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Finanzausgleich im Sportwettbewerb

Revenue Sharing in Sporting Contest

Diplomarbeit 2009 89 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Danksagung

C Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

D Abkürzungsverzeichnis

1. Einführende Worte zur Sportökonomik

2. Modell-Ökonomie des Sports
2.1 Ökonomisches Denken versus sportlichem Verhalten
2.2 Individualsportarten und Preisstruktur
2.3 Teamsportarten
2.3.1 Transatlantischer Vergleich der Sportsysteme
2.4 Klassisches Modell und Invarianzprinzip
2.5 Das offene Modell

3. Möglichkeiten des finanziellen Ausgleichs und deren Wirkung
3.1 Ligainterne Mechanismen
3.1.1 Auf- und Abstiegsregelungen
3.1.2 Optimale Ligagröße
3.2 Externe Mechanismen
3.2.1 Erlösaufteilung, (Gate)Revenue Sharing und Zentralvermarktung
3.2.2 Salary Cap und Luxury Tax

4. Wettbewerbsintensität und Spannung
4.1 Bedeutung der Wettbewerbsintensität
4.2 Messverfahren und geeignete Indikatoren
4.3 Empirische Befunde
4.4 Fazit zur Empirie

5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

8. Eidesstattliche Erklärung

A Danksagung

Ich möchte diese Arbeit nicht isoliert betrachtet wissen, sondern als ein Abschluss der vergangenen 5 Jahre, und damit auch das Ende meiner akademischen Ausbildung. Daher dient dieses kurze Statement sowohl als Danksagung, als auch als kurze Rückblende.

Die Zeit war gespickt mit sehr viel Freude mit den Kommilitonen, Spaß und Engagement in den Tätigkeiten außerhalb der Universität und zwangsläufig auch den nicht ganz so stressfreien Zeiten vor und während den Prüfungszeiten. In Erinnerung bleiben u. a. die Highlights bzw. die gemeinsamen Leiden zwischen der 118. und 120. Minute des WM-Halbfinales 2006 zwischen Deutschland und Italien, sowie die glücklicherweise erfolgreich abgelegte zweite Nachprüfung im Fach BWL-A, seinesgleichen im Sommersemester 2006.

Auf diesem langen Weg zu meinem universitären Abschluss möchte ich mich bei Allen bedanken, die in irgendeiner Weise einen Anteil daran haben! Allen voran bei meiner Familie, insbesondere meiner Mutter, meinem Vater und meinen Großeltern. Dieser Rückhalt in psychologischer und finanzieller Hinsicht war entscheidend dafür, dass ich mich schwerpunktmäßig auf das ganzheitliche Studieren konzentrieren konnte. Ebenfalls denke ich an meinem zu Beginn des Studiums verstorbenen Onkel.

Im universitären Umfeld gilt mein Dank der gesamten Professorenschaft und den Mitarbeitern der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Dabei möchte ich die wissenschaftlichen Betreuer dieser Arbeit hervorheben. Professor Dr. Marco Runkel und Dr. Magnus Hoffmann. Ihnen gilt mein Dank für die professionelle, unkomplizierte sowie freundliche Unterstützung bei der Entstehung meiner Abschlussarbeit. In schöner Erinnerung bleiben zudem Professor Dr. Abdolkarim Sadrieh und sein Lehrstuhl, der mein Interesse für das Fach E-Business so sehr geweckt hat, dass ich mich auf diesem Teilgebiet, insbesondere der Auktionstheorie wissenschaftlich vertieft hab. Dank gilt ebenfalls meinen Trainern aus dem Sportzentrum, Helmut Gaube und Moritz Schrader, für Ihr Engagement und die tolle Zeit bei den Hochschulmeisterschaften. Für Eure nachhaltige Unterstützung, zahlreichen Ermutigungen und für die geselligen Runden danke ich all meinen Freunden.

Ein Dankeschön für die Zeit und Mühe gilt den Korrekturlesern und Freunden Theresa Jeroch, Dipl.-Region.-Wiss. Adrian Bosner und Dr. Renè Gebhardt.

C Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tab. 1: Verhalten ohne zweiten Preis

Tab. 2: Verhalten mit zweitem Preis

Tab. 3: Zahlungsplan des Vertrags von A. Rodriguez mit den Texas Rangers

Tab. 4: Internationaler Vergleich der Anteile der Gehälter am Umsatz

Tab. 5: Punkteverteilungen für Beispielfälle

Tab. 6: Auswirkungen eines Finanzausgleichs auf die Ausgeglichenheit (C.B.)

einer Teamsportliga

Abb. 1: Entwicklung der Zuschauerzahlen seit 1963

Abb. 2: Entwicklung des Gesamterlöses (in Tausend €)

Abb. 3: Entwicklung der Beschäftigten im Lizenzfußball

Abb. 4: Gleichgewicht in einer 2-Team Sportliga

Abb. 5: Gleichgewicht in einer 2-Team Sportliga bei Symmetrie

Abb. 6: Gleichgewicht unter einer Reserve Rule

Abb. 7: Gleichgewichte im offenen Modell

Abb. 8: Entwicklung des Markts für Fernsehwerbung und der Übertragungs- rechte für die Fußballbundesliga

Abb. 9: Gleichgewicht einer 2-Team-Liga mit Erlösaufteilung

Abb. 10: Grenzerlöse aus der Gewinnwahrscheinlichkeit und dem Talentstock

Abb. 11: Gleichgewichte aus dem Standard-Modell und nach Cournot-Nash

Abb. 12: Competitive Balance unter einem Salary Cap

Abb. 13: Lorenzkurven für ausgewählte Punkteverteilungen

Abb. 14: Korrelationskoeffizienten der Endplatzierungen der Abschlusstabellen

Abb. 15 : Korrelation - Bundesliga 2001/2002

Abb. 16 : Korrelation - Bundesliga 2008/2009

D Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführende Worte zur Sportökonomik

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz“[1]. Wohl einer der am häufigsten gebrauchten Ausrufe auf den Fußballplätzen, in den Spielerkabinen sowie an den Stammtischen von Flensburg bis Garmisch. Doch was steckt wirklich hinter solch einer mal eben dahergesagten Floskel? Auf den ersten Blick will der, der es sagt vermutlich darauf hinweisen, dass eine Entscheidung über einen Spielausgang in einem sportlichen Vergleich zumeist auf einem Spielfeld fällt und nicht im Vorfeld bestimmt wird durch große Töne in den Boulevard-Blättern oder exorbitanten Ausgaben für einzelne Spieler.

