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Nirgendwo in Afrika - Ein autobiografischer Roman von Stefanie Zweig

Hausarbeit 2003 7 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Ein autobiografischer Roman von Stefanie Zweig

Stefanie Zweig, wurde 1932 in Leobschütz/Breslau/Oberschlesien geboren, ihre Eltern waren jüdisch, der Vater Rechtsanwalt, der nach der Machtergreifung Hitlers sein Amt verlor. Bis zu letzt konnte ihr Vater den Glauben an sein Deutschland nicht verlieren, für das er im ersten Weltkrieg kämpfte, bis er mit der schlimmen Realität konfrontiert wird.

1938 wanderte Stefanie Zweig mit ihren Eltern nach Kenia/Afrika aus. Sie wurde durch Afrika, die Lebensgewohnheiten, Weisheiten und Mythen der Eingeborenen geprägt.

1947 kehrte sie mit ihren Eltern und mittlerweile auch dem kleinen Bruder nach Deutschland/Franfurt zurück, wo sie eine neue Existenz aufbauen wollten. Diesen Lebensabschnitt stellt sie in ihrem Buch „Irgendwo in Deutschland“ treffend dar. Die Familie kehrt zurück in ein ruiniertes Deutschland mit vielen Problemen wie Hunger, Wohnungsnot und der in den Köpfen der Menschen fortwährende Hass auf Juden. Sie sind vollkommen auf sich gestellt, ohne Familienangehörige und Freunde. Keiner scheint sich für die Geschehnisse in Deutschland verantwortlich zu fühlen.

Nach ihrer Ausbildung zur Journalisten schrieb Stefanie Zweig vor allem Bücher für Kinder und Jugendliche. Sie beschäftigt sich hierbei mit Afrika, der zurückgelassenen Heimat, Freundschaft und Liebe. „Eine Mund voll Erde“, „...doch die Träume blieben in Afrika“, „Karibu heißt Willkommen“, „Wiedersehen in Afrika“ „Katze fürs Leben“.

Ihr neuster Roman „Der Traum vom Paradies“ handelt von der Liebe eines Juden zu einer Nicht-Jüdin und die Konflikte, die sich auch in der heutigen Zeit in der jüdischen Tradition und den dunklen Schatten der Vergangenheit ergeben.

Stefanie Zweig wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt 1993 erhielt die Medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Nirgendwo in Afrika ist der autobiografische Roman von Stefanie Zweig und handelt von der jüdischen Familie Redlich (dem Vater Walter, seiner Frau Jettel und der Tochter Regina) die 1938 aus dem Nazi-Deutschland flieht, um dem sicheren Tode zu entkommen. Mitten in der Wildnis versuchen sie auf einer Farm in Rongai/Kenia eine neue Lebensgrundlage aufzubauen.

Im fremden Land

Die Familie steht im absoluten Nirgendwo: Kilometerweite Entfernungen, keine ärztliche Versorgung, keine Elektrizität, eine fremde Sprache und die schwere Arbeit auf der Farm. Angst und Verzweiflung um die Familie in Deutschland und die Hilflosigkeit sind eine große Last für die Einwanderer.

Alles, was sie in Deutschland erleben und lernen durften wird auf einmal bedeutungslos. Pünktlichkeit und Genauigkeit sind für die Einheimischen Fremdwörter. Sie haben einen anderen Bezug zu Leben und Tod, wissen nicht, was Krieg ist und legen mehr Wert auf seelische Inhalte.

Doch auch die englischen Vorgesetzten machen es ihnen nicht leicht. Sie sind nur die leicht ersetzbaren Refugees, die in Massen nach Kenia kommen und auf den Farmen Arbeit suchen.

Regina passt sich schnell der neuen Lebensform an und gewinnt immer mehr neue Eindrücke aus Afrika durch die Eingeborenen.

Owour, Hausboy und Koch der Familie, weist sie ein in die Mythen und Geschichten des geheimnisumwobenen Afrikas. Regina verfällt dem Zauber, lernt genau zu beobachten und findet schnell einen Zugang zum Land, Sprache und den Menschen.

Ihre Eltern brachten ein großes Opfer, damit sie ein Mädchenintemat in Nakuru besuchen kann. Sie leidet dort sehr, denn die Refugees werden schnell zu Außenseitern. Die stämmigen, groben Mädchen von den englischen Farmen wirken bedrohlich auf Regina. Dennoch lernt sie schnell die englische Sprache und wird Klassenbeste. Wegen ihrer herausragenden Leistungen bekommt sie vom Direktor englische Bücher von Charles Dickens geschenkt, wodurch es ihr gelingt, sich eine Fantasiewelt aufzubauen, in welche sie sich zurückzieht, um ihr Heimweh zu unterdrücken.

Walter gelingt es nie vollständig, sich von seiner Heimat zu lösen, obwohl er dort sein Amt als Rechtsanwalt verlor. Er lässt seinen Vater Max und seine Schwester Käthe in Deutschland zurück und fängt das harte Leben als Farmer (Bwana) an. Obwohl er in Afrika neue tiefe Freundschaften aufbaut, bleibt Kenia nur das Land, das das Leben seiner Familie gerettet hat. Nach Kriegsende entschließt er sich als Richter nach Deutschland zurückzukehren.

