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Die hellenistischen Gymnasiarchen als politische Führungsschicht

Eine Betrachtung am Beispiel des Menas von Sestos

Essay 2007 8 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Gymnasiarchen in hellenistischer Zeit
3.1. Allgemeines zur Gymnasiarchie in hellenistischer Zeit
3.2. Der Gymnasiarch Menas von Sestos

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Literatur

6. Quellen

2. Einleitung

Die Gymnasiarchen[1] der hellenistischen Zeit gehören zweifelsohne zu den Führungsschichten der griechischen Antike. Peter Scholz spricht der Institution des Gymnasions in der Einführung des von ihm und Daniel Kah herausgegebenen Bandes „Das hellenistische Gymnasion“ eine „überragende Bedeutung in der hellenistischen Stadt“[2] zu. Folglich musste auch sein Leiter, der Gymnasiarch, ein gewichtige Stellung in der Polis einnehmen.[3]

Diese Arbeit soll die Kennzeichen und Merkmale der Führungsschicht der Gymnasiarchen in der hellenistischen Zeit herausarbeiten. Im ersten Kapitel werden zunächst die Institution der Gymnasiarchie und ihre Bedeutung in der hellenistischen Polis, sowie die Aufgabe und Funktion des Gymnasiarchen allgemein dargestellt. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem konkreten Beispiel des Menas von Sestos, der für seine außergewöhnlichen Leistungen als Gymnasiarch in seiner Polis geehrt wurde. Eine Zusammenfassung sowie ein kurzer Ausblick auf die Gymnasiachie der Kaiserzeit schließen dann die Arbeit ab.

Dieser Aufsatz stützt sich vor allem auf die Ehreninschrift für Menas von Sestos[4] als Quelle. In der Forschung wurde die Institution des Gymnasions bislang nur in der Studie von Jean Delorme[5] und im bereits erwähnten Sammelband von Kah/Scholz umfassend untersucht.[6] Darüber hinaus gibt es noch einige Darstellung des Themas in Lexikonartikeln.[7]

Ich möchte vorweg darauf hinweisen, dass die Gymnasiarchie in hellenistischer Zeit je nach Polis unterschiedlich organisiert war. Die jeweiligen Unterschiede und Ausnahmen können allerdings im gegebenen Umfang der Arbeit nicht alle herausgestellt werden, sodass ich mich auf die dominierenden Formen der Gymnasiarchie konzentriere.

3. Gymnasiarchen in hellenistischer Zeit

3.1 Allgemeines zur Gymnasiarchie in hellenistischer Zeit

Die frühesten Belege der Gymnasiarchie stammen aus dem klassischen Athen, wo sie zu den so genannten enkylischen Liturgien zählte. Dies waren besondere finanzielle Verpflichtungen, die jährlich von reichen Bürgern übernommen wurden. Die athenischen Gymnasiarchen übernahmen die Aufstellung von Mannschaften für Fackelläufe und amtierten immer nur kurz vor einem Fest. Diese Form der Gymnasiarchie nennt man liturgisch.

In der Forschung unbestritten ist die Tatsache, „daß in der langen Geschichte der Gymnasiarchie die hellenistische Zeit die wichtigste Phase darstellt.“[8] Die dominierende Ausformung in hellenistischer Zeit ist die Gymnasiarchie als öffentliches Amt (άρχή).[9] Entscheidende Kriterien für den Status als öffentliches Amt waren die Wahl des Gymnasiarchen in der Volksversammlung[10], die Festlegung seiner Aufgaben, prominentester Beleg hierfür ist der νόμος γυμνασιαρχικός von Beroia, und die Gleichstellung mit anderen Amtsträgern.

Die Aufgaben des Gymnasiarchen waren sehr umfangreich. Nach J. Oehler lassen sich seine Plflichten in folgende Gruppen Gliedern: Aufsicht und Sorge für die Anstalt, Religiöse Obliegenheiten, Leitung der Erziehung und des Unterrichts der Besucher der Anstalt sowie die Verwaltungstätigkeit.[11] Der Gymnasiarch beaufsichtigte zwar den Lehrbetrieb am Gymnasion, er war jedoch selbst weder Trainer noch Lehrer. C. Schuler betont, dass mit dem Amt des Gymnasiarchen „umfangreiche administrative, kultische und gesellschaftlich-repräsantative Verpflichtungen“[12] verbunden waren. Auch die Bandbreite und der Umfang der Aufgaben waren besonders hoch, sodass persönliches Engagement und Einsatz des Gymnasiarchen gefragt waren.[13]

Der Unterricht „erstreckte sich auf die Epheben, aber auch auf die Altersklassen der Paides und Neoi.“[14] Die Kinder (paides) erlernten Lesen, Schreiben und Rechnen und maßen sich in sportlichen Wettbewerben miteinander; die Heranwachsenden (Epheben) wurden im Kriegshandwerk unterwiesen, während die jungen Männer (neoi) Vorträge und Kurse von Wandergelehrten besuchten.[15] Aber das Gymnasium war nicht nur eine Unterrichts- und Übungsanstalt, sondern zugleich auch ein „staatlicher Festplatz“[16], wo die Bürger lokale Kulte begingen, an denen die Epheben, Neoi und Paides mitwirkten.