Bei genauerem Hinsehen erfährt man sehr schnell, dass sehr viel mehr dahinter steckt, die Frage zu klären, wo genau denn nun die Wahrheit liegt. Ob auf dem Platz, neben Platz oder in anderen Ebenen. Zu diesem und vielen weiteren, auch weitaus tiefgründigeren Themen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein eigener Forschungsbereich entwickelt. Die Sportökonomie bzw. Sportökonomik. Diese junge Wissenschaft verknüpft im weitesten Sinne die Sportwissenschaften mit denen, der Wirtschaftswissenschaften. Dabei entzweit sich die Forschung in zwei Hauptstränge. Zum einen die präskriptiv arbeitende, normative Ebene, wo ökonomische Modelle auf den Sport übertragen werden, um dann anhand von Wirkungs-analysen Sportverbände und Organisationen beraten zu können. Zum anderen die deskriptive Analyse, welche Sportergebnisse sammelt und (statistisch) auswertet, um so mögliche Einflussfaktoren auf Entwicklungen im Sport erklären zu können. Die meisten Sport-ökonomen legen dabei wert auf eine Abgrenzung zum Sportmanagement. Hier ist der Fokus auf einen stärkeren Praxisbezug gerichtet und hat zumeist in irgendeiner Funktion organisierenden oder vermarktenden Charakter. Dabei liefert die Sportökonomie u. U. dienliche Ansatzpunkte für das ‘tägliche Brot’ eines Sportmanagers.

Diese Arbeit soll sich, so wie es die Überschrift zu diesem einleitenden Kapitel bereits andeutet, mit einer ausgewählten Fragestellung der Sportökonomie beschäftigen. Im Speziellen steht das Thema Finanzausgleich im Sportwettbewerb zur Diskussion. Die Beachtung derartiger Fragestellungen hat in den letzten beiden Jahrzehnten erheblich an Inhalt zugenommen. In Deutschland und ebenso International. Es mag u. a. daran liegen, dass der Sport als solcher[2] und einzelne Sportevents wie eine Fußball-Weltmeisterschaft, eine Olympiade und auch ganze Sportligen enorm an öffentlichem Interesse hinzu gewonnen haben. Dieses sei verdeutlicht anhand der Zuschauerentwicklung der Fußballbundesliga in Abbildung 1[3].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit im Zusammenhang stehend nimmt der Sport auch eine immer größer werdende Bedeutung in der Gesellschaft und als Wirtschaftsfaktor ein und sorgt somit eigenständig für eine Professionalisierung des Sports auf vielen Ebenen. Die Abbildungen 2 und 3 veranschaulichen dies anhand der Entwicklungen auf dem Jobmarkt Bundesliga[4], sowie den von den Bundesligisten generierten Gesamteinnahmen. Laut Statistischem Bundesamt[5] betrug 2008 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2.495,80 Milliarden Euro. Die Erlöse machen somit nahezu ein Promille der Bruttowertschöpfung im gesamten Land aus. Es scheint nicht sonderlich viel zu sein, wird aber umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass dieser Beitrag zum BIP von lediglich 36 spielenden Vereinen zu je elf Spielern erzeugt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das soll Aufschluss genug geben, um die Bedeutung nicht nur des Profisports, sondern des Sports im Allgemeinen hervorzuheben. Damit ist zwangsläufig auch das Interesse der (Wirtschafts-)Wissenschaften für dieses Fachgebiet zu erklären.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Arbeit wird, aus Gründen der Anschaulichkeit, während ihrer theoretischen Abhandlungen immer wieder einmal versuchen den Bezug zur Praxis herzustellen. Obwohl die Modelle und ihre Aussagen oftmals Allgemeingültigkeit besitzen und auf viele Sportarten übertragbar sind, werden die Beispiele überwiegenden Teils aus dem europäischen Fußball, insbesondere der 1. Bundesliga stammen. Das ist nahe liegend aufgrund des eigenen Bezugs zur Bundesliga und da derzeit eine lebhafte Diskussion stattfindet über einige Instrumente, welche in den folgenden Abschnitten vorgestellten werden und deren Einführung in die bisher eher unreglementierte Bundesliga. Das Besondere und sogleich gewinnbringende an der deutschen 1. Fußball-Bundesliga beschreibt deren Präsident folgendermaßen:

„Ein ausgeglichener Wettbewerb, moderne Stadien, attraktiver Fußball, professionelles Wirtschaften und großartig aufspielende Stars sind die Erfolgsgaranten der Bundesliga[6].“

Ausgeglichener Wettbewerb, zu englisch Competitive Balance wird dabei eines der Schlagwörter dieser Arbeit sein. Einerseits ob es erwünscht ist und andererseits welche Folgen ein ausgeglichener Wettbewerb hat. Dabei wird darauf eingegangen ob schon von Natur aus Ausgeglichenheit bzw. Unausgeglichenheit determiniert ist und wie man, und ob man überhaupt für ein Mehr an Ausgewogenheit sorgen kann. Die Abhandlung, anschließend an diese Einführung, beginnt mit der Vorstellung eines allgemeinen Modells der Contest & Tournament Theory, welches sich in der Sportökonomie etabliert hat. Daran anknüpfend werden einige Regulationsmechanismen benannt und dessen Einfluss auf den Wettbewerb untersucht. Dazu werden einige Ergebnisse aus der in der ökonomischen Literatur des Sports, welche nicht immer der Intuition folgen, vorgestellt. Die wohl bekanntesten Elemente, weil in der Öffentlichkeit und in den Organisationsgremien heiß diskutiert, werden sein: Der Salary Cap, eine Gehaltobergrenze, sowie das Revenue Sharing, eine Aufteilung von Einnahmen, welcher besonderer Bedeutung heutzutage zukommt in der Frage Zentral- oder Einzelvermarktung von Übertragungsrechten. Vor einem abschließenden Resümee wird die Bedeutung der Spannung und Nichtvoraussagbarkeit von Wettkämpfen hervorgehoben. Dabei sollen einige Messverfahren und empirische Befunde, darunter auch eigene, vorgestellt und die Ergebnisse zu den Vorraussagen der Theorie verglichen werden. Dass dabei die Wahrheit nicht immer nur auf den Plätzen zu finden ist, sei vorweggenommen.

