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Ausführlicher Bericht zu einer ersten schulpraktischen Übung mit Hospitation und Planung und Reflexion der ersten Unterrichtserfahrungen

Unterrichtsentwurf 2007 65 Seiten

Pädagogik - Unterrichtsvorbereitung allgemein

Leseprobe

Inhalt

1 Die Schule
1.1 Allgemeine Informationen zur Schule
1.2 Besonderheiten der Schule
1.2.1 Lehrerteams
1.2.2 Freies Lernen
1.3 Ziele der Schule

2 Beobachtung von Unterricht
2.1 Unterrichtsbeobachtungen
2.1.1 Unterrichtsbeobachtung I
2.1.2 Unterrichtsbeobachtung II
2.1.3 Unterrichtsbeobachtung III
2.2 Stundendenplan

3 Planen und Reflexion von Unterricht
3.1 Unterrichtsentwurf im Fach Deutsch
3.1.1 Bedingungen des Unterrichts
3.1.2 Sachanalyse
3.1.3 Didaktische Überlegungen
3.1.4 Methodische Überlegungen
3.1.5 Lernziele
3.1.6 Verlaufsplan
3.1.7 Reflexion
3.2 Unterrichtsentwurf für den Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch
3.2.1 Bedingungen des Unterrichts
3.2.2 Sachanalyse
3.2.3 Didaktische Überlegungen
3.2.4 Methodische Überlegungen
3.2.5 Lernziele
3.2.6 Verlaufsplan
3.2.7 Reflexion
3.3 Literaturverzeichnis und Anhang
3.3.1 Literaturverzeichnis
3.3.2 Aufgaben zur Gruppenarbeit im Unterrichtsentwurf I
3.3.3 Lückentext zur Kontrolle der Lernergebnisse für den Unterrichtsentwurf I

4 Pädagogische Schwerpunktaufgabe
4.1 Lerngruppenanalyse
4.1.1 Allgemeine Informationen zur Gruppe
4.1.2 Auftreten und körperlicher Entwicklungsstand
4.1.3 Kognitive Fähigkeiten, allgemeine Kompetenzen und Motivation
4.1.4 Gruppenbildung
4.2 Kind-Umfeld-Analyse
4.2.1 Sozial-kommunikative Ebene
4.2.2 Emotionale Ebene
4.2.3 Psychomotorische Ebene Kognitive Ebene

5 Persönliche Reflexion
5.1 Praktikumsverlauf
5.2 Erwartungen und Ängste
5.3 Fazit

6 Quellen

1 Die Schule

1.1 Allgemeine Informationen zur Schule

Die W-Schule ist eine Reformschule und im Schuljahr 1994/95 zur „Versuchsschule des Landes Hessen“ erklärt worden. Ihr Ziel ist es, eine bessere Schule zu verwirklichen, wofür sie einen größeren rechtlichen, personellen und finanziellen Spielraum erhält und großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern legt.

Zudem ist die W-Schule eine Ganztagsschule. Das bedeutet, dass ab 7.30 Uhr die Türen der Klassenräume und die Jahrgangsbereiche geöffnet sind, der Unterricht aber erst um 8.45 Uhr beginnt. Der „Offene Anfang“ hat zur positiven Folge, dass die Schüler schon früh in die Schule können und nicht wie beim Öffnen der Schule erst kurz vor Unterrichtsbeginn ein Ansturm auf das Gebäude stattfindet, was unnötige Aggressionen freisetzt. Ab 8 Uhr steht für die Jahrgänge 5 und 6 eine Aufgabenbetreuung zur Verfügung und der Unterricht findet bis 14.35 Uhr statt. Daran anschließend werden am Nachmittag bis 16 Uhr noch Zusatzangebote wie z.B. HipHop, Chor, Selbstverteidigung, Krafttraining, Schach u.v.m. angeboten, in die sich die Schüler für ein Schuljahr verbindlich einwählen können. Zwischen 12.15 Uhr und 13.15 Uhr ist Mittagspause. Während dieser Stunde können die Schüler sowohl in der Cafeteria, als auch in der Mensa und im Bistro warmes Essen beziehen.

Die W-Schule bietet einen Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Übergang zur Berufsschule, Fachoberschule, zum beruflichen Gymnasium oder zur gymnasialen Oberstufe an. Bei letzterem kooperiert sie mit dem Oberstufengymnasium H.

