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Arbeit, Freizeit und Familie während der Industriellen Revolution

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Arbeitsverteilung

III. Arbeit und Arbeitskontrolle

IV. Frauenarbeit

V. Kinderarbeit

VI. Familie

VII. Freizeit

VIII. Fazit

Bibliographie

Bibliographie

Belchem, John, Industrialisation and the Working Class. The English Experience, 1750 — 1900, Aldershot 1990.

Burnett, John (Hg.), Usefull Toil. Autobiographies of Working People from the 1820s to the 1920s, London 1974.

Clark, Gregory, Factory Discipline in Britain during the Industrial Revolution, in : The Journal of Economic History, London 1994, S. 128-163.

Cunningham, Hugh, Leisure in the Industrial Revolution, c. 1780 — 1880, London 1980.

Hopkins, E., Working Hours and Conditions during the Industrial Revolution. A Reappraisal, Economic History Review 35. 1982, S. 52-66.

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Hudson, Pat, The Industrial Revolution, London 1992, London 1978. Hunt, Edward H., British Labour History 1815 — 1914, London 1981.

Joyce, Patrick, Work, in : Thompson, Francis M.L. (Hg.), The Camebridge Social History of Britain. Vol 2 : People and their Environment, Camebridge 1990, S. 131-194.

Mathias, Peter, The First Industrial Nation. The Economic History of Britain 1700 — 1914, London/ New York 1983.

More, Charles, The Industrial Age. Economy and Society in Britain 1750-1995, London u.a. 1997.

Morgan, Kenneth, The Birth of Industrial Britain, Social Change 1750 — 1850, Harlow u.a. 2004.

Pike, Edgar Royston (Hg.), Human Documents of the Industrial Revolution in Britain, London 1966.

Pinchbeck, Ivy, Women Workers in the Industrial Revolution, 1750- 1850, London 1930.

Pollard, Sidney, The Genesis of Modern Management. A Study of the Industrial Revolution in Great Britain, London 1965.

Rule, John, The Experience of Labour in Eighteenth - Century Industry, London 1981.

Rule, John, The Labouring Classes in Early Industrial England, 1750 — 1850, London 1986, S.130-152.

Thompson, Edward P., Zeit, Arbeitsdisziplin und Industriekapitalismus, in : Plebeische Kultur und moralische Okonomie. Aufsätze zur englischen Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, ausgewählt und eingeleitet von Dieter Groh, Frankfurt a. M. 1980, S. 33-66.

I. Einleitung

GroBbritannien ist das erste Land, welches eine Industrielle Revolution beziehungsweise Industrialisierung in diesem MaBe erfahren hat. Dabei hat die Industrielle Revolution viele wirtschaftliche und soziale Aspekte des 18. und 19. Jahrhunderts grundlegend verandert. Ziel meiner Hausarbeit ist es hierbei einige dieser Merkmale aufzugreifen und zu erörtern.

Dabei werde ich anfangs auf die Arbeitsverteilung und deren Umstrukturierung wahrend der Industriellen Revolution eingehen. Zum Zweiten werde ich darlegen inwiefern sich Arbeiter in den Fabriken strengen Kontrollen und Ungerechtigkeit von Seiten ihrer Arbeitgeber hingeben mussten, beziehungsweise wie diese umgangen werden konnten.

In den zwei folgenden Kapiteln vier und fiinf werde ich mich naher mit der Frauen- und Kinderarbeit wahrend der Industrialisierung auseinandersetzten, die beide eine sehr fundamentale Rolle wahrend der Industriellen Revolution spielen, und dabei unter starker Belastung und Unterdriickung litten.

In den letzten beiden Kapiteln werde ich naher auf die Strukturen und Gegebenheiten der Familie, sowie auf die damals gegenwärtigen Freizeitaktivitäten der Arbeiter wahrend der Industriellen Revolution eingehen.

II. Arbeitsverteilung

Einer der wichtigsten Faktoren des sozialen Wandels auf dem Weg zur Industrialisierung des friihindustriellen GroBbritanniens ist die Umstrukturierung der Arbeit beziehungsweise der Arbeitsbedingungen. Fiir den gröBten Teil der arbeitenden Bevölkerung von Männern, Frauen und Kindern bedeutete dies einen langen Arbeitstag von mindestens 12 Stunden an zumindest 6 Tagen der Woche. Dabei war es innerhalb der Familien der Arbeiterklasse von groBer Wichtigkeit untereinander zu kooperieren und viel und hart zu arbeiten um geringfiigig besser als von der Hand in den Mund zu leben.1

Aufgrund der Vielfalt der industriellen Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt war es den Arbeitern möglich, durch besondere erworbene Fähigkeiten höhere Löhne zu erwirtschaften, was in der Folge zu sowohl sozialer als auch geographischer Mobilitat fiihren konnte. Mit der Verbreitung von Fabriken kam aufgrund geregelter Arbeitszeiten zu mehr arbeitsfreien Phasen und somit auch zu verschiedenen Freizeitaktivitäten obwohl im Vergleich mit der Heimarbeit mehr und vor allem produktiver gearbeitet wurde.