Das Ziel besteht darin, einen Überblick zu geben über die ökonomische Struktur von Wettbewerben und welchen Einfluss Sportorganisationen, Regulierungsbehörden und die Politik nehmen können auf die Intensität und Effizienz eines Wettkampfes. Die Analyse erfolgt anhand eines mathematischen Modells, woraus im Endeffekt präzise Handlungs-empfehlungen abgeleitet werden können für oben genannte Interessentenkreise. Es soll vor allem auch ein klares Bild geschaffen werden über den Aufbau und die Wirkungsweise einzelner Begriffe, die in der öffentlichen Diskussion des Öfteren falsch dargestellt und mit Stammtischparolen bestritten werden. Das betrifft u. a. den Salary Cap. Dass dieser nicht immer eine fixe Gehaltsobergrenze verkörpert, wird dabei weniger überraschen, als dass es sich hierbei um ein Instrument handelt, welches, zumindest in der Theorie, oftmals gegenteilige Wirkung erzielt als angedacht.

Beim Lesen und zum Verständnis dieser Arbeit sollte man mit elementaren Kenntnissen aus den Bereichen der Mathematik, der Statistik, der Spieltheorie sowie der Industrieökonomik auskommen.

Mit zunehmender Bedeutsamkeit des Sports im Alltag und im Einklang mit einem immer größeren wirtschaftlichen Wert wuchs gleichermaßen die Literatur im Forschungsbereich der Sportökonomik. Wie in vielen anderen Bereichen auch gliedern sich die Arbeiten in theoretische Arbeiten und empirische Studien auf. Die Theorie zur Sportökonomie hat ihren Ursprung in der Arbeit von Simon Rottenberg aus dem Jahr 1956. Darin wird erstmalig ökonomisch über den Sport nachgedacht. Im Einzelnen befasst sich der Autor mit dem Arbeit- bzw. Spielermarkt im amerikanischen Baseball. Die Schlüsse, die er dabei zieht haben bis heute Gültigkeit. Die Arbeit war insofern wegweisend, als das im Folgenden die sportökonomische Forschung zunächst in den USA intensiviert wurde. Die meisten Arbeiten befassten sich mit dem Baseball und der Nordamerikanischen Profiliga, der Major League Baseball (MLB). 1971 erschien dann das erste mathematische Modell, welches einen Sportwettbewerb abbilden sollte. Ebenfalls aufgebaut am Beispiel der MLB, schufen die Autoren El-Hodiri und Quirk ein einfaches Modell einer n-Team Liga und leiteten ein langfristiges Gleichgewicht ab. Zugleich prägten die Beiden den Begriff des Invarianz-Prinzips, eines zentrale Erkenntnis in der Literatur, worauf später im Detail eingegangen werden soll. Vroomann stellte 1995 sein leicht abgewandeltes Modell vor, worin er bestimmte Instrumente wie eine Erlösaufteilung oder den Salary Cap auf deren Implikationen für den Wettbewerb untersucht und zu interessanten Ergebnissen kommt. In der jüngeren Literatur tun sich die Professoren Késenne und Szymanski hervor. Diese europäischen Vertreter versuchen ihrerseits das amerikanische Modell auf den europäischen Markt zu übertragen und weisen darauf hin, dass dies nicht ohne weiteres möglich sei (siehe hierzu auch Hoehn et al. 1999). Die Gründe reichen weit in die Geschichte zurück und gehen auf unterschiedliche Motive zurück, welche unterstellt werden, weshalb ein Sportwettbewerb überhaupt ausgetragen wird. Dies ist durchaus nicht zu verachten, da das benannte Modell mitunter zu unterschiedlichen Resultaten gelangt, je nachdem mit welchen Annahmen man es versorgt. Es ist die Rede vom Unterschied zwischen Gewinnmaximierung und Siegesmaximierung. Da gehen der Sport und die Literatur in den USA und Europa grundsätzlich unterschiedliche Wege. Ein weiterer Gegensatz ist, dass der in Europa populärste Sport Fußball zwangsläufig auch die Forschung prägt, wogegen sich die Sportökonomen in Übersee sich eher mit den Regelwerken der dortigen Profiligen im Baseball, Basketball, American Football und Eishockey befassen. In jüngsten Arbeiten von Szymanski und Vrooman werden die Themen Zentralvermarktung der Übertragungsrechte, deren Erlösverteilung und die Auswirkungen der Globalisierung und eines damit verbundenen Zusammenwachsens der EU und des europäischen Sports behandelt. Damit wird den aus der Praxis häufig vorgetragenen Forderungen nach einheitlichen Standards zumindest schon in der Literatur Beachtung geschenkt. Ein ausführliches Lehrbuch zu diesem Thema liefern Dobson und Goddard (2001). Der zweite große Teil der sportökonomischen Literatur sind die empirischen Arbeiten. Diese Arbeiten beschäftigen sich zumeist mit der Wettbewerbsintensität einer Sportliga und wie diese zu messen sei. Daraus schlussfolgernd werden dann anhand statistischer Signifikanzen Aussagen getroffen über einzelne Zusammenhänge zwischen Regeln und Auswirkungen im Sport. Dazu wird des Öfteren untersucht ob und wenn ja welche Vorteile eine bestimmte Wettbewerbintensität haben kann. Man spricht dabei von der uncertainty-of-outcome-Hypothese (vgl. Feddersen 2008a, S. 5). Die Hypothese beschreibt eine oft unterstellte Spirale, wonach sich eine geringe Wettbewerbsintensität und damit einhergehende Vorhersehbarkeit im Ausgang von Wettkämpfen eine negative Auswirkung besitzen auf das Interesse der Zuschauer an diesem Wettbewerb, wovon maßgeblich die Einnahmen der Vereine abhängig sind[7]. Die Unsicherheit, gemeint ist die Nichtvoraussagbarkeit über Ereignisse im Sport wird in drei Dimensionen unterteilt. Erstens die kurzfristige, welche sich auf einzelne Spiele bezieht, zweitens die mittelfristige, in der ganze Spielzeiten betrachten werden und die langfristige, wo die Dominanz über mehrere Jahre und Jahrzehnte hinweg überprüft wird. Das Augenmerk liegt größtenteils auf der mittelfristigen Ebene (vgl. Szymanski 2001). Hier machten sich die Autoren Zimbalist und Eckardt einen Namen. Sowohl bei theoretischen Arbeiten, als auch in der Empirie stammt nach wie vor der größte Teil aus den USA und bezieht sich auf die Sportarten Baseball und American Football (siehe Feddersen 2008a, S. 7-12). Eine besonders interessante Arbeit auf diesem Gebiet für die deutsche Fußball-Bundesliga ist die Dissertation von Arne Feddersen aus dem Jahr 2005. Hier wird der Frage nachgegangen, ob bspw. der FC Bayern München tatsächlich so dominierend war, wie häufig wahrgenommen, wie es in den andern europäischen Topligen aussieht und wie sich die Ausgeglichenheit entwickelt hat nach bestimmten Regeländerungen, z. b. dem 1995 gefällten Bosman-Urteil[8]. Mit Hilfe von statistischen Tests und zahlreicher Indikatoren wird nicht nur in diesem Fall keine signifikante Kausalität zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg abgeleitet. Die neusten Studien aus den USA, u. a. Vrooman in „Theory Of The Beautiful Game“ befassen sich mit Frage, wie denn ein optimaler Wettbewerb ausgestaltet sein müsste und stellen ähnlich wie Szymanski (2007) ein Modell einer europäischen Super-League zur Diskussion in den Raum. Der aktuelle Stand der Forschung ist kurz gefasst: Es ist niemanden gelungen in der Theorie Rottenberg’s zentrale Erkenntnis von 1956 (S. 258) zu widerlegen, wonach ein freier Spielermarkt und unreglementierte Sportwettbewerbe superior sind zu allen eingesetzten und geforderten Reglementierungs-maßnahmen.