Die enorme Bedeutung des Gymnasiums für die hellenistische Polis basiert somit auf seiner Funktion als Ausbildungs- und Sozialisationsort der Neoi, Paides und vor allem der Epheben, sowie auf den Ausbau des Festwesens und die Konzipierung als Angebot für alle Bürger der Stadt.

Dennoch muss man davon ausgehen, dass sich nicht alle Bürger einen häufigen Aufenthalt im Gymnasion leisten konnten. Der Gymnasiarch hatte dafür Sorge zu tragen, dass möglichst viele das Angebot nutzten.

Es ist in der Forschung unumstritten, dass die Übernahme der Gymnasiarchie häufig mit schweren finanziellen Belastungen für den Amtsträger verbunden war.[17] Deshalb stammten die Kandidaten häufig aus den reichsten und prominentesten Familien der Polis.[18] Genaue Angaben über das Budget der Einrichtung sind uns aus keinem Gymnasion überliefert. C. Schuler geht von einer Mischfinanzierung aus, „die sich in wechselnden Konstellationen aus Zuschüssen öffentlicher Kassen, Einkünften aus Stiftungsvermögen, Beiträgen der Benutzer und eben Spenden von Gymnasiarchen zusammensetzte.“[19] Die öffentlichen Mittel gewährleisteten den Betrieb des Gymnasions nur af sehr niedrigem Niveau, sodass dem Prestigestreben und Gestaltungswillen ehrgeiziger Gymnasiarchen Freiraum gegeben war. Das finanzielle Engagement des Gymnasiarchen war nicht offiziell verpflichtend, aber eine gewisse öffentliche Erwartungshaltung kann vorausgesetzt werden.[20] Neben der Finanzierung von Öl, Opfern und Agonen, waren Investitionen seitens des Gymnasiarchen ins Bauwesen und ins Bildungsangebot von besonderem Interesse.

[...]


[1] Zur kritischen Auseinandersetzung mit der geläufigen Übersetzung ‚Leiter des Gymnasions’, vergleiche Schuler (2004) 163.

[2] Scholz, Einführung (2004) 11.

[3] Vgl. Quaß (1993) 286.

[4] I. Sestos 1 (OGIS 339).

[5] Jean Delorme, Gymnasion. Étude sur les monuments consacrés a l’éducation en Grèce.

[6] Eine umfangreichere Darstellung über die Q uellenlage und den Forschungsstand finden sie bei Scholz, Einführung (2004) 11-24 und bei Quaß (1993) 286-291.

[7] Höcker, DNP „Gymnasion“, 20-23; Hadot, DNP „Gymnasion II“, 23-27; Oehler, RE „Гυμνασίαρχος“, 1969-2004; Oehler, RE „Gymnasium“, 2004-2026.

[8] Schuler (2004) 164.

[9] Die ersten epigraphischen Belege für diesen Typ stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jh. v. Chr. Vgl. hierzu auch Schuler (2004) 172.

[10] Auch hier gab es Ausnahmen. In manchen Poleis wurde der Gymnasiarch von den Benutzern des Gymnasions gewählt.

[11] Oehler, RE „Гυμνασίαρχος“, 1996.

[12] Schuler (2004) 171.

[13] Vgl. ebenda.

[14] Quaß (1993) 286.

[15] Scholz, Einführung (2004) 15 und ausführlich in Scholz, Elementarunterricht und intellektuelle Bildung im hellenistischen Gymnasion (2004) 103-128.

[16] Quaß (1993) 286.

[17] Vgl. Hadot, DNP „Gymnasion II“, 25.

[18] Vgl. Schuler (2004) 178.

[19] Schuler (2004) 179.

[20] Ebenda 187.

Details

Seiten
8
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640572694
ISBN (Buch)
9783640572540
DOI
10.3239/9783640572694
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146228
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Altertumskunde
Note
1,3
Schlagworte
Gymnasion Menas von Sestos Griechenland Antike

Autor

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Titel: Die hellenistischen Gymnasiarchen als politische Führungsschicht