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„Same, same - but different“ – Untersuchungen zum Individualtourismus in Entwicklungsländern am Beispiel Vietnam

Masterarbeit 2005 117 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. Theoretischer Kontext
2.1. Tourismus in Entwicklungsländer
2.1.1 Begriffliche Einordnung
2.1.2 Entwicklung und ökonomisches Potential
2.2 Individualtourismus in Entwicklungsländer
2.2.1 Begriffliche Einordnung
2.2.2 Spezifische Chancen und Risiken
2.3. Regionale Wechselbeziehungen von Individualtourismus-Märkten

3. Vietnam
3.1 Geographie und Bevölkerung
3.2 Wirtschaft und Politik
3.3 Infrastruktur
3.4 Tourismus: Potential und Entwicklung

4. Methodik und Durchführung
4.1 Konzeption und Inhalt des Fragebogens
4.2 Realisation der Datenerhebung
4.2.1 Definition der Zielgruppe
4.2.2 Orte der Befragung und konkrete Durchführung
4.3 Auswertung der Fragebögen
4.4 Methodologische Einschränkungen

5. Ergebnisse
5.1 Demographische Merkmale
5.1.1 Nationalität und Wohnsitz
5.1.2 Alter
5.1.3 Geschlechterverhältnis, Familienstand und Haushaltsverhältnisse
5.1.4 Bildungsniveau
5.1.5 Beschäftigungsverhältnis und Einkommen
5.2 Reisegrundlagen
5.2.1 Reiseerfahrung
5.2.2 Motivation und Erwartungen
5.2.3 Mehrfachbesuche
5.2.4 Reisebegleitung
5.2.5 Vorabbuchungen
5.3 Reiseverlauf
5.3.1 Besuche anderer Länder während der aktuellen Reise
5.3. 2 Reise- und Aufenthaltsdauern
5.3.2.1 Dauer der gesamten Reise
5.3.2.2 Aufenthaltsdauer in Südostasien
5.3.2.3 Aufenthaltsdauer in Vietnam
5.3.3 Orte der Ein- und Ausreise
5.3.4 Fluglinie
5.3.5 Art und Kosten des Flugtickets
5.4 Infrastrukturnutzung
5.4.1 Information
5.4.1.1 Vor der Reise
5.4.1.2 Während der Reise
5.4.2 Transport
5.4.2.1 Langstrecken
5.4.2.2 Kurzstrecken
5.4.3 Unterkunft
5.4.3.1 Art der Unterkunft
5.4.3.2 Auswahl der Unterkunft
5.4.3.3 Kosten der Unterkunft
5.4.4 Verpflegung
5.4.4.1 Verpflegungsform
5.4.4.2 Kosten für Verpflegung
5.4.5 Outdoor-Aktivitäten
5.5 Abschließende Bewertungen
5.5.1 Einschätzung des Budgets
5.5.2 Beurteilung infrastruktureller Verhältnisse
5.5.3 Erfüllung von Erwartungen
5.5.4 Rückkehrabsicht und Weiterempfehlung
5.6 Zusammenfassung der Ergebnisse

6. Diskussion
6.1 Vergleichsstudien
6.2 Vergleich der Individualtourismus-Märkte
6.2.1 Vergleich demographischer Merkmale
6.2.2 Vergleich der Reisegrundlagen
6.2.3 Vergleich der Reiseverläufe
6.2.4 Vergleich der Nutzungen von Infrastruktur
6.2.5 Vergleich abschließender Bewertungen
6.3 Zusammenfassung des Vergleichs

7. Erfolgsfaktoren des Individualtourismus in Vietnam
7.1 Ressourcen
7.2 Rahmenbedingungen
7.3 Tourismusmanagement
7.4 Zusammenfassung der Erfolgsfaktoren und ihre Übertragbarkeit

8. Fazit und Ausblick

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1: Lage Vietnams in Südostasien

Abb. 2. Vietnam und Nachbarstaaten

Abb. 3: Entwicklung der Ankünfte internationaler Touristen in Vietnam zwischen 1990 und 2004

Abb. 4: Zahl der Ankünfte internationaler Touristen in ausgewählten Ländern Südostasiens im Jahr 2003

Abb. 5: Anteile der verschiedenen Nationalitäten der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 6: Altersverteilung der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 7: Haushaltsverhältnisse der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 8: Bildungsniveau der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 9: Beschäftigungsverhältnis der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 10: Persönliches, monatliches Einkommen der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 11: Anzahl der von den Individualtouristen in Vietnam bereits unternommenen Fernreisen

Abb. 12: Fernreisehäufigkeit der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 13: Anzahl der von den Individualtouristen in Vietnam bereits unternommenen Reisen in Entwicklungsländer

Abb. 14: Häufigkeit von Reisen in Entwicklungsländer der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 15: Reihenfolge der von den Individualtouristen angegebenen Gründe für die Wahl Vietnams als Destination

Abb. 16: Reisebegleitung der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 17: Rangfolge der vor Vietnam von den Individualtouristen besuchten Länder bzw. Regionen

Abb. 18: Von den per Flugzeug auf die Reise gestarteten Individualtouristen genutzte Fluglinie

Abb. 19: Vor der Reise von den Individualtouristen in Vietnam vorwiegend genutzte Informationsmedien

Abb. 20: Während der Reise von den Individualtouristen in Vietnam vorwiegend genutzte Informationsmedien

Abb. 21: Von den Individualtouristen in Vietnam für lange Strecken hauptsächlich genutzte Transportmittel

Abb. 22: Von den Individualtouristen in Vietnam für lange Strecken nie genutzte Transportmittel

Abb. 23: Von den Individualtouristen in Vietnam für kurze Strecken hauptsächlich genutzte Transportmittel

Abb. 24: Von den Individualtouristen in Vietnam hauptsächlich genutzte Unterkunftsarten

Abb. 25: Übernachtungskosten der Individualtouristen in Vietnam pro Kopf und Nacht

Abb. 26: Hauptsächliche Verpflegungsformen der Individualtouristen in Vietnam

Abb. 27: Verpflegungskosten der Individualtouristen in Vietnam pro Kopf und Nacht