2. Modell-Ökonomie des Sports

Das in diesem Abschnitt im Folgenden vorgestellte Modell basiert zu großen Teilen auf den Ausführungen von Stefan Szymanski in seinem Arbeitspapier „The Economic Design of Sporting Contests“. Zum besseren Verständnis können das Papier von Vrooman 1995 und das Lehrbuch von Dobson und Goddard 2001 empfohlen werden.

2.1 Ökonomisches Denken versus sportlichem Verhalten

Die Frage nach dem was nun die traditionelle Industrie bzw. dem in den Standardlehrbüchern der Wirtschaftswissenschaften propagierten Lehransatz von dem der Sportökonomie unterscheidet ist einfach zu beantworten: Allgemein rein gar nichts. Das Ziel ist in beiden Fällen die Erreichung eines optimalen Zustandes. Es wird dafür benötigt ein optimale Zahl an Teilnehmern. In der Wirtschaft drückt sich das in einer bestimmten Anzahl von Anbietern und Nachfragern aus, die zu einem bestimmten Preis ein vorher festgelegtes Gut handeln. Im Sport gibt es so etwas auch. Eine optimale Zahl an Teilnehmern an Wettbewerben. In beiden Fällen können Markteintrittsbarrieren dafür sorgen, dass die Anzahl der Teilnehmer künstlich begrenzt wird. In der Wirtschaft sei dabei an Zölle, Quoten, und an eine Diskriminierung des Nachfragers nach Menge, Preis oder anderen Attributen erinnert. Im Sport kann bspw. eine Nichteinhaltung von Mindeststandards für einen Ausschluss aus einem Wettbewerb sorgen. Für die Teilnahme an einer WM oder Olympiade müssen vorher festgesetzte Normen[9] erreicht werden. Als Beispiel für eine Mannschaftssportart und der Prüfung einer Teilnahme kann man das Lizenzierungsverfahren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sehen. Dabei werden Vereine einer Art Tauglichkeitsprüfung unterzogen ob finanzielle und infrastrukturelle Voraussetzungen gegeben sind für die jeweilige Spielklasse. Dabei wird z. b. ein Unterbau des Profibereiches verlangt. Es muss also jeder Bundesligist auch entsprechende Jugendmannschaften aufbauen und betreuen. Wie detailreich die Ausführungen in der Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL) sind, zeigt § 6 Nr.3 bei den infrastrukturellen und sicherheitstechnischen Kriterien:

„Das Fassungsvermögen des Stadions muss mindestens 15.000 Zuschauer betragen, wobei mindestens 3.000 Sitzplätze vorhanden sein müssen. Die Sitzplätze im Stadion müssen einzeln, nummeriert, anatomisch geformt und unverrückbar befestigt sein sowie eine mindestens 30 cm hohe Rückenlehne haben[10].“

Als Motiv für solch ein Verfahren wird u. a. angeben, dass dies zu einer Stabilität des Wettbewerbs führe. Dass es möglicherweise auch zu einem Ausschluss von sportlich qualifizierten Mannschaften kommen kann wird dagegen hingenommen[11]. Dies wiederum kann dazu führen, dass nicht genügend Teilnehmer, entsprechend der optimalen Anzahl vorhanden sind. Daher ist es sowohl im Sport als auch in sonstigen Märkten unerlässlich ein geeignetes Preis- und Anreizschema zu implementieren. Dies soll Anreize zur Teilnahme und einer erwünschten Leistung (gutes Spiel, Preisgebote) setzen, z. b. über Subventionen, oder in Fußballligen, Punkte oder Siegprämien. Und zum dritten ist es in beiden Branchen wichtig eine optimale Wettbewerbsintensität zu haben. Zu verstehen ist dies im Zusammenhang mit einer Chancengleichheit. Ein Markt wird nicht existieren, bzw. ein Tausch nicht zustande kommen, wo ein potenzieller Käufer seine Zahlungsbereitschaft freiwillig offenbaren muss genau so wird kein 100m Läufer einen Wettbewerb akzeptieren indem sein Gegner 10m weniger zurücklegen muss. Intensität zielt aber ebenso darauf ab, dass die Wettbewerber auf ähnlichem Niveau agieren und dieses möglichst hoch ist. Damit sind gemeint Wettbewerbs-märkte mit atomistisch kleinen Verkäufern und Käufern die beiderseits keinen Einfluss auf die Preissetzung haben. Vorteile (viele Kunden) hat Derjenige, welcher durch Qualität überzeugt. Im Sport ist unter hoher Intensität zu verstehen, dass die Sportler bzw. Teams mit ähnlichem Leistungspotenzial ausgestatten sind, der Ausgang möglichst spannend, also nicht vorhersagbar ist, und das der Wettkampf sportliche Bestleistungen liefert. Beides könnte nützlich sein, um möglichst viele Zuschauer zu gewinnen. Man sieht also: Sport und Wirtschaft sind nicht nur sehr eng miteinander verknüpft. Auch liegen im Aufbau Strukturen vor, welche sich sehr ähnlich sind. Einen grundlegenden Unterschied zwischen ökonomischen und sportlichen Wettbewerb kann man dennoch ausmachen. Neale (1964) beschreibt in seinem Louis-Schmeling-Paradoxon das existenzielle Vorhandensein von (gleichwertigen) Gegnern. In der Wirtschaft sei es höchst profitabel ein Monopolist zu sein. Im Sport wäre es der Ruin ohne ernsthaften Herausforderer und spannenden Wettbewerb, da ein Zusammen-hang zum Zuschauerinteresse unterstellt wird.

