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Paradoxien im Dialog

Seminararbeit 2008 42 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND BEGRIFFSBESTIMMUNG
1 DEFINITION
1.1. Paradoxie
1.2. Dialog
2. Arten von Paradoxien
3. Metasprache und Objektsprache
4. Fragestellungen

III. PARADOXIEN IM DIALOG
1. Paradoxe Handlungsaufforderungen
1.1. Bestandteile einer paradoxen Handlungsaufforderung
1.2. Die „Sei spontan “ Theorie
1.3. Individuum und Gesellschaft
1.4. Individuum und Familie
1.5. Individuum und Selbstverständnis
2. Paradoxe Voraussagen
2.1. Paradoxien bei vertrauensbezogener Erwartungshaltung
2.2. Logik als Stolperstein bei subtiler Komplexität
3. Die Doppelbindungstheorie
3.1. Bestandteile der Doppelbindung
3.2. Die verkehrte Welt
3.3. Der Bezug zur Schizophrenie
3.4. Widerspruch oder Paradoxie

IV. LÖSUNGSANSÄTZE
1.1. Empathie als reaktive Maßnahme gegen Paradoxien im Dialog
1.2. Paraverbale und nonverbale Kommunikation als reflexive Decodierung
1.3. Verwendung von Objekt- und Metaregeln
1.4. Paradoxe Intervention

V. KRITISCHE BETRACHTUNG

VI. ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

VII. BIBLIOGRAPHIE

I. Einleitung

„Die Verwirklichung des Menschen geschieht im Dialog: in der doppelten Fähigkeit, zu reden und zuzuhören, zu antworten, aber auch darin, sich vom Wort treffen zu lassen. Anders gesagt: Dialog, das meint die Bereitschaft zur Kooperation.“

(August Heinrich Henckel von Donnersmarck)

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Situationen in einem Dialog, die eine Bereitschaft zur Kooperation im eigentlichen Sinne unmöglich machen. Besonders wenn man durch jemanden aufgefordert wird etwas zu machen, dass man entweder in der Gedankenstruktur nicht nachvollziehen kann oder die Ausführung an sich unmöglich scheint. Das kann im Umfeld der Familie, im Geschäftsleben, in einer Alltagskommunikation oder auch in einem Gespräch stattfinden, das man mit sich selbst führt. Paradoxe Situationen in der Kommunikation können somit zu einer optional verbundenen Handlungsohnmacht führen.

Im ersten Teil der Arbeit werden die notwendigen Begriffe definiert und die verschiedenen Kommunikationsarten, die in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle spielen, aufbereitet. Anschließend wird die grundlegende Struktur einer Paradoxie im Dialog aufgegriffen und anhand von Beispielen dargestellt. Dabei steigert sich die Intensität der Paradoxie im Verlauf der Arbeit fortlaufend und führt von einer einfachen „theoretischen“ Paradoxie bis hin zu einer „realen“ pathogenen Situation in der Kommunikation.

Um den erarbeiteten Gedankenkomplex nicht einfach stehen zu lassen und die Probleme damit nur erwähnt zu haben, beschäftigt sich ein weiterer Teil mit möglichen Lösungsansätzen für Paradoxien im Dialog. Abschließend wird anhand einer kritischen Betrachtung die Arbeit rekapituliert und hinterfragt.

Diese Arbeit verwendet, unter Berücksichtigung der Zitationsregeln, die nach der Grammatik männliche Form in einem geschlechtsneutralen Kontext und spricht somit Männer und Frauen immer gleich an. Damit soll der Text vereinfacht und Barrieren im Lesefluss, wie die gängige Verwendung der Suffixe: ,-Innen’ und ,-innen’, behoben werden - Ganz im Sinne eines einheitlichen Sprachbildes.

II. Theoretische Grundlagen und Begriffsbestimmung

In diesem Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen aufbereitet. Dabei werden im Vorfeld die für diese Arbeit wesentlichen Begriffe definiert und weitere für diese Arbeit relevanten Sprachmodi erklärt. Abschließend werden die Forschungsfragen formuliert, die sich aufgrund der Literaturrecherche ergeben haben.

