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Storytelling mit "Froggy gets dressed" von Jonathan London - Lehrprobe in der 3. Klasse einer Schule für Hörgeschädigte

Unterrichtsentwurf 2010 32 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 LERNVORAUSSETZUNGEN
1.1 Die Klassensituation
1.2 Individuelle Lernvoraussetzungen

2 KLÄRUNG DER SACHE
2.1 Sachanalyse
2.2 Didaktische Reduktion
2.3 Bedeutung für Schüler mit einer Hörschädigung

3 EINORDNUNG DER STUNDE
3.1 In den Bildungsplan der Grundschule
3.2 In die Unterrichtsreihe

4 ZIELE UND KOMPETENZEN
4.1 Leitziel für das Unterrichtsvorhaben
4.2 Übergeordnete Stundenziele
4.3 Kompetenzen
4.3.1 Kompetenzen auf sachlicher Ebene
4.3.2 Kompetenzen auf sprachlicher Ebene
4.3.3 Kompetenzen auf methodischer Ebene
4.3.4 Kompetenzen auf dialogischer Ebene

5 METHODISCH-DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN
5.1 Schülerbezug/ Alltagsbezug
5.1.1 Gegenwartsbedeutung
5.1.2 Zukunftsbedeutung
5.2 Verlaufsplanung
5.3 Hörgeschädigtenspezifische Maßnahmen

6 UNTERRICHTSVERLAUFSSKIZZE

7 SITZPLAN / RAUMAUFTEILUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

1 LERNVORAUSSETZUNGEN

1.1 Die Klassensituation

- Datenschutz-

1.2 Individuelle Lernvoraussetzungen

- Datenschutz-

2 KLÄRUNG DER SACHE

2.1 Sachanalyse

Geschichtenerzählen im Fremdsprachenunterricht - Storytelling

Beim Storytelling wird den Schülern eine zusammenhängende Geschichte auf Englisch erzählt, wobei die Schüler lediglich den übergeordneten Sinnzusammenhang verstehen sollen, jedoch nicht jedes einzelne Wort verstanden werden muss. Bekannte Wörter und Strukturen sollen von ihnen herausgehört und verstanden werden, unbekannte Vokabeln werden als sogenannte „chunks“ übernommen und können nach und nach durch visuelle Hilfen, wie Mimik, Gestik oder zusätzliches Bildmaterial aufgeschlüsselt und verstanden werden.

Für die Verwendung von authentischen Kinderbüchern im Fremdsprachenunterricht gibt es viel- fältige Begründungen. Bücher aus anderen Ländern bringen die fremde Kultur in den Klassen- raum und vermitteln dadurch einen kleinen Ausschnitt der Lebenswelt von Kindern aus anderen Ländern. Darüber hinaus stellt es für Kinder eine große Herausforderung und Motivation bezüg- lich des Verstehens, Nachsprechens und Imitierens dar. Durch eine ansprechende Illustration werden die Vorstellungskraft und die Phantasie der Kinder angeregt und bieten gleichzeitig viel- fältige Sprachanlässe für die Kinder an, da sie mit Freude und Neugier an die Arbeit mit Büchern herangehen. Des Weiteren werden nebenbei auch die Wahrnehmungsfähigkeit, die Konzentrati- on und das Hörverstehen1 geschult. Letztendlich ermöglichen Bücher auch das Üben von Satz- strukturen, Wortschatz und Aussprache2.

Storytelling in der Grundschule im Allgemeinen, und bei Schülern mit einer Hörschädigung im Speziellen, ist relativ anspruchsvoll, da es ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration erfordert. Es kann aber auch eine sehr schöne Erfahrung sein, wenn Schüler merken, dass sie in der Lage sind, eine Geschichte in einer fremden Sprache zu verstehen und die Sinnzusammen- hänge zu begreifen.

Bilderbuch: „Froggy gets dressed“ von Jonathan London Das Bilderbuch Froggy gets dressed, von dem Amerikaner Jonathan London, erschien erstmals 1992 bei Pinguin Books in den USA. Illustriert wurde das Buch von Frank Remkiewicz. Es ist Teil einer ganzen Reihe von Geschichten über den kleinen Frosch Froggy. In der Geschichte Froggy gets dressed liegen Froggy und seine Eltern zunächst im Winterschlaf. Dann wacht Froggy jedoch auf. Als er sieht, dass es schneit, gibt es für ihn kein Halten mehr.

Obwohl seine Mutter möchte, dass Froggy weiterschläft, zieht er sich schnell an, um draußen im Schnee zu spielen. Allerdings vergisst Froggy beim Anziehen immer wieder verschiedene Klei- dungsstücke. Seine Mutter ruft ihn mehrmals zurück ins Haus, damit er die fehlenden Teile an- zieht. Abgesehen von der Blamage, sogar die Unterwäsche vergessen zu haben, strengt ihn das ständige An- und Ausziehen so an, dass er es am Ende vorzieht, wieder in sein Bett zu gehen und den Winterschlaf fortzusetzen.