“In law the sports team is a firm (which may be profit-motivated). But it is not a firm in the economist’s sense. A single team cannot supply the entire market – if it did it would have no one to play.”

Demnach sei für jeden Verein ein Wettbewerb besser als das Monopol. Einzelne Vereine sind sogar zur Kooperation gezwungen, denn nur so können ganze Meisterschaften ausgetragen werden. Allerdings kann es dann dazu kommen, dass eine Liga an sich ein Monopol besitzt und den gesamten Markt bedient. Nämlich dann, wenn die Kosten zur Auferlegung einer Konkurrenzliga die erwarten Einnahmen übersteigen. So gab es immer wieder Gerüchte um eine Konkurrenzserie zur Formel 1 oder auch eine private Austragung eine Europa-Liga im Fußball. Es blieb bisher bei den Gerüchten.

Zudem ist der (professionelle) Sport aus verschiedenen Gründen ein interessantes Forschungsgebiet der Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Es handelt sich um einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor und weist einige spezifische Besonderheiten (insbesondere die Bedeutung der Ausgeglichenheit des Wettbewerbs als eigenständigem Qualitätsmerkmal) auf, die beispielsweise wettbewerbsrechtliche Ausnahmeregelungen begründen und für das Marketing (z.B. Zentral- vs. Individualvermarktung) interessante Fragen aufwerfen. Und als nützliches Element sind im Sport häufig mehr Daten als in anderen Bereichen verfügbar, die es erlauben, allgemeine ökonomische Hypothesen, etwa bezüglich Vertragsgestaltung und Anreizwirkungen, zu testen. Hier werden einerseits Ergebnisse aus Wettkämpfen in der Tabelle ausgedrückt, andererseits gibt es eine Tendenz wobei sich im europäischen Fußball Vereine in Wirtschaftsunternehmen umwandeln und inzwischen teilweise als Aktiengesellschaften (AG) geführt werden und damit Publikationspflichten nach internationalen Standards (IFRS) unterliegen. Der Verein Borussia Dortmund wird als eine GmbH & Co. KG a. A. geführt und dient damit vermehrt als Paradebeispiel für wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungen, um Zusammenhänge feststellen zu können zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Da dem Sport nun eine enorme Bedeutung in vielerlei Hinsicht zukommt muss er wie die Märkte auch, gewissen Regeln unterliegen. Es braucht eine Organisation. Diese haben alle Wettbewerbe, die professionellen Anspruch besitzen. Ein Komitee, ein Weltverband oder eine Foundation, unabhängig davon wie die Organisation im Einzelnen organisiert ist und wie die Teilnehmer darin involviert sind. Die Aufgaben sind vergleichbar mit der eines Betreibers eines (virtuellen) Marktplatzes. Wie z. b. bei Ebay muss auch im Sport jemand die Regeln festlegen, das Marktdesign des Sportwettbewerbs. Die Contest Theorie bildet eine spezielle Form des Marktdesigns und der Auktionstheorie.

Szymanski (2003) gibt eine Klassifizierung des Sports in Individual- und Mannschaftssport-arten vor. Dabei seien Individualsportler vergleichbar mit einem Einzelunternehmer, welcher nur für sich, auf eigene Rechnung handelt und voll haftet für seine Leistungen. Beim Mannschaftssport spielt jede wie in einer (größeren) Firma, wobei die Erfolgszurechnung dementsprechend schwieriger ist. Das folgende Standardmodell wird am besten abgebildet von Individualsportarten wie z. b. Tennis, Golf, Boxen, Turnen u. v. a., weil hierbei unbeobachtbare Größen, wie z. b. Spill-Over-Effekte[12] oder auch zwischenmenschliche (Dis-) Harmonien einen sehr viel geringeren Einfluss haben auf die gezeigten Leistungen der Sportler.