1 Definition

Um ein besseres Verständnis von dem Thema zu bekommen, gilt es, die zentralen Begriffe des Arbeitstitels im Vorfeld zu erläutern. Dazu wird der Begriff Paradoxie sowie der Begriff Dialog ausführlich erklärt und letzterer für diese Arbeit passend definiert.

1.1. Paradoxie

„Eine Paradoxie läßt sich als ein Widerspruch definieren, der sich durch folgerichtige Deduktion aus widerspruchsfreien Prämissen ergibt.“ (Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 171f)

Nach Watzlawick ist eine Paradoxie somit ein Widerspruch, der durch eine Schlussfolgerung von Bedingungen entsteht, die sich gegenseitig nicht ausschließen. Mit dieser Definition werden Paradoxien, die durch Trugschlüsse oder Irrtümer entstehen, ausgeblendet und folgerichtig als „falsche Paradoxien“ bezeichnet. Neben den „falschen Paradoxien“ gibt es auch „richtige“; diese können allerdings zu „falschen“ werden. (Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 172) Das folgende Beispiel soll hierbei Klarheit schaffen.

Es ist im wissenschaftlichen Bereich keine Seltenheit, dass eine für wahr anerkannte logische Schlussfolgerung widerlegt wird. Ein Beispiel dafür ist das „Olberssche Paradoxon“.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus war man sich über die Unendlichkeit des Universums einig. Ein grundlegender Gedanke, der mit der Frage - warum es am Abend dunkel wird - ins wanken geriet. An dieser scheinbar einfachen Frage scheiterten Großdenker wie Newton, Keppler und Halley. Erst Olbers stellte fest, dass in einem unendlich großen Universum eine unendliche Anzahl an Sternen existieren müsste und damit verbunden, eine ständige Helligkeit auf Erden. Da es aber am Abend dunkel wird, widerlegte die Realität die angenommene Wahrheit der Wissenschaft. (Vgl. Ditfurth 1999: 24-28)

Durch dieses Beispiel ergibt sich die Frage, ob unsere heutigen Annahmen die Trugschlüsse und Irrtümer von Morgen sind, die man dann - in bescheidener Weise des Mehrwissens - belächeln wird. Ebenso, wie wir heute den einst gültigen Gedanken, dass die Erde eine Scheibe sei, nicht mehr nachvollziehen können. (Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 172) Eine folgerichtige Unterscheidung zwischen „richtigen“ und „falschen Paradoxien“ ist daher sehr relativ.

1.2. Dialog

Der Begriff Dialog wird von seinem Ursprung her abgeleitet, um damit eine für diese Arbeit passende Definition zu erstellen. Die Vorsilbe „dia“ stammt aus dem Griechischen und hat die Bedeutung: durch, hindurch, zwischen, auseinander (vgl. Microsoft LexiRom 4.0). Das Wort „logos“ stammt aus dem Griechisch-Lateinischen und hat mehrere Bedeutungen. Aus philosophischer Sicht bedeutete es: sinnvolles Wort, menschliche Vernunft, umfassender Sinn (vgl. Microsoft LexiRom 4.0). Die Essenz dieser Sichtweise ist somit „Sinn“. Aristoteles beschreibt „Logos“ (neben Ethos und Pathos) als eine der drei Aufgaben eines Redners, womit die Zustimmung respektive die Einsicht des Hörers durch eine folgerichtig aufbereitete Rede erreicht werden soll (vgl. Göttert 1994: 22). Eine Voraussetzung um die Einsicht eines Hörers zu erreichen ist die Verständlichkeit. Für David Bohm ist eine Voraussetzung der Geist des Dialogs (vgl. Bohm 2000: 33). „Die Vorstellung oder das Bild, das diese Ableitung nahelegt, ist das eines freien Sinnflusses, der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fließt(Bohm 2000: 33). Daraus ergibt sich für diese Arbeit folgende metaphorische Definition, die den Zusammenhang von Dialog, Paradoxie und Doppelbindung darstellt:

„Ein Dialog ist ein Sinnstrom, dessen Flussbett die Verständlichkeit ist. Das Kehrwasser - also der Teil des Flusses, der gegen die Strömung fließt -ist dessen Paradoxie. Die Steine, die einen fortwährenden Gegenstrom verursachen, seine Doppelbindung.“

Diese Definition wird in einem späteren Kapiteln noch einmal aufgegriffen und die metaphorische Darstellung der Doppelbindung praktisch aufgelöst. Dadurch wird sie für den Leser verständlich und nachvollziehbar werden.