Abb. 28: Reihenfolge der von den Individualtouristen in Vietnam unternommenen Outdoor-Aktivitäten

Abb. 29: Absicht der befragten Individualtouristen, innerhalb der nächsten 5 Jahre nach Vietnam zurückzukehren

Abb. 30: Absicht der befragten Individualtouristen, Vietnam als Destination weiterzuempfehlen

TABELLENVERZEICHNIS

Tab. 1: Befragungsorte der Individualtouristen in Vietnam

Tab. 2: Reihenfolge der von den Individualtouristen in Vietnam angegebenen Wünsche oder Erwartungen an die Reise

Tab. 3: Gesamte Reisedauer der in Vietnam befragten Individualtouristen, eingeteilt in Monate

Tab. 4: Aufenthaltsdauer der Individualtouristen in der Region Südostasien, eingeteilt in Wochen

Tab. 5: Aufenthaltsdauer der befragten Individualtouristen innerhalb Vietnams, eingeteilt in Wochen

Tab. 6: Kreuztabelle der Orte der Einreise nach und Ausreise aus Vietnam

Tab. 7: Einstufung verschiedener Faktoren bei der Wahl der Unterkunft

Tab. 8: Einschätzung des Budgets für verschiedene Bestandteile der Reise

Tab. 9: Beurteilung einiger infrastruktureller Verhältnisse in Vietnam

Tab. 10: Grad der Erfüllung verschiedener Erwartungen der Individualtouristen an die Vietnamreise

ANHANGSVERZEICHNIS

Anhang 1: Fragebogen

Anhang 2: Ergebnisse im Detail

Anhang 3: Ergebnisse aus Kreuztabellen

1. EINLEITUNG

Individualtourismus ist ein wichtiges Segment der Tourismusindustrie. Seine möglichen positiven Auswirkungen werden jedoch gerade von Entwicklungsländern meist noch unterschätzt. Australien und Neuseeland dagegen führten bereits umfangreiche Forschungen auf diesem Gebiet durch. Sie erkannten und etablierten den Individualreise-Markt als gewinnbringenden Bestandteil ihrer Tourismusmärkte. Eine aktuelle Studie des Segmentes in Südostasien verdeutlichte auffallende Parallelen und Zusammenhänge zwischen den Individualreisenden der verschiedenen Regionen. Vorliegende Arbeit hat daher zum Ziel, eventuelle Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Befragungsergebnissen aus Vietnam und bereits untersuchten Backpacker- und Individualtourismus-Märkten herauszustellen. Auf diese Weise sollen Rückschlüsse auf die Potentiale dieses Tourismussegments in Vietnam gezogen werden. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der vergleichsweise jungen Rolle Vietnams im internationalen Tourismus von Interesse. In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage nach eventuell begünstigenden Rahmenbedingungen der Destination und deren Übertragbarkeit.

Da keine Marktforschungsdaten aus dem Individualtourismusbereich für Vietnam vorlagen, war zunächst eine grundlegende, empirische Informationsbasis vonnöten. Sie sollte größtmöglichen Aufschluss geben über die verschiedenen Aspekte des Reisetypus wie demographische Parameter, Reisemotivationen, Auswahl und Nutzung touristischer Infrastruktur sowie abschließende Beurteilungen und Einschätzungen verschiedener Reiseaspekte. Die Untersuchung liefert somit zugleich einen Beitrag zur Grundlagenforschung im Bereich des Individualtourismus in Vietnam.

Folgender Aufbau liegt der Studie strukturell zugrunde:

- Nach einer Übersicht über den theoretischen Kontext in Kap. 2 folgt eine Darstellung allgemeiner Fakten zu Vietnam sowie zu dessen Entwicklung als Tourismusdestination (Kap. 3).
- Anschließend wird die Erhebungsmethodik bezüglich Konzeption, Einsatz und Auswertung der Fragebögen beschrieben (Kap. 4).
- Der darauf folgende Ergebnisteil gliedert sich in die Rubriken Demographie, Reisegrundlagen, Reiseverlauf, Infrastrukturnutzung und abschließende Bewertungen. Er endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse (Kap. 5).
- In Kap. 6 werden die erhaltenen Daten mit existierenden Studien verglichen und diskutiert, wobei die Rubriken des Ergebnisteils beibehalten werden. Es folgt eine Zusammenfassung der Diskussion.
- Kap. 7 betrachtet mögliche Erfolgsfaktoren der individualtouristischen Destination Vietnam und ihre Übertragbarkeit auf andere Länder.
- Die Untersuchung schließt mit Fazit und Ausblick (Kap. 8).

Zunächst werden nun die Tourismus-Segmente Entwicklungsland- und Individualtourismus sowohl terminologisch als auch hinsichtlich ihrer ökonomischen Potentiale eingeordnet.

2. Theoretischer Kontext

2.1 Tourismus in Entwicklungsländer

2.1.1 Begriffliche Einordnung

Dem Begriff "Tourismus" liegt in dieser Studie folgende Definition zugrunde:

"Tourismus umfasst die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist."1

(KASPAR 1996)

Für den Begriff "Entwicklungsland" gibt es kein theoretisches Konzept, so dass keine eindeutige Definition des Ausdruckes existiert. Als Entwicklungsländer werden im allgemeinen Länder bezeichnet, die einen niedrigen Stand bezüglich wirtschaftlicher, sozialer und politischer Entwicklung aufweisen. Sie werden daher in der Regel durch eine Kombination ökonomischer, ökologischer, demographischer, volksgesundheitlicher, sozio-kultureller und politischer Merkmale klassifiziert. Diese umfassen unter anderen

- ein geringes Bruttosozial- / Bruttoinlandsprodukt, hohe Auslandsverschuldung, hohe Arbeitslosigkeit,
- Mangel an grundlegender medizinischer Versorgung, geringe Lebenserwartung, hohes Bevölkerungswachstum, hohe Analphabetismusrate,
- politische Instabilität und Korruption,
- Nahrungs- und Trinkwassermangel, Verstädterung, Umweltverschmutzung, Bedrohung der Biodiversität2.