Des Weiteren weist Szymanski auf einen sehr bedeutsamen Punkt hin: Den Unterschied, der existiert zwischen der Gewinnmaximierung und einer Maximierung des sportlichen Erfolges. Dies ist eine wichtige Implikation für das Standard-Modell. Dieses Modell wird ausgehen von einem Motiv der Gewinnmaximierung. Dass es aber auch Sportler geben soll, die spielen um zu gewinnen oder Verbände, die neben der gewinnbringenden Organisation von Wettkämpfen auch andere Ziele besitzen, zeigt Sloane (1971). Im Einzelnen weist Sloane daraufhin, dass monetärer Gewinn mehr Geld bedeutet und dies ist universell eintauschbar ist in alle Güter, die in eine individuelle Nutzenfunktion eingehen[13]. Ein Verein maximiere nun die Nutzenfunktion insgesamt. Dabei können auch andere Attribute einen positiven Nutzenzuwachs nach sich ziehen bei Konsumtion. Unabhängig von Art der Nutzenfunktion, sobald ein Nutzenelement ein Gewicht von Null verschieden annimmt. So kann die Bedürfnisbefriedigung, gemessen anhand des Nutzenwertes, durch das Siegen höher sein, als ein positives Bankkonto. Im Extremfall kann die „Sucht“ nach Erfolg sogar der Auslöser sein für ein Bankkonto im Haben (vgl. Késenne 2009). Ein weiteres Element mit positivem Nutzen für Spieler, Vereine und Verbände könnten karitative Aufgaben und soziales Engagement sein. Da die tatsächliche jeweilige Nutzenfunktion eine private Info ist, ist sie nicht nach zu vollziehen. So generieren zahlreiche Fußballvereine, und selbst die FIFA jährliche Gewinne[14] in Millionenhöhe, dass die Vermutung nahe liegt, dass das Motiv der Gewinnmaximierung nicht gänzlich nebensächlich ist. In der früheren Literatur wurde tatsächlich auch meist eine ökonomische Gewinnmaximierung[15] unterstellt. Das ist nicht verwunderlich, denn die meisten Arbeiten kamen auch aus den USA. Und dort wird der Sport als ein Mittel zur Renditeerzielung angesehen. Die Clubs sind Teil eines großen Wirtschaftsmoguls, siehe Ted Turner oder Robert Murdoch und dessen Imperien. Diese Art der Führung oder Leitung von Vereinen hält inzwischen auch in Europa Einzug, vor allem in Großbritannien, wo bspw. der Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan Hauptanteilseigner des Fußballklubs Manchester City ist. Ansonsten herrschen in Europa Verbandstrukturen, wo das Ehrenamt große Bedeutung hat und wo von Verbandsebene versucht wird die Kommerzialisierung abzubremsen. Deutlich wird dies an der 50+1 Regel, welche in Deutschland gilt, nach der eine Mehrheit der Anteile im Besitz des Vereins bleiben müssen. Die Anreize zur Renditeerzielung und dem Handel mit Club-Anteilen wird Einhalt geboten. Es steht theoretisch die Erhöhung der Siegwahrscheinlichkeit im Mittelpunkt. In solchen Fällen ist die Ausgeglichenheit einer Liga höher (vgl. Vrooman 1997). Zum gleichen Resultat kommt Késenne (2005a). Die 50+1 Regel sorgt außerdem tendenziell dafür, dass ehemalige Spieler an die Vereinsspitze gelangen und wichtige Machtposten besetzen wie die des Managers. Man kann davon ausgehen, dass dies auch eher dafür spricht, dass der sportliche Erfolg im Vordergrund steht[16].

2.2 Individualsportarten und Preisstruktur

Der Begriff Individualsportart erfasst Sportarten, die überwiegend auf den Leistungen des Individuums basieren und nicht in Mannschaften organisiert sind. Hierzu zählen z. B. Leichtathletik, Schwerathletik, Schwimmen, Boxen, Golf, Tennis und Turnen. Unter der Annahme, dass Zuschauer angezogen werden von der Attraktivität der Teilnehmer und deren Leitungen, so ist der Organisator dafür zuständig ein geeignetes Anreiz- und Preisschema zu implementieren. Dieses sollte nach Möglichkeit dafür sorgen, dass gute Sportler an seinem Contest teilnehmen und sich auch anstrengen. Bspw. durch eine Antrittsprämie und eine Siegprämie und ein förderliches Verhältnis dieser Anreizelemente. Szymanski nennt zudem Strafen als ein mögliches Mittel mit Anreizwirkung. In einem symmetrischen[17] Wettbewerb mit einer Prämie für den Sieger steht ein (Turnier-) Organisator vor folgendem Problem:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit

R… strikt konkaver Erlösfunktion

ei… Anstrengungen, Investitionen der Teilnehmer

V… Siegprämie

Für einen Teilnehmer ist es nur dann rational an solch einem Contest mitzuwirken, wenn sich die eigenen Anstrengungen amortisieren. Die Auszahlung setzt sich wie folgt zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei bezeichnet pi eine Gewinnwahrscheinlich für einen Teilnehmer. Die ist nicht einfach gottgegeben oder eine Zufallsvariable sondern ist die relative Beziehung aus der eigenen Anstrengung zu der Summe der Anstrengungen aller anderen Teilnehmer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser Ausdruck findet in der Sportökonomie häufig[18] als Contest Succsess Funktion (CSF) Verwendung. Der Exponent Gamma (γ) macht die Funktion zu einer logistischen Funktion. Wichtig ist bei solch einem Funktionstyp ein positiver Startwert. Also von Null abweichende Anstrengungen jedes Teilnehmers. Dies ist somit eine zentrale Annahme des Modells. Und entgegen zur Risikoneutralität womöglich intuitiver. Ein hohes γ bedeutet, dass ein bisschen mehr Anstrengung für eine höhere Gewinnwahrscheinlichkeit sorgt und ein kleines γ zeigt an, dass Änderungen in den Anstrengungen nur geringe Wirkung besitzen. Im Optimum zeigt sich die rationale Strategie im Sinne eines gewinnmaximierenden Anstrengungslevels jedes einzelnen Teilnehmers in reinen Strategien so:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus ergeben sich einige Schlussfolgerungen: 1. Die Anstrengungen insgesamt und jedes Einzelnen steigen, umso höher die Siegprämie. 2. Die Anstrengung des Einzelnen fällt mit der Anzahl der Teilnehmer. 3. Die Gesamtanstrengung steigt mit der Anzahl der Teilnehmer. Vergleichbar mit dem Übergang von einem Monopol zu einem Oligopol oder weiter zum Polypol. Mehr Firmen, diese produzieren im Ergebnis alle weniger als der Monopolist, aber insgesamt doch mehr.

Die Frage ist nun, was wollen die Organisatoren eines Wettkampfes erreichen? Wenn sie Spitzenleistungen z. B. Rekorde erwarten ist nach den obigen Ergebnissen somit die optimale Teilnehmerzahl für einen Wettbewerb zwei. Intuitiv erklären kann man dies mit einer besseren Möglichkeit sich auf einen einzelnen Gegner einzustellen und sich diesen im Wettkampf zu besiegen, anstatt sich noch auf weitere Konkurrenz zu konzentrieren. Um Spitzenleistungen hervorzurufen sollten demnach auch Siegprämien angewendet werden. Mehrere Preise, wie es bei Olympischen Spielen mit Silber- und Bronzemedaillen praktiziert wird, können optimal sein, wenn die Teilnehmer unterschiedliche Ausgangsniveaus haben. Dies zeigen für einen asymmetrischen Wettbewerb Szymanski et. al. 2002. D. h. im sym-metrischen Fall sollte es immer nur erste Preise geben. Da dies bis heute nur ein theoretischer Fall ist[19], ist es eine erste Erkenntnis, dass es in einem Wettbewerb immer auch Preise, nicht nur für den Sieger geben sollte. Die Intuition dahinter: In einem Wettbewerb, wo der Sieger uneinholbar ist, ist es für alle anderen eine rationale Strategie die Anstrengungen auf Null runter zufahren. Allerdings nicht wenn noch weitere Preise für die nächsten Plätze vergeben werden. Im Extremfall müsste es einen Preis für jeden, außer dem Letzten geben. Dabei ist nebenbei auch das individuelle Anspruchsdenken der Teilnehmer nicht zu vernachlässigen. Eine feste Prämie erzielt nicht bei jedem den gewünschten Anreizeffekt. So wird sich Tiger Woods nicht übermäßig anstrengen um von Platz 60 auf Platz 59 vorzurücken, nur um sein Preisgeldkonto um 1.000 Dollar zu erhöhen. Somit kann es durchaus auch vorteilhaft sein für den Veranstalter auf bestimmte Prämien ganz zu verzichten. Nämlich dann, wenn ihre Ausschüttungen nicht den gewünschten Anreizeffekt auslösen.