Um 1850 hatten sich die Strukturen von Arbeit und Freizeit im Gegensatz zu einem Jahrhundert zuvor erheblich geändert. Bis circa 1820 wurde die meiste Arbeit in GroBbritannien auf dem landwirtschaftlichen Sektor verrichtet: „Agriculture was the largest employment form and remained so throughout the first half of the century".2Da auf der Insel zu jener Zeit bereits ein groBer industrieller Sektor vorhanden war, bedeutete dies, dass Arbeiter parallel, auf sowohl industrieller als auch landwirtschaftlicher Ebene tätig sein konnten, je nach Jahreszeit eben.

Hinsichtlich einer Zensur von 1811 teilten sich die Arbeitskräfte wie folgend ein: ein Drittel der vollbeschäftigten Briten ging landwirtschaftlichen Tätigkeiten, Waldarbeiten und der Fischerei nach, circa 30% arbeiteten in Mienen und Manufaktur, fast 12% im Transport und Handel, weitere 12% waren im Haushalt beschäftigt und ungefähr 13% gingen Arbeiten in öffentlichen Sektoren nach.

In den folgenden 40 Jahren sollte sich dies jedoch ändern. Manufaktur und Mienenarbeiten wurden immer mehr, wohingegen sich landwirtschaftliche, öffentliche und fachliche Arbeiten verringerten. Auf der anderen Seite gab es nicht nur die Arbeit in den Fabriken, sondern auch viel handarbeitliche Tätigkeiten die zu dieser Zeit immer noch äuBerst wichtig waren:

Der Zensus von 1851 zeigt Manufaktur und Mienenarbeit mit 43% Vollzeitbeschäftigung als den GröBten Beschäftigungssektor. Diesem folgt die Landwirtschaft, Försterei und Fischerei mit 22%, Handel und Transport mit 16%, Heim- und Personalbeschäftigung mit 13% und öffentliche und andere Beschäftigungen mit 6%.

Insgesamt gesehen hatte sich die Arbeit vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1861 mehr als verdoppelt. Dies hängt unter anderem in Zusammenhang mit dem starken demografischen Wachstum, welcher in den 100 Jahren ab 1750 bis 1850 von 5, 7 auf 16, 8 Millionen Menschen in die Höhe stieg.

Trotz der Industrialisierung jedoch arbeiteten 1851 lediglich 1,75 Millionen Menschen in mechanisierten Prozessen, wohingegen die klare Mehrheit von 5,5 Millionen Arbeitern in nicht mechanisierten Prozessen tätig war.

Phasen und somit auch zu verschiedenen Freizeitaktivitäten obwohl im Vergleich mit der Heimarbeit mehr und vor allem produktiver gearbeitet wurde.

Um 1850 hatten sich die Strukturen von Arbeit und Freizeit im Gegensatz zu einem Jahrhundert zuvor erheblich geändert. Bis circa 1820 wurde die meiste Arbeit in GroBbritannien auf dem landwirtschaftlichen Sektor verrichtet: „Agriculture was the largest employment form and remained so throughout the first half of the century".2 Da auf der Insel zu jener Zeit bereits ein groBer industrieller Sektor vorhanden war, bedeutete dies, dass Arbeiter parallel, auf sowohl industrieller als auch landwirtschaftlicher Ebene tätig sein konnten, je nach Jahreszeit eben.

Hinsichtlich einer Zensur von 1811 teilten sich die Arbeitskräfte wie folgend ein: ein Drittel der vollbeschäftigten Briten ging landwirtschaftlichen Tätigkeiten, Waldarbeiten und der Fischerei nach, circa 30% arbeiteten in Mienen und Manufaktur, fast 12% im Transport und Handel, weitere 12% waren im Haushalt beschäftigt und ungefähr 13% gingen Arbeiten in öffentlichen Sektoren nach.