1.2 Besonderheiten der Schule

Eine Besonderheit der W-Schule sind die Integrationsklassen. Das bedeutet, dass in jedem Jahrgang drei bis vier Kinder mit Behinderung, die sogenannten I-Kinder, in einer Klasse mit den anderen Schülern zusammen unterrichtet und dabei zusätzlich von einer Sonderpädagogin betreut werden. Auf diese Weise sollen die Schüler lernen, im Alltag besser auch mit großer Unterschiedlichkeit umzugehen und die I-Kinder in ihre Gemeinschaft zu integrieren.

Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass die Klassenlehrer die Schüler ihrer Klasse im Verlauf der 5. Klasse zu Hause besuchen, um sich ein Bild von der familiären Situation zu machen. Daran anschließend finden halbjährlich Elterngespräche statt. Dabei steht im Vordergrund, mit den Eltern über ihre Kinder, deren Leistungen und Verhalten, Stärken und Schwächen zu reden, um jeden Einzelnen individuell und bestmöglich fördern zu können.

Zwei besondere Merkmale sind außerdem, dass die W-Schule ein besonderes Fach anbietet, nämlich das Freie Lernen (FL), und die Klassen während der gesamten Schulzeit von einem Lehrerinnen- und Lehrerteam betreut und begleitet werden. Diese beiden Aspekte sind es wert, im Folgenden ausführlicher beschrieben zu werden.

1.2.1 Lehrerteams

Jeder Jahrgang der W-Schule bildet eine besondere Einheit, die sich räumlich von den anderen Jahrgängen abgrenzt. Zu diesem eigenen Bereich bzw. Haus gehören die Klassenräume, das Teamzimmer, in dem sich vorwiegend das Lehrpersonal aufhält und Medien platziert werden, und die Gemeinschaftsfläche, auf der die Schüler ihre Pausen verbringen. Die Häuser der Jahrgänge 5 und 6 befinden sich hinter der Schule gegenüber der Sporthalle, das Haus der Jahrgänge 7 und 8 vor der Schule sowie im zweiten Obergeschoss. Im ersten Obergeschoss sind auf der einen Seite der Jahrgang 9 und auf der anderen der Jahrgang 10 untergebracht. Dies hat den Vorteil, dass die Jugendlichen, die gerade dieselbe Entwicklungsstufe durchlaufen, beisammen sind und die Möglichkeit haben, sich sowohl von den jüngeren, als auch von den älteren Schülern abzugrenzen.

Ein Jahrgang wird vom 5. bis zum 10. Schuljahr von einem Lehrerteam betreut, wobei immer ein Lehrer und eine Lehrerin die Verantwortung für eine Klasse in diesen 6 Jahren übernehmen. Das bedeutet, dass Lehrende und Lernende über die lange Zeit hinweg miteinander vertraut sind, auch gemeinsam außerschulische Aktivitäten unternehmen und ein Klassenlehrer seine Klasse nach 2 Jahren nicht einfach wieder „abgeben“ kann. Dadurch können die Lehrenden die Fähigkeiten ihrer Schüler erkennen und sie intensiv und zielgerichtet fördern.

Die Arbeit im Team hat den Vorteil, dass die Lehrer sich gegenseitig ergänzen und somit die Qualität des Unterrichts erheblich verbessern können. Zudem haben sowohl die Mädchen, als auch die Jungen einen gleichgeschlechtlichen Ansprechpartner, zu dem sie gehen können, wenn sie Probleme haben. Die Schüler kennen ihre Klassenlehrer lange Zeit und vertrauen ihnen, da sie wissen, dass sie sich auf sie verlassen können.

1.2.2 Freies Lernen

Das Fach „Freies Lernen“ ist ein besonderes Angebot der W-Schule und wird in den Jahrgängen 5 bis 8 zweistündig, in den Jahrgängen 9 und 10 dreistündig angeboten.

