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Epidemiologie, Verlauf, Klassifikation und Diagnostik von Essstörungen

am Beispiel der Anorexia Nervosa und Bulimia Nervosa

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

1. Einleitung

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Seminar „Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter“ unter der Leitung von Herrn Dr. Wichard Puls. Es wurden verschiedene psychische Störungen thematisiert, unter anderem auch Essstörungen. Hierzu zählen Anorexia nervosa (AN), Bulimia nervosa (BN), Adipositas und Binge Eating.[1] Die Ausführungen der vorliegenden Arbeit beschränken sich auf die AN, auch Magersucht genannt und BN, auch als Ess-Brech-Sucht bekannt. Zunächst werden Daten über Prävalenz, Inzidenz und Verlauf aufgezeigt. Anschließend erfolgt die Klassifikation und Diagnostik beider Essstörungen. Mit Hilfe zweier Klassifikationssysteme werden die Diagnosekriterien tabellarisch gegenübergestellt, verglichen und genauer beschrieben. Abschließend wird darauf eingegangen, welche Rolle das Thema „Essstörungen“ im schulischen Kontext einnimmt.

2. Epidemiologie und Verlauf

Es werden zunächst Ergebnisse zum allgemeinen Essverhalten von Kindern und Jugendlichen dargestellt. Anschließend erfolgt die Auflistung einzelner Daten über Häufigkeit, Verlauf und Inzidenz der Essstörungen AN und BN.

2.1 Gestörtes Essverhalten bei Jugendlichen

Eine Studie des Robert Koch-Institutes untersuchte das Essverhalten von Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren. Die sogenannte KiGGS-Studie ergab, dass knapp 22 Prozent (%), also mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland Merkmale einer Essstörung aufweist. Bei weiblichen Jugendlichen treten diese mit 29 % fast doppelt so häufig auf wie bei männlichen. Unter den 11 bis 15-Jährigen haben 11 % der Jungen und 17 % der Mädchen bereits Diäterfahrungen. Viele Jugendliche haben ein negatives Körperselbstbild, so würden gerne 63 % der 13 bis 14-Jährigen besser aussehen und 56 % wären gern dünner.[2]

In einer weiteren Studie der Universität Jena an 12 - 32-Jährigen Schülern und Studenten wurden bei 29 % der Mädchen und 13 % der Jungen Frühzeichen von Essstörungen festgestellt. Dazu zählen unter anderem Essanfälle und drastische gewichtsregulierende Maßnahmen.[3]

2.2 Anorexia Nervosa

Von der AN sind vorwiegend Frauen betroffen. So sind circa 95 % aller Erkrankten weiblich. Männer leiden wesentlich seltener unter den Symptomen der Krankheit. Das Geschlechterverhältnis der betroffenen Frauen zu Männern beträgt etwa 10:1.[4] Das Vollbild der AN kommt relativ selten vor. Schätzungsweise beträgt die Prävalenzrate bei jungen Frauen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren circa 1 % und für Jungen und Männer 0,1 %. Die nicht voll ausgeprägte AN dagegen tritt mit 1,3 % der Frauen und 0,4 % der Männer häufiger auf. Beispielsweise zählen gezügeltes Essverhalten, Unzufriedenheit mit Figur und Gewicht sowie Diäten dazu. Die Inzidenzrate der AN umfasst acht Neuerkrankungen pro Jahr, bezogen auf 100.000 Einwohner. Bei Jungen oder Männern liegt sie bei zwei Neuerkrankungen. Die höchsten Inzidenzraten treten bei jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren auf. Aus dieser Altersgruppe stammen circa 40 % der Neuerkrankungen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Inzidenz kontinuierlich ab. Das Durchschnittsalter bei Beginn der AN liegt bei 17 Jahren und ist oft mit einem belastenden Lebensereignis verbunden. Die AN kennzeichnet sich durch eine hohe Persistenz und einen chronischen Verlauf aus. Die Sterblichkeitsrate aller stationär aufgenommenen Patienten beträgt 10 %. Die Patienten sterben aufgrund von Mangelernährung oder Suizid.[5]

2.3 Bulimia Nervosa

Ähnlich wie bei der AN ist die BN fast ausschließlich bei Frauen zu finden. Sie kommt im Vergleich zur AN häufiger vor. Die Prävalenzrate bei jungen Frauen beträgt 1 bis 2 % und bei jungen Männern 0,1 %. Bei der subklinischen (einzelne Symptome gestörtes Essverhaltens sind vorhanden) ausgebildeten Form der BN liegen die Prävalenzen bei bis zu 5,4 %. Die Gruppe mit den meisten Erkrankungen sind 20 bis 24-Jährige Frauen. Probleme mit dem Essen treten jedoch meist bereits während der Pubertät auf. Typisch sind dabei z. B. strenge Diäten.[6] Zur Inzidenzrate der BN liegen bislang nur wenige Untersuchungen vor. In drei Studien wurden mindestens 12 Neuerkrankungen pro Jahr bezogen auf 100.000 Einwohner ermittelt. In der Höchstrisikogruppe der 20 bis 24-Jährigen beträgt die Inzidenz hingegen rund 82 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Ab 40 Jahren nimmt die Anzahl der neu Erkrankten enorm ab.[7] Das Durchschnittsalter der Ersterkrankung ist in der Regel etwas höher als bei der AN und liegt bei 22 Jahren. Circa 50 % der Betroffenen litten vorher an einer AN. Die Prognose bei einer BN ist bezogen auf den Langzeitverlauf besser als bei der AN. Nach 10-jähriger Behandlung sind nur noch circa 10 % der Patienten von einer BN betroffen. Bei einem unbehandelten Verlauf weisen dagegen nach fünf Jahren 49 % noch immer eine Essstörung auf.[8]

[...]


[1] vgl.: Bundeszentrale der gesundheitlichen Aufklärung (2000): Essstörungen. S. 10

[2] vgl.: http://www.kiggs.de/experten/downloads/dokumente/kiggs_elternbroschuere.pdf. S. 48 - 50

[3] vgl.: Aschenbrenner K et al. (2004) Störungen des Essverhaltens bei Gymnasiasten und Studenten. S. 259 - 263

[4] vgl.: Hoek, H.W. & van Hoeken, D. (2003): Review of the prevalence and incidence of eating disorders. S. 383 - 396

[5] vgl.: Tuschen-Caffier, B., & Bender, C. (2008): Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. S. 556 - 558

[6] vgl.: Biedert, E. (2008): Essstörungen. S 32 - 33

[7] vgl.: Hoek, h. W. (2006): Incidence, prevalence and mortality of anorexia nervosa and other eating disorders, S 389 - 394

[8] vgl.: Tuschen-Caffier, B., & Bender, C. (2008): Anorexia nervosa und Bulimia nervosa. S. 556 - 558

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640575558
ISBN (Buch)
9783640575473
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146605
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Soziologie
Note
Schlagworte
Essstörungen Anorexia nervosa Bulimia nervosa

Autor

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