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Verfolgte Häretiker: Katharer und Waldenser

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 16 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Reform und Orthodoxie des Christentums

3. »Ketzerprediger« im 12. Jahrhundert
3.1 Heinrich der Mönch
3.2 Peter von Bruis
3.3 Tanchelm von Antwerpen
3.4 Arnold von Brescia
3.5 Eon de l`Etoile

4. Die frühen Katharer

5. Die Waldenser
5.1 Die Geschichte der Waldenserbewegung
5.2 Die Überzeugungen der Waldenser
5.2.1 Allgemeines zur Überzeugung der Waldenser
5.2.2 Unterschiede in den beiden Flügeln der Waldenser

6. Resümee

7. Abkürzungsverzeichnis

8. Literatur

1. Einleitung

Im Rahmen des kirchengeschichtlichen Seminars „Glaube und Geschichte“ werden verschiedene Themenkomplexe der Kirchengeschichte näher beleuchtet. Der erste Abschnitt der Arbeit behandelt die Auswirkungen der gregorianischen Reform und orthodoxer Wanderprediger auf die Entwicklung des Ketzertums im 12. Jahrhundert. Beide schufen ein spezifisch geprägtes Klima, welches den Erfolg der Ketzerprediger bzw. Ketzerpredigten beeinflusste.

Im zweiten Abschnitt werden einzelne Wanderprediger vorgestellt, die im 12. Jahrhundert predigend durchs Land zogen und sich von vorherrschenden Glaubensvorstellungen der katholischen Kirche distanzierten. Es werden in Lehre und Wirkungsgeschichte vorgestellt: Heinrich der Mönch, Peter von Bruis, Tanchelm von Antwerpen, Arnold von Brescia sowie Eon de l’Etoile. Außerdem wird ein kurzer Abriss über das frühe Katharertum gegeben.

In Abschnitt drei ist von der Bewegung der Waldenser die Rede. Von Waldes, einem Kaufmann aus Lyon, gegründet geriet sie trotz gegenteiligem Bemühen in Gegensatz zur Kirche und wurde schließlich in der Bulle »ad abolendam« als häretisch eingestuft. Neben ihrer Geschichte werden auch Überzeugungen und Positionen der Waldenser thematisiert.

2. Die Reform und Orthodoxie des Christentums

Lambert erläutert in diesem Kapitel seines Buches die These, gregorianische Reform und orthodoxe Wanderprediger hätten im 12. Jahrhundert das breite Volk bereits für die Ketzerpredigten empfänglich gemacht.[1]

Während im 11. Jahrhundert die Ideen der Ketzer in aller Stille persönlich weiter getragen wurde und sich so langsam und teils lange Zeit unentdeckt verbreitete, zeichneten sich die Ketzer des 12. Jahrhunderts durch offene und agitatorische Predigt aus, in der sie die Gläubigen für ihre Reformen des Katholizismus gewinnen wollten. Dies ging bis hin zum Aufruf zu Revolten und Unruhen.

Die gregorianische Reform, die sich gegen Simonie und unklerikales Verhalten der Priester wandte und die Kirche zu neuer Freiheit führen wollte[2], unterstützte vielfach „volkstümliche Laienbewegungen“, die mit ihren Zielen sympathisierten. Solche Bewegungen enthielten nicht zuletzt auch soziale Forderungen und führten mit ihren aggressiven Agitationen gegen verweltlichten Klerus und den ihn schützenden Adel zu Unruhen und Konflikten. Ansichten und Meinungen wurden von den Priestern in ihren Predigten bis hinein in die Masse der Gläubigen getragen, so dass es zu einer weitreichenden Sensibilisierung selbiger kam.

Die Pataria in Mailand ist ein Beispiel für eine solche Laienbewegung. [Anmerkung zur Pataria: Volksbewegung aus Oberitalien (Mailand), die Simonie und Nikolaitismus bekämpfte und den Klerus nach asketischen Idealen reinigen wollte. Sie stand im Geist der gregorianischen Reformen und unterhielt enge Kontakte zum Papst. Allerdings provozierte sie den Konflikt mit örtlichen Klerikern und dem Erzbischof, weil sie zum Boykott der liturgischen Dienste unwürdiger Priester aufriefen. Als der Konflikt schließlich 1075 beigelegt werden konnte, existierte nur noch ein radikaler Flügel, der 1179 als häretisch verurteilt wurde.][3]

Die Predigten des Diakons Ariald gegen unwürdiges Verhalten des höheren Klerus sorgten für gewaltigen Zündstoß in der Stadt. Laien spielten dabei eine große Rolle: Der Ritter Erlembald und sein Bruder Landulf plünderten die Häuser der Geistlichkeit und riefen zum Boykott ihrer Sakramente auf.

Die Ziele der Gregorianer konnten aufgrund der politischen Realitäten nicht vollends verwirklicht werden und sie verloren sich in theologischen und juristischen Details, denen die Gläubigen nicht folgen konnten.

Hier entwickelte sich eine latente Unzufriedenheit mit der Amtskirche, getragen von denjenigen, die durch die gregorianische Reform enttäuscht wurden.

