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Russlands Beziehungen zum Iran

Führt der Streit um das iranische Atomprogramm zu einer Abkühlung der Beziehungen?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Historische Entwicklung der Beziehungen
2.1 Von 1945 bis 1989
2.2 Von 1990 bis 2004
2.3 Seit 2005

3. Russlands Interessen im Iran

4. Das iranische Atomprogramm
4.1 Irans Motive
4.2 Anfänge und Verlauf des Atomstreits
4.3 Russlands Interessen und dessen Rolle als Vermittler

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Internetquellen

1.Einleitung

Im Kaukasus kreuzen sich die Interessen Russlands und Irans schon seit mehreren Jahrhunderten.[1] Hauptinteresse beider Staaten waren schon immer die Grenzgebiete in der Region. Schon im 17. Jahrhundert war das Gebiet von territorialen Auseinandersetzungen geprägt und die Staatsgrenzen waren häufigen Veränderungen unterlegen. Um den Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht zu sprengen, werde ich mich auf einen ausgewählten Zeitraum beschränken, um die Beziehungen der beiden Länder darzustellen. Als Ausgangspunkt habe ich das Ende des Zweiten Weltkrieges und den Beginn des Ost-West-Konfliktes gewählt, da sich ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern am besten skizzieren lässt und sich auch ein starker Wandel vollzogen hat. Im Anschluss gilt es, die Interessen Russlands im Iran aufzuzeigen; sowohl die politischen, als auch die wirtschaftlichen. Da das russisch-iranische Atomprogramm eine der wichtigsten Zusammenarbeiten beider Länder darstellt, werde ich den Schwerpunkt meiner Arbeit auf dieses und dessen Entwicklung legen und den Verlauf des international geführten Streites skizzieren. Hierbei gehe ich insbesondere auf die Rolle Russlands als Vermittler und dessen Interessen ein. Vorab werden noch mögliche Motive Irans aufgezeigt, die Gründe für dessen Streben nach Kernenergie sein könnten. Ebenso werde ich auf die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern eingehen, die sich aufgrund Irans Atomprogramm abzeichnet. In Anbetracht der Entwicklungen aufgrund er internationalen Debatte um das iranische Atomprogramm, ist das Verhältnis Russlands zum Iran von Interesse und es soll abschließend geklärt werden, ob dieser Streit auch Auswirkungen auf die Beziehungen hat und ob es zu einer erneuten Abkühlung oder gar zu einem Abbruch dieser kommen könnte.

2. Historische Entwicklung der Beziehungen

2.1 Von 1945 bis 1989

Da Iran zur Zeit des Schahs Mohammad Reza Pahlavi als ein Verbündeter der USA, im Rahmen der Eindämmungspolitik gegen die Sowjetunion, galt, gestalteten sich die Beziehungen beider Länder zueinander als schwierig.[2] Zudem waren sie durch historische Ereignisse vorbelastet. So gab es etwa immer wieder Streitigkeiten um die Grenzgebiete zwischen beiden Ländern. Auch hat die Sowjetunion in der Vergangenheit, und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, Teile des Irans besetzt und somit eine positive Entwicklung der Beziehungen nicht gerade gefördert.[3] Als im Mai 1946 die Amerikaner sowjetische Truppen erfolgreich zum Rückzug aus dem Iran zwangen, förderte das ebenso die Annäherungen zu den USA. Die USA nutzten den Iran fortan als Stützpunkt für verdeckte Aktionen zur Unterminierung des Einflusses der Sowjetunion. Allerdings führten die zunehmenden Beteiligungen Irans an militärischen Aktionen gegen muslimische Bruderstaaten – im Bündnis mit den USA und Israel – zu wachsendem Widerstand im eigenen Land.[4] Die islamische Revolution wurde eingeleitet und führte zur Absetzung des Schahs 1979 und zum Ende der Monarchie im Iran. Unter dem Anführer der Revolution, Ayatollah Ruhollah Khomeini, entwickelte sich zunehmend eine anti-amerikanische Haltung, die im Anschlag auf die US-Botschaft in Teheran, und das sich anschließende Geiseldrama (Feb.1979 bis Jan.1981), ihren Höhepunkt fand und die Beziehungen der beiden Länder völlig zum Erliegen brachte. Die USA wurden als „Großer Satan“ dargestellt, die konspirative Pläne gegen die Nation geschmiedet haben sollen.[5]

