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Das Unterrichtsgespräch im Deutschunterricht

Praktikumsbericht / -arbeit 2009 10 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Das idealtypische Unterrichtsgespräch und seine Varianten

3. Das praktizierte Unterrichtsgespräch im Deutschunterricht

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Thematik dieser Arbeit lautet: Unterrichtsgespräche im Deutschunterricht. Während meines Blockpraktikums an der 12. Regelschule in G. konnte ich einerseits zwar viele Unterrichtsgespräche beobachten, andererseits aber überwiegend nur in Klassenstufe 6 und 10. Und dabei war ich in einigen Fällen mit dem Verlauf der Unterrichtsgespräche unzufrieden.

Grundlegend stellt das Unterrichtsgespräch eine sehr vielseitige Lehrform dar. So kann es nicht nur als Einstiegsphase in Form einer Hinführung zum Thema, sondern auch zur Problemdiskussion während der Erarbeitungsphase dienen. Von weiterem Nutzen ist es bei der Ergebnissicherung als Auswertung von Aufgabenstellungen. So kann sich der Lehrer anhand des Unterrichtsgespräches nicht nur ein Bild über den Wissensstand der Klasse machen.

Der Lehrer sollte dabei eine dirigierende Funktion einnehmen und die Schüler[1] ebenso zu längeren und umfassenden Gesprächsbeiträgen animieren können. Zumeist scheiterte das Zustandekommen eines fruchtbaren Unterrichtsgesprächs bereits an den Fragestellungen des Lehrers. Wie ich beobachten konnte, wurden im Deutschunterricht überwiegend Suggestiv-, anstatt offene Fragen gestellt. Es handelte sich daher eher um ein sporadisches Abfragen als um ein Unterrichtsgespräch mit hohem Gesprächsanteil seitens der Schüler.

Dabei weist der Deutschunterricht doch viel mehr Möglichkeiten für ein offenes Unterrichtsgespräch auf. Oftmals bieten die Unterrichtsgegenstände des Deutschunterrichts einen hohen Interpretationsspielraum, der mannigfaltige Diskussionsansätze böte. Gerade voneinander abweichende oder gar kontroverse Leseeindrücke behandelter literarischer Werke könnten sogar ein Schüler-Schüler-Gespräch anregen.

In dieser Arbeit sollen die idealtypische Form eines Unterrichtsgesprächs sowie einzelne Methoden vorgestellt und erläutert werden. In Hinblick auf diesen Idealtypus wird im Weiteren ein praktiziertes Unterrichtsgespräch analysiert, welches ich innerhalb des Blockpraktikums beobachten konnte. Jenes Unterrichtsgespräch soll in Form eines Protokollausschnittes näher veranschaulicht werden.

Anhand dieses Exempels soll gezeigt werden, dass die Lehrform des Unterrichtsgespräches ihr Potenzial im Deutschunterricht nicht voll ausschöpft und ihr Ziel der „Herausbildung kommunikativer Handlungsfähigkeiten und –fertigkeiten“[2] verfehlt hat. Schließlich soll von den Schülern eine angemessene und verantwortungsvolle Gesprächsführung erlernt und trainiert werden, um diese auf das spätere Berufsleben vorzubereiten.