Gemäß dieser Klassifikation definiert vorliegende Arbeit als EntwicklungslandTourismus…

…die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt von Personen in einem Entwicklungsland ergeben, für die das jeweilige Land weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist.

(verändert nach: KASPAR 1996)

2.1.2 Entwicklung und ökonomisches Potential

Der internationale Tourismus in Entwicklungsländer (EL) in seiner heutigen Ausprägung entstand in den 60er und 70er Jahren. Bedingt durch sinkende Kosten im Flugverkehr und dessen Ausweitung sowie steigenden Wohlstand in den Industriestaaten nahm er im Laufe der vergangenen Jahrzehnte rasant zu. Entwicklungsländer verzeichnen derzeit etwa ein Viertel der weltweiten, internationalen Touristenankünfte und -einnahmen. In fast einem Drittel aller Entwicklungsländer ist Tourismus die wichtigste Einnahmequelle von Devisen, in mehr als 80 % zählt er zu den fünf Hauptdevisenbringern3.

Entscheidende Wettbewerbsvorteile von EL liegen häufig in einzigartigen, nicht exportierbaren natürlichen und kulturellen Attraktionen begründet. In deren Umgebung kann Tourismus eine Erweiterung und Variation des lokalen Wirtschaftsspektrums darstellen. Er vermag Verbindungen unter den verschiedenen Sektoren wie Nahrungsmittelproduktion, Handwerk und Dienstleistungen zu schaffen.

Neben ökonomischen Chancen durch die Erwirtschaftung von Devisen, der Schaffung von Arbeitsplätzen und volkswirtschaftlichen Multiplikatoreffekten4 birgt der Tourismus in EL aber auch Risiken. So sind Angestellte im Tourismusgewerbe häufig schlecht bezahlt und nur saisonal beschäftigt. Hohe Streu- und Sickerverluste, Einkommens-Ungleichheit oder Profitrückführungen ausländischer Investoren verringern die positiven Effekte des Tourismus. Nicht zuletzt kann sich die Unbeständigkeit des Marktes aufgrund von Nachfrageschwankungen insbesondere an Orten touristischer Monostruktur erheblich auswirken.

Die ökonomischen Effekte des Tourismus in Entwicklungsländer sind in Art und Ausmaß abhängig von den jeweiligen landestypischen Gegebenheiten. Entscheidend sind auch die offizielle Tourismuspolitik einer Regierung und ihre Einstellung der Tourismusförderung gegenüber5 ; weiterhin Form und Struktur des touristischen Angebots sowie Partizipation der Bevölkerung an Entscheidungen und Nutzen des Tourismus. Entwicklungspolitisch produktiv ist der Tourismus dann, wenn die breite Masse der Bevölkerung Hauptnutznießer touristischer Entwicklung ist6.

2.2 Individualtourismus in Entwicklungsländer

2.2.1 Begriffliche Einordnung

Bislang existiert in der Tourismuswissenschaft weder eine umfassende Definition für Individualtourismus noch für häufig synonym gebrauchte Begriffe wie Alternativ- oder Rucksacktourismus, Globetrotten oder Backpacken. Das "Wörterbuch allgemeine Geographie" bezeichnet Individualtourismus als...

…von einer Person bzw. Familie oder Kleingruppe individuell durchgeführte Urlaubsreise im Gegensatz zur Gesellschaftsreise. Die Reise kann entweder von einem Reiseveranstalter organisiert worden sein oder aber völlig eigenständig durchgeführt werden.7

MUNDT (2001) hingegen versteht unter dem Begriff

...eine Form der Reiseorganisation, bei der die Reise im Gegensatz zum Pauschaltourismus selbst organisiert wird.8

Dies bedeutet, dass Transport und Unterkunft nicht vor der Reise vollständig über Veranstalter gebucht und bezahlt werden. Die Größe der Reisegruppe ist hierbei zweitrangig. Vorliegende Arbeit greift dies auf, definiert Individualtourismus aber als nur weitgehend selbständige Reiseorganisation. Dies dient zum Einen der Umgehung begrifflicher Fußangeln, die bei strikter Auslegung obiger Definition bereits z.B. bei der Buchung eines Charterflugplatzes im Reisebüro entstehen würden9. Zum Anderen sollten als Individualtouristen auch Personen einbezogen werden, die begrenzte Transportetappen, einen Teil der Unterkünfte oder bestimmte organisierte Touren schon im voraus buchen.

Demnach gilt in diesem Fall:

Individualtourismus in Entwicklungsländer ist Entwicklungsland-Tourismus von Personen, die ihre Reise weitgehend selbständig organisieren und durchführen.

Anmerkung zur Verwendung der Begriffe "Individualtouristen" und "Backpacker"

Als „Individualtourist“ definiert vorliegende Untersuchung alle Touristen, die ihre Reise weitestgehend selbst organisiert haben und durchführen. Die in den existierenden Untersuchungen vorwiegend verwandte Bezeichnung “Backpacker” basiert wortwörtlich auf dem in der Regel mitgeführten Rucksack (engl. = backpack); eine offizielle Definition des Terminus existiert nicht (s. Kap. 2.2.1). Tourism Research Australia (TRA) definiert jeden internationalen Besucher als Backpacker, der eine oder mehrere Nächte in Australien im „Youth Hostel“ oder „Backpacker Hostel“ verbringt. Tourism Tasmania hingegen verwendet den Begriff für diejenigen Touristen, die sich selbst als solche bezeichnen. Für PEARCE (1990) organisieren Backpacker wie die Individualtouristen dieser Arbeit ihren Urlaub eigenständig 10.

In Vietnam existieren kaum ausgesprochene Backpacker-Unterkünfte. Bei der Erhebung wurde kein Wert auf eine Eigendefinition der Befragten gelegt, und auch die Art des Gepäcktransportes - ob in Rucksack, Tasche, Koffer etc. - wurde als unerheblich erachtet. Vorliegende Studie verwendet daher den Begriff „Individualtourist“ vornehmlich in Bezug auf den zugrundegelegten Untersuchungsrahmen und greift den Begriff „Backpacker“ im Zuge der Diskussion anderer Studien auf, wobei von synonymer Bedeutung ausgegangen wird.