Will ein Organisator einen ausgeglichenen und spannenden Wettbewerb und gute durchschnittliche Leistungen aller Teilnehmer muss er umdenken. So können größere Anreize für den Sieger höhere Anstrengungen der Topstars bedeuten, aber die Ausgewogenheit wird geringer. Diese Asymmetrie kann dargestellt werden als Unterschied in der Wahrschein-lichkeit den Wettbewerb zu gewinnen, gegeben gleiche Anstrengungen der Teilnehmer. Z. B. der Topsprinter Usain Bolt strengt sich 80% gegen den besten deutschen Sprinter an, diese zeigen ebenfalls 80% ihres Könnens. Dann wird mit großer Wahrscheinlichkeit Usain Bolt gewinnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Asymmetrie bedeutet es liegen unterschiedliche Produktionstechnologien vor. Wie in zwei unterschiedlichen Unternehmen, wo aus den gleichen Inputs unterschiedliche Outputs hergestellt werden (in Anzahl und Qualität). Szymanski weist ausdrücklich daraufhin, dass Asymmetrie ein natürlicher Faktor für einen unausgewogenen Wettbewerb ist. Ein zweiter Preis ist selbstverständlich nur hilfreich bei mehr als zwei Teilnehmern. Bei lediglich zwei Kontrahenten wäre ein zweiter Preis schon vor Beginn des Wettkampfes sicher und würde somit direkt zu keinen zusätzlichen Anstrengungen führen. Bei n > 2 kann ein 2.Preis wie erwähnt nützlich sein und die Anstrengungen, sowie die Ausgeglichenheit erhöhen. Folgendes Beispiel soll dies veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Drei Teilnehmer messen sich in einem fiktiven Wettbewerb, ein Dominierender und zwei Schwächere im Leistungspotential. Unabhängig, wie sehr sich die beiden Außenseiter anstrengen, sie werden den Kampf nur sehr unwahrscheinlich gewinnen, somit würden sie sich rational verhalten, wenn sie sich überhaupt nicht anstrengen, solange es keinen Preis für den Zweitplatzierten gibt. Dies Verhalten würde der Starke antizipieren und ebenfalls nur sehr geringe Anstrengungen aufbieten, welche gerade genügen um zu gewinnen. Mit einem zweiten Preis, sieht man, strengen sich alle mehr an, was dazu führt, dass die Gesamtanstrengung im Contest höher ist, damit u. U. auch für die Zuschauer attraktiver. Der Favorit muss mehr anstrengen, was zu neuen Bestwerten führen kann und die Ausgeglichenheit[20] kann zunehmen.

2.3 Teamsportarten

Mannschaftssport hat die Eigenschaft, im Gegensatz zu den Individualsportarten, dass eben nicht Einzelne gegen einander antreten, sondern eine Ansammlung von Individuen gemeinsam versucht eine andere Gruppe zu besiegen. Dabei kommt es in den meisten Fällen im besonderen Maße auf das Zusammenspiel der einzelnen Individuen an. Es kommen Elemente wie Kommunikation oder auch Taktik[21] ins Spiel, was dieses zugleich komplizierter macht als die meisten Einzelsportarten. In einigen Sportarten ist das Zusammenspiel entscheidend: Beim Fußball, Handball, Basketball etc. Bei anderen, wie Schwimm- oder Leichtathletik-Staffeln sind die aufsummierten Einzelleistungen ausschlaggebend für den Erfolg. Mitunter gibt es auch Mischformen aus Mannschafts- und Einzelsport. Tennis kann im Einzel- oder Doppel gespielt werden, aber auch im Einzel und trotzdem kann man einem Team angehören, nämlich einem Nationalteam, wie z. B. im Daviscup. Nationalteams kann es natürlich in jedem Sport geben. In der weiteren Analyse spielt eine Unterscheidung keine Rolle. Es ist eher eine Angelegenheit der reinen Sportwissenschaften. Die Probleme der Teamproduktion liegen auf der Hand. Doping einzelner Spieler hat einen ebenso geringen Einfluss auf den Erfolg einer Mannschaft, wie ein einzelner Starspieler. Welcher durchaus als Zuschauermagnet andere positive Effekte auslösen kann. Nach dem Demsetz-Gesetz ist der Output eines Teams nicht gleich der Summe der individuellen Leistungen (vgl. Alchian/Demsetz 1972, S.779). So kann ein Spieler sehr erfolgreich und bspw. Torschützenkönig werden, aber die Mannschaft trotzdem absteigen. Zudem besteht die Gefahr von Moral Hazard und des Shirking. Weniger Anstrengung bzw. eine Leistungs-zurückhaltung steigert den privaten Nutzen, und schließt trotzdem eine Beteiligung am sozialen Erfolg nicht aus. Einen Mannschaftssport, der geprägt ist von Zusammenhalt und Teamgeist auf die ökonomischen Effizienzkriterien zu abstrahieren und in ein normatives[22] Modell zu packen, lässt Szymanski zu der Aussage kommen, dass es eine eigenartige Ökonomik ist, mit welcher er sich selber befasst (vgl. Szymanski, 2003, S. 1149). Dabei kann hier die ökonomische Theorie, wie in vielen anderen Bereichen auch, zur Hilfe herangezogen werden. Wenn ein Organisator eben wissen möchte, wie er seinen Wettkampf ausgestalten soll, um seine Ziele zu erreichen. Neben der Theorie ist das Wettkampf-Design auch eine Frage der Einstellung und der Tradition. Bestes Beispiel dazu sind die unterschiedlichen Transfersysteme und die Spielermobilität in Nordamerika und Europa[23].