Londons Bildergeschichte lässt durch alleiniges Betrachten der Bilder eine Erschließung des Inhaltes zu. Der Wortschatz der Geschichte ist begrenzt und konzentriert sich im Wesentlichen auf das Wortfeld Winterkleidung, das der unmittelbaren Lebenswirklichkeit der Kinder ent- nommen ist. Der gesamte Kontext ist somit mit geringem Vokabelwissen zu erschließen. Auch die sich wiederholdenden Strukturen der Syntax, wie „Froggy puts on his…“ und „Froggy takes off his…“, machen die Geschichte eingängig und animieren die Schüler zum Imitieren.

2.2 Didaktische Reduktion

In dieser Stunde sollen die Vokabeln zum Wortfeld Winterkleidung vertieft und gefestigt und die Anwendung der Zielstrukturen (to) put on sth. und (to) take off sth. angebahnt werden. Die- se Ziele sollen durch das Vorlesen des Buches und inhalts- und themenbezogene Übungen er- reicht werden. Speziell die Anbahnung der Zielstrukturen (to) put on sth. und (to) take off sth. erforderten einige didaktische Reduktionen des Textes der Geschichte, speziell, da ich mich dazu entschieden habe, die Geschichte nicht frei vorzutragen, sondern vorzulesen3. In Bezug auf die Grammatik änderte ich die Zeitform des Textes vom past tense in das simple present. Dies ist die gebräuchlichere und einfachere Zeitform im frühen Fremdsprachenunterricht, und den Schülern eher geläufig. Zudem entspricht sie den Zielstrukturen mit denen sich die Schüler im weiteren Stundenverlauf handlungsorientiert auseinandersetzen werden. Des Weiteren änderte ich die vielfältigen Lexeme, die sich auf das An- und Ausziehen der verschiedenen Kleidungsstücke beziehen, sodass lediglich die Zielstrukturen (to) put on sth. und (to) take off sth. genutzt wer- den. Dies entlastet die Kinder während ihrer ohnehin schon hohen Hörverstehensleistung und bietet durch die wiederkehrende Wiederholung eine intensivere Vorbereitung auf die folgende Arbeitsphase. Eine weitere Reduktion nahm ich vor, indem ich die lautmalerischen Bestandteile, wie zoop, zwit, zut, zup, des Originaltextes bewusst nicht in den geänderten Text übernahm. Ob- wohl die Schüler Lautmalereien mögen und auch gerne imitieren, habe ich mich zu diesem Schritt entschieden, da sich die Lexeme weder lautmalerisch logisch auf die entsprechenden Kleidungsstücke beziehen, noch auf diese reimen. Sie sind daher kaum herzuleiten.

Da ich mich, wie bereits erwähnt, dazu entschieden habe, die Geschichte vorzulesen, fertigte ich eine spezielle Version des Buches an, indem ich die vorhandenen Bilder durch den abgeänderten Text ergänzte. Dieses neue Medium ermöglichte mir zudem eine weitere Reduktion, da ich nun die Möglichkeit habe, die Seiten des Buches einzeln zu zeigen. Auf manchen Seiten sind bis zu fünf Abbildungen von Froggy, wie er sich aus- und anzieht. Würden die Schüler nun auch noch die jeweiligen Doppelseiten gleichseitig sehen, so erschien mir das etwas „überladen“.

Beim Wortfeld Winterkleidung entschied ich mich jedoch bewusst gegen eine didaktische Re- duktion bzw. Umwandlung. Das Buch kommt aus den USA und benennt die Hose als pants und nicht als a pair of trousers, wie es in Großbritannien wohl üblicher wäre. Im frühen Fremdspra- chenunterricht dieser Klasse wurde bislang nicht auf den Unterschied zwischen American Eng- lish und British English hingewiesen, den Schülern ist jedoch bewusst, dass es, wie im Deut- schen auch, ebenfalls Synonyme für englische Wörter gibt. Eine künstliche Trennung in Ameri- can English und British English erschien mir hier nicht nötig, besonders, da es sich nicht um verschiedene Bedeutungen handelt, sondern jeweils der gleiche Begriff gemeint ist. Auch wenn den Schülern überwiegend britisches Englisch vermittelt wird, so sind die Grenzen doch fließend und eine teilweise Vermischung lässt sich kaum vermeiden. Solange diese nicht falsch oder sinnverändernd ist, sehe ich keine Notwendigkeit einer Angleichung. Vielmehr erkennen die Schüler eventuell in höheren Klassen, in denen explizit auf die Unterschiede zwischen American English und British English hingewiesen wird, dass sie bereits in der Grundschule mit beiden Formen in Kontakt kamen, und sie haben die Möglichkeit auf ihr Vorwissen zurückzugreifen.