2.2.2 Spezifische Chancen und Risiken

Obwohl Individualtourismus in der heutigen Zeit ein wichtiges und wachsendes11 Segment der Tourismusindustrie ist, werden seine positiven Auswirkungen auf die Gastgeberländer oft unterschätzt. So zeichnet den Individualtourismus eine niedrige Streuverlust- und Sickerrate aus - im Gegensatz zu einigen EL-Tourismus-Formen (vgl. Kap. 2.1.2) -, da er in der Regel auf vorhandene Infrastruktur zurückgreift und keine hohen Investitionen zu deren Einrichtung erfordert.

Dennoch wird der Individualreisesektor von der überwiegenden Anzahl auch der Entwicklungsländer ignoriert. In vielen Fällen wird er von Seiten offizieller Tourismusplaner sogar aktiv behindert, während die Tourismusplanung auf die Entwicklung von internationalen Massentourismus abzielt12. Zwar geben Individualtouristen oft relativ wenig Geld pro Tag aus; aufgrund ihrer verhältnismäßig langen Aufenthaltsdauern sind sie dennoch in der besuchten Region ökonomisch oft bedeutend13.

Individualreisenden wird zudem häufig eine Pionierfunktion zugeschrieben14 &15. Wachsende Beliebtheit einer Region für Individualtourismus führt in der Regel zu Wachstum privater Sektoren wie Gastronomie und Beherbergung. Dabei kann der Flexibilität von Individualtouristen meist besser von lokalen Kleinbetrieben begegnet werden als von großen Unternehmen. Nicht selten wird so selbst den Ärmsten Zugang zu einem Teil des Tourismusmarktes ermöglicht und ein wichtiger Beitrag zur Armutsminderung geleistet16.

Doch ebenso wie der Entwicklungsland-Tourismus leistet auch der Individualtourismus nicht automatisch einen positiven Entwicklungsbeitrag im Gastgeberland. Kommerzialisierung und ökonomische Abhängigkeit vom Einkommen aus dem Tourismusgeschäft stellt ebenso eine Gefahr für Zielregionen dar wie Umweltzerstörung als Folge massen- und mainstreamtouristischer Wegbereitung. Soziokulturelle Veränderung durch Individualtourismus - gerade in Entwicklungsländern - ist häufig nur die „Speerspitze“ späterer Auswirkungen17.

Diskussion und Kritik des Tourismus in Entwicklungsländer wie auch des Individualtourismus stellen allerdings überaus vielschichtige Themenkomplexe dar. Dies ist nicht Ziel und kann demzufolge auch nicht Bestandteil vorliegender Untersuchung sein.

2.3. Regionale Wechselbeziehungen von Individualtourismus-Märkten

Potentieller Nutzen von Individualreisenden für Entwicklungsländer wie Vietnam lassen sich von umfangreichen Studien ableiten, die in Australien und Neuseeland durchgeführt wurden. Dort werden Backpacker als äußerst gewinnbringende Gäste angesehen, die weiter reisen als Pauschaltouristen und so ihre Zuwendungen in einem geographisch größeren Gebiet verteilen. Da sie lokal produzierte Waren und Dienstleistungen beanspruchen, fördern sie die örtliche Wirtschaftsentwicklung. Sie sind Initiatoren regionaler Tourismusentwicklung und tragen dazu bei, lokale Wirtschaft durch vergleichsweise niedrige Investitionen breit zu fächern18.

Aus diesem Grund ist Backpacker-Tourismus in Australien nicht nur weltweit am besten untersucht, es ist auch als strategisches und lukratives Teilsegment in der Tourismusindustrie etabliert. Sowohl die Australische Tourismus-Kommission (ATC) als auch staatliche und örtliche Tourismusorganisationen betrachten das Segment als wichtigen Zielmarkt. Seit den 1990er Jahren bis heute wird dieser Industriezweig von der Regierung kräftig unterstützt. Backpacker machen zwar nur 10% der Besucher Australiens aus, sind aber für 25% der internationalen Besuchernächte verantwortlich19 und steuern 20% der Einnahmen durch Touristen aus dem Ausland bei20. Außerdem bereisen sie abgelegenere Gebiete als „herkömmliche“ Touristen21 und kurbeln die Wirtschaft dort an, wo ansonsten wenig vom Tourismusaufschwung des Landes zu spüren wäre22.

Zwischen den Backpackern Australiens und den Individualtouristen in Vietnam besteht möglicherweise ein wichtiger Zusammenhang. Die bislang einzige Studie eines geographisch begrenzten Backpacker-Marktes außerhalb Australiens und Neuseelands stammt von Jeff Jarvis23. Er untersuchte den südostasiatischen Raum und stellte fest, dass ein Drittel der Backpacker, die Asien bereisen, auch Australien besucht. Dies bedeutet, dass wichtige Parallelen zwischen den regionalen Backpackermärkten bestehen. Damit wurde nicht nur ein entscheidender Hinweis auf die tourismuswirtschaftliche Wechselbeziehung zwischen den Regionen gegeben. Der Schluss liegt nahe, dass die positiven ökonomischen und entwicklungspolitischen Effekte das Individualtourismus-Segmentes auch in anderen Regionen auftreten. Forschung in Bezug auf Backpacker-Märkte in Australien ist demnach auch für den südostasiatischen Raum von Bedeutung und umgekehrt23.

Vor Darstellung von Methodik und Durchführung vorliegender Untersuchung werden im folgenden Kapitel zunächst grundlegende Daten und Fakten über Vietnam sowie Potential und Entwicklung des dortigen Tourismus genannt.