In der 5. Klasse wird damit begonnen, dass die Schüler kurze Vorträge erarbeiten, und so weit ausgebaut, dass in der 10. Klasse schließlich Vorhaben geplant werden, die die Schüler über 10 Wochen bearbeiten und anschließend vorstellen. Dabei können die Schüler allein arbeiten, sich einen Partner suchen oder auch in kleinen Gruppen zusammen ein Vorhaben in Angriff nehmen und mit Hilfe eines sogenannten „Wochenplanes“ planen. Dabei wird immer am Ende der Woche von den Schülern offen gelegt, was wann erarbeitet wurde, und der Lehrer kommentiert den Arbeitsplan. Sowohl Wochenplan als auch Kommentar nehmen die Eltern schließend zur Kenntnis. Die Würdigung der Arbeiten erfolgt über eine halbjährliche mündliche Rückmeldung der Klassenlehrer und eine schriftliche Anlage zum Zeugnis am Schuljahresende.

Durch diese Form des >Unterrichtes< sollen verschiedene Kompetenzen bei den Schülern gefördert werden. Im Vordergrund steht das Forschen, Ausprobieren, Planen und das anschließende Reflektieren über die eigene Arbeit und den Entstehungsprozess. Die Schüler können sich ein Thema aussuchen, mit dem sie sich gerne beschäftigen wollen, und dieses frei gestalten. Dies hat zur Folge, dass am Ende jeder Erarbeitungsphase sehr viele schöne Ergebnisse präsentiert werden, die sowohl von den Lehrenden, als auch von den Mitschülern geschätzt und gewürdigt werden.

1.3 Ziele der Schule

Aus den oben genannten Aspekten, lassen sich einige Ziele der W-Schule ableiten:

1.: Durch die räumlich strikte Trennung der Jahrgänge, wird die Schule überschaubar, die Schüler sind mit Gleichaltrigen zusammen und können sich abgrenzen von den „nervenden Kleinen“ und den „einschüchternden Großen“.
2.: Das Angebot zum Essen (Vollwertkost, Bio-Kost, reiche Auswahl an Menüs, wovon mindestens eines vegetarisch ist) ermöglicht den Kinder sich gesund zu ernähren. Sie müssen nicht den ganzen Tag mit leerem Magen im Unterricht sitzen, denn wenn man gegessen hat, hat man gute Laune und lernt viel besser.
3.: Durch regelmäßige Gruppenarbeiten und die Einteilung in Klassenlehrerteams, die eine Klasse 6 Jahre lang begleiten, wird großer Wert auf Kooperation und einen freundlichen, respektvollen Umgang miteinander gelegt. Die Schüler lernen so, einander zu vertrauen, lernen ihre Mitschüler zu schätzen und wissen, dass sie sich sowohl auf ihre Lehrer, als auch aufeinander verlassen können.
4.: Sowohl das Fach Freies Lernen, als auch die viel angewandte Unterrichtsmethode der Recherche (allein oder in Gruppen) ermöglicht es den Kindern, selbstständig zu Lernen und ihr Lerntempo selbst festzulegen. Auf diese Weise können sie bestmöglich gefördert werden und erreichen das für ihre Voraussetzungen optimalste Lernergebnis. Dabei können sie sich ausprobieren und sowohl ihre Schwächen entdecken, um an ihnen zu arbeiten, als auch ihre Stärken, um diese auszubauen. Außerdem wird ihnen auf diese Weise die Möglichkeit geboten, ihre persönlichen Interessen zu erforschen, ihnen nachzugehen, ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet zu vertiefen und sich neues Wissen eigenverantwortlich anzueignen.

All dies trägt dazu bei, dass die Kinder sich selbst entdecken lernen, ihre Grenzen erweitern und immer mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit den Fachinhalten und ihren Mitschülern entwickeln.

Das Konzept der W-Schule ermöglicht es durch den von der Schule beschrittenen Weg, jedes Kind individuell nach seinen Kompetenzen zu fördern und bestmöglich sowohl auf die Oberstufe oder den Beruf, als auch auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, versucht die W-Schule durch ständige Evaluation (z.B. in Form von Untersuchungen im Rahmen von Promotions-, Examens- und Diplomarbeiten) ihren Unterrichtsalltag zu optimieren, denn ihr Motto lautet:

>Nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden kann.<

2 Beobachtung von Unterricht

2.1 Unterrichtsbeobachtungen

Ich habe mich für Unterrichtsbeobachtungen in drei verschiedenen Fächern (Französisch, Deutsch und Mathematik) bei drei verschiedenen Lehrern (Frau K, Herr E, Herr H) entschieden.

