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Förderung der kindlichen Entwicklung unter Einsatz der Zirkuspädagogik

Diagnostik – Hilfeplanung – Umsetzung

Projektarbeit 2009 46 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Beschreibung des Projekts
2.1 Ziele und Rahmenbedingungen des Trägers
2.2 Ziele, Rahmenbedingungen und eigene Stellung in der Zirkus-AG

3. Zirkuspädagogik allgemein

4. Klientel
4.1 Allgemeine Klientendaten
4.2 Förderklassen und mögliche Störungsbilder der Schüler

5. Befundaufnahme beider Klienten
5.1 Ersteindruck
5.2 Motorischer Funktionsstatus
5.2.1 Grobmotorik
5.2.2 Fein-, Graphomotorik
5.3 Perzeption
5.3.1 Vestibulär-Proprizeptiv
5.3.2 Taktil
5.3.3 Visuell
5.3.4 Auditorisch
5.3.5 Lateralität und Körperbegriff
5.4 Kognitiver Bereich
5.4.1 Allg. Kognition/ Auffassungsgabe
5.4.2 Gedächtnis
5.4.3 Konzentration, Ausdauer/ Belastbarkeit
5.4.4 Handlungsplanung
5.4.5 Umgang mit Zahlen, Formen, Zahlen
5.4.6 Orientierung
5.5 Sprache
5.6 Selbständigkeit
5.7 Emotional-affektiver Bereich
5.7.1 Allgemeine psychische Verfassung
5.7.2 Selbstbewusstsein
5.7.3 Motivation
5.8 Sozialverhalten/Kommunikation
5.8.1 Nachtrag vom 06.07.09

6. sozialpädagogische Diagnose beider Klienten
6.1 Bewertung der Befunddaten
6.1.1 Motorik
6.1.2 Perzeption
6.1.3 Kognition
6.1.4 Sozialverhalten/ Kommunikation/ Emotion/Selbständigkeit
6.2 Tabellarischer Ist Zustand

7. allg. Hilfeplanung für beide Klienten (A/B)
7.1 Bisheriger Kursverlauf
7.2 Grobziele
7.3 Feinziele mit Maßnahmen und Begründung
7.4 Zieltabelle

8. Fördermaßnahme für beide Klienten (A/B)
8.1 Ziele
8.2 Methoden und Mittel
8.3 Tatsächlicher Verlauf

9. Evaluation für beide Klienten
9.1 Evaluation der vorgestellten Maßnahme
9.2 Evaluation des gesamten Kursverlaufs
9.3 Weiterführende Maßnahmen und Empfehlungen

10. Literaturnachweise

1. Vorwort

Meine Praktikumsemester im Berufsfeld der Resozialisierung liegen schon länger zurück, da ich erst 2008 wieder in das Studium eingestiegen bin. Meine beruflichen Schwerpunkte lagen in den letzten Jahren jedoch im Bereich der pädagogischen und therapeutischen Betreuung von Kindern. Deshalb schließe ich diese Projektarbeit nicht - wie im Modul 3.3. vorgesehen - direkt an das Praktikum an, sondern nutze meine Zugang zum Klientel durch meine derzeitige Tätigkeit für das Projekt „GoHo bewegt sich“.

Im Laufe dieser Projektarbeit werden unabhängige Hilfepläne für zwei Kinder, Ilona und Ahmed (fiktive Namen), erstellt. Rahmenbedingung und Methodik stammen aus der Zirkuspädagogik. Der ist-Zustand beider Kursteilnehmer wird ganzheitlich befundet und somit ihre jeweiligen Stärken und Schwächen aufgezeigt. Gleichzeitig werde Ziele gesetzt. Als Maßnahme dient für beide gleichermaßen ein Auftritt als Angebot. Die zugeteilte Rolle und die damit verbundene Zielsetzung wird sich selbstverständlich individuell unterscheiden.

Erkenntnisse aus meiner beruflichen Ausbildung zum staatlich examinierten Ergotherapeuten können mit einfließen. Beobachtungen können sich beispielsweise auf die „Sensorische Integration“ nach Jean Ayres stützen.