3. Vietnam

3.1 Geographie und Bevölkerung

Die Sozialistische Republik Vietnam mit zur Zeit etwa 84 Mio. Einwohnern liegt in Südostasien und grenzt an im Norden an China, im Westen an Laos und Kambodscha und im Süden und Osten an das Südchinesische Meer. Der großflächige Nordteil befindet sich auf dem südostasiatischen Festland, während der schmale Mittel- und Südteil auf der Indochinesischen Halbinsel liegen (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Lage Vietnams (dunkelblau) in Südostasien.

Quelle: Lonely Planet 2005

Die Länge (Nord-Süd) beträgt ca. 1700 km, die Breite (Ost-West) 50 bis 500 km. Landesgrenzen wie auch Küstenlinie sind jeweils über 3000 km lang. Drei Viertel des Landes sind von Gebirgen und Hochebenen geprägt.

Wichtigste und auch größte Städte Vietnams sind die Hauptstadt Hanoi mit ca. 3,5 Mio. Einwohnern und die ehemalige Hauptstadt Südvietnams, Ho-Chi-Minh-Stadt bzw. Saigon24 mit ca. 6 Mio. Einwohnern (s. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Vietnam und Nachbarstaaten.

Quelle: Diercke Weltatlas

Etwa 88% der Bevölkerung sind ethnische Vietnamesen, daneben sind 53 ethnische Minderheiten anerkannt. Die Mehrzahl von ihnen ist von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes weitestgehend abgeschnitten.

Offiziell ist Vietnam ein atheistischer Staat, seit 1980 werden Religionen aber nicht mehr offensiv bekämpft. Bedeutendste Religion neben zahlreichen anderen ist der Buddhismus.

3.2 Wirtschaft und Politik

Nach jahrzehntelangen Kriegen war Vietnam in den 1980er Jahren wirtschaftlich eines der ärmsten Länder Asiens. Die seit 1986 verfolgte Reformpolitik („Doi Moi“ = Erneuerung) zielte auf Wirtschaftswachstum ab. Unter anderem durch Privatisierungen in Primär- und Tertiärsektor und Investitionen ausländischer Firmen verbesserte sie die ökonomischen Verhältnisse im Land stetig. Mit Aufhebung des Wirtschaftsembargos der USA gegen Vietnam Anfang der 1990er Jahre wurde der Beitritt zur Weltbank, zum Internationalen Währungsfonds und zur Asiatischen Entwicklungsbank möglich. Seit 1995 ist Vietnam Mitglied der ASEAN25, 1998 trat es der APEC26 bei. Bei der WTO27 hat das Land bislang einen Beobachterstatus.

Die Regierung Vietnams ist kommunistisch. Politisch führend ist daher die Kommunistische Partei Vietnams. Diese kontrolliert die Medien und zensiert sie zum Teil. Die Verfassung räumt den Bürgern Grundrechte wie Rede-, Presse-, Versammlungs- und Glaubensfreiheit ein, die in der Praxis jedoch häufig eingeschränkt sind.

3.3 Infrastruktur

Vietnam hat internationale Airports in Hanoi, Danang und Saigon sowie mehrere nationale Flughäfen; Inlandsflüge werden von Vietnam Airlines bestritten. Die Flugpreise sind relativ niedrig und kosten oft kaum mehr als dieselbe Strecke im Schlafwagen eines Zuges. Züge sind langsamer, aber ebenfalls sicher und pünktlich. Eine Fahrt mit dem Expresszug von Hanoi nach Saigon dauert etwa 30 Stunden. Das Straßennetz Vietnams ist qualitativ eher schlecht, der Verkehr wenig geregelt. Wichtigste Straße des Landes ist der Highway 1, der von der chinesischen Grenze bis ins Mekongdelta verläuft. Auf langen Strecken verkehren billige und schnelle Überlandbusse, die jedoch oft alt und entsprechend unsicher und unbequem sind. Wesentlich teurer, für die meisten Ausländer aber immer noch äußerst günstig sind die von zahlreichen Gesellschaften angebotenen „Open-Tour“-Busse. Diese relativ modernen, sicheren und bequemen Busse werden fast ausschließlich von Touristen genutzt (mehr zum „Open-Tour“-System in Kap. 6.2.4).

Häufigste Verkehrs- und Transportmittel für kürzere Strecken und Einheimische wie Touristen gleichermaßen sind Fahrräder und Mopeds, oft mit zusätzlicher Sitz- oder Ladefläche („moped-taxi“, „bicycle-taxi“) oder in Form von abgewandelten Rikschas28.

3.4 Tourismus: Potential und Entwicklung

Vietnam weist eine Vielzahl touristischer Attraktionen auf. Natürliche Attraktionen sind die lange Küstenlinie mit zahlreichen Stränden, zu deren bekanntesten Mui Ne Beach, die Strände von Nha Trang, Ha Tien sowie jene auf Cat Ba Island zählen. Weitere natürliche Sehenswürdigkeiten sind eindrucksvolle Höhlen, Grotten und Wasserfälle, Bergregionen und Nationalparks mit interessanter Flora und Fauna. Bekannteste Nationalparks sind Yok Don, Cat Tien und Ba Be.

Zu wichtigen Attraktionen gehören mehrere UNESCO-Weltkulturdenkmäler wie die Halong-Bucht, die Tempelanlage My Son, die Kaiserstädte Hué und Hoi An und der Phong Nha-Ke Bang-Nationalpark.

Kulturell außerdem von Belang sind zahlreiche ethnische Volksgruppen, weitere historische, von Kolonialzeiten geprägte Städte und unzählbare Tempel, Pagoden, Kirchen, Wehrtürme, Gräber und Paläste berühmter Persönlichkeiten. Andere bedeutende Sehenswürdigkeiten sind zahlreiche Militaria, Gedenkstätten und Kriegsschauplätze der jüngeren Geschichte Vietnams, wie die Vinh Moc- und Cu Chi-Tunnels oder die Demilitarisierte Zone (DMZ).

