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Anwendung von Kennzahlen zur Krisenfrüherkennung in Unternehmen

Seminararbeit 2003 21 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unternehmenskrise
2.1. Begriff
2.2. Arten
2.3. Ablauf

3. Kennzahlen
3.1. Begriff
3.2. Arten
3.3. Funktionen

4. Früherkennung im Unternehmensbereich
4.1. Definition und Abgrenzung
4.2. Zielsetzung

5. Einsatz von Kennzahlen zur Krisenfrüherkennung
5.1. Voraussetzungen
5.2. Ansatzpunkte Ertrags- und Finanzlage
5.3. Strukturelle Analyse
5.4. Detailanalyse
5.5. Bereichskennzahlen
5.6. Kennzahlensysteme
5.7. Weitergehende Ansätze
5.7.1. Balanced Scorecard
5.7.2. Diskriminanzanalyse

6. Fazit

II. Anhang

III. Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Laut Creditreform mussten allein im Jahr 2002 in Deutschland 37.700 Unternehmen Insolvenz anmelden - ein Zuwachs von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr[1] (s. Abb. 1). Dies belegt, dass dem Management von Unternehmenskrisen eine größere Bedeutung denn je zukommt. Mithilfe von modernen Früherkennungssystemen lassen sich existenzgefährdende Entwicklungen rechtzeitig identifizieren und Gegensteuerungsmaßnahmen einleiten. Kennzahlen stellen in diesem Zusammenhang eine wichtige Informationsquelle dar, auf deren Grundlage zukunftsorientierte Entscheidungen getroffen werden können.[2] Im Folgenden soll daher die Anwendbarkeit von Kennzahlen zur Früherkennung von Unternehmenskrisen analysiert werden.

Die Arbeit ist in sechs Teile untergliedert. Nach der Einleitung erfolgt in Kapitel 2 die Beschreibung des Begriffs der Unternehmenskrise, in Kapitel 3 die Erläuterung des Kennzahlenbegriffs und in Kapitel 4 eine Darstellung der Thematik der Früherkennung. Kapitel 5 behandelt die Anwendbarkeit von Kennzahlen im Rahmen der Früherkennung von Unternehmenskrisen. Kapitel 6 schließlich stellt ein Fazit des behandelten Themas dar.

2. Unternehmenskrise

2.1. Begriff

Der Begriff der Krise stammt aus dem Griechischen und bedeutet Entscheidung oder Wendepunkt. In der Betriebswirtschaftslehre wird die Definition des Krisenbegriffs überwiegend auf die Existenzgefährdung des Unternehmens angewendet.[3] Hier kann zwischen endogenen, vom Unternehmen beeinflussbaren, und exogenen, nicht vom Unternehmen beeinflussbaren, Krisenursachen unterschieden werden. Führungsfehler und eine unzureichende Eigenkapitalausstattung zählen bei Ersteren zu den häufigsten Ursachen, konjunkturelle Fehlentwicklungen und strukturelle Veränderungen können bei den exogenen Einflussfaktoren als typische Ursachen angeführt werden. Dabei wirken exogene und endogene Krisenursachen oftmals zusammen und stellen damit Gründe für individuelle Unternehmenskrisen dar.[4]

2.2. Arten

Nach Schwarzecker und Spandl[5] sind im Wesentlichen drei typische Unternehmenskrisen zu unterscheiden:

1. Krisen, die auf das Zusammentreffen einer Vielzahl von Problemen zurückzuführen sind,
2. Wachstumskrisen und
3. Schrumpfungskrisen.

