Lade Inhalt...

Wirtschaftlicher und sozialer Wandel in Italien im 2. Jh. v. Chr.

Seminararbeit 1991 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Die Agarwirtschaft der frühen Republik

III. Die Auslöser des wirtschaftlichen und sozialen Wandels
III.1. Verelendung des römischen Bauerntums
III.2. Entstehung des Großgrundbesitzes und der Sklavenwirtschaft

IV. Ergebnisse und Folgen
IV.1. Entstehung des städtischen Proletariats und organisierter Massenschauspiele
IV.2. Wandel der Heeresstruktur
IV.3. Entstehung von Sklavenaufständen

V. Zusammenfassende Betrachtung

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Die Tiere in Italien haben ihre Behausung und ihr Lager und wissen, wo ihr Unterschlupf ist; den Männern, die im Kampf für Italien ihr Leben daran setzen, ist gerade Luft und Licht gegönnt, aber Haus und Hof versagt man ihnen und lässt sie mit Weib und Kind draußen herumirren…

Sie haben keinen väterlichen Altar, noch ein Grabmal, sondern sterben für fremden Luxus und Reichtum, angeblich die Herrscher der Welt, in Wirklichkeit nicht einmal Herr über die eigene Feldscholle.“

(Plutarch, Tiberius Gracchus IX, 4)

Diese Formulierung des Tiberius Gracchus (163-133 v. Chr.) bringt einen Vorgang zum Ausdruck, der das römische Italien im 2. Jahrhundert v. Chr. erfasste. Ziel dieser Arbeit ist es, den sozialen und wirtschaftlichen Wandel und dessen Folgen darzustellen. Im Rahmen des Seminarthemas soll dabei auch versucht werden, die Grundlagen der sozialpolitischen Bedeutung des öffentlichen Sports herauszuarbeiten.

Dabei stützt sich die Darstellung hauptsächlich auf Karl Christs „Krise und Untergang der römischen Republik“ und auf J. Bleickens „Geschichte der römischen Republik“ aus der Ol- denbourg-Reihe „Grundriß der Geschichte“, welches neben der kompakten historischen Dar- stellung eine Zusammenfassung von Forschungsergebnissen zur Thematik auszeichnet. Als Standardwerk für diese Thematik kann auch G. Alföldys „Römische Sozialgeschichte“, eine detaillierte Einführung mit dem Hauptschwerpunkt Sozialgeschichte, und das umfassen- de Alterswerk „Hannibal’s Legacy“ des englischen Historikers Arnold J. Toynbee betrachtet werden.

II. Die Agarwirtschaft der frühen Republik

Vor dem 2. Jahrhundert v. Chr. setzte sich die römisch-italische Gesellschaft zu ca. 90 % aus in der Landwirtschaft Tätigen zusammen1. Ein wirtschaftlicher und sozialer Wandel musste also vor allem in der Agrarwirtschaft einsetzen.

In der frühen Republik war die traditionelle Landwirtschaftsform die kleinbäuerliche Sub- sistenzwirtschaft; d.h. der Landwirt erzeugte fast ausschließlich für den eigenen Bedarf und stellte auch benötigtes Handwerkszeug und Textilien selbst her. Die Größe der landwirtschaft- lichen Betriebe betrug 2 - maximal 10 iugera. Ein iugrum umfasste ¼ ha und entsprach der Fläche, die ein Mann und ein Gespann an einem Tag bearbeiten konnten. Ca. 7-10 iugera wa- ren aber für den Lebenserhalt einer durchschnittlichen Familie mindestens erforderlich2. Da- bei ist allerdings zu berücksichtigen, dass ganz offensichtlich daneben auch Gemeindeland gemeinwirtschaftlich genutzt wurde.

III. Die Auslöser des wirtschaftlichen und sozialen Wandels

Die Auslöser für den wirtschaftlichen uns sozialen Wandel waren die Auswirkungen des 2. Punischen Krieges (218 - 201 v. Chr.), und der nachfolgenden römischen Expansion, in deren Verlauf die Vorherrschaft im gesamten Mittelmeerraum erreicht wurde.

III.1. Verelendung des römischen Bauerntums

Infolge der Expansion erlitt die männliche bäuerliche Bevölkerung, die die Hauptmasse des römischen Milizheeres bildete, nicht nur schwere Verluste an Menschenleben, sondern vor allem die langen Militärdienstzeiten in entfernten Garnisonen und die zeitweilige3 Politik der „ verbrannten Erde“4 in Italien, hervorgerufen durch die jahrelangen Kriegszüge des 2. Puni- schen Krieges, führten zur Verelendung großer Teile des römischen Bauerntums. Die römische Armeestruktur war ursprünglich auf kurze Feldzüge gegen inneritalische Nachbarn ausgerichtet, die es den Bauern ermöglichte, zur Erntezeit auf ihre Felder zurückzukehren. In Feldzügen wie etwa gegen Spanien und Makedonien mussten die Römer ihre Legionen über bisher ungewohnte Entfernungen und Zeiträume unter Waffen halten.5 Kehrte nun der Legionär - Tod und Verwundung entronnen - nach jahrelanger Militärdienstzeit nach Hause zurück, hatte er häufig seine wirtschaftliche Existenzgrundlage verloren, deren Wiederaufbau nicht nur Arbeitskraft, sondern auch Investitionen für Arbeitsgeräte, Vieh, Saatgut und für den Wiederaufbau von Gebäuden bedingte.6

III.2. Entstehung des Großgrundbesitzes und der Sklavenwirt schaft

Gleichzeitig erwarb der römische Senatorenstand aus den Eroberungen große materielle Gewinne. Aufgrund der 218. v. Chr. in Kraft getretenen lex Claudia waren ihm Handels- und Geldgeschäfte untersagt, da - entsprechend dem mos majorum -das Denken der römischen Nobilität vom Landleben bestimmt sein sollte7. Zwar wurde diese Einschränkung im allgemeinen durch das Einschalten von Strohmännern umgangen8, dennoch flossen große Geldmengen in den Erwerb von Landbesitz.