Vietnams Reformpolitik seit 1986 und der damit einhergehende Übergang von der zentralisierten zur marktorientierten Wirtschaft führte zur Entwicklung auch des Tourismussektors in Vietnam. Er erhielt eine Schlüsselrolle zur Landesentwicklung und wurde aktiv gefördert29. Trotz der in der Folge rasanten Steigerung internationaler Touristenankünfte existierte zu Beginn der 1990er Jahre weder eine eigene Tourismusentwicklungsstrategie noch für den Tourismus verantwortliche und kompetente Institutionen30. Die vietnamesische Regierung beauftragte Experten der UNDP und der World Tourism Organization (WTO) mit der Erarbeitung eines Masterplans31, aus dem tourismuspolitische Strategien abgeleitet wurden und der zur Gründung u.a. der Vietnam National Administration of Tourism (VNAT) führte.

Trotz enormer Wandlungen wurde Vietnam jedoch noch lange mit Begriffen wie Kommunismus und Vietnamkrieg assoziiert und stellte kein klassisches Urlaubsland dar. Bis vor einigen Jahren wurde es hauptsächlich von Kultur- und Abenteuertouristen besucht oder von Personen, die durch den Vietnamkrieg in irgendeiner Form mit dem Land verbunden waren. So wurden beispielsweise speziell amerikanische Kriegsveteranen zum Besuch der Kriegsschauplätze angeworben32. Im Jahr 1993 wurden die sog. travel permits abgeschafft, welche selbständiges Reisen stark reglementiert hatten. Zusätzlich führten Terrorismus und anhaltende Gewalt auf den Philippinen und in Indonesien gegen Ende der 1990er Jahre zu einem "Ausweich-Effekt"; beide Faktoren bedingten einen generellen Tourismus- Boom in Vietnam.

Der 1995 von der VNAT veröffentlichte zweite Masterplan prognostizierte ein zu positives Tourismuswachstum, was übermäßige Investitionen im Hotelsektor nach sich zog. Dies und die Asienkrise von 1997 führten in den Folgejahren zu einem großen Überangebot an Hotelzimmern und zu entsprechend sinkenden Auslastungsraten und Übernachtungspreisen. Die Zahl internationaler Touristenankünfte stieg wieder, nachdem Visumbestimmungen erleichtert und die Anstrengungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketing vermehrt worden waren33.

Nach Abschaffung des Systems der doppelten Preise für Touristen im Jahr 2002 und trotz leichter Einbrüche aufgrund SARS und Vogelgrippe 2003 registrierte das Land 2004 schließlich 2.927.876 internationale Besucherankünfte, was eine Verdreifachung innerhalb von zehn Jahren bedeutete (1.018.244 Ankünfte im Jahr 1994)34 (s. Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung der Ankünfte internationaler Touristen in Vietnam zwischen 1990 und 2004.

Grafik: E. Gunesch; Datenquelle: http://www.vietnamtourism.com

Das Image eines nunmehr friedlichen Landes mit niedriger Kriminalitätsrate zog zunehmend Bade- und Pauschaltouristen an35. Internationale Kreuzfahrtschiffe steuern inzwischen vietnamesische Häfen an und ermöglichen Tagesausflüge in mehrere Städte. Die touristische Infrastruktur erfuhr im Laufe des letzten Jahrzehnts eine rasante Entwicklung; mehr als 2,6 Millionen Vietnamesen sind heute im Tourismussektor beschäftigt36.

Der regionale Vergleich internationaler Touristenankünfte Vietnams mit jenen etablierter Tourismusdestinationen Südostasiens wie Thailand, Indonesien oder den Philippinen verdeutlicht seine Position im Mittelfeld (s. Abb. 4):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Zahl der Ankünfte internationaler Touristen in ausgewählten Ländern Südostasiens im Jahr 2003.

Quelle: WAIBEL, M. nach: ASEAN Sekretariat

Seit den 1990er Jahren gilt Vietnam und speziell Saigon als "neues Zentrum" des Individualtourismus37. Mitverantwortlich hierfür war 1991 das Erscheinen des ersten Indochina-Reiseführers des Branchenriesen Lonely Planet ("Vietnam, Laos and Cambodia - a travel survival kit")38. Dieses wiederum ging auf das gestiegene Interesse Individual- bzw. Rucksackreisender westlicher Industriestaaten für die Region und das vormals abgeschottete Vietnam zurück39 &40. Über den Anteil des Individualtourismus-Marktes am Gesamtvolumen des Tourismusmarktes liegen bislang allerdings keine Erhebungen oder Statistiken vor.

Das anschließende Kapitel stellt die Erhebungsmethodik vorliegender Untersuchung vor.

4. METHODIK UND DURCHFÜHRUNG

4.1 Konzeption und Inhalt des Fragebogens

Da keine Daten zum Individualtourismus in Vietnam vorlagen musste zunächst Primärforschung betrieben werden. Hierfür wurde ein Fragebogen zur Verteilung unter den Individualtouristen in Vietnam entworfen. Es wurde ausschließlich eine Version in englischer Sprache verfasst und verteilt, da davon ausgegangen wurde, dass englisch vom überwiegenden Teil der Reisenden gesprochen wird. Von Übersetzungen in andere Sprachen wurde abgesehen, um Wortbedeutungs- oder Interpretationsfehler zu vermeiden, die möglicherweise eine Verfälschung der Ergebnisse bewirkt hätten.

Es wurde ein quantitativer Forschungsansatz gewählt, um eine mengenmäßige Datengrundlage zu erhalten und die Vergleichbarkeit zu aktuellen Studien anderer Länder und Regionen zu gewährleisten.

Folgende Fragen wurden in den Fragebogen aufgenommen und in vorliegender Studie ausgewertet:

Fragen zur Demographie:

1. Nationality
2. Country of residence
3. Age
4. Gender / Sex
5. Marital status
6. Which of the following best describes your household?
7. Highest education level
8. Profession / occupation
9. Personal income per month

Fragen zu Grundlagen der Reise:

10. How many times have you been to long-distance-destinations?
11. If this is not your first travel to a long-distance-destination: how often do you undertake them?
12. How often do you travel to developing countries?
13. If this is not the first time: how many times have you been to a developing country before?
14. Why did you choose Vietnam as your Destination?
15. What do you expect or wish from this journey?
16. Have you been to Vietnam before?
17. Yes, … times already.
18. The last time was in year …
19. Who are you mostly traveling with on this journey in Vietnam?
20. Did you make any bookings within Vietnam before going on this journey?