[...]


[1] Otto Rehhagel, geboren 1938 in Essen. Deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Spieler.

[2] Hier sei die Wandlung des Sport, von einem Image „Sport ist Mord“ hin zu einer Ausgleich- und Freizeitbe- schäftigung bei der Spaß und Gesundheit im Vordergrund stehen, erwähnt (vgl. dazu Zarotis 1999).

[3] Für die Saison 2008/2009 beträgt dieser Wert 13.011.578. Quelle:http://www.weltfussball.de/zuschauer/

bundesliga-2008-2009/1/.

[4] Hinzu kommen die indirekt vom Profifußball initiierten Jobs, beispielsweise durch Bau- und Renovierungs-tätigkeiten der Stadion-Infrastruktur oder auch die im örtlichen Gastronomie- und Hotelgewerbe.

[5] http://www.destatis.de

[6] Dr. Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes in Bundesliga-Report 2009, S. 7.

[7] Die Einnahmen aus dem Ticketing waren zum Entstehungszeitpunktpunkt vieler sportökonomischer Arbeiten die Haupteinnahmequelle von Profi-Clubs. Dies hat sich mit dem Aufkommen neuer Medien und dem Anstieg der Einnahmen aus den Übertragungsrechten für TV, Internet und Funk verschoben. Siehe dazu die Anlage 3 „Gute Balance“.

[8] Luc Misson, Mitglied der Anwaltskammer in Lüttich führte 1995 einen Prozess in dem der junge Fußball-spieler Jean-Marc Bosman vom FC Lüttich zum USL Dünkirchen wechseln wollte, ihm dies aber vom FC Lüttich untersagt wurde. Der Spieler klagte daraufhin vor dem Europäischen Gerichtshof und gewann, mit der Begründung, dass die Arbeitnehmherfreizügigkeit beschränkt sei. Als Hauptfolge daraus konnten nun Spieler nach Vertragsende innerhalb der EU ohne Abfindung den Verein verlassen. Die ausführliche Darlegung des Falles ist zu finden unter: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:

61993J0415:DE:HTML.

[9] Der Deutsche Leichtathletik-Verband legt jährlich für die anstehenden Großereignisse entsprechende Qualifikationsnormen fest, mit denen die Athleten die Nominierungsvoraussetzungen für die verschiedenen Veranstaltungen erfüllen. Mehr dazu ist zu erfahren unter:

http://www.deutscher-leichtathletik-verband.de/index.php?SiteID=190

[10] Weitere Details unter: http://www.bundesliga.de/media/native/dfl/ligastatut/lizenzierungsordnung_lo_05-12-22_stand_.pdf.

[11] Es gibt Ausnahmeregelungen wonach in den meisten Fällen eine Saison gewährt wird um diese Anforderungen zu erfüllen. Aktuelles Beispiel ist der Goslarer SC 08 der nach dem Aufstieg in die Regionalliga Nord seine Heimspiele in Braunschweig austragen muss, während das heimische Osterfeldstadion ausgebaut wird.

[12] Dieser in Wirtschaftstheorie gebräuchliche Begriff für einen Übertragungseffekt soll in diesem Zusammen-hang daraufhin deuten, dass es möglich ist, dass in Mannschaftssportarten, Leitungen von Sportlern der gleichen Mannschaft interdependent sind.

[13] „Jedoch ist es natürlich, wohl gar unvermeidlich, das zu lieben, was als ein unermüdlicher Proteus jeden Augenblick bereit ist, sich in den jedesmaligen Gegenstand unserer so wandelbaren Wünsche und mannigfaltigen Bedürfnisse zu verwandeln. Jedes andere Gut nämlich kann nur einem Wunsch, einem Bedürfnis genügen:(…). Sie sind folglich alle nur relativ gut. Geld allein ist das absolute Gute: Weil es nicht bloß einem Bedürfnis in concreto begegnet, sondern dem Bedürfnis überhaupt in Abstracto.“ (Schopenhauer 1851 in Aphorismen zur Lebensweisheit III)

[14] Siehe Einleitung Abbildung 2.

[15] Der Sport, hier die DFL hat auch non-Profit Erscheinungen: 2005 wurden die Übertragungsrechte für 2006-2009 für 240 Millionen Euro pro Jahr an Arena verkauft, anstatt das Gebot von Premiere über 300 Millionen Euro anzunehmen. Dies galt fanfreundliche Entscheidung, da die Sportschau erhalten blieb und man somit eine größere Reichweite im Free-TV hatte (vgl. Budzinski 2009).

[16] Man erfährt regelmäßig von Beispielen aus der Realität. Erinnert sei Borussia Dortmund, die den Titelgewinn mit teuren Transfers realisiert hatte. Ein aktuelleres Beispiel für siegorientiertes Verhalten kommt aus dem Umfeld des 1. FC Nürnberg (siehe hierzu dem Kickerbericht vom 13.10.2009 im Anhang

[17] Symmetrie ist eine der Annahmen in diesem Absatz. Es besagt, dass alle Teilnehmer gleiche Fähigkeiten und Ressourcen besitzen. Die zweite, allerdings kapitelübergreifende Annahme ist die Risikoneutralität der Teil-nehmer.

[18] Es gibt Abwandlungen, vor allem Vereinfachungen den Exponenten γ betreffend. Lazear and Rosen (1981) nutzten z. B. eine Probit-Funktion.

[19] Selbst bei einem Autorennen mit den identischen Autos, besitzen die Fahrer unterschiedliche Fähigkeiten.

[20] In diesem Fall steigt sie prozentual.

[21] Im Sinne von Aufstellungsvarianten und verschiedenen Spielzügen. Im Extremfall hin bis zu dem Ein-studieren von komplexen Spielzügen im American Football.

[22] Ein Modell, was nicht aus Beobachtung hervorgeht, ist zwangsläufig normativ. Es beschreibt, wie es sein sollte, damit es optimal ist.

[23] Siehe Kapitel 3.1.1.

Details

Seiten
89
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640581368
ISBN (Buch)
9783640581016
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147422
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Lehrstuhl für VWL, insb. Finanzwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Sportökonomie Salary Cap Rooster Limits Contest Theory

Autor

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Titel: Finanzausgleich im Sportwettbewerb