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Theologische Dramatik in Hans Urs von Balthasar

Seminararbeit 2005 5 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Theodramatik – Ringen mit Hegel
2.1. “Immanente Trinität” bei Hegel
2.2. Der richtige Blickwinkel

3. Konsequenz

4. Bibliographie

1. Einführung

Die Theodramatik ist die Mitte der Trilogie der Liebe[1] Balthasar’s. Jesus Christus gilt als Stellvertreter - so Menke – „der für alle Menschen aller Zeiten etwas getan hat, was keiner selbst leisten kann, und der jeden, der sich von ihm ergreifen lässt, auf je einmalige Weise in seine Sendung eingestaltet.“[2] In der theologischen Dramatik geht es um das Verhältnis zwischen unendlichem Gott und Endlichkeit der Schöpfung, zwischen Selbstbestimmung des Absoluten und des Endlichen (vgl. Hegel). Im Drama Gottes ist der Mensch nicht nur Zuschauer, sondern auch Mitspieler. Gott und Mensch stehen als gleichwertige Partner gegenüber. Gott handelt am Menschen, für und mit dem Menschen. Dabei geht es um das Gute. „Gottes Tun ist getanes Heil, Versöhnung der Welt in Christus mit sich (2 Kor 5, 19), aus rein schenkender Liebesinitiative“.[3] In der Sendung des Sohnes erkennen wir die innertrinitarische Relation welches ermöglicht nicht-göttlichen Seins und geschaffener Freiheit zu verstehen. Balthasar’s Erklärung des innertrinitarischen Ereignisses setzt nach Wallner „die Gültigkeit existentieller Differenzierung von der Welt her“[4] voraus. In dieser Arbeit setze ich mich ausschliesslich um das Ringen zwischen Balthasar und Hegel auseinander. Dabei ziehe ich das Werk Gott als Eschaton von Wallner zur Seite.

2. Theodramatik - Ringen mit Hegel

Wie schon gesagt, problematisiert Hans Urs von Balthasar das Zueinander und Miteinander von Gott und Welt/Mensch. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie den der Übergang des immanent-trinitarischen Ereignis in die Geschichte Gottes mit und in der Welt gedacht werden kann. Die Theodramatische Theologie steht unter dem Transzendentale gut – bonum (daneben gibt es noch die zwei Anderen: Schön - Pulchrum und Wahr – Verum). Wir können von einer „Theologie der Freiheit“ reden. Das bonum muss „als geschichtlich dramatische Zueinander der göttlich-dreieinigen und der sündig-erlösten menschlichen Freiheit bis in die letzten eschatologischen Aspekte durchdacht werden“[5]. Im Zentrum der Theodramatik findet nun Balthasars Auseinandersetzung mit Hegel statt. Die Fragerichtung wird gemeinsam mit Hegel gestellt: „...in welchem Sinn ist das theologische Drama ein Drama Gottes selbst? Tritt Gott in die Handlung ein? Und wird er damit nicht zum Moment eines Umgerissenen degradiert?“[6] Es geht Balthasar um Gegenposition zu Hegel zu beziehen, „denn es geht hier um Sein oder Nichtsein der von uns geplanten Theodramatik“[7]. Nach Balthasar ist aber „zwischen immanenter Trinität und Welt, bzw. ökonomischer Trinität“[8] immer zu beachten.