Fragen zum Verlauf der Reise:

21. Did you visit any other countries longer than 1 night before arriving in Vietnam (on this journey)?
22. Will you visit any other countries longer than 1 night after leaving Vietnam (on this journey)?
23. How long will your journey be altogether?
24. How many of these days will you spend in Southeast-Asia?
25. How many of these days will you spend in Vietnam?
26. In which city did you arrive in Vietnam?
27. From which city will you leave Vietnam?
28. If your main means of transportation for beginning this journey was airplane: Which airline did you fly with?
29. How much did you pay for your air ticket?

Fragen zur Nutzung von Infrastruktur vor und in Vietnam:

30. Which means of information did you use to find out about Vietnam before the journey?
31. Travel guide before the journey published by:
32. And which means of information are you using during the journey?
33. Travel guide during the journey published by:
34. Which means of transportation do you use in Vietnam for traveling long distances (e.g. between different cities)?
35. Which means of transportation do you use in Vietnam for traveling short distances (e.g. within cities)?
36. What type of accommodation do you use?
37. How important do you consider the following points when choosing your accommodation?
38. How much do you pay for accommodation on average per night?
39. How do you cater for yourself during the journey?
40. How much do you spend on catering on average per day?
41. Which Outdoor-activities have you undertaken or will you undertake here in Vietnam?

Fragen nach abschließenden Bewertungen:

42. What is your current estimation concerning your planned or expected budget for the parts of the journey in total?
43. How do you rate the following here in Vietnam?
44. To what extent have these expectancies / wishes been fulfilled so far?
45. Will you return to Vietnam within the next 5 years?
46. Would you recommend Vietnam as a destination?

Der Fragebogen wurde mit je zwei Seiten pro Blatt und doppelseitig auf einem DIN A4-Bogen gedruckt (s. Anhang 1). Er bestand aus einem Instruktionstext, Ein- und Mehrfachantworten-Sets, verbal verankerten Rating-Skalen und offenen Fragen (nach Anregungen von STANGL (1997))41. Letztere wurden nur verwandt, wo es unumgänglich war, da die quantitative Analyse offener Fragen problematisch sein kann42.

Anhand der Antworten sollten als Resultat Wahrscheinlichkeitsaussagen über Individualtouristen in Vietnam getroffen werden können.

4.2 Realisation der Datenerhebung

4.2.1 Definition der Zielgruppe

Die Untersuchung fand zwischen Ende April und Ende Mai 2005 in Form einer quantitativen Erhebung mit 225 Individualtouristen in ganz Vietnam statt. Diese wurden anhand positiver Antworten auf verschiedene Ausschlussfragen identifiziert. So wurde gefragt, ob die Reise weitestgehend selbst organisiert und durchgeführt werde und ob es sich um eine private Urlaubsreise handle. Einschränkungen bezüglich einer geforderten Mindestaufenthaltsdauer im Land wurden nicht gemacht. Vietnamesische Staatsangehörige wurden jedoch ebenso ausgeschlossen wie Personen, deren Wohnsitz sich zum Zeitpunkt der Befragung in Vietnam befand.

4.2.2 Orte der Befragung und konkrete Durchführung

Es wurden so viele Personen wie möglich angesprochen, die potentiell der genannten Gruppe angehörten. Dies geschah in Unterkünften (Hotels, Hostels, Pensionen und Gasthäusern), Versorgungseinrichtungen (Restaurants und Cafés) und Transporteinrichtungen (Bussen). Des weiteren wurde in Museen, Banken, Internetcafés befragt sowie bei Sehenswürdigkeiten und organisierten Bus- oder Bootstouren zu naturräumlich, kulturell oder historisch bedeutsamen Stätten. Mit der Verteilung an Orten, an denen Backpacker am wahrscheinlichsten versammelt waren, wurde größtmögliche Repräsentativität erreicht43. Gleichzeitig wurde mit der breiten Streuung der Befragungsorte eine Verzerrung der Ergebnisse vermieden. So war denkbar, dass manche Reisende an der Unterkunft sparen, dafür aber mehr für Essen ausgeben oder umgekehrt, während sich andere z.B. einen Mietwagen leisten und daher nicht im Bus, wohl aber im Internetcafé anzutreffen sind. Die Verteilung der Fragebögen erfolgte so gleichmäßig wie möglich in ganz Vietnam, wobei im Süden begonnen und im Norden geendet wurde (s. Tab. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Befragungsorte der Individualtouristen in Vietnam.

Bei der Datenerhebung wurde der Fragebogen der einwilligenden Person vorgelegt und unmittelbar nach dem Ausfüllen wieder zurückgenommen. Aufgrund dieses Vorgehens kann über eine Rücklaufquote keine Aussage gemacht werden. Um eine möglichst hohe Antwortqualität zu erhalten war die Autorin während der gesamten Zeit des Ausfüllens zugegen. So konnten etwaige Unklarheiten beseitigt und auftretende Verständnisfragen beantwortet werden.

[...]


1 KASPAR (1996): die Tourismuslehre im Grundriss. St. Galler Beiträge zum Fremdenverkehr und zur Verkehrswirtschaft, Reihe Fremdenverkehr, 1. Bern, Stuttgart: Haupt, S. 16.

2 Quelle: WIKIPEDIA, Zugriff 10.08.2005. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsland

3 ADERHOLD, P., LAßBERG, D. v., STÄBLER, M. & A. VIELHABER (2000): Tourismus in Entwicklungsländer. Schriftenreihe für Tourismus und Entwicklung, Studienkreis Tourismus, Ammerland.

4 STRASDAS, W. (2001): Ökotourismus in der Praxis - Zur Umsetzung der sozio-ökonomischen und naturschutzpolitischen Ziele eines anspruchvollen Tourismuskonzeptes in Entwicklungsländern. Veröffentlicht durch: Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, Ammerland/Germany, S. 81

5 KRIPPENDORF, J. (1980): Fremdenverkehr in Entwicklungsländern. Textauszüge. Forschungsinstitut für Freizeit und Fremdenverkehr an der Universität Bern. Bern: S. 64f.