Jettel kommt anfangs überhaupt nicht mit der Situation klar: Auf einmal ist sie arm, fern von den Annehmlichkeiten Deutschlands. Sie verachtet die Schwarzen, da sie keinen Zugang zu ihnen und ihrer Lebensform findet. Schnell muss sie jedoch erke]nnen, wie viel diese ihr beibringen können und, dass sie als Refugee in der britischen Kolonie eine ähnlich verachtenswerte Stellung hat, wie die Einheimischen. Sie vollzieht die größte Entwicklung, freundet sich mit dem Land an und möchte am Ende gar nicht mehr weg.

Jettel und Walter, welche in Deutschland eher eine Vorzeige-Beziehung führten und eine klare Rollenverteilung hatten, müssen in Afrika ihre Liebe neu entdecken. Ohne die stützende Kraft ihrer Familie und Freunde erkennen sie, was es heißt in jeder Situation füreinander da zu sein und Vertrauen zu haben.

Owour stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen den Familienmitgliedern dar. Er wird schnell zum guten Freund der Familie. Er verdeutlicht den Gegensatz zwischen beiden Kulturen und zeigt, dass sich unterschiedliche Kulturen miteinander verstehen können.

Gegenüberstellung der Geschehnisse in Deutschland und in der Familie Redlich im kenianischen Exil

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur sprachlichen Gestaltung

Stefanie Zweig machte bewusst Walter, der ihren Vater verkörpert, zum Protagonisten der Geschichte und eröffnet dadurch eine vielschichtige Perspektive. (Vater spielt die größte Bedeutung in ihrem Leben)

Sie hat einen sehr stilistischen Sprachstil mit vielen bildlichen Ausdrücken und beschreibt ausführlich die Gerüche und Klänge Afrikas. Je nach Situation und Dramatik gelingt es ihr, Begebenheiten ausführlich zu schildern, wodurch die Emotionen klar zum Vorschein kommen.

Die Verfilmung

Caroline Link brachte in den Film ihren persönlichen Ansatz mit ein. Sie reizte die Liebesgeschichte zwischen Walter und Jettel. Denn mitten im „Nirgendwo“ wird ihnen ein neuer Blick auf den Partner gewährt. Die Figur Süßkind wurde im Film übertrieben dargestellt: Er hat mit Jettel eine Affäre. Sicherlich hat er hier diese zentrale Rolle, um die Dramatik zu verstärken.

Sie holte sich Anregungen aus dem Roman: Die afrikanischen Zitate, Stimmungsbeschreibungen und das grobe Handlungsgerüst.

Der Film entführt zu Beginn in ein bedrohliches Afrika allmählich spürt man, wie sich die Horizonte der Einwanderer erweitern, sie erleben das Land und die Menschen von einer anderen Seite. Die Stimmungen in der jeweiligen Situation werden gut ersichtlich gemacht, wobei der Soundtrack zur der Emotionalität beiträgt und uns in die afrikanische Kultur entführt. Insgesamt wird ein sehr realistisches Bild von Afrika vermittelt.

Als weiterführende Lektüre kann ich das Buch zum Film „Abendteuer in Afrika“ nur empfehlen.

Resümee

Stefanie Zweig gelingt es, einen dunklen Punkt der deutschen Geschichte aufzugreifen. Im Vordergrund steht jedoch die Flucht und der Neuanfang und das Aufeinandertreffen zweier völlig gegensätzlicher Kulturen.

Durch eine intensive Schilderung der Orte, Gerüche und Menschen wird man in die Geschehnisse miteingebunden.

Zu dieser Zeit ist Kenia britische Kolonie. In dem Buch erfährt man, wie schlecht die Engländer die Schwarzen und die Refugees behandeln: Jettel verliert ihr Baby, weil sie keinen Arzt finden, der Juden behandelt.

Nach dem Lesen des Buches konnte ich den Film auf eine andere Weise verstehen. Das Zurücklassen der Heimat und die Hilflosigkeit, Freunde und Verwandte dem Tod überlassen zu müssen und doch selbst in Sicherheit zu sein, berührt sehr stark.

Fragen

1. Könnt ihr die Entscheidung des Familienvaters verstehen, dass er nach Afrika ausgewandert ist? Ohne zu wissen, ob sich die Lage in Deutschland ändert, ohne zu wissen, ob überhaupt je etwas schlimmes geschehen würde?
2. Glaubt ihr, dass sich die Beziehung zwischen Walter und Jettel durch Afrika verändert hat?

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640797271
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147117
Note
1,0
Schlagworte
Nirgendwo in Afrika Caroline Link Stefanie Zweig Autobiographie Nationalsozialismus Kolonie Afrika afrikanische Emigration Juden Flucht Vertreibung Jettel Nicki Reiser Krieg 1945 1939 1933 Hitler Geschichte

Autor

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Titel: Nirgendwo in Afrika - Ein autobiografischer Roman von Stefanie Zweig