2. Arten von Paradoxien

Die Arbeit beschäftigt sich mit paradoxen Situationen in der Kommunikation; der Dialog ist der Mittelpunkt. Grundsätzlich unterscheidet man, wie bereits im Punkt Definitionen erwähnt, „wahre“ und „falsche“ Paradoxien. Des Weiteren gibt es drei Arten:

- logisch-mathematische Paradoxien
- paradoxe Definitionen
- pragmatische Paradoxien

Die logisch-mathematische Paradoxie basiert auf einem reflexiven Ausschlussverfahren: „(...) die Klasse aller Klassen, die sich nicht selbst als Element enthalten(Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 174). Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Sonnenblumen haben die Eigenschaft im Sonnenlicht zu wachsen, verfügen über ein Wurzeln, einen grünen, haarigen Stiel und gelben Blütenblättern. Somit gehören Blumen, die sich dadurch identifizieren lassen, der Klasse der Sonnenblumen an. Alles andere, was nicht in diese Klasse hineinpasst, sind keine Sonnenblumen - sie gehören in die Klasse der Nicht-Sonnenblumen. Das Problem dabei ist, dass etwas nicht gleichzeitig der Klasse der Sonnenblumen sowie der Klasse der Nicht-Sonnenblumen angehören kann. Wenn man jetzt die Wurzeln der Sonnenblume isoliert betrachtet, gehören sie in die Klasse der Wurzeln. Da es aber ein Teil der Sonnenblume ist, gehört es in die Klasse der Sonnenblumen. Sie ist aber bereits in der Klasse der Wurzeln und kommt damit automatisch in die Klasse der Nicht-Sonnenblumen. Kurz: „Die Teilung des Universums in sich selbst enthaltende und nicht sich selbst enthaltende Klassen ist erschöpfend;“ (Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 175). Mit diesem archetypischen Beispiel befinden man sich in der von Bertrand Russell entdeckten Paradoxie; die Russellsche Paradoxie: „ Eine selbstenthaltende Menge ist eine Menge und enthält sich selbst, ist also auch ihr eigenes Element. “ (Lau 2005: 132)

Die paradoxe Definition gehört dem semantischen Bereich an. Die Semantik beschäftigt sich mit der Bedeutung von sprachlichen Zeichen (vgl. Microsoft LexiRom 4.0). Das bedeutet Folgendes: Wenn wir von einem Kasten sprechen, ist es einerseits etwas zum hineinstellen, andererseits ein Wort mit zwei Silben (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 180). Zum Einen wird der Sinn des Begriffs bezeichnet zum Anderen der Begriff selbst. Hier kommt die Objekt- und Metasprache zum Einsatz, die in diesem Kapitel unter Punkt drei genauer ausgeführt wird. Wenn man dieses Beispiel auf die Klassen umlegt, so bedeutet es, dass alles was der Klasse der Kasten angehört sich durch die - sehr allgemein gehaltene - Eigenschaft auszeichnet, dass man etwas hineinstellen kann. Alles andere gehört in die Klasse der Nicht­Kasten. Abgesehen davon, dass der Begriff „Kasten“ selbst schon eine eigene Klasse bildet, steht man vor einem weiteren Problem; das Wort Kasten ist polysem - es hat mehrere Bedeutungen. Für einen Sportler ist ein Kasten ein höhenverstellbares Turngerät mit einem lederüberzogenen Deckel (vgl. Microsoft LexiRom 4.0). Für einen Menschen der gerne Bier trinkt ist ein Kasten ein Behälter für die Bierflaschen. Wenn man von einer sozialen Gruppierung spricht, kann man dies auch als Kaste bezeichnen. Mehrere soziale Gruppierungen wären demnach Kasten.

Um dieses Problem zu lösen könnte man die Klasse der Kasten mit Nummern versehen; zum Beispiel: Klasse-Kastenl = Schrank, Klasse-Kasten2 = Turngerät. Womit aber das eigentliche Problem noch immer nicht behoben ist, denn ein Kasten wird immer ein Wort mit zwei Silben sein - egal welche Bedeutung oder Eigenschaft ihm zugeschrieben wird.