6 ADERHOLD, P., LAßBERG, D. v., STÄBLER, M. & A. VIELHABER (2000): op. cit.

7 DIERCKE WÖRTERBUCH ALLGEMEINE GEOGRAPHIE, Herstellungsjahr 2005. Deutscher Taschenbuch Verlag, München.

8 verändert nach MUNDT, Jörn W. (2001): Einführung in den Tourismus. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München; Wien.

9 MUNDT, J. W. (2001): op. cit.

10 PEARCE P.L. (1990): op.cit.

11 Laut Tourism Queensland Research Department (2004) betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (WTR) des Backpackerankünfte in Queensland 1,6%, die durchschn. jährl. WTR ihrer Ausgaben 2,4% zwischen 2000 und 2004.

12 HAMPTON, M. (1998): Backpacker Tourism and Economic Development. Annals of Tourism Research, Vol. 25 (3), p. 640

13 JARVIS, Jeff (2004): Yellow Bible Tourism: Backpackers in South East Asia. In: Down the Road: Exploring backpackers and independent travel”. API Network, Symposia Series, Australia.

14 BUTLER, R. (1980). The concept of a tourist area life cycle of evolution: Implications for management of resources. Canadian Geographer 24, pp. 5-12

15 COCHRANE, J. (1996): The sustainability of ecotourism in Indonesia: fact and fiction. In: Parnwell, M. and Bryant, R. (eds.): Environmental change in South-East Asia. London: Routledge

16 SCHEYVENS, R. (2002): Backpacker tourism and third world development. Annals of Tourism Research 29 (1), pp. 144-164

17 SPREITZHOFER, G. (1998): Backpacking Tourism in South-East Asia. Annals of Tourism Research 25 (4), pp. 979-983

18 JARVIS, Jeff (2004): op. cit.

Tourism Queensland Research Department (TQRD) (2004): International Backpackers Market. Zugriff 10.08.2005, URL: http://www.tq.com.au

20 Tourism Australia (2004): Backpacker Fact Sheet. Market Insights, Tourism Facts: Backpacker Market. Zugriff 12.08.2005, URL: http://www.tourism.australia.com

21 Tourism Australia (2004): op.cit.

22 Department of Industry Tourism and Resources (2003): „Green Paper: A medium to lang term strategy for Tourism“. Canberra. p. 23.

23 JARVIS, JEFF (2004): op. cit.

24 Anm.: Ho-Chi-Minh-Stadt wird sowohl von Einheimischen als auch von Touristen mehrheitlich als Saigon bezeichnet. In dieser Arbeit wird zugunsten der alten, aber gebräuchlichen Form auf die offizielle Bezeichnung verzichtet.

25 ASEAN: Abk. für “Association of South-East Asian Nations”. Politische, wirtschaftliche und kulturelle Vereinigung südostasiatischer Staaten.

26 APEC: Abk. für “Asia Pacific Economic Cooperation”. Ziel der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft ist die Errichtung einer Freihandelszone im pazifischen Raum.

27 WTO: Abk. für „World Trade Organization“. Befasst sich mit der Regelung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen.

28 Quelle: WIKIPEDIA, Zugriff 11.08.2005. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnam

29 JARITZ, M. (2001): Tourismus als regionalwirtschaftliches Potenzial in einem Entwicklungsland. Dargestellt am Beispiel der Halongbucht, Vietnam. Diplomarbeit Universität Göttingen.

30 WAIBEL, Michael (2004): Vietnam - A Tourism Tiger? Ausgewählte Aspekte der jüngeren touristischen Entwicklung Vietnams. ZELTForum - Göttinger Schriften zu Landschaftsinterpretation und Tourismus, Bd. 2.

31 JARITZ, M. (2001): op. cit.

32 VORLAUFER, Karl (1996): Tourismus in Entwicklungsländern. Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Entwicklung durch Fremdenverkehr. Darmstadt.

33 WAIBEL, M. (2004): op. cit.

34 Quelle: VIETNAMTOURISM, Zugriff 11.08.2005. URL: http://www.vietnamtourism.com/e_pages/news/index.asp

35 Quelle: ILEXIKON, Zugriff 10.08.2005. URL: http://www.ilexikon.com/Vietnam.html

36 WTTC (2005): Tourism Satellite Accounts: Country Report Vietnam.

37 SPREITZHOFER, Günter (1997): Rucksack-Rausch und Freizeitwahn - Drei Jahrzehnte Alternativtourismus in Südostasien. In: Christian Stock (Hrsg.): Trouble in Paradise - Tourismus in die Dritte Welt. Verlag Informationszentrum Dritte Welt, Freiburg, Breisgau, S. 161 - 170.

38 SPREITZHOFER, G. (1995): Tourismus Dritte Welt. Brennpunkt Südostasien. Alternativtourismus als Motor für Massentourismus und soziokulturellen Wandel. Frankfurt a. M., u.a. (Europäische Hochschulschriften: Reihe 4, Geographie; 16).

39 WAIBEL, M. (2004): op. cit.

40 Anm.: Hierbei sind Ursache und Wirkung schwer zu definieren.

41 STANGL, Werner (1997). Zur Wissenschaftsmethodik in der Erziehungswissenschaft. "Werner Stangls Arbeitsblätter".

42 SPEED, C. (2000): The Backpacker market in Scotland - Preliminary findings. Unpublished paper, Glasgow, Napier University.

43 SPEED (2000): op. cit.

Details

Seiten
117
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640583102
ISBN (Buch)
9783640583645
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147505
Institution / Hochschule
Fachhochschule Eberswalde
Note
2,2
Schlagworte
Tourismus Individualtourismus Backpacker Entwicklungsländer Vietnam Reisen Asien Südostasien Marktforschung

Autor

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Titel: „Same, same - but different“ – Untersuchungen zum Individualtourismus in Entwicklungsländern am Beispiel Vietnam