Erstere umfassen den größten Teil der Unternehmenskrisen und sind unter anderem anhand von Rentabilitätsproblemen oder einer hohen Fixkostenbelastung im Zusammenspiel mit Absatzstagnation bzw. –rückgang zu erkennen. Wachstumskrisen entstehen aufgrund von rascher Expansion, die liquide Mittel im Anlage- oder Umlaufvermögen bindet und dann dem Unternehmen zur Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen entzieht. Symptome können ein negativer operativer Cash-flow oder Eigenkapitalmangel sein. Schrumpfungskrisen zeichnen sich durch veränderte Marktbedingungen aus, die einen Rückgang der Nachfrage und damit der Absatzzahlen zur Konsequenz haben. Typische Anzeichen sind hier beispielsweise eine hohe Wettbewerbsintensität bei sinkenden Preisen oder eine Verschlechterung der Ertragslage (Verluste).[6]

2.3. Ablauf

Die Unternehmenskrise verläuft üblicherweise in drei Phasen[7] (s. Abb. 2):

I. Strategiekrise (Gefährdung der Erfolgspotenziale)
II. Ertrags- oder Erfolgskrise (Nichterreichen der Deckungsbeitrags- und Gewinnziele)
III. Liquiditätskrise (Gefährdung der Zahlungsfähigkeit)

Als letztes Stadium dieser Kette kann die Insolvenz, d.h. die Zahlungsunfähigkeit angesehen werden.

Im Gegensatz zu den oftmals nur schwer erkennbaren Anzeichen für eine Strategiekrise lässt sich die Ertrags- oder Erfolgskrise anhand der dargestellten Merkmale relativ leicht mithilfe der Informationen aus dem Jahresabschluss des Unternehmens erkennen und analysieren. Die Liquiditätskrise kann aufgrund ihrer Kennzeichen auch außerhalb der Unternehmung identifiziert werden (Bonitätsverlust). Somit stellt sich die Erkennbarkeit der Krise hier gegenläufig zu deren Entstehung dar[8].

3. Kennzahlen

3.1. Begriff

Als Kennzahlen sind Zahlen zu definieren, die quantitativ erfassbare Sachverhalte in konzentrierter Form darstellen.[9] Sie sind durch drei Merkmale zu charakterisieren: Kennzahlen sollen Schlussfolgerungen aus wichtigen Sachverhalten und Zusammenhängen erlauben (Informationscharakter), sie sollen metrisch messbar sein und somit relativ genaue Aussagen zulassen (Quantifizierbarkeit) sowie aufgrund ihrer Form komplexe Zusammenhänge in relativ einfacher Art darstellen (spezifische Form der Information).[10]

3.2. Arten

Kennzahlen können als absolute Zahlen oder als Verhältniszahlen dargestellt werden. Absolute Zahlen können in diesem Zusammenhang Bestandsgrößen (bspw. Anlagenbestand, Kassenbestand), Summen (bspw. Bilanzsumme) oder Differenzen (bspw. Gewinn) sein. Verhältniszahlen bilden als relative Größen häufig die Basis für Vergleiche. Sie finden dabei in Form von Beziehungs-, Gliederungs- oder Indexzahlen Anwendung.

Hinsichtlich der Anwendungsbereiche lässt sich zudem eine Unterscheidung bezüglich des Adressaten (unternehmensintern und –extern), des Anwendungsinstrumentes (Unternehmensanalyse bzw. Steuerungszwecke und Jahresabschlussanalyse) und des Entscheidungsbezuges (Planung, Kontrolle und Steuerung von Unternehmenseinheiten) vornehmen.[11]

3.3. Funktionen

Wichtigste Funktionen von Kennzahlen sind Informations- und Steuerungszwecke. Der Informationscharakter ergibt sich dabei aus der Angabe von Daten, die für das Handeln notwendig sind. So können beispielsweise Kennzahlen im Zeit- oder Betriebsvergleich Informationen hinsichtlich der Entwicklung eines Unternehmens darstellen.

