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Rezension des Buches von Dieter Lenzen: "Orientierung Erziehungswissenschaft. Was sie kann, was sie will."

Rezension / Literaturbericht 2009 6 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Lenzen, Dieter: Orientierung Erziehungswissenschaft. Was sie kann, was sie will. Reinbek bei Hamburg, 4. Auflage Mai 2007

Dieter Lenzen wurde 1947 in Münster (Westfalen) geboren. Er studierte nach dem Abitur 1966 Erziehungswissenschaft, Philosophie, Deutsche, Englische und Niederländische Philologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er schloss sein Studium 1970 mit dem Magister ab, die Promotion zum Dr. Phil. folgte 1973. Im Anschluss wurde er wissenschaftlicher Forschungsmitarbeiter für das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. 1975 erhielt Lenzen die Professur in Münster und war mit 28 Jahren der jüngste Hochschullehrer Deutschlands. Seit 1977 ist er Universitätsprofessor für Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin. 1993 war er Gastprofessor an der Universität Tokyo und 1994 ebenfalls an den japanischen Universitäten Hiroshima, Kyoto und Osaka tätig. 1994 bis 1998 besaß er das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Von 1999 bis 2003 war er Vizepräsident der FU Berlin, woraufhin er 2003 als ihr Präsident gewählt wurde.

Das 1999 in der Originalausgabe veröffentlichte Buch „Erziehungswissenschaft. Was sie kann, was sie will.“ von dem Universitätsprofessor der FU Berlin Dieter Lenzen, ist inhaltlich in 2 große Themenkomplexe eingeteilt. Der erste Teil richtet sich vornehmlich an Schüler, die überlegen ein Studium der Erziehungswissenschaften zu beginnen, wobei sich der zweite Teil explizit an Studenten richtet, die ihr Studium bereits aufgenommen haben und eine inhaltliche Einführung in die Themen der Erziehungswissenschaften benötigen. Er beginnt das erste Kapitel seines Buches mit einer Einleitung. Er erklärt dabei zu Anfang kurz die Intentionen des Lehrerberufs und stellt gleichzeitig Anforderungen, die ein zukünftiger Lehrer erfüllen muss, damit er seinen Beruf in vollem Maße nachgehen kann. Außerdem erläutert er die philosophischen und politischen Einflüsse, die die Erziehungswissenschaft beeinflussen und stellt im Nachhinein fest, dass Erziehungswissenschaft und Pädagogik sich heute in ihrer Bedeutung nicht mehr unterscheiden. Im nächsten Unterkapitel (1.2) erläutert er die normative Pädagogik, die eine Ableitung von Handlungsanweisungen aus obersten Normen darstellt und begründet warum sie in der Realität nicht möglich ist. Außerdem behauptet er, dass ein Lehrer politischen Ansinnen widerstehen sollte, um eine professionelle Lehrperson darzustellen. Im letzten Unterkapitel seiner Einleitung (1.3) werden die 3. Dimensionen des Unterrichts eingeführt, wobei er eine besondere Stellung gegenüber der Poiesis einnimmt. Sie wird als Kompetenz der Erfüllung von Zwecken, also als bloße Produktion verstanden. Anschließend beginnt er mit dem 2. Kapitel seines Werkes, das sich mit dem Studium der Erziehungswissenschaften auseinandersetzt. Dabei betrachtet er anfangs die allgemeine Studierfähigkeit von Studierenden. Er behauptet, dass die Kritik an den Hochschulen schon zur Normalität geworden ist, wobei vergessen wird, dass die Studierenden ebenfalls Kompetenzen besitzen sollten. Dabei differenziert er zwischen den allgemeinen Leistungsdispositionen, die man vor dem Studium besitzen sollte und der Grundbildung allgemeiner Kenntnisse, die man gezielt erwerben kann.(2.1) Die speziellen Voraussetzungen für ein Studium der Erziehungswissenschaften betrachtet er im Anschluss gesondert.(2.2) Das wichtigste ist dabei die Allgemeinbildung und die sozialen Fähigkeiten des Studierenden. Ein Studium dauert durchschnittlich 6 bis 8 Jahre und ist mit vielen Entscheidungen verbunden, die die Zukunft eines Studenten nachhaltig verändern können. Dazu wird im Unterkapitel 2.3 näher auf spezielle Entscheidungen, wie die Auswahl des Studiengangs, des Studienorts und der Wahl der Lehrveranstaltungen eingegangen. Um Hilfestellungen zu Beginn seines Studiums zu geben, werden die Strukturen der Erziehungswissenschaft und ihre Dimensionen übersichtlich in Tabellenform dargestellt(2.4). Im dritten Kapitel werden folgend die verschiedenen erziehungswissenschaftlichen Fachrichtungen und pädagogischen Berufe näher erläutert. Dabei unterscheidet er zwischen der Allgemeinen bzw. Systematischen Erziehungswissenschaft sowie der Vergleichenden Erziehungswissenschaft und den differenzierten Fachrichtungen. Im dessen ersten Unterkapitel geht er dabei genauer auf die Allgemeine und Systematische Pädagogik ein, die als Leitdisziplinen definiert werden und dementsprechend pädagogische Handlungsorientierungen und –Prinzipien produzieren und kommunizieren. Außerdem beschäftigt er sich exakter mit den Begriffen pädagogische Ethik, Bildungstheorie und allgemeine Erziehungswissenschaft und veranschaulicht deren Entwicklung in einem geschichtlichen Exkurs. Im darauffolgenden Unterkapitel (3.2) geht er gegenüberstellend auf die vergleichende Erziehungswissenschaft ein, welche ähnlich der allgemeinen Erziehungswissenschaft eine übergreifende Fragestellung verfolgt, aber durch historische und institutionelle Gründe von ihr abgegrenzt wird. Vergleichende Pädagogik hat immer die Aufgabe, umfangreiche Informationen bereitzustellen, sodass bildungspolitisches Handeln in Kenntnis der Implikation möglich ist. Während mit den zuvor genannten Fachrichtungen kein Berufsfeld korrespondiert, außer dem des Lehrenden an einer Hochschule, ist es bei den anschließend erklärten Fachrichtungen anders. Anfangs geht er genauer auf die Sozialpädagogik ein.(3.3) Nach einer detaillierten Erläuterung der Fachrichtung befasst er sich erneut mit den Anforderungen an zukünftige Studenten und beschreibt verschiedene Institutionen der Sozialpädagogik. Außerdem gibt er von neuem Entscheidungshilfen für Studenten und erläutert die Studiengänge der Sozialpädagogik. Eine weitere Fachrichtung, die direkt mit einem Beruf verbunden ist, ist die Erwachsenenpädagogik und –bildung.(3.4) Diese hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und kann sie auch weiterhin festigen, was durch Statistiken belegt wird. Die Schulpädagogik die sich ebenfalls in die Liste der berufsorientierten Fachrichtungen einreiht, wird anschließend sehr detailliert erläutert. Dabei geht er besonders auf die spezifische Ausbildung eines Lehrers, das Deutsche Bildungssystem und die allgemeine Didaktik ein. Außerdem zeigt er Arbeitslosigkeitsstatistiken und prognostiziert die Berufschancen.(3.5) Im folgenden Unterkapitel geht Lenzen ähnlich vor, diesmal nur bezüglich der Berufs- und Wirtschaftspädagogik.(3.6) Im Anschluss beginnt der 2. Teil des Buches, der sich vornehmlich an bereits Studierende richtet. Dementsprechend definiert er hauptsächlich Erziehungswissenschaftliche Konzeptionen und die Pädagogischen Grundvorgänge. Er beginnt dabei im vierten Kapitel mit den Erziehungswissenschaftlichen Konzeptionen, die jeweils definiert werden, beginnend mit der Geisteswissenschaftlichen Pädagogik, indem er den Vorgang des Verstehens und des Gewinnens an Erfahrung übersichtlich erklärt.(4.1) Dabei differenziert er zwischen Geisteswissenschaften und den Naturwissenschaften. Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik hilft dabei, die Erziehungswirklichkeit zu verstehen. Die folgende Empirische Erziehungswirklichkeit unterzieht Hypothesen und Aussagen einer rationalen Kritik und mit den gewonnenen Erkenntnissen die Erziehungswirklichkeit zu erklären.(4.2) Im Gegensatz zu den vorherigen Konzeptionen versucht die Prinzipienwissenschaftliche Pädagogik Axiome zu entwickeln, die Normen, Einsichten und Ziele verallgemeinern und dadurch helfen sollen, orientiert und zielgerichtet zu Handeln.(4.3) Dabei stellt die Kritische Erziehungswissenschaft den Versuch dar, theoretische Grundannahmen auf Erziehung und Bildung anzuwenden und kritisch zu betrachten.(4.4) Da aber in dieser Konzeption nur oberflächliche Strukturen der Gesellschaft betrachtet wurden, fing die Strukturalistische und Poststrukturalistische Erziehungswissenschaft an, Tiefenstrukturen der Gesellschaft zu betrachten um genauere Überlegungen möglich zu machen.(4.5) Die Systemtheoretische und Konstruktivistische Erziehungswissenschaft beschäftig sich im Gegensatz dazu mit der Struktur der Teilsysteme der Erziehungswissenschaft. Dadurch steht nicht mehr das Individuum im Vordergrund, sondern die Strukturen und Mechanismen der einzelnen Systeme.(4.6) Am Ende der Konzeptionen steht die Reflexive Erziehungswissenschaft. Sie baut auf alle vorangegangenen Konzeptionen auf und betrachtet sie reflexiv, wodurch man begreift, dass viele Konzeptionen nur die Antworten und Ablösungen vorangegangener sind.(4.7) Nach der Betrachtung der Konzeptionen gibt Lenzen Definitionen der einzelnen pädagogischen Grundvorgänge wieder , wobei er die Unterkapitel in einzelne Abschnitte gliedert, denn die Definitionen der Grundvorgänge sind von den Betrachtungen oder den jeweiligen Aufgaben abhängig. Er beginnt mit der Erziehung, die er abhängig von der jeweiligen Konzeption definiert.(5.1) Die Bildung, die neben der Erziehung ein weiterer Grundbegriff der Erziehungswissenschaft ist wird ebenfalls erläutert. Interessant ist auch, dass der Begriff der „Bildung“ nur in Deutschland vorkommt, aber durch die Unterscheidung in verschiedene Bildungsdimensionen gekennzeichnet ist. Diese Dimensionen werden jeweils einzeln betrachtet.(5.2) Als weiterer pädagogischer Grundbegriff wird anschließend die Sozialisation betrachtet.(5.3) Man versteht sie als Gesamtheit der Gesellschaftlichen Einflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. Sie distanziert sich folglich von der Erziehung und Bildung, weil nicht der Mensch selbst, sondern die Gesellschaftliche Konstellation der entscheidende Faktor für seine Entwicklung ist. Auch der Unterricht ist ein pädagogischer Grundvorgang und wird wie gewohnt einleitend definiert.(5.4) Damit Unterricht nicht zu beliebig verläuft, haben sich Lehrende an Zielen zu orientieren, die das Handeln im Unterricht beeinflussen. Dieses Handeln wird in verschiedene Dimensionen unterteilt, die separat erklärt werden. Den letzten pädagogischen Grundvorgang fasst er unter „Hilfe Beratung und mehr“ zusammen.(5.5) Ein Kennzeichen des 20. Jahrhunderts ist, dass selbst erwachsene Menschen eine nachlassende Verantwortung für sich selbst zeigen, wodurch sich ein Markt für soziale Hilfeleistungen gebildet hat. Soziologisch gesehen hat man heute die Auffassung, dass soziale Hilfe kein Bestandteil des Erziehungssystem mehr ist, sondern ein eigenes System repräsentiert. Dadurch erkennt man, dass sich die Erziehungswissenschaft in einem Umbruch befindet. Mit der Betrachtung dieser zukünftigen und auch der geschichtlichen Entwicklung der Erziehungswissenschaft beschäftigt sich das 6. Kapitel des Buches, was gleichzeitig das letzte Kapitel darstellt.

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Details

Seiten
6
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640597628
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v147819
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
bestanden (2,0)
Schlagworte
Dieter Lenzen Orientierung Erziehungswissenschaft

Autor

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