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Virtuelle Patienten Communities

von Zvezdana Kalinovic (Autor) Andrea Sunjic-Alic (Autor)

Bachelorarbeit 2009 58 Seiten

Informatik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung
2.1 Gesundheitskommunikation
2.1.1 Direkte, personale Kommunikation
2.1.2 Kommunikation durch Massenmedien
2.1.3 Kommunikation über das Internet
2.2 Virtuelle Gemeinschaften
2.3 Systematisierung virtuellen Gemeinschaften
2.4 Aspekte einer Gemeinschaft
2.4.1 Technologische Aspekten
2.4.2 Strategische Aspekten
2.4.3 Sozio-Ökonomische Aspekten

3. Virtuelle Patienten Communities
3.1 Teilnahmen Bedingungen
3.1.1 Anonymität
3.1.2 Authentizität
3.1.3 Datenschutz und Datensicherheit
3.1.4 Zugangsverfügbarkeit
3.2 Wie ruft man medizinische Information ab?
3.3 E-Patienten
3.3.1 e-Patienten in der Onkologie
3.4 Die Kategorien von e-Patienten
3.4.1 Die Gesunden
3.4.2 Die Akuten
3.4.3 Die Chronischen
3.5 Einige Statistische Daten
3.6 Virtuelle Patienten Communities als Marketing Instrument
3.7 Arzt - Patienten Beziehung und Kommunikation über Net
3.8 Psychologischer Aspekt

4. Erfolgsfaktoren
4.1 Besucher Frequenz und Auswertung von Web - Seiten
4.1.1 Web Analytics
4.1.2 Server-basierte Daten: Logdateianalyse
4.1.3 Client-basierte Daten
4.1.4 Methoden
4.1.5 Nutzung
4.1.6 Software

5. Vor- und Nachteile für e-Patienten
5.1 Vorteile:
5.2 Nachteile:

6. Rechtslage

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Umfrage (Quelle: Ferguson 2007)

Tabelle 2: Internetbenützer und Bevölkerungsstatistik (Quelle: Miniwatts Marketing Group 2009)

Tabelle 3: Themen recherchiert online (Quelle: Ferguson 2007)

Tabelle 4: Art der Teilnahme (Quelle: Ferguson 2007)

Tabelle 5: Altersgruppe (Quelle: Ferguson 2007)

Tabelle 6: Frequenz der internet Benutzung (Quelle: Ferguson 2007)

Tabelle 7: Demographische Daten (Quelle: Dannecker & Lechner 2004)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Multidirektionale Interaktion (Quelle: Weiber & Meyer 2002) 10 Abbildung 2: Unterteilung der Virtuelle Communities nach Meyer (Weiber & Meyer 2002)

Abbildung 3: Persönliches Netzwerk (Quelle: Ferguson 2007)

Abbildung 4: Ergebnisse der Befragung (Quelle: Dannecker & Lechner 2004)

Abbildung 5: Besucherfrequenz auf der Seite NetDoktor.at

Abbildung 6: Datenverkehr in NetDoktor.at von Juli 2007 bis Juli 2009

Abbildung 7: Besucherfrequenz auf der Seite DoctorsLounge.com

Abbildung 8: Datenverkehr in DoctorsLounge.com

Abbildung 9: Vergleich von Datenverkehr; NetDoktor.at, DoctorsLounge.com

1. Einleitung

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und so organisierten sich seit jeher Menschen mit gleichen Interessen in Gemeinschaften. Unter Gemeinschaft (herrührend von dem Wort "gemein", vgl. "gemeinsam") versteht man die zu einer Einheit zusammengefassten Individuen (Gruppe), wenn die Gruppe emotionale Bindekräfte aufweist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl (Wir-Gefühl) vorhanden ist (Wikpedia contributors 2008c).