In diesem Zusammenhang sei auch noch die Grellingsche Paradoxie erwähnt. Dabei geht es um die Wörter „autolog“ (selbstbeschreibend) und „heterolog“ (nicht-selbstbeschreibend). Wenn man davon ausgeht, dass das Wort „heterolog“ sich selbst beschreibt, dann wäre es autolog, also selbstbeschreibend. Würde sich das Wort „heterolog“ aber tatsächlich selbst beschreiben, dann müsste es anhand seiner Definition beschrieben werden - und diese ist nicht-selbstbeschreibend. Somit wäre „heterolog“ heterolog und nicht autolog - was aber nicht möglich sein kann, da ein Wort, das nach seinen Eigenschaften beschrieben wird autolog ist. (Vgl. Lau 2005: 136) Die Paradoxie dieses Beispiels entsteht dadurch, dass die Eigenschaften der Wörter - auf sich selbst bezogen - die Ursache dieser Sackgasse sind.

Die pragmatische Paradoxie ist die dritte Art der Paradoxien. Sie nimmt den Hauptteil dieser Arbeit ein und wird in einem eigenen Kapitel umfassend beschrieben. An dieser Stelle sei nur soviel gesagt: Waren die beiden vorhergehenden Paradoxien Bereiche die man als „Gedankenspielerei“ oder „theoretisch“ einstufen könnte, so ist die pragmatische Paradoxie ein Bereich, in den man sich öfters verirren kann, als man annimmt. Sie steht für handelnde Situationen, in denen jede Entscheidung, jede Aussage die getroffen wird, falsch ist - und es keine Alternativen gibt!

3. Metasprache und Objektsprache

Wie bereits bei den paradoxen Definitionen erwähnt, liegt die Ursache mancher Paradoxien in der Sprache die man wählt. Dabei lassen sich zwei grundlegende Kommunikationsarten unterscheiden (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 180):

- Objektsprache
- Metasprache

Ein einfaches Beispiel soll den Unterschied dieser beiden Sprachen erklären. In letzter Zeit kommt es vermehrt vor, dass manche Personen Wörter mit „ik“ beenden. Sei es in Zeitungsartikeln oder bei Präsentationen; die Wörter Thema und Methode werden gerne zur „Thematik“ und „Methodik“ stilisiert: „Die Thematik, die ich hier vorstellen möchte, ...“ oder „Die Methodik meiner Forschungsarbeit .“ sind nur zwei Beispiele für den Gebrauch dieser Wörter. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Beiträge oder Artikel dadurch einen sprachlich akademischen Charakter bekommen sollen. Das Ergebnis ist aber ein ganz anders, denn der Sinn des Satzes wird - wenn jemand von einer bestimmten Methode sprechen möchte und das Wort „Methodik“ verwendet - falsch! Das liegt daran, dass das Wort „Methodik“ das Wort „Methode“ beschreibt und nicht, worum es sich bei dieser Methode handelt. Das Wort „Methodik“ ist damit die Metaebene von „Methode“. Paul Watzlawick beschreibt diese zwei Spracharten in seinem Buch „Menschliche Kommunikation“ anhand des Beispiels „Paris“. In der Metasprache ist die Bedeutung von dem Wort „Paris“, dass es zweisilbig ist, da es sich auf das Wort selbst bezieht. In der Objektsprache ist Paris eine Großstadt, womit die eigentliche Bedeutung des Wortes gemeint ist. (Vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 180)

Die Relevanz der Objekt- und Metasprache erklärt sich für diese Arbeit dadurch, dass sie ein wesentlicher Bestandteil der paradoxen Handlungsaufforderungen (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 179) und damit auch ein Charakteristika der Doppelbindungstheorie (vgl. Besser 1981: 150) ist, denn in beiden Fällen ist es ein Grundsatz, dass der Fluchtweg „Metakommunikation“, der zur Auflösung einer paradoxen Situation dienen kann, verschlossen bleibt.

