem, welches Leseziel man verfolgt - ob man nur den ungefähren Textinhalt erfahren will, oder genau wissen will, was in einem bestimmten Textabschnitt steht, oder sogar nach spezifischen Informationen darin sucht -, ergeben sich verschiedene Lesestile. Passend zu genannten Lesezielen können das das kursorisches, totales bzw. selektives Lesen sein. Zusätzlich findet auch oft das orientierende Lesen im Unterricht Anwendung, bei dem es herauszufinden gilt, was die Hauptsache(n) und die Nebensache(n) in einem Text sind.12

Ziel des Lesens ist jedoch nicht ausschließlich die Aneignung verschiedenster Fertigkeiten, sondern auch die Verhinderung und Überwindung typischer Lernschwierigkeiten im Leseunterricht, um die Lernziele und die Zielfähigkeiten erst zu ermöglichen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Lehrer diese Schwierigkeiten, die den Lernprozess hemmen und zu Fehlern führen, im Voraus erfasst und dementsprechend die nötigen Arbeitstechniken auswählt, sodass eine Überforderung der Schüler vermieden wird.13 Das geschieht vor allem durch die richtige zur Lernergruppe passende Text- und Aufgabenauswahl.

[...]


1 Singer: Lebendige Lese-Erziehung, 9.

2 Westhoff: Fertigkeit Lesen, 165.

3 Vgl. Willenberg: Lesen und Lernen, 23ff.

4 Rost: Handwörterbuch Pädagogische Psychologie, 412.

5 Vgl. Lonnecker: Lesen und Schreiben 1, 21.

6 Vgl. Was heißt hier Lesen?. http://www.aschern.de/Beratung/Determinanten.ppt (12.03.09).

7 Vgl. Westhoff: Fertigkeit Lesen, 59ff.

8 Vgl. Ehlers: Lesen als Verstehen, 7.

9 Solme>5

10 Cognates sind Wörter, die in der Ausgangs- und Zielsprache ähnlich klingen.

11 Vgl. Strauss: Didaktik und Methodik Deutsch als Fremdsprache, 83f.

12 Vgl. Westhoff: Fertigkeit Lesen, 101f.

13 Vgl. Köhring: Begriffswörterbuch Fremdsprachendidaktik und -methodik, 208.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640528400
ISBN (Buch)
9783640528264
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144577
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Schlagworte
Fertigkeit Lesen Deutsch Didaktik DaF DaZ Deutsch als Fremdsprache Deutsch als Zweitsprache

Autor

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