Früher sind Gemeinschaften ort- und zeitabhängig gewesen. Vergleicht man die Industriegesellschaft und die virtuelle Gesellschaft miteinander, ist der Unterschied am größten in der Sphäre der Zeit und Raum. In der Industriegesellschaft hat Raumbegriff geometrische (euklidischer) und/oder mechanistische (Newtonscher) Bedeutung, in Gegenteil zu virtuelle Gesellschaft wo die Raumvorstellung eine relationale Bedeutung hat. Die Merkmale der Industriegesellschaft sind: sozialer Raum ist weitgehend geographisch konstituiert und es gibt offensichtliche Trennung zwischen Arbeitsplatz und Wohnort. Die Zeit kann linear betrachtet werden wobei die Arbeitszeiten der Gestalt fordistische Zeittakten annehmen, was zur klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit führt. Ein Beispiel dafür wäre ein Büro, wo die Arbeitszeiten werktags von 8 bis 17 Uhr sind. Dagegen sind die Eigenschaften der virtuellen Gesellschaft: Emanzipation des sozialen Raums von geographischen Bedingungen, sozialer Raum als Netzwerk von Kommunikation, Sozialität unter Abwesenheit von körperlicher Anwesenheit, Auflösung der industriegesellschaftliche Trennung von Arbeitsplatz und Wohnort (totale Entkoppelung von Raum und Zeit, Arbeit im Internet) - Stichwort Cyberspace, Auflösung funktionaler Zeiten und Produktion über verschiedene Zeitzonen.

Durch den Einsatz von Kommunikations- und Internettechnologie haben sich auch neue Formen von Gemeinschaften entwickelt - elektronische Gemeinschaften oder sogenannte virtuelle Communities.

Heute treffen sich Menschen online um zu chaten, spielen, Informationen aus zu tauschen, Unterstützung zu finden, kaufen oder Gleichgesinnte zu finden. Sie besuchen chat-Room, treten Diskussionsgruppen bei, oder machen eigene Chat-Gruppen. Diese Art von Menschenansammlungen heißt unter anderem auch‚ online Community‘ (Preece & Maloney-Krichmar 2003).

Mit Verbreitung von mobilen Geräten und mobilen Datendienste werden sich in Zukunft auch die virtuellen Communities verändern und an ihrer Funktionalität und Mobilität gewinnen.

2. Einführung

2.1 Gesundheitskommunikation

Hurrelmann und Leppin (2001) beschreiben in dem Buch „Moderne Gesundheitskommunikation“ wie sich die Gesundheitskommunikation von siebziger Jahren bis heute entwickeln hat. Im siebziger Jahren: die Gesundheitskommunikation wurde erst ein selbständiger Bestandteil von Public Health und erste Forschungen auf das Thema: Arzt-Patienten Beziehung, Beeinflussung des Gesundheitsverhaltens durch Medien aufgenommen wurden.

Im achtziger und neunziger Jahre: das Forschungsgebiet wurde erweitert, um Untersuchungen zu den Fragen: welche Funktion die Nutzung der Massenmedien auf das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung hat und wie die Massenmedien in Strategie der Gesundheitsförderung einbezogen werden können. Bis Heute entwickelte sich die Gesundheitskommunikation immer weiter und wurde zu dem wichtigen und unverzichtbaren Bestandteil einer moderne Gesundheitspolitik.

Damit man besser verstehen kann, was genau die Gesundheitskommunikation ist, erläutern wir zuerst die einzelnen Begriffe.

Gesundheit + Kommunikation = Gesundheitskommunikation

- Gesundheit: Ist ein Zustand der vollständigen körperlichen, geistigen und des sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen, laut Weltgesundheitsorganisation. "Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity (Wikpedia contributors 2008d) ."
- Kommunikation: Kommunikation (von lateinisch communicare = teilen, mitteilen, gemeinsam machen) hat mehrere verschiedene Sichtweisen, und jede führt zu unterschiedlichen Definitionen. Unter Kommunikation als Sozialhandlung versteht man Austausch von Wissen, Meinungen und Gedanken zwischen Menschen (Hurrelmann & Leppin 2001), und unter Kommunikation als technischer Prozess wird Austausch von Informationen, Übertragung oder Verbindung verstanden.

Gesundheitskommunikation (eng. Health Communication) ist begrifflich schwer einzugrenzen, da sie zwei sehr unterschiedliche Wissenschaftsgebiete beinhaltet, welche vornehmlich das Themenfeld der Gesundheitskommunikation aus ihrer Perspektive definieren. Eine sehr häufig zitierte aber sehr weit gefasste Definition von Krebs und Thornton (2009): „Health Communication is an area concerned with human interaction in the health care process“. Es liegen sehr viele Versuche vor, den Gegenstandsbereich der Gesundheitskommunikation auf unterschiedliche Weise einzugrenzen, ein Beispiel dafür, im deutschsprachigen Raum, ist die Definition von (Hurrelmann & Leppin 2001):

„Gesundheitskommunikation bezeichnet die Vermittlung und den Austausch von Wissen, Meinungen und Gefühlen zwischen Menschen, die als professionelle Dienstleister oder Patienten/Klienten in den gesundheitlichen Versorgungsprozess einbezogen sind, und/oder als Bürgerinnen und Bürger an Fragen von Gesundheit und Krankheit und öffentlicher Gesundheitspolitik interessiert sind“.