Die Französisch-Stunde habe ich ausgewählt, da Frau K sie aus dem Stehgreif gehalten, trotzdem aber verschiedene Arbeitsformen adäquat eingesetzt und somit die Aufmerksamkeit und Motivation der Schüler fast 90 Minuten lang aufrecht erhalten hat. Sie stieg sie mit neuem Stoff in den Unterricht ein, verfestigt ihn bei den Schülern durch mehrmaliges Anwenden und anschließender Visualisierung (Arbeitsblatt), führt gegen Ende der ersten Stunde ein lockeres Unterrichtsgespräch auf Deutsch zum kurzen geistigen Entspannen und beginnt in der zweiten Stunde kein neues Thema, sondern lässt einen französischen Text lesen, festigt durch häufige Anwendung bereits bekannte Grammatik bei den Schülern und motiviert sie durch In-Aussicht-Stellen einer Belohnung (früher nach Hause gehen) zur Mitarbeit.

Die Deutsch-Stunde habe ich ausgewählt, da Herr E sie komplett durchgeplant und Kollegen beim Halten der Stunde zuschauen lassen hat. Die Stunde überzeugt durch einen interessanten Einstieg in die Unterrichtseinheit „Goethe“ und einem vielfältigen Angebot, was die Methoden betrifft.

Die Mathe-Stunde habe ich ausgewählt, weil ich es so bewundernswert fand, wie anschaulich Herr H in einem gelenkten Unterrichtsgespräch eine neue mathematische Formel durch bereits bekanntes Wissen herleiten ließ. Dabei konnte er leistungsstarke sowie leistungsschwache Schüler des Kurses einbeziehen, ihre Gedanken in die richtige Richtung lenken und Unruhen durch direktes Ansprechen oder Befragen schon im Keim ersticken, sodass alle gefordert waren und am Ende etwas dazugelernt haben.

2.1.1 Unterrichtsbeobachtung I

- Frühstück auf Französisch -

Montag, 26.02.07, 5.+6. Stunde

Französisch G-Kurs

Fr. K

Der Kurs ist auffallend klein, denn er besteht an diesem Tag aus nur 8 Schülern (6 Jungen und 2 Mädchen), die – laut Aussage von Frau K – relativ unmotiviert sind und um diese Uhrzeit (5. und 6. Stunde) nur noch so schnell wie möglich nach Hause gehen wollen.

Die Stunde beginnt mit einer knappen Begrüßung auf Französisch, dann teilt Frau K die Klassenarbeiten aus und erkundigt sich bei der Klasse, ob es noch Fragen zu der Arbeit gebe. Da sich erst niemand meldet und sie einen zaghaft gehobenen Arm übersieht, steigt Frau K sofort in den Unterricht ein, indem sie das Wort boire an die Tafel schreibt und die Schüler dazu auffordert, es zu konjugieren. Obwohl es unregelmäßig ist und die Lerngruppe eigentlich als unmotiviert beschrieben worden ist, melden sich sofort fünf Schüler, um die Aufgabe zu übernehmen. Gemeinschaftlich und durch Hinweise der Lehrerin, kommen sie auf das richtige Ergebnis, das an der Tafel festgehalten wird.

Als nächstes folgt an der Tafel das Auflisten von Vokabeln, mit denen man ein Frühstück beschreiben kann. Bei schweren und noch nicht bekannten französische Wörter wird die deutsche Übersetzung in Klammern hinzugefügt. Damit sich alle Schüler am Unterrichtsgespräch beteiligen, fordert Frau K sie dazu auf erst mitzuarbeiten und danach die Vokabeln abzuschreiben. Nachdem alle wichtigen Vokabeln an der Tafel stehen, müssen die Schüler sie anwenden, indem sie über ihr Frühstück an diesem Morgen erzählen. Auf diese Weise werden die neuen Vokabeln gefestigt. Frau K verbessert Fehler sofort und gibt so jedem Schüler eine Rückmeldung darüber, wie der Satz korrekt lautet, damit diese Fehler nicht beibehalten werden. Zudem versucht sie L, einem Schüler, der ein halbes Jahr zur Kur war und deshalb noch nicht wieder in der Lage ist komplett am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen, durch gezielte Fragestellung dabei zu helfen, die Sätze richtig zu formulieren.