Eine wahre Volksbegeisterung konnte der Papst Urban II. auslösen, als er die abendländische Christenheit zu den Kreuzzügen aufrief. Die Kreuzzugsbewegung erweckte endzeitlichen Enthusiasmus und erzeugte ein tiefes Mitgefühl für die Leiden Christi in der Bevölkerung. Durch den Handel der Kreuzfahrerstaaten kamen christliche Kreuzfahrer aber auch mit häretischen Bewegungen aus dem Osten in Kontakt (z.B. den Bogomilen) und brachten deren Gedankengut mit nach Westeuropa. [Anmerkung zu den Bogomilen: größte Ketzerbewegung der Ostkirche (10-15 Jh.), gegründet von dem aus Makedonien stammenden Priester Bogomil. Sie kritisierten Reichtum und Sittenverfall der Kleriker und suchten nach Wegen der Armut, Buße und des Gebetes. Teile der Bogomilen lehnten sogar AT, Liturgie, Sakramente, Ikonen, Gottesmutter, u.a.m. ab. Sie hatten Einfluss auf die Katharer. Nach der türkischen Eroberung trat die bogomilische „bosnische Kirche“ zum Islam über.][4]

Die Unzufriedenheit der Gläubigen über die enttäuschend verlaufenden innerkirchlichen Reformen hielten aber an und wurden von kirchlichen Autoritäten zu wenig ernst genommen bzw. reagierten auf sie erst spät.

Neben der gregorianischen Reform ist noch ein zweiter Umstand für die Empfänglichkeit der Gläubigen für volkstümliche Häresien verantwortlich.

Im 12. Jahrhundert gab es eine Reihe von spontanen Wanderpredigern, die bußpredigend Laien und Kleriker zur Reform aufriefen und sich beim Volk großer Zuhörerschaft erfreuen konnten. (Was im übrigen den Tatbestand erklärt, dass die Häresien im 12. Jahrhundert relativ unsystematisch waren und über keine gemeinsamen Positionen verfügten, wenn gleich doch Gemeinsamkeiten erkennbar sind.) Der bekannteste ist wohl Norbert von Xanten, der Gründer des Prämonstratenser-Ordens, aber auch Robert von Arbrissel, Bernhard von Thiron oder Vitalis von Savigny gehörten zu solchen Wanderpredigern. [Anmerkung zu Norbert von Xanten: (1080/85-1134), von adliger Abstammung wollte er als Stiftsherr von St. Viktor (Xanten) ein strengeres religiöses Leben einführen und scheiterte. Er zog sich daraufhin als Mönch und Eremit zurück, um es als Bußprediger erneut zu versuchen, wurde aber angeklagt (1118). Er startete in Prémontré 1120/21 einen Neuanfang und legte dort die Basis für den Prämonstratenser-Orden. 1126 Erzbischof von Magdeburg.][5]

Sie alle hatten eine auffallende Liebe zur Armut. Sie liefen barfuss oder reisteten als Zeichen der Demut auf einem Esel. Sie trugen Bart und kleideten sich in Lumpen, gerade so den Normen des Anstandes genügend. Ihre Zuhörer waren nicht nur durch ihre Predigten gefesselt, sondern bewunderten auch Askese und Armut. Die Wanderprediger zogen nicht selten mit einer gemischten Zahl von Anhängern durch die Lande.

Die Kirche versuchte die Gruppen und ihre Prediger in kirchliche Bahnen zu lenken, in dem sie Predigterlaubnisse vergaben oder bestimmte Prediger zur Gründung von Gemeinschaften veranlassten. Allerdings waren solche Versuche selten konfliktarm, weil sich die Prediger selbst ungern einem kirchlichen oder gemeinschaftlichen Korsett beugten.

Hieraus entwickelte sich aber eine neue Form des apostolischen Lebens. Vorbild war nicht mehr bloß die Gütergemeinschaft der ersten Christen, sondern Christus Wort aus dem Matthäus- und Lukasevangelium, indem Christus zum Predigen fern aller irdischen Güter aufruft.

Noch etwas wurde deutlich: Da eine systematische Unterweisung der Laien im Glaubenswissen fehlte, konnten selbige mit den Aussagen der Wanderprediger nicht richtig umgehen. Insbesondere in den Städten fehlte bis zum Aufkommen der Bettelorden weitgehend eine seelsorgliche Betreuung der Gläubigen.

Schlussfolgernd lässt sich wiederholen, dass durch die unerfüllten Erwartungen der gregorianischen Reform, den Sensibilisierung der einfachen Gläubigen durch Predigt und die anhaltenden Probleme, verursacht durch eine reformbedürftige, aber reformunwillige Kirche, ein fruchtbarer Nährboden für ketzerische und häretische Ideen geschaffen war.

[...]


[1] Vgl. hier und im Folgenden: Lambert, M., Ketzer im Mittelalter. Häresien von Bogomil bis Hus, München 1981, 69-82.

[2] Die Forderung nach der libertas ecclesiae richtete sich gegen das Eigenkirchenwesen und die Königskirche. Sie führte zum Überdenken der Verhältnisse geistlicher zu weltlicher Macht und gipfelte im Investiturstreit.

[3] Vgl. Laudage, J., Art. Pataria, in: LThK3, Bd. 7, Freiburg i. Br. 1995, 1449f.

[4] Vgl. Döpmann, H.-P., Art. Bogomilen, in: LThK3, Bd. 2, Freiburg i. Br.1994, 548f.

[5] Vgl. Flachenecker, H., Art. Norbert von Xanten, in: RGG4, Bd. 6, Tübingen 1999, 365.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640582457
ISBN (Buch)
9783640582235
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147323
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Fachbereich 7 - Katholische Religion
Note
1,0
Schlagworte
Kirchengeschichte Waldenser Katharer Katholische Theologie Ketzerprediger Heinrich der Mönch Tanchelm von Antwerpen Arnold von Brescia Häretiker Häresie Ketzer Katholische Religion Hausarbeit

Autor

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