- Die Workload in diesem Modul wurde von mir folgendermaßen aufgeteilt:
- Projektdauer: 30.03.09 – 10.07.09
- Praktische Tätigkeit: 49 Stunden (bis incl. Auftritt am 10.07.09)
- Praxisbezogene Vorbereitungszeiten und Teamsitzungen: 33,5 Stunden (incl. Nachbesprechungen von gelaufenen Kurseinheiten)
- Literaturstudium, Schreibarbeit, Auswertung von Protokollen und Beobachtungsmitschriften, theoretische Vorbereitungszeiten: ca. 220 Stunden

Mein Dank gilt der Projektbetreuerin Fr. S., der es gelang mich bei der Setzung der Themenschwerpunkte zu strukturieren und meinen Kolleginnen C. L. und I. S., ohne die diese Arbeit nie möglich gewesen wäre.

2. Beschreibung des Projekts

2.1 Ziele und Rahmenbedingungen des Trägers

Der Kurs „Zirkus AG“ ist Teil des umfassenderen Projekts "GoHo bewegt sich". „Ziele sind Förderung gesunder Lebensgewohnheiten von Kindern im Nürnberger Stadtviertel Gostenhof Ost und die Prävention von Übergewicht bei Kindern.
Neben sportlicher Betätigung und gesünderer Ernährung werden in dem ganzheitlichen Ansatz auch das Umfeld und die Lebensbedingungen der Menschen mit einbezogen.
Wichtige Kooperationspartner sind die Schule, die Kindertagesstätten, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen. Sie stellen das Thema in den Mittelpunkt, indem sie Aktivitäten zu gesünderem Essen und mehr Sport in ihren Alltag einplanen.
Ein Projektteam, bestehend aus drei Personen berät, koordiniert und bringt lokale Initiativen, Organisationen und Eltern an einen Tisch, die das Projekt unterstützen.

Das junge Projekt GOHO BEWEGT SICH wird mit Mitteln des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert. Für Logistik und Fixkosten muss der Verein Schöpfrad e. V. selbst aufkommen. Zum größten Teil werden diese von den Mitgliedern und Projektmitarbeitern getragen.“[1]

Ein wechselnder Stab von freien Mitarbeitern bietet diverse Bewegungsangebote, wie beispielsweise klassischen Tanz, Hipp-Hop-Tanz oder Rückenschule an. Um den Zugang durch ein niederschwelliges Angebot zu erweitern wurde ein offener Treff mit Bewegungsspielen fest eingerichtet. Über das Projekt wird bei den Kooperationspartnern Ernährungs- und Bewegungslehre vorgetragen. Die kooperierenden Schulen werden kostenfrei mit gesunden Pausenmahlzeiten für die Kinder versorgt.

Eine Erweiterung der Zielsetzung ist geplant und soll bald auch gezielt umgesetzt werden. Zukünftig soll auch die „Ich Stärkung“ in den Angeboten gefördert werden. Die Zukunft von „GoHo bewegt sich“ ist jedoch ungewiss, da die staatliche Förderung für 2010 noch nicht gesichert ist.

2.2 Ziele, Rahmenbedingungen und eigene Stellung in der Zirkus-AG

Die Zirkus-AG wird von drei studentischen Mitarbeitern aus dem Studiengang Soziale Arbeit auf Honorarbasis geführt und betreut. Nach dem Ausscheiden eines Kollegen stieg ich im März 09 ein. Das Arbeitskonzept stand bereits und orientiert sich am schulischen Leistungskonzept. Seit Projektbeginn arbeitet die Zirkus-AG mit Schülern aus den vierten Klassen der Knauer-Schule in Gostenhof und nutzt dort die Räumlichkeiten einer Turnhalle. Das Schulzentrum umfasst eine Grund- und Teilhauptschule, eine Musikschule und das Förderzentrum. Es zeichnet sich durch den höchsten Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in ganz Nürnberg aus.

Der derzeitige Kurs setzt sich aus 11 verbindlich gemeldeten SchülerInnen (ein Junge brach zu Beginn aufgrund mangelnden Interesses ab) der Förderklassen zusammen. Die Schüler durchliefen in den ersten beiden Kurseinheiten sämtliche Angebote zirkulär um alle Möglichkeiten der Zirkus-AG kennen zu lernen. Angebote sind: Einrad fahren, Jonglieren, Akrobatik, Pois, Laufrolle/ Rola-Bola, Teller drehen, Diabolo, Hula-Hoop. Jeder Mitarbeiter übernahm einige diese Bereiche für seine „Station“. Ich kümmerte mich hauptsächlich um Jonglage und Akrobatik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto: Bälle, Keulen, Diabolos, Devilsticks, Teller[2]

In den weiteren Einheiten wählten die Kinder drei der Angebote zur Vertiefung aus. Diese Struktur wurde aufgrund Zeitmangels jedoch bald durch konkrete Vorbereitung auf den Auftritt aufgelöst.