Dem kam zusätzlich die Okkupationsmöglichkeit des „ager publicus“ hinzu. Der ager publi- cus setzte sich größtenteils aus Gebieten zusammen, die die Römer im 2. Punischen Krieg von abgefallenen Bundesgenossen konfisziert hatten, und natürlich aus den Ländereien, die man im Zuge der Eroberung Italiens hinzugewonnen hatte. Nach römischen Gewohnheitsrecht durfte jeder Bürger soviel ager publicus okkupieren, wie er bearbeiten konnte9. Im Endeffekt kam auch dies vor allem den Angehörigen der Oberschicht zu Gute, die über weitaus größere Investitionsmöglichkeiten verfügte und somit größere Flächen okkupierte als der einzelne Bauer.10

So entstanden landwirtschaftliche Güter, „villae“, mit einer Standardgröße von 100 iugera, von denen der einzelne Großgrundbesitzer mehrere besaß. Diese neue Form des Großgrundbesitzes war auch verbunden mit neuen Bewirtschaftungsformen: Da der Bodenerwerb eine Geldanlage darstellte, orientierte sich die Bewirtschaftung an Gewinn und Rentabilität; es kam zu einer Spezialisierung der Produktion.

Der römische Schriftsteller Marcus Porcius Cato (234 - 149 v. Chr.) empfiehlt in seinem Werk „de agri cultura“ folgende Rangfolge der Kulturen: 1. Weinanbau, 2. Gartenprodukte, 3. Weidenanbau, 4. Oliven, 5. Viehzucht (Wiesen und Weiden), 6. Getreide.11. Auf den einzelnen villae entstanden jedoch keine Monokulturen, 1/3 der Fläche wurde zur Herstellung des Eigenbedarfs genutzt.

Vereinzelt wurde in der Literatur dieser geringe Stellenwert des Grundnahrungsmittels Ge- treide für Nahrungsmittelverknappungen in Rom verantwortlich gemacht, da der expandie- rende Grundbesitz die hauptsächlich Getreide produzierenden Kleinbauern verdrängt habe. Dem widerspricht schon der vorherrschende subsistenzwirtschaftliche Charakter des Klein- bauerntums. Die Diskrepanz zwischen wachsendem städtischen Bedarf und niedriger Produk- tion erklärt ALFÖLDY, S. 44: „Das Weltreich umfasste riesige Territorien mit hochentwickelter Agrarproduktion, die die Einfuhr von Agrargütern ermöglichte, und … den Anbau von Getreide weitgehend überflüssig machte.“ Das Importgetreide und die Spezialisierung der villae auf den Anbau von Wein und Oliven trugen aber sicherlich nicht dazu bei, die Vermarktung von etwaigen Überschüssen zu erleichtern und damit die Konkurrenzfähigkeit der Kleinbauern auf diesen Teilmärkten zu verbessern.

Die vergrößerten Güter wurden nun nicht mehr durch ihren Besitzer bewirtschaftet. Er über- trug diese Aufgabe einem Verwalter, dem „vilicus“ - häufig ein freigelassener Sklave - der die Arbeit der im Durchschnitt fünf bis zehn Arbeitskräfte12 der villa anleitete. Diese bestan- den nun nicht mehr aus freien Bauern, sondern ausschließlich aus Sklaven. Schon in der Frühzeit Roms hatte es mit der Schuldknechtschaft eine patriarchalische Form der Sklaverei gegeben13, seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. ist die Versklavung von Kriegs- gefangenen überliefert.

[...]


1 CHRIST, S. 69

2 CHRIST, S. 68

3 Anm. Backhaus (Dozent): Ja, aber nur zeitweise, den der von jeder Versorgung abgeschnittene Hannibal musste auch versuchen, Bundesgenossen zu gewinnen.

4 TOYNBEE, S. 100

5 BLEICKEN: VERFASSUNG…, S. 155

6 ALFÖLDY, S. 46

7 BLEICKEN: GESCHICHTE… , S. 63

8 ALFÖLDY, S. 42

9 BLEICKEN: GESCHICHTE… , S. 63

10 ALFÖLDY, S. 46

11 Cato, De agri cultura I,7

12 CHRIST, S. 76 [Anm Backhaus zu: [freigelassener Sklave ] Bei Cato : Sklave, [fünf bis zehn Arbeitskräfte] Bei Cato: rund ein Dutzend], wörtl. bei Cato, De agri cultura XII, 1: „Wie man ein Ölgut von 240 Morgen Land einrichten soll. Einen Verwalter, eine Wirtschafterin, fünf Arbeiter, drei Ochsenknechte, einen Eseltreiber, einen Schweinehirten, einen Schafhirten; im ganzen 13 Leute.”

13 CHRIST, S. 76

Details

Seiten
14
Jahr
1991
ISBN (eBook)
9783640559503
ISBN (Buch)
9783640559893
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145671
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Geschichtswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Sklaverei Landwirtschaft Sklavenaufstände Spartacus Kolosseum Hannibal Punischer Krieg Heeresstruktur Gladiator Punische Kriege

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wirtschaftlicher und sozialer Wandel in Italien im 2. Jh. v. Chr.