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Leseprobe

Die Magna Charta Libertatum

Die Magna Charta – jeder hat in seinem Leben irgendwann schon einmal davon gehört. Man weiß grob ihren Entstehungszeitpunkt einzuordnen, man kennt vielleicht sogar den Stellenwert dieses wichtigen Schrittes der Verfassungsgeschichte, doch Genaueres wissen die meisten nicht. Auf den folgenden Seiten werde ich Entstehungshintergrund, Inhalt und in Ansätzen auch die Bedeutung der Magna Charta Libertatum (auf deutsch etwa: der Große Brief der Freiheiten), wie sie vollständig heißt, für die folgenden Jahrhunderte aufzeigen.

Den großen Erfolg der Urkunde in Bezug auf die britische Verfassungsgeschichte habe ich bereits angesprochen. Interessanterweise war die Magna Charta jedoch ursprünglich von den Verfassern nicht als Verfassungserklärung gedacht, vielmehr sollten bestehende Missstände innerhalb des englischen Königreiches abgestellt werden. Die genannte Aufwertung wurde ihr erst durch eine extensive Interpretation des Schriftstückes in der Folgezeit zu Teil. So wurde dieses wichtige Dokument mehr oder weniger ungewollt zum ersten Schritt auf dem Weg zu einer rechtsstaatlichen und verfassungsmäßigen Ordnung Englands.[1]

Wie kam es aber nun zur Entstehung der Magna Charta? Ich habe weiter oben bereits „Missstände“ erwähnt, möchte an dieser Stelle aber nun präziser werden. Der Verabschiedung unmittelbar voran gingen Auseinandersetzungen zwischen König Johann, genannt Ohneland, und den englischen Baronen. Die Zwistigkeiten beruhten in erster Linie auf dem „Despotismus“ den englische Oberhäupter seit Heinrich II. ausübten. So wurde durch einfache Willenserklärungen und ohne Kontrolle bis tief in den Besitzstand und die Rechte der Vasallen eingegriffen – das gesamte Feudalsystem hing somit lediglich von der Lust und Laune des Königs ab.[2] Doch auch abgesehen davon war die Situation innerhalb Englands in den Jahren vor der Magna Charta alles andere als optimal, so wurde beispielsweise eine Verarmung der Staatskasse attestiert, welche die gesamte staatliche Ordnung – König, Barone, Klerus – bedrohte. Das alles mündete in einer Isolierung Johanns und 1212 sogar in seiner geplanten Ermordung.[3]

Als Katalysator im Ausbruch eines offenen Konfliktes erwies sich schließlich die verlorene Schlacht des englisch-französischen Krieges von Bouvines am 27.07.1214. Die allgemeine Unzufriedenheit des Volkes mit ihrem König wuchs mehr und mehr, so sahen auch die Barone die Chance gekommen, Sicherheitsgarantien für ihr Lehnsverhältnis einzufordern. Diese Forderungen liefen vollkommen in den Bahnen der feudalen Rechtsordnung ab, so war lediglich beabsichtigt eine Art Vertrag mit dem Monarchen auszuhandeln, der auf beidseitigen Verpflichtungen, nicht auf einer unilateralen Unterwerfung beruhte. Der König sollte zusammenfassend also dazu gebracht werden, selbst auch die Normenordnung der Gesetze und des Rechtes zu achten. In erster Linie wurde das Auflehnen von den Kronvasallen getragen, welche äußerst intelligent vorgingen und sich der Unterstützung anderer sozialer Gruppen versicherten, indem sie deren Probleme aufgriffen und diese wiederum ihrem Forderungskatalog an Johann anschlossen. Die nun entstandene Bewegung hatte somit ein nahezu nationales Ausmaß.[4]

Nachdem der Monarch die an ihn gerichteten Forderungen missachtete, kündigten die meisten der Barone ihm am 03.05.1215 die Lehnstreue auf und erklärten den bewaffneten Widerstand. Nach anfänglichen Erfolgen des Königs gegen die „Rebellen, schloss die Londoner Bürgerschaft den König aus und öffnete die Tore für eben diese, so dass Johan letztendlich nichts anderes übrig blieb, als mit seinen Kontrahenten in Verhandlungen zu treten, welche am Themseufer statt fanden. Es gilt als wahrscheinlich, dass die bisher neutralen Barone dabei eine Vermittlerrolle einnahmen. Am 19. Juni wurde schließlich die Magna Charta Libertatum erlassen. Sie war eine Art Herrschaftsvertrag und bestand aus 63 Artikeln, die sich allesamt auf Beschwerden gegen das königliche Regiment stützten.[5]

[...]


[1] Vgl.: Krieger, Karl-Friedrich; Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, 3. Auflage, München 2002, S. 149

[2] Vgl.: ebd., S. 148

[3] Vgl.: Kyriazis-Guvelis, Demetrios; Magna Carta. Palladium der Freiheiten oder Feudales Stabilimentum, erschienen in: Schriften zur Verfassungsgeschichte, Band 36, Berlin 1984, S. 17

[4] Vgl.: Krieger, S. 147 f.

[5] Vgl.: ebd., S. 148

Details

Seiten
7
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640590568
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148357
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
Schlagworte
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Titel: Die Magna Charta