Nach dieser Arbeitsphase folgt nach ca. 40 Minuten ein lockeres Unterrichtsgespräch zum geistigen Entspannen auf Deutsch, in dem geklärt wird, wie denn ein deutsches Frühstück aussehe, das Frau K daraufhin mit einem typisch französischen Frühstück vergleicht.

Anschließend wird ein Arbeitsblatt ausgeteilt, auf dem ein Frühstückstisch abgebildet ist. Die Schüler erhalten die Aufgabe, mit Hilfe der an der Tafel stehenden Vokabeln im Heft eine Bildbeschreibung anzufertigen. Abgesehen von einigen Vokabel-Fragen zwischendurch verläuft das Arbeiten sehr ruhig und konzentriert. Nach der Stillarbeitsphase dürfen die Schüler ihre Ergebnisse vortragen. Besonders gute Sätze werden als Musterlösung von der Lehrerin an der Tafel festgehalten und von den Schülern ins Heft übernommen.

Da nach 60 Minuten Unterricht die Motivation der Schüler an einem ersten Tiefpunkt angelangt ist, versucht Frau K sie zu weiterer Mitarbeit anzuregen, indem sie ihnen sagt, was sie in der Stunde noch unbedingt machen möchte, und verspricht, dass sie gehen dürfen, wenn das Stundenziel erreicht ist. Als kleine Entspannung lässt Frau K einen französischen Text laut im Plenum vorlesen, wobei die Schüler sich gegenseitig abwechseln und den nächsten bestimmen. Anhand eines Satzes aus dem Text wird die Grammatik von „Ich habe Lust auf/habe keine Lust auf...“ wiederholt. Da die Schüler nach dieser kurzen Theoriephase darauf bestehen, nach Hause zu gehen, fängt Frau K keinen neuen Stoff mehr an, sondern beschränkt sich in den letzten 15 Minuten darauf, die Grammatik anhand von Beispielen, welche die Schüler nennen, zu üben. Natürlich kommen dabei auch lustige Beispiele (die weniger ernsten prägen sich ja bekanntlich immer besser ein als die aus dem Lehrbuch) wie „Je ne pas envie de aller á l’ecole“ zustande. Nach dieser lockeren Übung, bei der jeder mindestens ein Mal zu Wort gekommen ist, dürfen die Schüler wegen ihrer vorbildlichen Mitarbeit fünf Minuten früher nach Hause gehen.

2.1.2 Unterrichtsbeobachtung II

- Goethes Biographie -

Mittwoch, 07.03.07

3. Stunde Deutsch

Hr. E

Herr E steigt damit in den Unterricht ein, dass er vier Bilder von Goethe an die Tafel klebt (Visualisierung des Themas) und die Schüler danach fragt, welches Thema er eine Woche zuvor angekündigt habe. Sofort ertönt einstimmig aus der Klasse: „Goethe!“ Und auch die damalig negative Reaktion („Ääääähhhh“ und „Uuuuuhhhhh“) lässt er wiederholen. Als nächstes forscht er nach, was die Schüler bereits alles über Goethe wissen. Dazu schreibt er den Namen des Schriftstellers groß an die Tafel und ruft die Schüler auf, die sich melden, damit sie ihre Idee sagen und im Verfahren des Brainstorming als Mind-Map an die Tafel schreiben. Es fallen die Begriffe „Weimar“, „Zauberlehrling“, „Erlkönig“ und „Faust“.

An diesen kurzen Überblick über das Vorwissen des Schüler bezüglich Goethe anschließend erklärt Herr E, dass er sich in dieser Stunde besonders mit Goethes Leben beschäftigen möchte, und gibt für die Schüler folgenden Stundenüberblick: Zu erst werden sechs verschiedene Lückentexte ausgeteilt, die zusammen Goethes Biografie ergeben und die die Schüler in Gruppenarbeit vervollständigen und anschließend vorstellen sollen. Als Quellen liegen Bücher über Goethe vor und der PC-Raum sowie die Bibliothek dürfen ebenfalls benutzt werden. Weiterhin wird der Tipp gegeben, lieber zu erst die Bücher (besonders deren Inhaltsverzeichnis) zu Rate zu ziehen, bevor man im Internet sucht. Danach teilt Herr Erhardt die Schüler nach Tischgruppen ein und schickt sie 10 Minuten auf Recherche. Durch diese Zeitbegrenzung beeilen sich die Schüler und suchen eifrig nach den fehlenden Wörtern in ihrem Text. Der Lehrer steht die ganze Zeit für Fragen zur Verfügung, überwacht die Arbeit in den einzelnen Gruppen und gibt Hilfestellungen, wo dies nötig ist.