In dieser Zeit waren die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und dem Iran nicht völlig abgebrochen, wenngleich sie auch in eher abgeschwächter Form bestanden. Jedoch verbesserten sie sich zunehmend mit Irans Misstrauen gegenüber den USA. In den 1960er und 1970er Jahren etwa nahm der Handel zu und der Iran entwickelte sich zum wichtigsten Absatzmark im Nahen Osten für russische (nicht-militärische) Güter. Auch hat die Sowjetunion mit der Vergabe von Krediten zum Bau von Stahlwerken in Isfahan versucht, sich dem Iran wieder anzunähern. Durch die islamische Revolution und die Einnahme der anti-amerikanischen Haltung des Iran, verbesserte sich der Standpunkt der Sowjetunion zunehmen. Auch wenn die neue Führung Irans nicht pro-sowjetisch ausgerichtet war, so war es doch eine Verbesserung der Beziehungen, die sich auch in den Handelsbilanzen niederschlug.[6] Durch den Ausbruch des Irak-Iran-Krieges 1980 (bis 1988), verschlechterten sich die Beziehungen wieder, da die Sowjetunion einer der wichtigsten Waffenlieferanten des Iraks war. Aber gleichzeitig hatten die Sowjets auch ein Interesse an einer Stabilisierung der Beziehungen zum Iran und lieferte auch an diesen Rüstungsgüter.[7] Es kam zu erneuten Annäherungen Mitte der 1980er Jahre und wirtschaftliche Handelsbeziehungen wurden weiter ausgebaut. Unter anderem unterzeichnete Iran ein Abkommen über weitere Lieferungen von Rüstungsgütern.[8] Die Beziehungen verbesserten sich sprunghaft, als die Sowjetunion einen Waffenstillstand aushandelte und dieser schlussendlich zum Ende des Ersten Golfkrieges führte. Ein weitere Faktor war der Tod Khomeinis 1989 und die damit beginnende Liberalisierung des Landes. Ebenso positiv wurde auch der Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan bewertet.[9]

2.2 Von 1990 bis 2004

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Machtübernahme durch Michail Sergejewitsch Gorbatschow, verbesserte sich das Verhältnis weiter. Da die islamische Republik zunehmend international isoliert wurde – vorangetrieben von den USA – , nutze Russland die Gunst der Stunde und baute die Beziehungen weiter aus. Es taten sich auch gemeinsame Interessen in der Kaukasusregion auf, die zu weiteren Annäherungen führte. So unterstützten beide Staaten das christliche Armenien im Konflikt um Berg Karabach, und somit gegen das muslimische Aserbaidschan. Gründe hierfür waren etwa, dass beide Staaten eine westlich geführte wirtschaftliche Entwicklung Aserbaidschans ablehnten und diese durch das Herauszögern des Konfliktes ausbremsen wollten. Iran im Besonderen fürchtete auch, dass sich Aserbaidschan zu einem Vorbild für die eigene aserbaidschanische Bevölkerungsgruppe entwickeln könnte. Dennoch hatten beide kein Interesse an einer zu starken Eskalation des Konfliktes, da sie mögliche Flüchtlingsströme befürchteten.[10] Ebenso arbeiteten beide Staaten an einer Lösung des tadschikischen Bürgerkrieges mit, da eine Kooperation bei Konflikten in der Kaukasusregion mögliche Eskalationen vorbeugen kann.

Der Konflikt im Nahen Osten hingegen stellt eine Herausforderung für die Beziehungen dar, da beide Staaten unterschiedliche Ansichten haben. Während Russland sich an Lösungsfindungen beteiligt, lehnt Iran die Modelle ab. Ebenso haben beide Länder einen anderen Standpunkt in Bezug auf Israel. Dennoch wird hervorgehoben, dass diese Meinungsverschiedenheiten die Beziehung der beiden Länder zueinander nicht negativ beeinflussen sollen und somit bleibt gegenseitige Kritik weitestgehend aus.