Grundsätzlich laufen die kostenfreien Einheiten wie folgt ab:

Die Schüler werden einmal wöchentlich in der Schule ab 13 Uhr von einem der Mitarbeiter in ihrer Essenspause betreut (in den Ferien findet keine Zirkus-AG statt). Dabei wird auf gesunde Ernährung und ein entspanntes Mittagsklima geachtet. Ab ca. 13:30 Uhr beginnen Aufbau, Freispiel und Aufwärmübungen in der Turnhalle. Vor Beginn der Übungen wird mit den Kindern in einem Sitzkreis die Tagesplanung durchgesprochen und Ankündigungen erledigt. Die Einheit endet um 15:30 Uhr nach dem gemeinsamen Aufräumen. Eine Pause ist fest eingeplant. Weitere Pausen können nach Bedarf eingelegt werden. Da die Kinder meist aus dem Stadtviertel kommen, verlassen sie die Räumlichkeiten selbständig und ohne elterliche Begleitung. Nach der Einheit reflektieren die Mitarbeiter den Nachmittag und planen für die nächste Stunde.

Im derzeitigen Konzept wird Zirkus als Medium eher als alternative Sportart ausgelegt. Die Einheiten sind mit Sportunterricht in Kleingruppen vergleichbar. Im Fordergrund steht das Erlernen der Techniken. Ich hingegen möchte den Kindern „Träume schenken“. Ich würde den Kindern gerne spielerischer die Faszination der Zirkusmanege nahe bringen. Clownerie ist für mich wesentlicher Bestandteil des Zirkus. Die Elemente Theater und freies Sprechen waren bislang eher nebensächlich. Für den Auftritt (siehe Punkt 8) werden sie jedoch bereits umgesetzt.

3. Zirkuspädagogik allgemein

„Zirkus ist eine besondere Art des Spiels mit den Möglichkeiten, den Herausforderungen an das aktive Subjekt, den Grenzen der Kunst und des Machbaren für den Einzelnen.“[3]

Der Arbeit in der Zirkuspädagogik liegt ein erlebnispädagogischer Ansatz zugrunde, wobei speziell mit zirkusspezifischen Inhalten gearbeitet wird.

„Als Projekt zielt man unter anderem auf:

1. präventive Intervention für junge Menschen, denen ein sinnvoller Umgang mit ihrer Freizeit verloren gegangen ist und die Gefahr laufen, in ein sie gefährdendes Milieu abzurutschen (insbesondere gilt dies für Gewalt- und Drogenprävention).
2. körperliches Betätigungsfeld für junge Menschen,
3. Projekt, in dem Jugendlichen der kulturelle Aspekt der Zirkusarbeit näher gebracht werden soll. Dies wird unter anderem durch den Besuch verschiedener Zirkusse geschehen, wobei die Vorführungen ausgewertet werden und ein Kontakt zur Zirkusgruppe hergestellt werden soll.
4. Soziales und motorisches Training im zirkuspädagogischen Setting für alle Teilnehmenden“[4]

Melanie Behrens von der Universität Köln bezieht sich neben dem Feld der Erlebnispädagogik auch auf die Fachgebiete Sport-, Moto, Spiel- und Sozialpädagogik. Weitere Berührungspunkte sieht sie zu Theater, Tanz und Rhytmus. Sie schreibt dazu zusammenfassend:

„...Zirkus dient als Medium der Entwicklungsförderung mit den Arbeitsbestandteilen Gruppe, Kind und Material.

Aus diesen drei Bestandteilen lassen sich in eben jener Reihenfolge folgende, die Handlungskompetenz steigernde, Erfahrungen ableiten:

- Gruppe à (inter)aktive Sozialerfahrungen: die soziale Umwelt wahrnehmen und verstehen
- Kind als Individuum à aktive Körpererfahrungen: sich selbst und seinen Körper wahrnehmen, erleben und verstehen
- Aktive Materialerfahrungen: die materielle Umwelt erleben und verstehen
Richtlinien Zirkuspädagogischer Arbeit sind:
- Erlebnis- und Persönlichkeitsorientierung (anstatt Leitungsorientierung)
- Freie Handlungsmöglichkeiten in offenen Bewegungssituationen. Pädagogen können Impulse anhand der Ressourcen setzen. (anstatt reines Nachvollziehen erlernter Bewegungsabläufe. Das erlernen der Techniken steht im Hintergrund)
- Prozessorientierung (anstatt Produktorientierung)“[5]