2.1. „Immanente Trinität“ bei Hegel

Nach Balthasar habe Hegel eine immanente Trinität, „aber so, dass sie die ökonomische in sich ‚aufhebt’, indem sie beim Durchgang durch die Zeit ‚die Zeit tilgt’“[9]. Der hegelsche Prozess der „Aufhebung“ entwickelt sich nach Balthasar „einerseits von Gott aus, der in seinem abstrakten Begriff der Besonderung bedarf“, andererseits „vom Menschen aus, der in seiner Besonderheit einer abschliessenden Versöhnung bedarf. Die daraus resultierende ‚Zweiseitigkeit des Systems’ wird nach Balthasar nicht weiter aufhebbar sein“ (Ebd.). Bei Hegel gebe es jedoch ein eindeutiges Übergewicht des zweiten Aspektes. Er setzte nämlich „das Andere“, dessen Gott in dem Prozess der Aufhebung zu seiner eigenen Konkretion zur absoluten Fülle erst bedarf, schon mit dem ‚Sohn’ in eins“ (230). Nach christlichem Verständnis ist jedoch der Sohn schon von Ewigkeit „der Andere“. Erst in der Fülle der Zeit trete er innerhalb der Andersheit der Welt als konkreter Mensch hervor. Dadurch kritisiert Balthasar Hegel, dass er nicht nur die schöpferische Freiheit Gottes in Frage stellt, „sondern zunächst vor allem die Konkretheit Jesu Christ, welche so in ihrem ‚Ernst’ durch eine absolute Geschichte der göttlichen Idee bedroht wird, weil in ihr das Konkrete immerdar nur ‚verklärt’ und ‚abgestreift’ Geltung haben darf“ (ebd.). Nach Hegel könne wie der Sohn auch der Geist nicht als „Person“ verstanden werden. Dieser sei bei ihm das sich im Prozess Durchhaltende, die Einheit in der Gegenseitigkeit; er sei aber nie „zu einer ‚konkreten’ dritten göttlichen Person konstituiert“ (230). Diese Tendenz zur „Versöhnung im absoluten Geist“ betrachtet Balthasar „als eine inadäquate Verschränkung von ‚Gott-in-sich’ und ‚Gott-für-uns’“ (231). Darin liege nämlich das Übel für den Begriff einer immanenten Trinität. Denn gerade weil es die Totalität des absoluten Geistes sei, die Differenz aufzuheben und als solche in sich zu haben, lasse sich die immanente Trinität bei Hegel bloss verstehen „als zunächst das dunkel-verborgene ‚Reich des Vaters’“ (ebd.).

[...]


[1] Vgl. Guerriero, Hans Urs von Balthasar. Eine Monographie, 370-372. Zu diesem versuchten Gesamttitel sagt Lochbrunner: „Wenn nach dem m.E. wohl gelungenen Marsch durch die 7172 Druckseiten des ‚opus stupendum’ der Verfasser (=Guerriero) das Fehlen eines Gesamttitels reflektiert (...), so hat er mit seiner Kapitelüberschrift eine treffliche Charakterisierung gegeben.“ (Unterwegs zu einer Balthasar-Biographie? Marginalien zu Elio Guerriero Monographie „Hans Urs von Balthsar“ in: IkaZ Communio (1996), 77.) Interessant dazu ist auch noch der Kommentar des Münchener Religionsphilosophen Biser, dass der Titel „Trilogie“ im Gedanken an Goethes „Trilogie der Leidenschaften“ sich anlehnen könne. (vgl. Biser, E., Dombau oder Triptychon? Zum Abschluss der Trilogie Hans Urs von Balthasar, in: Theologische Revue 84 (1988) 178f.)

[2] Karl-Heinz Menke, Trotz dieser Polemik: Worauf es von Balthasar ankommt, in: Dokumentation des Symposions zum 100. Geburtstag von Hans Urs von Balthasar am 1. Juni 2005 in Bonn.

[3] Hans Urs von Balthasar, Theodramatik I, 18.

[4] K. J. Wallner, Gott als Eschaton, 224

[5] Theologik I, XXI.

[6] Theodramatik I (=TD I), 64. Die Auseinandersetzung mit Hegel beginnt bereits schon ab Seite 50.

[7] TD I, 57.

[8] Vgl. TDI 64. In Theologie der drei Tage, 28, wendet sich von Balthasar u. a. dezidiert gegen Karl Rahner.

[9] Wallner, 229.

Details

Seiten
5
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640584154
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147616
Institution / Hochschule
Facoltà di Teologia di Lugano – Theologische Fakultät
Note
1
Schlagworte
Theologische Dramatik Hans Balthasar

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Titel: Theologische Dramatik in Hans Urs von Balthasar