Die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hingegen stark zurückgegangen. War in den 1980er Jahren Russland noch einer der fünf wichtigsten Partner, sowohl im bereich des Exports, als auch des Imports. So rangierte Russland Mitte der 1990er Jahre nur noch auf Platz 18 der Importpartner und auf Platz 20 der Exportpartner Irans.[11] Gründe hierfür waren vor allem die hohen Schulden Irans bei Russland und der Fakt, dass Iran nicht ausreichend zahlungsfähig war. Russland bemühte sich im Zuge dessen um Lösungsfindungen, um die wirtschaftlichen Beziehungen auf eine solide Basis zu bringen und es kam zur Überarbeitung von Verträgen, mit dem Ziel, dass die wirtschaftlichen Beziehungen wieder aufblühten. Dies zeigte sich besonders in den Sektoren der nuklearen Technologie, der militärisch-technischen Beziehungen und in der Zusammenarbeit bei Erdöl- und Erdgasprojekten.[12]

2.3 Seit 2005

Die bis dahin weitestgehend positive Entwicklung der Beziehungen der beiden Staaten erhielt durch die Machtübernahme Mahmud Ahmadinedschads im Jahr 2005 einen Dämpfer. Grund hierfür waren Ahmadinedschads angebliche Äußerungen zur Auslöschung Israels und sein Leugnen des Holocausts.[13] Diese hatten eine heftige Protestwelle in der internationalen Staatengemeinschaft hervorgerufen und auch russische Experten sollen sich missbilligend darüber geäußert haben. Jedoch hat Präsident Wladimir Putin 2006 bei einem Treffen mit Ahmadinedschad, in Shanghai, deutlich das gute Verhältnis beider Staaten zueinander betont.[14] Dies täuscht aber auch nicht darüber hinweg, dass mit dem erneuten Aufkommen des Streits um das iranische Atomprogramm, die positive Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern Schaden genommen hat. Auf den Konflikt um das Atomprogramm wird zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingegangen werden.

[...]


[1] Vgl. Fürtig, Henner, Iran – Großmacht mit Ambitionen?, in: von Gumppenberg, Marie-Carin/ Steinbach Udo (Hrsg.), Der Kaukasus. Geschichte - Kultur - Politik, München 2008, S.80.

[2] Vgl. Barett, Simon, Hintergründe der russisch-iranischen Beziehungen, <http://www.realite-eu.org/site/c.9dJBLLNkGiF/b.2733533/k.31ED/RussischIranische_Beziehungen.htm>, am 11.03.2010.

[3] Vgl. Perthes, Volker, Iran. Eine politische Herausforderung (Schriftenreihe bpb Band 754), Bonn 2008, S.86.

[4] Vgl. Bayat-Philipp, Mangol, Die Beziehungen zwischen den USA und Iran, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 9/2004, S.33.

[5] Vgl. ebd., S35.

[6] Vgl. Shaffer, Brenda, Partners in need. The Strategic Relationship of Russia and Iran (The Washington Institute for Near East Policy, Policy Paper no. 57), Washington 2001, S.9f.

[7] Vgl. Perthes, Volker, Iran. Eine politische Herausforderung, S.86.

[8] Vgl. Golan, Galia, Russia and Iran: a strategic partnership? (The Royal Institute of International Affairs, Russia and Eurasia Programme, Discussion paper 75), London 1998, S.1.

[9] Vgl. Shaffer, Brenda, Partners in need, S.11.

[10] Vgl. ebd., S.47-54.

[11] Vgl. Shaffer, Brenda, Partners in need, S.57-59.

[12] Vgl. Belopolsky, Helen, Russia and the Challengers. Russian Alignment with China, Iran and Iraq in the Unipolar Era, London/ New York 2009, S.100.

[13] Hierbei soll es sich allerdings um einen (gewollten) Übersetzungsfehler handeln.

Vgl. Tilley, Virginia, Die Erfindung eines neuen Hitler, in: Elsässer, Jürgen (Hrsg.), Iran. Fakten gegen westliche Propaganda, Berlin 2009, S.19-23.

[14] Vgl. Barett, Simon, Hintergründe der russisch-iranischen Beziehungen, <http://www.realite-eu.org/site/c.9dJBLLNkGiF/b.2733533/k.31ED/RussischIranische_Beziehungen.htm>, am 11.03.2010.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640591855
ISBN (Buch)
9783640592005
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148507
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
Russland Iran Atomprogramm Atomstreit internationale Beziehungen Kaukasus Russische Außenpolitik internationale Politik

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