Hurrelmann und Leppin (2001) beschreiben auch wie sich Gesundheitskommunikation bedient mit verschiedenen Medien, um gesundheitsfördernde Verhaltensweise in der Bevölkerung zu initiieren und zu unterstützen. Man kann drei Arten von Kommunikation im Gesundheitswesen unterscheiden: Direkte, personale Kommunikation, Kommunikation durch Massenmedien und Kommunikation über das Internet.

2.1.1 Direkte, personale Kommunikation

Diese Art von Kommunikation zwischen dem Patient und Arzt (bzw. alle professionell im Gesundheitswesen tätigen) ist die älteste und nach wie vor noch die häufigste Art der Kommunikation im Gesundheitswesen. Bestandteil der Arzt-Patienten-Kommunikation ist nicht nur die Entscheidung über die Therapieverfahren sondern auch das Aufklärungsgespräch, Aufklärung von Patient beim Umgang mit der eigenen Krankheit und Therapietreue.

Betrachtet man die Patient-Arzt Beziehung im letzten halben Jahrhundert, hat sich diese von autoritativ zu partizipaktiv gewandelt.

Chronische Erkrankungen und unheilbare Krankheiten haben dazu beigetragen, dass sich neue Kommunikationsformen zwischen Patient und Arzt entwickeln. Der Patient wird immer mehr in der Therapieentscheidung einbezogen und entsprechend aufgeklärt, was die Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten betrifft. (näheres im Kapitel ‚Arzt- Patienten Beziehung‘)

2.1.2 Kommunikation durch Massenmedien

Massenkommunikation ist asynchroner Informationsaustausch, und findet mittels Fernseher Zeitschriften, Radio und Bücher statt. Das Ziel diese Kommunikation ist die Aufklärung breite Masse über verschiedene Angebote, um sich für geeignetes zu entscheiden, Tipps zum Thema Gesundheitsverbesserung und Prävention, selbständiger Umgang mit leichten Beschwerden usw.

2.1.3 Kommunikation über das Internet

Diese Art von Kommunikation hilft, vor allem nicht professionellen Internetuser, einen schnelleren und einfacheren Zugang zu medizinischen Informationen. Ein weiter Vorteil von dieser Kommunikationsart ist, dass das Internet mehr Menschen direkt miteinander verbinden kann, als dass in der Realität der Fall ist.

Diese umfasst zahlreiche Websites zum Thema Gesundheit und Krankheit, verschiedene Gesundheitsplattformen wie Selbsthilfegruppen, Diskussionsforen oder ärztlich moderierte Diskussionsforen, und auch spezielle Gesundheitsdienste, wie zum Beispiel: Unterstützung bei der Selbstversorgung und Selbstbehandlung bei leichteren Beschwerden (vorwiegend in den USA).

2.2 Virtuelle Gemeinschaften

Die steigende Eigenverantwortung des Patienten und die steigende Beliebtheit des Internets, führen dazu, dass das Internet als Informationsquelle und Kommunikationsmedium immer eine wichtigere Rolle einnimmt. Das Bedürfnis eigene Erfahrungswissen, Ansichten und Informationen mit anderen Betroffenen im Internet zu teilen, führte dazu, dass sich neue Formen von Gemeinschaften bildeten - virtuelle Gemeinschaften (Pohl 2004).

