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König Ludwigs XIV. Staatsverständnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Situation der Untertanen Ludwigs XIV. unter seiner Herrschaft

Hausarbeit 2007 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Hauptteil
B I Quelle 1
B II Quelle 2
B III Quelle 3

C Schluss/Fazit

D Quellen- und Literaturverzeichnis

A Einleitung

Die nachfolgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Situation der Untertanen Ludwigs XIV.[1] und seinem Amtsverständnis während seiner Regierungszeit als König Frankreichs von 1643-1715. Als Grundlage der Bearbeitung des Themas dienen folgende Quellentexte: Ludwig XIV. „Memoiren“, Sébastian de Vauban[2] „Projet d` une Dixme Royale“ und Ludwig von Saint-Simon[3] „Memoiren“. Darüberhinaus werde ich historische Fachliteratur einsetzen, um besonders auf die Fragestellung der sozialen Rolle des dritten Standes im Staate eingehen zu können, damit ich an einem konkreten Beispiel die monarchische Herrschaft des „Sonnenkönigs“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit darstellen kann. Dieses Thema ist besonders zu betrachten, um erläutern zu können, warum die moderne Geschichtsforschung sowohl immer mehr Abstand nimmt von der Definition des Absolutismus als Epochen Begriff des 17. und 18. Jahrhunderts, als auch von der Bezeichnung eines politischen Systems, in dem der König die absolute Gewalt und die alleinige Herrschaft über alle Menschen im Staat übernimmt. Hierzu ist es besonders wichtig darzustellen, in wie fern Ludwigs eigenes Staatsverständnis, gestützt auf der Vorstellung der „These Royale“, divergent zu den tatsächlichen Gegebenheiten des damaligen Staates war. Der erste Text bezieht sich in diesem Fall auf den Anspruch des Königs aus seiner Sicht, der zweite Text auf die Situation des Staates, geschildert von dem Festungsbaumeister und General Sèbastian de Vauban und der dritte stellt die Eindrücke des Todes des Königs basierend auf den Ausführungen des Herzogs Ludwigs von Saint-Simon kurz dar. Im Hauptteil meiner Arbeit, werde ich diese Texte sukzessiv beschreiben und analysieren, um dann im Schlussteil alle Texte miteinander vergleichen zu können und eine Beantwortung der Kernfrage des Seminars „Mythos Absolutismus? – Monarchische Herrschaft zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ erzielen zu können.

B Hauptteil

B I Quelle 1

Bei der mir vorliegenden Fassung der Memoiren Ludwigs des Vierzehnten handelt es sich um die Quellengattung einer traditionelle Schriftquelle, die von dem damaligen König Frankreichs zwischen 1661 und 1668 für seinen Thronfolger verfasst wurde. Er versucht hierbei seinem Nachfolger die Regierungsgrundsätze eines absolutistischen Herrschers darzustellen. Dieser Text stellt also eine subjektive Erläuterung des Regierungsverständnisses Ludwigs des Vierzehnten dar, die zu einer objektiven Beurteilung der damaligen Regierungssituation alleine nicht ausreicht. Um eine möglichst unverfälschte Beurteilung erzielen zu können, werde ich die in der Einleitung genannten Quellen, sowie weitere Textquellen hinzuziehen.

