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Die Grundlage des Häresievorwurfes gegen Origenes nach dem 6. Jh.

Seminararbeit 2007 16 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Fragestellung

2. Die Herkunft der Vorwürfe gegen Origenes

3. Die Entstehung der „Apologia pro Origene“

4. Der Verlauf der Streitigkeiten nach dem 6. Jh
4.1 Vorwürfe gegen die Lehre des Origenes
4.2 Anathematismen unter Kaiser Justinian
4.3 Das 5. ökumenisches Konzil

5. Die Grundlage für den Häresievorwurf gegen Origenes

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

Im Rahmen der Hausarbeit mit dem Thema „Die Grundlage des Häresievorwurfes gegen Origenes nach dem 6. Jh.“ soll folgende Fragestellung untersucht werden: „ Auf welcher Grundlage basierten die Vorwürfe gegen die Lehre des Origenes und wie kam es zur Akzentverschiebung der Vorwürfe auf seine Nachfolger?“. Eine Grundlage für diese Untersuchung bildet die „Apologia Pro Origene“ nach Pamphilus von Caesarea, welche in ihrer Originalfassung nur fragmentarisch in Einleitung und dem ersten von fünf Büchern erhalten ist und z. T. von Rufin nachbearbeitet wurde.

Die Hausarbeit umreißt zunächst Bestandteile der bereits vor dem 6. Jh. auftretenden Vorwürfe und schließt mit den Streitigkeit während des 6.-7. Jh. Neben der Verteidigung der Lehre des Origenes durch die Apologie werden auf mögliche Fehler hinsichtlich des Häresievorwurfes eingegangen.

2. Die Herkunft der Vorwürfe gegen Origenes:

In der Untersuchung nach der Herkunft der Vorwürfe gegen die Lehre des Origenes ist zu beachten, dass seine Theorien eigentlich als Reaktion auf die gnostische Lehre konzipiert war, welche kurz gefasst religiöse Wahrheiten philosophisch erfasst . Die Gegner des Origenes wiesen seiner Lehre dennoch Gemeinsamkeiten im Denkmuster mit der gnostischen Lehre zu[1]. Ferner äußerten sie sich u. a. besonders in der Haltung gegen eine philosophische Auslegung der Theologie und strebten vielmehr eine einfache Formgebung an. Die Kritik gegenüber Origenes war bereits relativ früh in Alexandrien vorzufinden, so wandten sich z. B. Dionysius gegen die Vorstellung einer Präexistenz der Seele und Petrus gegen die von Origenes vertretene Präexistenzlehre, Paradiesvorstellung sowie der Auferstehungslehre[2]. Beide distanzieren sich von der Theologie des Origenes und bevorzugen die Reichstheologie[3]. Um die Haltung beider zu vertiefen: Dionysius reagierte im 3. Jh. auf die von Origenes vertretene Trinitätstheologie[4], insbesondere im Bezug auf den Vergleich des Verhältnisses von Vater und Sohn sowie dem Verhältnis zwischen Wort und Verstand[5]. Im Bezug auf die Trinitätstheologie erkennt Origenes, dass die apostolische Verkündigung Aussagen über die Zuordnung des Heiligen Geistes zu dem Vater und zu dem Sohn, jedoch der genauere Status innerhalb dieser Trinität ungeklärt bleibt[6]. Die sabellianische[7] Lehre, welche behauptet, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist nur verschiedene Erscheinungsformen des einen Gottes sind ist der Auslöser für Origenes Reaktion auf diese Irrlehre und Hinwendung auf das „theologische Defizit in der kirchlichen Überlieferung“[8].Ferner führt Origenes diesen Widerspruch mit der sabellianischen Lehre in seinem Johanneskommentar auf, in welchem er sich auf Mt 12,32[9] bezieht und auf die Trennung in drei Bestandteile der Trinität, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist hinweist[10]. Petrus hingegen bezog sich mit seiner Kritik gegen die Präexistenz der Seele gegen die allegorische Interpretation der Fellkleider in Kombination mit der Gestalt des Auferstehungsleibes, wobei er verstärkt darauf appellierte, dass die Auferstehung keine Veränderung des Leibes mit sich ziehen würde[11].

Es gab bereits im 4. Jh. einen ausgeprägten Konflikt zwischen einer philosophischen Interpretation der Theologie und einer „einfachen“ ,der Frömmigkeit entsprechenden, Theologie. Die Diskussion über die origenische Lehre verlief zumeist zwischen den Bischöfen und Theologen bzw. Mönchen, welche eher eine kritische Haltung annahmen und sich auf die Einhaltung der Frömmigkeit bezogen. Doch ist die Person des Origenes in seiner Zeit als „Bindeglied zwischen den Pneumatikern alten Stiles und dem werdenden Mönchtum“ zu sehen, wobei seine Ansicht der Frömmigkeit z. T. im Diskurs mit der der Mönche steht[12]. Zusammenfassend lässt sich formulieren, dass sich die Auseinadersetzung um Origenes vornehmlich um zwei Themenfelder eingrenzen lassen; a) dem Verhältnis zwischen Vater und Sohn in der Trinität und b) der Rolle von Leib und Seele in der Eschatologie. Doch lässt dich ebenfalls sagen, dass der Diskurs über Origenes im 4. Jh. oftmals als Begrifflichkeit für verschieden theologische Problemfelder genutzt wurden und zielten demnach nicht unbedingt immer auf die ursprünglichen Aussagen des Origenes[13].

3. Die Entstehung der „Apologia pro Origene“

Doch gab es auch eine gegenläufige Strömung; Pamphilus von Caesarea und Eusebius verfassten um 307 n. Chr. die Apologia pro Origene in 5 Büchern, wobei nur noch die von Rufin bearbeitete Einleitung und das erste Buch erhalten sind[14]. Es wird ferner folgender Hintergrund für die Abfassung genannt: Die in den Bergwerken arbeitenden palästinischen Christen aus der Umgebung von Caesarea werden mit der Kritik ägyptischer Christen an Origenes konfrontiert, welche behaupten, dass Origenes die „Pluralität der göttlichen Personen und den Unterschied zwischen Gott und Mensch in Christus übertone“, sowie die Missbilligung innerhalb der Allegorese und Seelenwanderungstheorie[15]. In ihrer Reaktion wandten sie sich an Pamphilus, welchen sie als Schüler und Vertreter der Lehren des Origenes kannten. Pamphilus bzw. später Rufin betrachteten es als ihre Aufgabe die Lehre zu verteidigen, beachteten jedoch zum Teil nicht den partiellen Hintergrund und das Konzept in der Schrift des Origenes, so dass bestimmte Vorwürfe missverstanden worden sind. Rufin versuchte ferner bestimmte Stellen anzupassen und umzuschreiben, doch führen die bereits erwähnten Missverständnisse zu einer neuen Angriffsfläche für die Gegner[16]. Pamphilus erwidert in seiner Apologie die Kritik und den Häresievorwurf mit der Beschreibung der Gegner, welche „(...) sogar gewagt haben, gegen ihn zu schreiben und in Büchern, die sie herausgegeben haben[17], den Mann niederzumachen, der so lange Jahre Lehrer der Kirche war, der in der katholischen Kirche alt geworden ist, der gegen die Häresien, die zu jener Zeit die Kirche bedrohten, so ausdauernd und tapfer gekämpft hat.“[18].Ferner appelliert er an die vorangegangene Arbeit des Origenes, welcher versuchte im Sinne der Kirche zu leben, zu lehren und gegen Häresien u. a. ausgehend von der Gnostik vorzugehen. Paradoxerweise wird hier die gegenläufige Kritik gegen jene Person offenbart, welche in ihrem Sinne für den Glauben der katholischen Kirche steht und gegen Irrlehren ankämpfte. So wird lapidar ausgedrückt der „Jäger zum Gejagten“ - der Lehrer gegen die Irrlehren zum Häretiker gemacht.

[...]


[1] Pamphilus von Caesarea: Apologia pro Origene = Apologie für Origenes : [lateinisch-deutsch] / Pamphilus von Caesarea, Übers. und eingeleitet von Georg Röwekamp (Fontes Christiani 80), Turnhout 2005 (im folgenden zitiert als: Pamphilus, Apologie) S. 197.

[2] Pamphilus, Apologie, S. 198.

[3] Pamphilus, Apologie, S. 199.

[4] Origenes bezeichnet Gott als Intellekt und zugleich überirdische Instanz, ähnlich wie Klemens, und erinnert an eine vom mittleren Platonismus geprägten christlichen Tradition. Ziebritzki, Henning: Heiliger Geist und Weltseele - Das Problem der dritten Hypostase bei Origenes, Plotin und ihren Vorläufern, in: Beiträge zur historischen Theologie 84, hg. v. Johannes Wallmann, Tübingen 1994 (im folgenden zitiert als: Ziebritzki, Heiliger Geist) S. 138.

[5] Pamphilus, Apologie, S. 34-44.

[6] Ziebritzki, Heiliger Geist, S. 257.

[7] Ritter, Adolf Martin: Artikel: Trinität I, in: TRE 34, Berlin/ New York 2002, S. 95-99.

[8] Ziebritzki, Heiliger Geist, S. 257.

[9] „ Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, dem wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt. “ Matthäus 12,31-32, in: Die Bibel - Einheitsübersetzung, Stuttgart 1980, S. 1096 Sp. Rechts .

[10] Origenes : Das Evangelium nach Johannes, Übers. und eingeleitet von Rolf Gögler, Zürich/ Köln 1959. S. 148-151[Origenes II, 10].

[11] Pamphilus, Apologie, S. 34-44.

[12] Völker, Walther: Das Vollkommenheitsideal des Origenes - Eine Untersuchung zur Geschichte der Frömmigkeit und zu den Anfängen christlicher Mystik, in: Beiträge zur historischen Theologie 7, Tübingen 1931(im folgenden zitiert als: Völker, Origenes) S.180.

[13] Pamphilus, Apologie, .

[14] Williams, Rowan: Artikel: Origenes/ Origenismus, in TRE 25, Berlin/ New York 1995, S. 397-420.

[15] Williams, Rowan: Artikel: Origenes/ Origenismus, in TRE 25, Berlin/ New York 1995, S. 415.

[16] Pamphilus, Apologie, S.199- 200.

[17] Gemeint sind hier die Bücher der Schüler des Origenes, auf diesen Vorwurf wird später noch einmal eingegangen.

[18] „ (...) quidam etiam conscribere adversus eum aussi et libellis editis derogare ei viro quiper tot annos magister Ecclesiae fuit, quiin Ecclesiae catholica senuit, qui adverus eas haereses quae illo tempore Ecclesiam impugnabant ita constanter, itafortiter dimicavit ut omnia eorum diabolicae machinationis fundamenta subverterit(...)“ Pamphilus, Apologie, S. 240-241.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640583362
ISBN (Buch)
9783640582761
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148273
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Katholische Theologie
Note
1,7
Schlagworte
Orignes Häresievorwurf Häresie Apologia pro Origene Anathematisma Justinian 5. ökumenisches Konzil Verfolgung Kirchenvater Ketzer

Autor

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Titel: Die Grundlage des Häresievorwurfes gegen Origenes nach dem 6. Jh.