4. Fragestellungen

Für diese Arbeit stellen sich anhand ihrer Relevanz im Bezug auf Paradoxien im Dialog folgende Fragen:

- Haben Paradoxien im Dialog ein nachvollziehbares System?
- Können permanente Paradoxien im Dialog die Entwicklung eines Menschen beeinträchtigen?
- Finden Paradoxien im Dialog auch bei intrapersonaler Kommunikation statt?
- Beeinflusst das gesellschaftliche Umfeld mit Normen und Werten Paradoxien im Dialog?
- Gibt es Möglichkeiten Paradoxien im Dialog zu entkommen?
- Sind Paradoxien im Dialog theoretisch oder existieren sie wirklich?

Anhand einer ausführlichen Literaturrecherche werden die Forschungsfragen bearbeitet. Dabei werden auch verschiedene Zugänge zum Thema - speziell im Bereich der Lösungen - miteinander verglichen und analysiert. Die Forschungsfragen werden in den verschiedenen Kapiteln aufgegriffen, dargestellt, interpretiert und am Ende der Arbeit zusammengefasst sowie beantwortet.

III. Paradoxien im Dialog

Wie im einführenden Kapitel beschrieben, beschäftigt sich diese Arbeit überwiegend mit den pragmatischen Paradoxien. Dabei kann dies als Grundbegriff verschiedener Ausformungen angenommen werden:

- Paradoxe Handlungsaufforderungen
- Paradoxe Voraussagen
- Doppelbindungen

Diese drei Arten sind für die Arbeit relevant, da es sich hierbei um Paradoxien handelt, die man im Dialog wiederfindet. Dabei können die verschiedenen Arten unterschiedliche Auswirkungen haben. Bei den paradoxen Handlungsaufforderungen ist der Empfänger nicht in der Lage, aus eigener Kraft der Aufforderung nachzukommen (vgl. Watzlawick, Beavin, Jackson 2000: 178f). Bei einer paradoxen Voraussagen werden spontane Ankündigungen im Detail betrachtet und verlieren dabei allzuleicht ihre Spontaneität (vgl. Kamitz 2006: 47f). Bei der Doppelbindung hingegen handelt es sich bereits um pathogene Situationen, die anhand eines Abhängigkeitsverhältnisses zu einer optionalen Handlungsohmacht des Empfängers führen können (vgl. Besser 1982: 150f).

1. Paradoxe Handlungsaufforderungen

„Der Teufel forderte Gott auf, seine Allmächtigkeit zu beweisen, indem er einen Stein schafft, der so schwer ist, daß er ihn selbst nicht heben kann. Ob Gott darauf eingeht oder nicht, er muß die Grenzen seiner Macht einbekennen.“ (Edmond, Picard 1991: 91)

Dieses Beispiel verdeutlicht sehr gut, in welcher Situation man sich befindet, wenn man einer paradoxen Anweisung nachkommen möchte. Um dieses Thema besser zu erfassen, werden in den nächsten Punkten die Bestandteile einer paradoxen Handlungsaufforderung dargestellt sowie Beispiele aus dem gesellschaftlichen, familiären und intrapersonalen Umfeld des Empfängers beschrieben.

[...]

Zusammenfassung

"Der Teufel forderte Gott auf, seine Allmächtigkeit zu beweisen, indem er einen Stein schafft, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht heben kann. Ob Gott darauf eingeht oder nicht, er muss die Grenzen seiner Macht einbekennen."

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Situationen in einem Dialog, die eine Bereitschaft zur Kooperation im eigentlichen Sinne unmöglich machen. Besonders wenn man durch jemanden aufgefordert wird etwas zu machen, dass man entweder in der Gedankenstruktur nicht nachvollziehen kann oder die Ausführung an sich unmöglich scheint. Das kann im Umfeld der Familie, im Geschäftsleben, in einer Alltagskommunikation oder auch in einem Gespräch stattfinden, das man mit sich selbst führt. Paradoxe Situationen in der Kommunikation können somit zu einer optional verbundenen Handlungsohnmacht führen.

Details

Seiten
42
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640566150
ISBN (Buch)
9783640566525
DOI
10.3239/9783640566150
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Erscheinungsdatum
2010 (März)
Note
2
Schlagworte
Dialog Paradoxie Paradoxien paradoxe Intervention Metakommunikation Doppelbindungstheorie double-bind theory Schizophrenie

Autor

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Titel: Paradoxien im Dialog