Andere Vertreter der Zirkuspädagogik widersprechen letzterem Punkt: „...Zirkus versteht sich stets als „produktorientiert“ und sucht letztlich immer den Weg in die Manege...“[6]

4. Klientel

4.1 Allgemeine Klientendaten

A) Ilona, weiblich, 11 Jahre, Nationalität: Türkisch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ilona (verfremdet) mit Pois

B) Ahmed, männlich, 11 Jahre, Nationalität: Türkisch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ahmed (verfremdet) mit Jonglierringen

Beide Kinder besuchen eine vierte Klasse des Förderzentrum in N. Keines der Kinder trägt eine Brille. Störungsbilder und Erkrankungen sind unbekannt, da keine ärztlichen Diagnosen vorliegen. Ich hatte im Rahmen der Tätigkeit keine Möglichkeit die Eltern kennen zu lernen.

4.2 Förderklassen und mögliche Störungsbilder der Schüler

In Diagnose- und Förderklassen werden Kinder nach dem Lehrplan der Grundschule unterrichtet. Der Stoff der 1. und 2. Klasse des Grundschullehrplans wird in der Regel in 3 Schuljahren vermittelt, von denen eines als freiwilliges Schulbesuchsjahr nicht auf die Schulpflicht angerechnet wird. Danach wird entschieden ob die Kinder in die Regelschule überwiesen oder im Förderzentrum weiter unterrichtet werden. Mit sonderpädagogischen Maßnahmen, orientiert an den Bedürfnissen der Kinder und bei erheblich kleineren Klassenstärken (ca. 12 Personen) werden den Kindern Bedingungen geboten, unter denen sie die grundlegenden schulische Lernprozesse vollziehen können. Hauptsächlich stammen die Schüler aus benachteiligten und bildungsferneren Schichten, sowohl aus deutschen als auch aus Migrantenfamilien. Diese besonderen Klassen wurden für Kinder eingerichtet, die in einer Grundschule überfordert wären. Dies kann aus mehreren Gründen der Fall sein:[7]

- der sozio-emotionale Entwicklungsstand ist noch nicht altersgemäß
- die kognitiven Fähigkeiten entsprechen noch nicht den Regelanforderungen
- es bestehen Defizite in einem oder mehreren Wahrnehmungsbereichen
- es bestehen Defizite im sprachlichen Bereich (nicht nur zu geringe Deutschkenntnisse)

Es besteht also insgesamt ein Förderbedarf, der an einer Regelschule, auch unter Einbeziehung eines Mobilen Dienstes, nicht abgedeckt werden kann.

5. Befundaufnahme beider Klienten

Für eine ganzheitliche Befundung wäre ein interdisziplinäres Team von Nöten gewesen. Ich habe mich dennoch bemüht meine Beobachtungen so ganzheitlich wie möglich zu erfassen. Bereiche die im kindlichen Schulalltag weniger zum tragen kommen (und auch in Hinblick auf den Umfang der gesamten Arbeit), wie z.B. der olfaktorische- und der eng verbundene gustatorische Basissinn, wurde nicht abgetestet, ebenso die Mundmotorik. In diesen Bereichen sind bei beiden Klienten auch kein Auffälligkeiten zu erwarten. Die Befunderhebung wurde für diese Arbeit am 29.06.09 abgeschlossen.

5.1 Ersteindruck

Ich lernte beide Kinder bei einem Rundgang durch die Förderklassen kennen. Beide blieben mir aus unterschiedlichen Gründen sofort im Gedächtnis.

A) Ilona trägt langes blondes Haar. Sie ist beinahe 170 cm groß und adipös. Ihre Mitschüler beiderlei Geschlechts sehen neben ihr meist winzig aus. Sie macht einen sauberen und gepflegten Eindruck. Ihr Allgemein- und Ernährungszustand ist gut. Als ich mich ihr vorstellte, reagierte sie mit einem abschätzenden Blick, reagierte jedoch anschließend erfreut und offen über die Zuwendung. Ilonas Stimme ist laut und kräftig und sie setzt sie ein um andere Kinder zu übertönen. Sie interessierte sich gleich zu Anfang sehr für die Zirkus-AG. Sie hat kein Problem damit die Mitarbeiter zu duzen. Ilona behauptete Vorerfahrungen im Tellerdrehen und Jonglieren zu haben.