Bei den Gruppen selbst zeichnen sich deutlich Unterschiede in der Herangehensweise an die Aufgabe ab. Während Gruppe 2 durchdacht an die Sache herangeht, indem sie Herr Es Rat befolgen und sich zu erst die Inhaltsangaben in den Büchern durchlesen, um so die passenden Seiten zu ihrem Thema schnell zu finden, wirkt Gruppe 5 leicht verpeilt und chaotisch. So verwundert es auch nicht, dass am Ende alle 6 Gruppen ihre Ergebnisse komplett und richtig vorstellen können und Gruppe 5 nur knapp die Hälfte der gesuchten Wörter gefunden hat.

Nachdem alle Gruppen ihre Ergebnisse vorgestellt haben, fragt Herr E noch einmal in die Klasse, ob es Verständnisschwierigkeiten gab oder ob jemand nicht alle Lücken ausfüllen konnte. Da dem nicht so ist, fährt er im Unterricht fort, indem er ein neues Arbeitsblatt austeilt, auf dem eine alte Landkarte von Deutschland zu sehen ist. Hier sollen die Schüler zur Festigung des eben erarbeiteten Stoffes allein oder in Partnerarbeit verschiedene Orte samt Lebensstationen von Goethe eintragen, damit sie am Ende einen tabellarischen Lebenslauf erhalten.

Während die Schüler arbeiten, geht Herr E im Raum herum und hilft den Leistungsschwächeren beim Ausfüllen des Arbeitsblattes, indem er sie durch gezieltes Nachfragen auf die richtige Lösung bringt. Fünf Minuten vor Unterrichtsschluss bricht er die Arbeit an den Aufgaben ab und lässt die Schüler ihre bis dahin erarbeiteten Ergebnisse vortragen. Da sie in der kurzen Zeit sehr weit gekommen sind, lobt Herr E sie für ihre gute Mitarbeit und gibt den Rest des Arbeitsblattes als Hausaufgabe auf, wodurch die Schüler dazu gezwungen sind, sich auch zu Hause noch einmal mit dem Thema der Stunde zu befassen.

2.1.3 Unterrichtsbeobachtung III

- durch ein Experiment eine neue Formel herausfinden -

Montag, 19.03.07

3. Stunde Mathe

Hr. H

Nachdem Herr H die Hausaufgaben besprochen hat, beginnt er mit den Schülern ein neues Thema. Dafür hält er eine Kunststoffkugel nach oben, die innen hohl und auseinander zu schrauben ist.

Hr. H: Was ist das? Und was hat dieser Körper für Besonderheiten? (E und T schwätzen und kichern, woraufhin Herr H die Aufmerksamkeit eines der Mädchen durch Aufrufen wieder auf den Unterricht lenkt) E?

E: Das ist ein Kreis. (Sofort kommen Einwände aus der Klasse, woraufhin sie verbessert:) Nein, eine Kugel, kein Kreis, weil das ist ja ein Körper.

Hr. H (beschreibt das Thema der Stunde, damit die Schüler wissen, was sie heute gemeinsam erarbeiten werden): Heute geht es um das Volumen der Kugel. Was braucht man für Angaben zum Rechnen dafür, T? (Damit lenkt er auch die Aufmerksamkeit der unaufmerksamen Banknachbarin von E auf den Unterrichtsgegenstand zurück.)

T: r

Hr. H: Ich habe auch noch einen Kegel. Was ist an dem besonders? (Er steckt ihn in die Pyramide)

E: Der Kegel hat die gleiche Höhe wie die Pyramide. (betrachtet die Körper und überlegt kurz, fügt dann hinzu) Und der Durchmesser der Kugel ist der gleiche Durchmesser wie beim Kegel!

Hr. H (ruft einen schwachen und gänzlich unmotivierten Schüler auf und garantiert damit, dass er sowohl die bekannte Formel wiederholt, als auch sich mit dem neuen Problem beschäftigt): V, schau doch mal in deine Formelsammlung und nenn uns die Formel für die Volumenberechnung des Kegels. (Er schreibt für die anderen an die Tafel, während V diktiert:)

V(Keg) = 1/3Pi * r² * h

Hr. H (geht zu V und zeigt ihm die Kugel genauer): Was kann ich denn jetzt an dieser Formel ändern?