Zu Beginn des mir vorliegenden Textes beschreibt er an Hand eines höfischen Festes, dem Ringelstechen, einem zu der damaligen Zeit populären Geschicklichkeitsspiel[4], die Wichtigkeit feudaler Feste. So sei es ebenso wichtig den richtigen Umgang dessen zu beherrschen, wie auch den von wichtigen Staatsgeschäften. Sie dienen in erster Linie nicht nur zur Belustigung der Untertanen, sondern sollen es dem König ermöglichen durch die eigene Präsenz eine Rechtsgleichheit zu erzielen und dadurch eine „vertraute und achtungsvolle Gemeinschaft“[5] zu bilden. Dies sei besonders für das französische Volk wichtig, da es im Gegensatz zur spanischen Nation, auf Grund der historischen Entwicklung, einen nahen Kontakt zum Herrscher gewohnt sei. So konnte jeder Einwohner den König sogar bei der Einnahme seiner Mahlzeiten beobachten oder hätte gar das Recht sich zu jeder Stunde an ihn zu wenden[6]. Er führt weiter aus, dass es diese Gemeinschaft und Freiheit in der Regierungszeit seiner Minderjährigkeit, als die Amtsgeschäfte noch von seinem Lehrmeister und Taufpaten dem Kardinal Jules Mazarin ausgeführt wurden, nicht gegeben habe. Da er noch ein Kind gewesen sei und nicht selbst regieren konnte, hatte das Volk keinen Herrscher der es leiten und disziplinieren konnte. Dies führte zu Unruhen, Unordnung und Verwirrung im Land, ausgedrückt durch den dreißig jährigen Krieg oder den Bürgerkrieg der Fronde von 1648 bis 1653[7]. Um wieder eine Ordnung im Staate herzustellen, musste er versuchen die Balance zwischen Strenge und Milde zu finden. Die Hofspiele sah er hierbei als Möglichkeit dem Volk und besonders dem Adel seine Zuneigung zu zeigen. Sie sollten durch den engen Kontakt zum König und durch die kostspieligen Feste, die er ihnen ermöglichte, erkennen, dass der König ihnen wohlgesonnen war. Die dadurch entstehende Verbundenheit und Vertrautheit sollte es dem König ermöglichen auch harte Entscheidungen und Gesetze gegenüber ihnen durchzusetzen. Der Adel sollte an ihn gebunden und das Volk durch die Feste und Zeremonien fasziniert werden, damit sie seine Entscheidungen tolerierten und erkannten, dass er harte Verordnungen nur aus Besonnenheit und Gewissenhaftigkeit traf und nicht aus Missbilligung gegenüber ihnen. Dies führte unter seiner Herrschaft zur Disziplinierung und Domestizierung des Adels. Hierbei war die enge Bindung des Adels an den König durch die Errichtung eines Hofsystems ein probates Mittel die Macht des Adels einzuschränken und zu kontrollieren. Durch diesen Zentralismus konnte der König die alleinige Macht über die Untertanen ausüben und die Regierungsgeschäfte ohne Zugeständnisse an den Adel führen, um politische Opponenten auszuschalten. Aus diesem Amtsverständnis Ludwig XIV. geht also hervor, dass er unter keinerlei Einfluss des Adels stand und die Entscheidungsbefugnisse nur bei ihm lagen. Dass diese Auffassung so nicht der Realität entsprach, geht aus dem Aufsatz von Ernst Hinrichs: „Absolutismus – was ist das?“[8] hervor. Im regionalistsichen Forschungsansatz beschreibt er, dass in manchen Teilen Frankreichs die Selbstständigkeit regionaler Eliten den König zu Verhandlungen mit ihnen gezwungen hätte. So hätte der König in diesen Teilen des Landes nicht über die alleinige Entscheidungsgewalt verfügt, sondern wäre zu Verhandlungen mit den regionalen Ständen gezwungen gewesen. Seine Machtbefugnisse waren also nicht uneingeschränkt und keineswegs von niemandem Abhängig.

[...]


[1] Ludwig der XIV. wurde am 5. September 1638 in Saint-Germain-en-Laye geboren und starb am 1. September 1715 in Versailles. Ab 1643 war er König Frankreichs. Er regierte jedoch erst nach dem Tod seines Lehrmeisters Jules Mazarin 1661 als alleiniger Herrscher des Staates. Er gilt als „absolutistischer Herrscher“ und wird oft als „Sonnenkönig“ bezeichnet.

[2] Sèbastian de Vauban lebte von 1633 bis 1707 und war französischer General und Festungsbaumeister unter der Herrschaft Ludwigs des Vierzehnten.

[3] Herzog Ludwig von Saint-Simon lebte von 1675 bis 1755 und war ein französischer Schriftsteller und Politiker.

[4] Vgl. Burke, Peter: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, übs. von Matthias Fienbork, 2. Aufl. Berlin 2005.

[5] Ludwig XIV.: Memoiren. Aufzeichnungen für den Thronfolger, Paris 1927.

[6] Vgl. Vierhaus, Rudolf: Frühe Neuzeit - Frühe Moderne?. Forschungen zur Vielschichtigkeit von Übergangsprozessen, Göttingen 1992.

[7] Vgl. Malettke, Klaus: Ludwig XIV. von Frankreich. Leben Politik und Leistung, Göttingen Zürich 1994, S.44 ff.

[8] Vgl. Hinrichs, Ernst: Fürsten und Mächte. Zum Problem des europäischen Absolutismus, Göttingen 2000, S. 19-36.

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640562800
ISBN (Buch)
9783640562510
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v145778
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
König Ludwig der 14. König Ludwig XIV. Absolutismus Ludwig XIV Ludwig 14. Anciem Regime König Ludwigs Staatsverständnis Untertanen Ludwig des vierzehnten

Autor

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Titel: König Ludwigs XIV. Staatsverständnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit