Lade Inhalt...

"Lebensunwertes" Leben und "Ballastexistenzen" - Die grausame Medizin und ihre Opfer im Nationalsozialismus

Hausarbeit 2010 26 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begründung der Thematik

2 „Lebensunwertes“ Leben im 3.Reich
2.1 Der Wert eines Menschen- das nationalsozialistische Menschenbild
2.1.1 „Ballastexistenzen“ und ihre „schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen für den NS- Staat
2.1.2 Die Organisation der Tötung vom Schreibtisch aus
2.2 Volk und Rasse- Die Gesundheitspolitik im 3.Reich
2.2.1 „Pflicht zur Gesundheit“
2.2.2 Der „neue deutsche Arzt“- eine gefährliche exekutive Instanz
2.3. Die Umgestaltung des Strafrechts
2.3.1 Das Hand in Hand der Ärzte und Juristen
2.3.2 Der Weg zur Legalisierung der Euthanasie

3. Abschließende Worte zu meiner Arbeit

4. Literaturverzeichnis

1. Begründung der Thematik

Zwangssterilisation, „Ballastexistenzen“ und andere grausame Begriffe und Themen waren mir bis vor dem Besuch des Seminars „ Der Nationalsozialismus, das Erinnerung und das Vergessen:„Vergessene“ Orte , Opfer und Täter.“ fremd. Die Ausmaße der Gewalt, der systematischen Zerstörung von Leben, welche als „lebensunwert“ bezeichnet wurden, haben mich sehr ergriffen und führten dazu, dass dieses Thema die Grundlage meiner Hausarbeit wurde. Ich möchte aufzeigen, wie das NS- Regime es schaffte , schrittweise eine Masse von Menschen so in ihren Bann zu ziehen, unterstützt durch unmenschliche Propaganda. Begründet wurden die Taten durch einen Begriff , der den Wert eines Menschen vollkommen bestimmte- „Lebensunwertes“ Leben. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden ab 1934 bis zu 350.000 Menschen, darunter psychisch Kranke, körperlich Behinderte, Juden sowie Sinti und Roma- meist gegen ihren eigenen Willen- sterilisiert. Eine weitere Methode, diese „Ballastexistenzen“ aus dem Weg zu räumen,war es, sie in Tötungsanstalten zu vergasen oder medikamentös zu ermorden. Die Nationalsozialisten erhoben Anspruch über menschliche Körper beliebig verfügen zu können,was in grausamen Morden an „rassisch Unerwünschten“ und „erblich Belasteten“endete. Das Ziel der Nationalsozialisten war es, die aus der „Volksgemeinschaft“ ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen auszulöschen, um eine Rassenpolitik auszuführen, in der nur geistig gesunde, „normale“ Menschen gab. Doch wie wurde bestimmt , wer geistig gesund, normal, und wer unnormal sei? Wer war die ausführende Instanz, die darüber entschied, welche Menschen das Recht auf Leben hatten, und welche nicht? Dies ist eines meiner ersten Fragestellungen, mit der ich mich in meiner Arbeit auseinandersetzen werde. Das Thema „Volk und Rasse“ in der Gesundheitspolitik waren Grundsteine zur Ausführung und Rechtfertigung der grausamen Morde an Millionen Menschen. Inwiefern die „Pflicht zur Gesundheit“ und der „neue deutscheArzt“ seinen „Beitrag“ dazu leistete, wird der nächste Schritt meiner Ausführung sein, um zu zeigen, wie systematisch die „Rassenhygiene“ durchgeführt wurde. Doch wie war es möglich, dass der Arzt morden konnte, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten? Ärzte und Juristen arbeiteten Hand in Hand. Somit konnten die Ärzte in Übereinstimmung mit ihrer rassistischen Weltanschauung handeln, ohne dass Ihnen Strafe drohte. Wie das Gesetz es den Ärzten ermöglichte , straffrei ihren unmenschlichen Ideologien zu folgen, wird mein drittes Themengebiet sein, dass ich in meiner Arbeit aufgreifen werde. Ich möchte aufzeigen, wie es das Regime des 3.Reichs schaffte, gegen „Randgruppen“ zu hetzen und mittels unmenschlichen Gesetzen ihre „Rassenhygiene“ auf grausame Art auszuführen.

2. Lebensunwertes Leben im 3.Reich

Die nationalsozialistische Rassentheorie und - politik richtete sich an sog. „Randgruppen“: gegen Arbeitsunwillige, Obdachlose, Alkoholiker, Triebtäter und Strafrückfällige. Es handelt sich hierbei also um Menschen, die sich nicht in den Lebens - und Arbeitsablauf angeblich „normaler“ Menschen eingliedern lassen. Doch es waren auch Kinder mit zerebralen Missbildungen („Monstren“) und Idioten, „unheilbar“ Geisteskranke oder auch rassisch, politisch oder ökonomisch „unerwünschtes“ und damit „unwertes“ Leben. Innerhalb des Nationalsozialismus warjedes Menschenleben gefährdet, welches dem ökonomischen Kalkül oder den rassenpolitischen Zielen der Nationalsozialisten widersprach.

Sie besaßen ein Menschenbild, das heutzutage undenkbar wäre Ihre Vorstellungen von Normalität und damit verbundenen Kriterien von Abweichungen gegenüber „normalen“ Menschen wurde gerechtfertigt durch unökonomische Nebeneffekte für den Staat sowie „rassisch“ unerwünschtem Blut, was sich nicht mit dem Deutschen vereinen durfte, da es minderwertiger sei und die Deutsche Rasse in ihrer Reinheit gefährden konnte. Es waren die „Anderen“, die „Schlechten“ oder auch „Verwerflichen“, die später als die „Unwerten“ bezeichnet wurden. Im Bereich der Rassentheorie konzentrierte sich das Menschenbild vor allem auf die Setzung von Wert und Unwert für Volk und Rasse. Volk und Rasse sollten geschützt und verbessert werden durch „Züchtung“ und „Rassenhygiene“. Mittels politischer Gestaltung der menschlichen Sexualitäts- und Fortpflanzungs­bestimmung, wie etwa die rechtliche Bestimmung über die Ehe und die Fortpflanzungsmöglichkeiten und durch „Ausmerzung“ rassisch als minderwertig eingestufter sogenannter „Ballastexistenzen“. Die Begriffe orientierten sich an den kollektiven Kriterien des Volks- und Rassenwertes. Der Eigenwert des menschlichen Individuums war hierbei gleichgültig.

2.1 Der Wert eines Menschen- das nationalsozialistische Menschenbild

Der Nationalsozialismus beeinflusst nicht nur die Haltung gegenüber Juden, sondern auch geistig und körperlich Behinderter sowie hilfsbedürftiger Menschen. Alles, was von der „Norm“ abweichend empfunden wird, gilt als „unnormal“ . Doch wie wird der Begriff der Norm zu dieser Zeit verstanden? Als „normal“ wird die Mehrheit der Menschen bezeichnet, die körperlich und geistig gesund sind. Es handelt sich um die Bevölkerungsgruppe, die „vernünftig“ und „arbeitsam“ und somit nicht hilfsbedürftig ist. Der Maßstab der Normalität hängt zu dieser Zeit stark von dem „Menschenbild“ ab, welches die Nationalsozialisten als Ideal verfolgten. Unter dem nationalistischen Menschenbild verstand man „... den Unterschied machen zwischen erwünschter und nicht erwünschter Nachkommenschaft. ... Unser Hauptziel muss auf der anderen Seite sein, einen körperlichen, geistig und moralisch gesunden deutschen Menschen zu schaffen.“[1] Wie zu erkennen ist, wurde der Wert eines Menschen allein anhand seiner physischen Eigenschaften gemessen. Der ideale Mensch im Nationalsozialismus sollte arbeiten, seinem Land dienen , „heldenhaft“ und aktiv sein- nützlich für Volk und Rasse. Doch das sollte nur der erste Schritt von vielen sein, um Stück für Stück den Hass auf Juden, Zigeuner und anders Denkenden Bevölkerungsgruppen vorzubereiten. Ein Schrittweises Aufhetzen gegen Gruppen von Menschen, die dem Staat nur auf der Tasche liegen, die die deutsche Rasse mit ihrem „Mischblut“ verunreinigten“. Jedes Menschenleben hing ab von der wandelbaren Definition von Krankheit, Heilungsaussichten und „Lebenswert“. Was für Maßnahmen der NS-Staat gegen„minderwertige“ Leben unternahm, werde ich im Verlauf meiner Arbeit ausführen. Auf die „Unterstützung“ und Rechtfertigung der Taten durch die Umgestaltung der Gesetze , die einen Grundstein für die Ermordung Tausender Menschen bilden sollten, werde ich ebenfalls ausführlich eingehen.

Den Menschen nach seiner Normalität zu bewerten, um dann über Leben und Tod entscheiden zu können, war nicht erst zur Zeit des Nationalsozialismus ausgeprägt. Bereits im frühen 19. Jahrhundert versuchten Psychiater anhand von Messungen die Normalität eines Menschen als „durchschnittlich oder nahe dem Durchschnitt liegenden Ausprägungsgrad eines psychischen Merkmals“ zu definieren. Das nationalistische Menschenbild war eine Art „Verfeinerung“ des Sozialdarwinismus[2] des 19. Jahrhunderts .Manhatte wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Zoologie auf die Politik übertragen. Man verglich gewissermaßen den Mensch mit einem Tier. Die natürliche Selektion der Schwächeren in der Tierwelt übertrugen die Nationalsozialisten auf ihre Ideologie . Die Deutung der Geschichte als Kampf zwischen verschiedenen Rassen wird in dieser Zeit ein zentraler Bestandteil der NS- Ideologie.

Man verfolgte das Ziel einer Höherentwicklung zu einer wertvolleren Lebensform. Sie wollten den Anteil positiv bewerteter Erbanalgen vergrößern und der der negativ bewerteten verringern. Noch heute basiert der Kern des Rechtsextremismus in der sog. „Ideologie der Ungleichheit“, in der ethnische, körperliche und geistige Unterschiede zum Kriterium werden für die Zuweisung eines minderen Rechts- und Wertestatus verschiedener Bevölkerungsgruppen und Individuen.

[...]


[1] Gerhard Leuthold, Veröffentlichungen des medizinischen Schrifttum in den Jahren 1933 bis 1945 zum Thema „ Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14.Juli 1933“

[2] Sozialdarwinismus ist eine biologisch determinierte , in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts populäre Theorie, welche Aspekte der Evolutionstheorie nach Charles Darwin auf menschliche Gesellschaften anwendet und deren Entwicklung als Folge natürlicher Selektion beim „Kampf ums Dasein“ auffasst.

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640590810
ISBN (Buch)
9783640591008
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148472
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Universität
Note
1,3
Schlagworte
Lebensunwertes Leben Ballastexistenzen Medizin Opfer Nationalsozialismus

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "Lebensunwertes" Leben und "Ballastexistenzen" - Die grausame Medizin und ihre Opfer im Nationalsozialismus