V (nach kurzer Absprache mit dem Banknachbarn A): Ein Drittel Pi mal r hoch drei. (V überlegt kurz, was zeigt, dass Herr H sein Ziel erreicht hat, denn der Schüler macht sich eigene Gedanken um die Aufgabe) Weil der Radius ist ja so viel wie die Höhe.

Hr. H (lobt) : Sehr gut, V. So, und nun schätzt mal, wie oft der Kegel in die Halbkugel passt.

(Die Schüler raten wild durcheinander)

S: 1,5

M: 3

T und E: 3

(Auf diese Weise weckt Herr H die Neugier der Schüler, denn sie wollen ja doch gern wissen, welches geratene Ergebnis nun richtig ist. Im Vordergrund steht das Entdecken und nicht das trockene Herleiten einer neuen Formel.)

Hr. H (fordert die Schüler dazu auf, selbst aktiv zu werden und das praktisch umzusetzen, was er im Folgenden in theoretischer Form als Formel an der Tafel festhalten wird): Wer möchte es denn mal ausprobieren?

(E und T springen eifrig nach vorn und schnappen sich unter lauten Ich-Rufen die Packung Reis zum Befüllen; die anderen Schüler stehen ebenfalls von ihren Plätzen auf und schauen neugierig dabei zu, wie die beiden Mädchen erst den Kegel und mit dem Kegel schließlich die Halbkugel befüllen. Die Klasse stellt fest, dass das Volumen des Kegels 2 Mal in das der Halbkugel passt.)

Hr. H (geht zur Tafel): A, was soll ich aufschreiben?

A: Das Volumen des Kegels passt zwei Mal in die Halbkugel.

P (die sich schon mehr Gedanken zu dem Problem gemacht hat): Also vier Mal in eine ganze!

Hr. H (schreibt:)

Das Volumen des Kegels passt 2 Mal in die Halbkugel.

Das Volumen des Kegels passt 4 Mal in die ganze Kugel.

(zur Klasse:) Was können wir denn jetzt über das Volumen der Pyramide sagen, wenn wir wissen, dass der Kegel 4 Mal in sie passt? D, fällt dir was ein?

(D stottert rum, P hilft:) Man kann Vier mal ein Drittel schreiben.

Hr. H (schreibt eingerahmt an die Tafel):

V(Kugel) = 3/4Pi * r³

(und nimmt anschließend einen weiteren schwachen Schüler dran, damit dieser sämtliche Gedankengänge noch einmal zusammenfasst und das eben Erarbeitete damit sowohl bei dem Schüler durch aktive Wiederholung, als auch bei den anderen Schülern durch erneutes, passives Zuhören festigt:) S, erklär doch bitte noch mal, wie wir auf die Formel gekommen sind.

S: Na, die Formel vom Kegel mal Vier, weil der Kegel ja vier Mal in die Pyramide passt.

Hr. H: Genau. Und damit ihr euch das besser einprägt, bekommt ihr dazu eine Hausaufgabe.

2.2 Stundendenplan

Woche 1 (Projektwoche) vom 19.02. – 23.02.

MO: 13 – 17 Uhr Klasse 9c; Bewerbungstraining bei der AOK 4 Stunden

DI: 10 – 12 Uhr Jahrgang 8; Gruppenarbeit Südamerika (Betreuung)

12 – 17 Uhr Vortrag über Südamerika 7 Stunden

MI: 10 – 13 Uhr Campus am Wolfsanger 3 Stunden

DO: 9 – 13 Uhr Jahrgang 9; Kochen 4 Stunden

FR: 9 – 13 Uhr Jahrgang 9; Kochen 4 Stunden

Stundenzahl gesamt : 22

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Details

Seiten
65
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640869718
ISBN (Buch)
9783640869855
Dateigröße
651 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v146923
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
13 Punkte
Schlagworte
Blockpraktikum Unterrichtsplanung Reflexion von Unterricht

Autor

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Titel: Ausführlicher Bericht zu einer ersten schulpraktischen Übung mit Hospitation und Planung und Reflexion der ersten Unterrichtserfahrungen