In den folgenden 40 Jahren sollte sich dies jedoch ändern. Manufaktur und Mienenarbeiten wurden immer mehr, wohingegen sich landwirtschaftliche, öffentliche und fachliche Arbeiten verringerten. Auf der anderen Seite gab es nicht nur die Arbeit in den Fabriken, sondern auch viel handarbeitliche Tätigkeiten die zu dieser Zeit immer noch äuBerst wichtig waren:

„Occupations such as building and mining each by the 1900s emplyoing around 10% of the mal]]e labour force, continued to rely almost exclusively on the skill and strenght of the individual worker."3

Der Zensus von 1851 zeigt Manufaktur und Mienenarbeit mit 43% Vollzeitbeschäftigung als den GröBten Beschäftigungssektor. Diesem folgt die Landwirtschaft, Försterei und Fischerei mit 22%, Handel und Transport mit 16%, Heim- und Personalbeschäftigung mit 13% und öffentliche und andere Beschäftigungen mit 6%.

Insgesamt gesehen hatte sich die Arbeit vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1861 mehr als verdoppelt. Dies hängt unter anderem in Zusammenhang mit dem starken demografischen Wachstum, welcher in den 100 Jahren ab 1750 bis 1850 von 5, 7 auf 16, 8 Millionen Menschen in die Höhe stieg.

Trotz der Industrialisierung jedoch arbeiteten 1851 lediglich 1,75 Millionen Menschen in mechanisierten Prozessen, wohingegen die klare Mehrheit von 5,5 Millionen Arbeitern in nicht mechanisierten Prozessen tätig war.

III. Arbeit und Arbeitskontrolle

Im 18. Jahrhundert umfasste ein gewöhnlicher Arbeitstag in der Heimarbeit zwischen 12 und 14 Stunden, wobei Löhne nicht nach Stunden sondern nach produzierter Stückzahl abgerechnet wurden, was bedeutete, dass zu Anfang der Woche eher zurückhaltend gearbeitet wurde und gegen Ende der Woche hin ein volles Arbeitspensum stattfand, um eine jeweilig notwendige Stückzahl zu erreichen. Dies bedeutete dann oft einen Arbeitstag von 16 Stunden gegen Ende der Woche, wobei jedoch teilweise auch 2 bis 3 Tage die Woche überhaupt nicht gearbeitet wurde. Die Stückzahl variierte also je nach den aktuellen Lebensmittelpreisen und dem Lebensstandard, den die Familie gerade hatte. So wurde je nach finanzieller Lage etwas mehr oder etwas weniger gearbeitet. Gegenüber der Arbeit in den Fabriken wurde der Arbeitsrythmus selber geregelt, und nicht wie in den Fabriken von Maschinen beziehungsweise einem „clocking in" und „clocking off" bestimmt. Meist war in der Heimarbeit die gesamte Familie in den Arbeitsprozess involviert um einen ausreichenden Lebensstandard zu gewähren. Frauen spielten dabei die führende Rolle hinsichtlich der Organisation der Kinder in der Familie. Es gab keine Spezialisierung des Arbeitsprozesses wie dies in der Folge in den Fabriken stattfand. Desweiteren existierten zwei verschiedene Möglichkeiten der Heimarbeit. So war es zum einen möglich dass Verleger die so genannten „Work Houses" mit den jeweiligen Materialien belieferten und diese nach Bearbeitung wieder abholten, oder aber sich die Familie selber um Beschaffung und Vertrieb der Ware kümmerte. Oft fand auch eine Anmietung der Arbeitsstatte sowie die Bezahlung von Miete für die Maschinen statt. Organisatorisch galten die „Putting Out Systems" als Vorlaufer der Fabriken. Allgemein steigerte sich die Kontrolle der Arbeitgeber über die Arbeitnehmer immens. Diese Kontrolle umfasste geschriebene Gesetze und Regelungen bezüglich des Verhaltens wahrend der Arbeitszeit. So wurde zum Beispiel ein Gesetz- und Strafbuch erschaffen welches mit über 100.000 Wörtern die neuen Arbeitsmethoden innerhalb der Fabrik für die Arbeiter regelte.

Generell wurde den Arbeitern, auch wenn dies ein Schritt von drei und mehr Generation bedurfte, klar eingeblaut welche Bedeutung das Sprichwort „Zeit ist Geld" für sie haben sollte.