B) Ahmed ist von durchschnittlicher Größe mit schlaksiger Statur. Das schwarze Haar mit auffällig tief in die Stirn gewachsenem Ansatz ist kurz geschnitten und endet kurz über den dichten Augenbrauen. Auf seiner Oberlippe wächst der dunkle Flaum eines ersten Bartes. Seine Haltung wirkt etwas „schlapp“ und der Rücken ist beim Sitzen gekrümmt. Seine Stimme ist hoch und hinterlässt einen kindlichen Eindruck. Ahmed blieb mir gleich zu Beginn stark in Erinnerung, da er in der Klassengemeinschaft herumalberte und sich die Freiheit herausnahm, seinen Lehrer mit „Du alter Mann“ zu titulieren. Er macht einen sauberen Eindruck. Seine Kleidung ist häufig von neutraler Farbe (grau und schwarz) und wirkt manchmal etwas schlabberig und an den Ärmeln zu kurz. Sein Allgemein- und Ernährungszustand ist gut. Ansonsten macht er auf Erwachsene einen neugierigen, zugänglichen und höflichen Ersteindruck. Er sucht Kontakt auf verbaler Ebene und kann sich trotz mehrmaliger Hinweise nicht darauf einstellen zu den Betreuern „Du“ zu sagen.

5.2 Motorischer Funktionsstatus

Leider existieren für Kinder dieser Alterstruktur keine einheitlichen Motoriktests als Messinstrumente (vgl. sog. MOT 4-6[8] ). Diese wären durchaus sinnvoll, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass motorische Entwicklungsdefizite immer frühzeitig genug erkannt werden damit sie so effektiv wie möglich behoben werden können. Meine Beobachtungen sind zufällig oder durch bewusst herbeigeführte Testsituationen gewonnen. Die Zirkuspädagogik bietet durch die Vielfalt von Disziplinen mit unterschiedlichen (Bewegungs-) Qualitäten gute Beobachtungsmöglichkeiten.

5.2.1 Grobmotorik

A) Ilonas Bewegungen sind flüssig, sicher und von durchschnittlicher Geschwindigkeit. Sie setzt gerne und häufig ihre im Altersvergleich überdurchschnittliche Muskelkraft ein. Sie hatte beispielsweise kein Problem damit mich als erwachsenen Mann (mit Normal-BMI im unteren Bereich) hoch zu heben. Das Tragen von Sportmatten oder die Position in der untersten Ebene einer Menschenpyramide bereitet ihr keine Probleme. Die Tonusregulation ist unauffällig. Sie vermeidet jedoch dauerhaft anstrengende Bewegungen (z.B. laufen) und liegt gerne auf Matten herum. Ilona kann Jonglierbälle von der Größe einer Kinderfaust von einer fremden Person fangen und mit zwei Bällen jonglieren. Sie stellt sich geschickt beim Klettern auf eine Sprossenwand und ebenso bei Bodenturnen (Rolle vorwärts und rückwärts) an. Es gelingt Ilona mit ein wenig Anstrengung über einen zwischen ihre Beine rollenden Hula-Hoop-Reifen zu hüpfen.

B) Ahmeds gesamte Körperhaltung ist tendenziell eher hypoton. Er hat Schwierigkeiten sich über längere Zeiträume vollständig in Rücken und Nacken aufzurichten und die Spannung zu halten. Bei spielerischen Rangeleien mit anderen Kindern neigt er zu übermäßiger Kraft und tut diesen unabsichtlich weh. Würfe mit Jonglierringen über eine Distanz von mehreren Metern schießen häufig weit über ihr Ziel hinaus. Ahmed hat Schwierigkeiten bei der Vorwärtsrolle und rollt sich schief ab.

[...]


[1] Quelle: Infobroschüre und Internetpräsenz , „GoHo bewegt sich“, http://www.goho-bewegt-sich.de

[2] Foto „Jongliermaterial“, http://www.spielbus.com

[3] Zitat: Zirkuslust, W. Zacharias, S. Schnapp, LKD Verlag (2000)

[4] Zitat: Grabowieki, in Ziegenspeck `96 “ZIRKUSPÄDAGOGIK”, S. 35

[5] Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Zirkuspädagogik, http://www.bag-zirkus.de, zusammgef. Durch

[6] Zitat: Zirkuspädagogik - berufbegleitende Fortbildung, ZAK Köln, http://www.zak-koeln.com

[7] Quelle: Infobroschüre Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Dezember 2008

[8] Quelle: Renate Zimmer/Meinhart Volkamer: Manual zum standardisierten motorischen Test für vier- bis sechsjährige Kinder. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Belz, Weinheim 1987

Details

Seiten
46
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640595235
ISBN (Buch)
9783640595020
Dateigröße
858 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148733
Institution / Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
1
Schlagworte
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