Zudem beschränkt sich der inhaltliche Schwerpunkt der Stunde auf das Themenfeld Winterklei- dung. Das Sachthema Tiere im Winter, hier am Beispiel der Frösche, ist innerhalb dieser Stunde eher zweitrangig und soll deshalb nur am Rande thematisiert werden. Es wurde bereits im Zu- sammenhang mit dem Bilderbuch Froggy‘s best Christmas, ebenfalls aus der Froggy-Reihe von Jonathan London, angesprochen, und soll in dieser Stunde zwar präsent sein, aber nicht schwer- punktmäßig behandelt werden.

2.3 Bedeutung für Schüler mit einer Hörschädigung

Geschichtenerzählen im Fremdsprachenunterricht - Storytelling

Wie bereits in Punkt 2.1 (Sachanalyse) erwähnt, kann das Storytelling im Fremdsprachenunter- richt für Grundschüler im Allgemeinen sehr anspruchsvoll sein. Für Schüler mit einer Hörschä- digung trifft dies selbstverständlich in besonderem Maße zu, da sie über einen längeren Zeitraum in einer ihnen noch fremden Sprache angesprochen werden, wodurch ihr Hörverstehen quasi doppelt gefordert wird. Durch die Wahl einer entsprechend motivierenden Geschichte und hin- reichendem Bildmaterial, kann das Hörverstehen durch das Storytelling wiederum speziell geschult werden. Es kommt nicht darauf an, dass die Schüler jedes einzelne Wort verstehen, aber sie werden darin gefordert und gefördert, ihnen bekannte Worte aus dem Erzählten herauszuhören und sie mit den Bildern bzw. ihrem Vorwissen zu verknüpfen.

An dieser Stelle möchte ich näher auf die Schulung des Hörverstehens eingehen, da in der Ge- wöhnung an die fremdsprachlichen Laute und damit verbunden in der Ausbildung des Hörver- stehens der erste Schritt des Fremdspracherwerbs liegt. Diese Tatsache trifft selbstverständlich nicht nur für Schüler mit einer Hörschädigung zu, ihr kommt jedoch, gerade bei ihnen, ein er- höhter Stellenwert zu.

Der natürliche Weg des Spracherwerbs, egal ob Muttersprache oder Zweitsprache, verläuft vom Hören hin zum Sprechen. Daher ist es wichtig, dass den Schülern ein Sprachvorbild geboten wird, das ihnen die korrekte Aussprache präsentiert, um ihre, im Allgemeinen, sehr hohe Imitati- onsfreude entsprechend nutzen zu können. Das Hörverstehen schließt sowohl die auditive Wahr- nehmung, als auch die innersprachliche Verarbeitung einer Äußerung mit ein. Zur Entwicklung des Hörverstehens unterscheidet Karbe die immanente und die systematische Hörschulung:

- Besonders durch einen fremdsprachlich geführten Unterricht wird die immanente Hörschu- lung gewährleistet. Unerlässlich ist hierfür die konsequente Verwendung und allmähliche Erweiterung von Wendungen des „classroom discours“. Dadurch wird der Schüler daran ge- wöhnt, bekannte Lexik und grammatische Erscheinungen in immer neuen Kontexten wieder zu erkennen und Unbekanntes aus dem Kontext bzw. aus der Situation zu erschließen.
- Mit Hilfe auditiver und audiovisueller Unterrichtsmittel erfolgt die systematische Hörschu- lung. Die Schüler müssen daran gewöhnt werden, verschiedene Aussprachevarianten der fremden Sprache zu identifizieren, ihre Bedeutung erfassen und die Absicht des Sprechers zu erkennen.4

Bilderbuch: „Froggy gets dressed“ von Jonathan London

Die Behandlung von Sachthemen auch im Englischunterricht kann die Begriffsbildung, die bei vielen Menschen mit einer Hörschädigung nicht altersentsprechend entwickelt ist, positiv beeinflussen. Menschen mit einer Hörschädigung haben nicht in dem Maße Zugang zu begriffsbildenden Medien wie Normalhörende. Da die Begriffsbildung jedoch unabhängig von der benutzten Sprache (deutsche Lautsprache, deutsche Gebärdensprache oder auch englische Lausprache) stattfindet, ist es wichtig, diese Tatsache auch fächerübergreifend zu nutzen.

[...]


1 In Punkt 2.3 Bedeutung für Schüler mit einer Hörschädigung wird auf die Schulung des Hörverstehens näher ein- gegangen.

2 vgl.: De Buhr (1999), S. 2

3 Begründung: siehe Punkt 5.2 Verlaufsplanung

4 vgl.: Karbe, (2000), S. 116 ff.

Details

Seiten
32
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640626281
ISBN (Buch)
9783640626823
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147453
Institution / Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasien und Sonderschulen) Heidelberg
Note
1,0
Schlagworte
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