2. Das idealtypische Unterrichtsgespräch und seine Varianten

Das idealtypische Unterrichtsgespräch wird standardtypisch im Sinne einer Diskussion verstanden, bei welcher eine direkte verbale Interaktion zwischen Lehrer und Schülern oder Schülern und Schülern stattfindet. Somit besitzt das Unterrichtsgespräch einen dialogischen Charakter, an dem mindestens zwei Personen, eine Kleingruppe oder eine Großgruppe beteiligt sind. „Der Zweck einer Diskussion in der Schule besteht darin, dass eine Gruppe von Personen (Lehrer, Schüler) gemeinsam versucht, sich über eine Frage, ein Problem oder einen Sachverhalt Klarheit zu verschaffen und gemeinsam eine Antwort, eine Lösungsmöglichkeit oder eine Deutung entwickelt.“[3] Doch damit es zu einer idealen Gesprächsführung kommen kann, bedarf es einer gewissen Vorbereitung und einiger Regeln, welche berücksichtigt werden sollten. Damit eine ideale Sprechsituation geschaffen werden kann, müssen die „Beteiligten einander gleichberechtigt gegenüber stehen.“[4] Das heißt auf den Unterricht bezogen, dass ein jeder Schüler die gleiche Chance auf einen Sprechakt und den angemessenen Redeanteil hat und das Recht, von anderen gehört zu werden sowie über eine behandelte Thematik gleich viel Wissen. Selbstverständlich weiß die Lehrperson mehr über den Lerngegenstand als die Schüler, jedoch sollte dieses Wissen nicht vorschnell in Form eines Lehrervortrags vermittelt werden, sondern gezielt und portioniert eingesetzt werden, um die Schüler zu weiteren Erkenntnissen anzuregen.

Für Otto Ludwig und Wolfgang Menzel stellt die Diskussion im Hinblick auf soziales Lernen eine Methode zur Förderung von Integrationsprozessen dar. Für die Zielumsetzung schlagen die beiden folgende Punkte für die Umsetzung einer Diskussion vor: 1. Die Sitzordnung so zu gestalten, dass sie schülerzentriert ist, beispielsweise eine U-Form oder einen Sitzkreis. 2. Der Lehrer soll als Diskussionsleiter agieren. 3. Die Diskussionsvorlage sollte ein gewisses Potential zur Meinungsbildung liefern, zum Beispiel in dem der Gegenstand verschiedene Interpretationsansätze bietet oder Kontroversen beinhaltet. 4. Das Thema soll sich an realen Situationen orientieren und somit eine gewisse Nähe zur Alltagswelt des Schülers aufweisen.[5]

Die Diskussion gliedert sich in drei Gesprächsphasen: die Vorbereitungsphase, die Diskussionsphase und die Auswertungsphase. Innerhalb der Vorbereitungsphase werden verschiedene Gesprächsvoraussetzungen geschaffen. So bereiten sich beispielsweise die Schüler mit Hilfe einer Hausaufgabe auf die Diskussion vor oder die Phase dient der Einigung über den Gesprächsgegenstand sowie der Vorbereitung des Themas. Für die Diskussionsphase wiederum ist es wichtig, angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies beinhaltet eine günstige Sitzordnung, die Bestimmung eines Protokollanten und Diskussionsleiters, sowie die Festlegung der Gesprächsdauer und gegebenenfalls eine Gedächtnisstütze mit Hilfe der Tafel oder eines Handouts. Auf diesen sollten möglichst das Thema und eventuell einige Thesen zur Diskussionsförderung festgehalten sein. Die Auswertungsphase kann eine Zusammenfassung, eine schriftliche Ergebnissicherung, eine weiterführende Diskussion oder eine Gesprächs-analyse umfassen.[6]

[...]


[1] In weiteren Ausführungen wird nicht zwischen Schülerinnen und Schülern unterschieden. Die Pluralform nmeint beide Geschlechter.

[2] Thüringer Lehrplan für Regelschulen, S. 10.

[3] Vogt, Rüdiger: Im Deutschunterricht diskutieren. Zur Linguistik und Didaktik einer kommunikativen Praktik. Tübingen: Niemeyer 2002. S. 1.

[4] Ebd. S. 16.

[5] Vgl.: Ebd. S. 49.

[6] Vgl.: Pilz-Gruenhoff, Jutta: Gesprächsführung im Unterricht. Die Klasse lernt diskutieren. Freiburg im Breisgau: Herder 1979. S. 33ff.

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640591701
ISBN (Buch)
9783640591985
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147084
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Germanistische Literaturwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Lehrformen Lehrer-Schüler-Gespräch Deutschunterricht Unterrichtsgespräch

Autor

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Titel: Das Unterrichtsgespräch im Deutschunterricht