Eine nicht selten praktizierte Form der Kontrolle in den Fabriken war das so genannte „Sub-Contracting" wobei ein Arbeiter unter den Unternehmern mehrere andere Arbeiter unter seinem Befehl hatte und somit die völlige Verantwortung für diese trug. Dies führte in den meisten Fallen zu Ausbeutungen der untergeordneten Arbeiter, da der Unternehmer nach Stiickzahl bezahlt wurde und dieser seine Unterarbeiter nach Stundenlöhnen bezahlte. Dies bedeutete, dass er diese unter Höchsteinsatz arbeiten lieB, um seinen eigenen Gehalt zu steigern. Desweiteren erlaubte das „Sub-Contracting" dem obersten Arbeitgeber seine Verantwortung an Arbeiter, zu welchen er gute Beziehungen pflegte, abzugeben und vereinfachte ihm somit seine eigentliche Arbeit. Diese Form der Beschaftigung herrschte weniger in gelehrten Berufen, vorwiegend jedoch in der Eisen- , Kohle - und Stahlindustrie, wo viele Arbeiter zugegen waren, die nur teilweise ausgebildet waren. Die Eisen- und Stahlindustrie konnte sich jedoch gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch gegriindete Arbeitergewerkschaften erfolgreich gegen dieses „Sub- Contracting" wehren.

Einen groBen Beitrag hin zur Disziplinierung der Arbeit leisteten dann nach dem „Factory Act" von 1833 die Schulen, welche FleiB, Sparsamkeit, Ordnung und Regelung, friihes Aufstehen und Piinktlichkeit forderten und zur Gewohnheit machten.

Generell steigerte sich mit der Arbeit also die Kontrolle iiber den Arbeitsprozess. Neue Arbeitsgewohnheiten und die erforderliche Zeitdisziplin wurden durch die Spezialisierung der Arbeitsschritte, sprich die Synchronisation der Arbeit, Uberwachungen, Uhrzeichen, Abschaffung von traditionellen Festtagen sowie durch hohe GeldbuBen aber auch Belohnungen fiir gute Arbeit manifestiert. Strafen und Entlassungen gab es fiir Vergehen wie zu spat kommen, das Fernbleiben von der Arbeit, reden und essen am Arbeitsplatz, Bierkonsum sowie in harteren Fallen auch fiir fliistern und singen. Fiir beispielsweise zehnminiitiges zu spat kommen zum Arbeitsplatz wurden bis zu 2 Stunden Lohn einbehalten. Alles in allem fiihrte dies trotz höherer Uberwachungskosten zu einer stark erhöhten Produktivitat der Arbeiter. So kam es in Fabriken zu gut einem Drittel mehr Output als in Workshops. Auch der Arbeitsverdienst war mit von iiber 50 bis zu 60 Prozent trotz geringer bezahlter Stiickzahl erheblich höher. Viele der Arbeiter waren somit mit der zeitlichen Regulierung ihres Lebens durch die Maschinisierung „einverstanden", da dieser Markt im Endeffekt ihr finanzieller Schutz war und sie einen erhöhten Lebensstandard hatten.

Arbeit die allgemein weniger kontrolliert wurde, vollzog sich im Bereich rund um die Eisenbahn, wobei es aber auch in Fabriken viele Berufe gab, zum Beispiel im Transport, die nicht an der Maschine stattfanden und somit weniger iiberwacht wurden. Ingenieure wie Baumwollweber schufen sich beispielsweise ihre eigenen Freiheiten, indem sie ihre Maschinen so einstellten, dass nur wenige diese bedienen konnten und sie somit mehr oder weniger ihr eigener Chef waren.

Letztendlich aber, egal ob in der Schuhindustrie, bei der Bahn oder in Kohle Fabriken, kontrollierte das moderne industrielle Proletariat keine „Supervisor", sondern die finanzielle Gegenwart sowie die Pflicht und Angst uber die Runden zu kommen und nicht zu verhungern: ,, The typical framework ist that of dominance and fear, fear of hunger, of eviction, of prison for those who disobey the new industrial rules".4

[...]


1 Morgan, Kenneth, The Birth of Industrial Britain, Social Change 1750 — 1850, S. 7- 20.

2 Hunt, Edward H., British Labour History 1815 — 1914, S. 26.

3 More, Charles, The Industrial Age. Economy and Society in Britain 1750 — 1995, S.173.

4 Pollard, Sidney, The Genesis ofModern Management. A Study ofthe Industrial Revolution in Great Britain, S. 208.

Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640568864
ISBN (Buch)
9783640569076
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146069
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Historisches Seminar
Note
2,2
Schlagworte
Arbeit Freizeit Familie Industriellen Revolution

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Titel: Arbeit, Freizeit und Familie während der Industriellen Revolution