Es gibt viele verschiedene Definitionen für eine virtuelle Gemeinschaft aber eine wissenschaftlich bekräftigte gibt es zurzeit noch nicht. Ralf Reichwald (2002) hat die virtuellen Gemeinschaften folgendermaßen definiert:

„ Virtuelle Communities (Netzgemeinschaften) lassen sich als Gruppen von Menschen verstehen, die sich aufgrund gemeinsamen Interesses, eines gemeinsamen Problems oder einer gemeinsamer Aufgabe zusammenfinden und deren Mitglieder bei ihrem Interagieren unabhängig von ihrer tatsächlichen physischen Lokation sind (Reichwald 2002).“

Anfang der 1970er Jahre war der erste Kommunikationsdienst im Cyberspace erfunden, als man Dienste von „Arpanet“ benützte um statt Daten, von einem Computer zu anderem, Nachrichten, von einer Person zu anderen, zu übertragen. In Laufe der Zeit entwickelten sich Maillisten und Foren-Dienste was zur Gründung der ersten virtuellen Gemeinschaft führte. Im Jahr 1985 gründeten Stewart Brand und Larry Brilliant „The Well“ - Mutter aller virtuellen Gemeinschaften.

Allgemein versteht man unter dem Begriff virtuelle Gemeinschaft (eng.: Community) Gruppe von Menschen, die auf zweckorientierter Zusammengehörigkeit basieren, wobei die Kommunikation und Interaktion in einem virtuellen Raum stattfindet. Eine virtuelle Gemeinschaft entsteht nicht zwangsläufig aus der Tatsache, dass über ein Medium Informationen und Nachrichten ausgetauscht werden, sonder, wenn das Medium Gruppenkommunikation unterstützt und ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Kommunizierenden vorhanden ist (Schreiber & Gründel n.d.). Das Verhältnis Wechselseitig-Füreinander - dasein ist das was eine virtuelle Gemeinschaft zusammenhält. Wie in der realen so auch in den virtuellen Gemeinschaften gibt es Regeln und Vereinbarungen, um eine soziale Konstruktion zu ermöglichen. „Netiquette“ (Kunstwort aus den Begriffen Net und Etiquette) ist eine Vorschrift, die beschreib wie man sich in Datennetzen, wo Menschen miteinander kommunizieren, zu verhalten hat. Auch hier werden die Verstöße gegen die Regelung bestraft und gruppenöffentlich ausdiskutiert; im schlimmsten Fall droht sogar der Ausschluss aus der Gemeinschaft.

Kommunikation im Internet kann verschiedene Module umfassen, wie zum Beispiel Mailinglisten, Newsletter, Instant Messaging, Chatrooms oder Diskussionsforen. Nach Meyer (2002) ist die Realisierung und systematische Nutzung themenspezifischer Kommunikationsbeziehungen unter den Mitgliedern einer Gemeinschaft das was eine virtuelle Community von anderen Kommunikationsformen unterscheidet.

In weiterem bezeichnet Meyer (2002) virtuelle Communities als ego-zentrierte (soziale) Netzwerke in denen Mitglieder multidirektional interagieren. Der Ausdruck „ego- zentrierte“ Netzwerke heißt, dass um eine Person herum fokussierte soziale Beziehungen existieren. Multidirektionale Interaktion bedeutet, dass die Kommunikation nicht nur zwischen den Anbieter und Nachfragern, sondern meistens zwischen den Nachfragern (Mitgliedern) stattfindet, was auf eine Vollstruktur aufweist (Abbildung 1). Im Falle einer 1:n Kommunikation (bspw. Newsletter oder FAQ), wo die ganze Kommunikation über den Anbieter läuft, hat das virtuelle Netzwerk eine radiale Struktur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Multidirektionale Interaktion (Quelle: Weiber & Meyer 2002)

Notwendige Bedingung für weitererhalt einer Community ist multidirektionale und themenspezifische Interaktion. Das Thema ist der Grund wieso Menschen in einer Community teilnehmen und sollte nicht zu weit aber auch nicht zu eng gefasst sein. Am Beispiel eines Chatrooms sieht man, dass zu weit gefasster Themenbezug zu einer ziellose Kommunikation führt, die zufällig und nicht regelmäßig stattfindet. Im Weiteren werden unter Gemeinschaften nur Diskussionsforen verstanden.

Eine virtuelle Gemeinschaft charakterisiert durch: eine Gruppe von Akteuren, die in sozialer Interaktion untereinander stehen, die eine gemeinsame Bindung zwischen den Akteuren und den anderen Mitgliedern der Gruppe beinhalten und die einen gemeinsamen Platz zeitweise aufsuchen (Dannecker & Lechner 2004). Virtuelle Gemeinschaften haben ein sehr großes Entwicklungspotenzial im Gesundheitswesen, weil sie auf ein allgegenwärtiges Bedürfnis der Patienten treffen. Das ist gegeben, wenn ein Patient ein Informations- und Kommunikationsbedürfnis entwickelt, aufgrund seiner Diagnose, was aber über das Angebot des behandelnden Arztes hinausgeht.

2.3 Systematisierung virtuellen Gemeinschaften

Virtuelle Communities kann man nach verschiedenen Kriterien unterteilen.

Im Gesundheitsbereich unterscheidet man, im Bezug auf Art des Austausches zwischen den Betroffenen, online-Selbsthilfegruppen und fachlich moderierte Diskussionsforen. In den Online-Selbsthilfegruppen findet Informationsaustausch unter den Betroffenen statt. Dabei handelt es sich nicht um reinen Austausch von Informationen, sondern um Aufmerksamkeit, Trost und Zuspruch zu bekommen oder zu spenden. Bei den fachlich moderierten Diskussionsforen handelt es sich um kostenpflichtige Gemeinschaften, wobei ein Arzt die online Inforationsquelle ist. Allgemein kann man sagen, wenn Menschen Informationen zu dem medizinischen Sachverhalt anstreben, besuchen sie fachlich moderierte Diskussionsforen wenn sie aber soziale Interaktion anstreben halten sich in online-Selbsthilfegruppen an.

Man kann Communities auch nach Art der Teilnehmer einer Community unterteilen. So unterscheidet man zwischen den verbraucherorientierten Communities (Consumer-to- Consumer), konsumorientierten Communities (Business-to-Consumer) oder Businessto- Business Communities (Pohl 2004).

Je nach Finanzierungsmodul einer Community unterscheidet man drei Arten: Vereine & Institutionen, Privatinitiativen und kommerzielle Angebote. Vereine & Institutionen sind kostenlos für die Mitglieder und kommen in der Form Selbsthilfeorganisationen und öffentlichen Initiativen vor, bspw. Kompetenznetz-Depression.de. Privatinitiativen sind Foren für Ärzte und Betroffene, dabei können sie kostenpflichtig oder kostenlos sein, je nachdem ob sie sich durch Mitgliedschaftsgebühren oder Werbung finanzieren, bspw. INKAnet.de. Kommerzielle Angebote sind Communities im Fachportalen (Jähn & Nagel 2003). Ein Beispiel dafür ist NetDoktor.at

Eine andere Unterteilung, bezüglich der Marketingstrategien (Systematisierung nach Meyer (2002) unterscheidet kommerzielle und nicht-kommerzielle Communities. Kommerzielle Communities verfolgen ein kommerzielles Interesse und sind gebührenpflichtig, dabei ist Kostenträger selber der e-Patient oder seiner Krankenkassa. Ein Beispiel dafür wäre NetDoktor.at. Die kommerzielle Communities können weiter zerlegt werden: in abhängige und unabhängige Communities. Unter abhängigen Communities versteht man jene, die Betreiber nutzen um eigene Dienstleistungen zu vermarkten. Beispiel dafür ist die lifeline.de Community, zwar wird ein medizinisches Forum angeboten, die Community finanziert sich jedoch durch E-Commerce. Interne virtuelle Communities des Wissensmanagements sind eine Sonderform von abhängigen Communities, die das VC-Konzept mit einem Intranet verbinden, für das interne Mngm einzusetzen, um auf diese Weise den Produktionsfaktor Wissen effektiv zu nutzen (Weiber & Meyer 2002). Unabhängige Communities verfolgen ein kommerzielles Geschäftsmodel als eigenständige Erwerbsquellen, jedoch verlangen von Mitgliedern keine sonstigen Leistungen. Unabhängige kommerzielle Communities finanzieren sich hauptsächlich durch den Verkauf von Werbung (Communities of Interest), die kundenspezifisch gemacht sind. Falls eine unabhängige Community einen Vermittler dar stehlt, der Bedürfnisse der Mitglieder mit den Leistungen unterschiedlicher Anbieter koordiniert spricht man von einer Communities of Consumption.Nicht-kommerzielle Communities werden gegründet, um persönlichen Interessen nachzugehen, wie der Fall bei Hobbygemeinschaften oder Selbsthilfegruppen ist. Ein Beispiel wäre die Website Doctors Lounge (http://doctorslounge.com). Abhängig davon, ob eine Nicht- kommerzielle Community Marketing unterstützt oder nicht, unterscheidet man ansprechbare und nicht-ansprechbare Communities. Die ansprechbare Communities akzeptieren, sind also ansprechbar für den Sponsoring.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Unterteilung der Virtuelle Communities nach Meyer (Weiber & Meyer 2002)

2.4 Aspekte einer Gemeinschaft

Communities können in folgenden Dimensionen betrachtet werden:

a) Technologische, die technische Möglichkeiten beschreibt;
b) Strategische, die in weitere Sinne das Geschäftsmodell beschreibt.
c) Sozioökonomische, die gruppendynamischen und psychologische Aspekte beschreibt.

2.4.1 Technologische Aspekten

Die Modulen von technologisch bestehen Communities sind folgende: generische Informationsdienste, personalisierte Informationsdienste und Interaktionsdienste. Communities können verschiedenen Formen einnehmen wie zum Beispiel ein chat- Modul, ein Foren-Modul, personalisierungs - Modul oder ein mitgliederverwaltungs- Modul.

Kommunikation in einer Community kann synchron/asynchron sein, offen/geschlossen oder 1:1 - Verbindung / n:n - Verbindung. Synchrone Kommunikation findet man in einem chat, Beispiel dafür wäre eine Kommunikation in reeler Zeit über Skype. Eine asynchrone Art von Kommunikation sind Foren, wo man die Nachrichten, Komentare usw. in beliebigen Zeitpunkten abrufen kann. Wie schon oben erwähnt gibt es offene oder geschlossene Netzgemeinschaften. Virtual Medical Worlds Community ist ein gutes Beispiel von einer geschlossenen Netzgemeinschaft. In dieser Gemeinschaft können nur europäische Vereine und akademische Gruppen teilnehmen. Die meisten sind dagegen offene Communities und es zahlreiche Beispiele dafür: inkanet.de, Bob's ACL WWWBoard (http://factotem.org/cgi-bin/kneebbs.pl) oder Doctors Lounge (http://doctorslounge.com). Kommunikation zwischen Arzt und einem Patienten in doctorslounge.com, ist eine 1:1-Kommunikation, weil die Kommunikation zwischen einem Patienten und einem Arzt erfolgt. Eine n:n Kommunikation kommt in meisten Foren vor, mehrere Menschen miteinander interagieren.

2.4.2 Strategische Aspekten

Wie jede traditionelle Gemeinschaft schafft auch eine virtuelle Gemeinschaft komplexe Struktur, die auch verwaltet, kontrolliert und moderiert werden muss. Das alles erfordert einen personellen Aufwand, der muss aber irgendwie gesteuert werden. Ein Forum muss eine Mindestanzahl von Einträgen pro Tag vorweisen um dem Anspruch an Aktualität gerecht zu werden. Ein chat room muss noch mehr Mitglieder vorweisen.

Aus allen Nutzprofilen kann man dagegen Konsumverhalten des Nutzers, Interesse und Bedürfnisse ermitteln, und dienen zur Erfassung von Kundenwünschen und Erstellung der personalisierten Angebote (Data Mining). Das alles erfordert auch einen administrativen Aufwand und ist mit erheblichen rechtlichen Problemen etwa beim Datenschutz behaftet.

2.4.3 Sozio-Ökonomische Aspekten

Virtuelle Kommunities bieten einen räumlich und zeitlich grenzlosen Kommunikationsraum an. Traditionelle Gemeinschaften sind basiert auf „von Angesicht zu Angesicht“ Kommunikation, dagegen aber ist man in den virtueller Raum singulär. Kommunikation in den virtuellen Raum kann öffentlich oder anonym, gemeinschaftlich oder individuell sein, so verlagert sich die Kommunikation in den Cyberspace. Auch die Hilfe und Selbsthilfe nehmen anderen Formen an. Der Nutzer beeinflusst eine Online-Community durch Inhalt seiner Beiträge. Verhaltensregeln und soziale Interaktion geben einer Community ihre Form an. Eine Gemeinschaft finanziert sich auf verschiedenen Arten sodass sie für die Mitglieder kostenlos oder kostenpflichtig ist (Jähn & Nagel 2003).

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Details

Seiten
58
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640549108
ISBN (Buch)
9783640552658
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v144978
Institution / Hochschule
Technische Universität Wien – Institut für Softwaretechnik und interaktive Systeme der Technischen Universität Wien
Note
1
Schlagworte
Virtuelle Patienten Communities

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