Als Steuerungsinstrumente können sie als Zielvorgabe genutzt werden und damit Entscheidungen innerhalb des Unternehmens an der Erreichung dieses Ziels ausgerichtet werden. Bildet man aus diesen Zielvorgaben ein System in Form eines Kennzahlensystems, so lässt sich eine Koordination von Einzelentscheidungen in Hinblick auf die Erreichung des Gesamtzieles vornehmen.[12]

4. Früherkennung im Unternehmensbereich

4.1. Definition und Abgrenzung

In der Literatur lassen sich drei unterschiedliche Begriffsausprägungen finden: Frühwarnung, Früherkennung und Frühaufklärung. Dabei reduziert sich bei der Definition des Begriffes der Frühwarnung das Analysespektrum auf potentielle Gefährdungen.[13] Früherkennung geht neben einer reinen Warnfunktion von einer frühen Erkennung von Gelegenheiten aus und folgt damit dem Ziel der Auseinandersetzung mit positiven und negativen Zukunftszuständen. Zentrales Ziel hier ist die systematische methodengestützte Beschäftigung mit diesen zukünftigen Entwicklungen.[14] Frühaufklärung schließlich umfasst ebenfalls positive und negative Aspekte zukünftiger Entwicklungen.[15] Darüber hinaus erfolgt hier jedoch zusätzlich die Initiierung von Gegenmaßnahmen.[16]

4.2. Zielsetzung

Zielsetzung von Früherkennung ist die rechtzeitige Aufdeckung potentieller oder bereits eingetretener endogener oder exogener Gefährdungen[17] für ein Unternehmen. Dabei soll die Information so frühzeitig erfolgen, dass drohende Gefahren abgewendet werden können oder bereits eingetretene Auswirkungen in ihrem Ausmaß vermindert werden können.[18]

[...]


[1] Vgl. Creditreform: Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen 2002; in: www.creditreform.de/angebot/analysen/0029/01.php (2003-03-06).

[2] Vgl. Geiss, W.: Betriebswirtschaftliche Kennzahlen; Frankfurt am Main, Bern, New York 1986; S. 13ff.

[3] Vgl. Raubach, U.: Früherkennung von Unternehmenskrisen; Frankfurt am Main, Bern, New York 1983; S. 33ff.

[4] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon; CD-ROM Ausgabe; Wiesbaden 2000; Stichwort: Unternehmenskrise.

[5] Vgl. Schwarzecker, J.; Spandl, F.: Krisenmanagement mit Kennzahlen; 2. Auflage; Wien 1996; S. 10f.

[6] Vgl. Dobler, Th.: Kennzahlen für die erfolgreiche Unternehmenssteuerung; Stuttgart 1998; S. 9.

[7] Vgl. Schwarzecker/Spandl; S. 8ff.

[8] Vgl. ebenda; S. 12ff.

[9] Vgl. Reichmann, Th.; Lachnit, L.: Planung, Steuerung und Kontrolle mit Hilfe von Kennzahlen; in: ZfbF; 28. Jahrgang 1976; S. 706.

[10] Vgl. Reichmann, Th.: Controlling mit Kennzahlen und Managementberichten; 5. Auflage; München 1997; S. 19f.

[11] Vgl. Groll, K.-H. : Erfolgssicherung durch Kennzahlensysteme; 3. Auflage; Freiburg im Breisgau 1990; S. 85.

[12] Vgl. Küpper, H.-U.: Controlling – Konzeption, Aufgaben und Instrumente; Stuttgart 1995; S. 320ff.

[13] Vgl. v. Löhneysen, G.: Die rechtzeitige Erkennung von Unternehmenskrisen mit Hilfe von Frühwarnsysteme als Voraussetzung für ein wirksames Krisenmanagement; Göttingen 1982; S. 50f.

[14] Vgl. Muchna, C .: Strategische Marketing-Früherkennung auf Investitionsgütermärkten; Wiesbaden 1988; S. 60.

[15] Vgl. Kirsch, W.; Trux, W.: Strategische Frühaufklärung; in: Kirsch, W.; Roventa, P. (Hrsg.): Bausteine eines strategischen Managements; Berlin, New York 1986; S. 225ff.

[16] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon; Stichwort: Operative Frühaufklärung.

[17] Vgl. Darstellung von Krisenursachen in Kapitel 2.1.

[18] Vgl. Weber; Einführung in das Controlling; 8. Auflage; Stuttgart 1999; S. 210f.

Details

Seiten
21
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638201674
ISBN (Buch)
9783638787826
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v14881
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Anwendung Kennzahlen Krisenfrüherkennung Unternehmen Seminar Controlling

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