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Wortbildungen in Dieter Hildebrandts "Vater unser - Gleich nach der Werbung"

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

1. Einleitung

In der Linguistik nimmt die Forschung, die sich mit Aspekten der Wortbildung beschäftigt einen großen Teil ein. Es werden fast täglich neue Wörter gebildet, die in den bereits vorhandenen Wortschatz einer Sprache aufgenommen werden oder nur innerhalb gewisser Gruppen einer Sprechergemeinschaft etabliert und verwendet werden[1].

Ich möchte mich in dieser Hausarbeit mit Wortbildungen in Dieter Hildebrandts „Vater unser – Gleich nach der Werbung“ beschäftigen. Dabei möchte ich mich vor allem auf kombinierende[2] Wortbildungsarten, insbesondere auf substantivische Komposita konzentrieren, da diese als „zentrale Wortbildungsarten“[3] und „die prototypischen Komposita des Deutschen schlechthin“[4] gelten, was eine häufige An- und Verwendung dieser vermuten lässt. Nach einer kurzen Ausführung über das Leben und Werk des Schriftstellers Dieter Hildebrandt und einer inhaltlichen Zusammenfassung von „Vater unser – Gleich nach Werbung“[5] werde ich mich im Punkt 3 zu den theoretischen Grundlagen von Wortbildungen äußern und klären, was Wortbildungen sind, welches System ihnen zugrunde liegt und die wichtigsten Wortbildungstypen darstellen. Anschließend möchte ich die unter Punkt 4 angeführten Wortbildungen in Hildebrandts „Vater unser – Gleich nach der Werbung“ darstellen, wobei ich mich auf eine Auswahl exemplarischer Wortbildungen beschränken werde.

Ziel dieser Hausarbeit soll es nicht sein, neue Erkenntnisse über die Regeln der Wortbildung zu erlangen, sondern vielmehr die Umsetzung der Theorie in die Praxis anhand der Untersuchung von Gebrauch und Bedeutung von Wortbildungen innerhalb eines literarischen Textes zu analysieren. Dabei soll vor allem untersucht werden, welche Wortbildungsarten Dieter Hildebrandt zu welchen Zwecken verwendet und ob die Komposition in der Tat der ergiebigste Wortbildungstyp ist. Aufgrund der Fülle von Wortbildungstheorien und dem begrenzten Umfang dieser Arbeit, werde ich nur die zentralen und die für die Zwecke meiner Untersuchungen Punkte darstellen können.

2. Dieter Hildebrandt und „Vater unser – Gleich nach der Werbung“

2.1 Dieter Hildebrandt – Sein Leben und Werk:

Der deutsche Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller Dieter Hildebrandt wurde am 23.Mai 1927 in Bunzlau (Niederschlesien) geboren. 1943 wurde er als Flakhelfer zum Wehrdienst eingezogen, weshalb er sich nach Kriegsende in amerikanischer Kriegsgefangenschaft befand[6]. 1947 holte Hildebrandt sein Abitur nach und begann 1950 ein Studium in den Fächern Theater- und Literaturwissenschaft, sowie Kunstgeschichte an der Universität München, obwohl es sein Wunsch war, Schauspieler zu werden. Als er schließlich 1952 Privatunterricht im Schauspielen bei Alice Strathmann nahm, riet ihm diese von den „klassischen Rollenfächern“[7] ab. Anschließend beteiligte sich Hildebrandt am Studentenkabarett „Die Seminarren“, gründete 1955 zunächst die Kabarettgruppe „Die Namenlosen“ und ein Jahr später schließlich zusammen mit dem Sportreporter Sammy die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“, mit dem er bereits die ersten Erfolge[8] verzeichnen konnte. In dieser Zeit entwickelte Hildebrandt „seinen charakteristischen Conference-Stil: ein assoziativ wirkendes Geplauder, durchsetzt von gezielten Versprechern, in dem meist aktuelle Themen scheinbar improvisiert aufs Korn genommen wurden.“[9] Er arbeitete immer wieder für und mit dem Fernsehen, trat weiterhin als Kabarettist auf und hatte von 1973 bis 1979 eine eigene politische Satire-Reihe mit dem Namen „Notizen aus der Provinz“, worauf das Live-Kabarett „Scheibenwischer“ im Jahr 1980 folgte. 2004 erhielt er seinen vierten Adolf-Grimme-Preis als besondere Ehrung für sein Lebenswerk. Der Privatmensch Dieter Hildebrandt gilt als „still, bescheiden und schüchtern“[10] und lebt skandallos mit seiner zweiten Ehefrau Renate Küster seit 1992 zusammen in einem kleinen Reihenhaus in der Nähe von München. Dieses behagliche Leben ist zugleich Mittelpunkt von „Vater unser – Gleich nach der Werbung“.

2.2 Zusammenfassung „Vater unser – Gleich nach der Werbung“:

Dieters Hildebrandts Schriftstellerkariere ist seiner wahren Leidenschaft des Kabaretts eindeutig nachgestellt, weshalb sich sein literarisches Œuvre auf einige wenige Werke beschränkt. Dazu zählen neben „Vater unser – Gleich nach der Werbung“ aus dem Jahre 2001 unter anderem „Was bleibt mir übrig“ (1986), „Gedächtnis auf Rädern“ (1997) und „Ich musste immer lachen“ (2006).

In „Vater unser- Gleich nach der Werbung“ dreht sich im Grunde alles um die Frage „Was ist Reality und was Reality-TV?“[11]. Dieter Hildebrandt und seine Frau Renate begeben sich in eine freiwillige Gefangenschaft, einen Senioren-Container, in dem sie ständig, den ganzen Tag lang gefilmt werden und Schaudialoge führen müssen für das vermeintliche Reality-TV nach Drehbuch. Im Gegenzug müssen sich die beiden nie wieder Sorgen um ihre Finanzen machen, denn Geld beziehen sie von der leitenden Firma, die die Sendung über das Ehepaar Hildebrandt produziert. Die Ansprüche des Senders werden immer größer, das Publikum verlangt mehr Aktion, mehr Skandale und Schockierendes. Die Eheleute streiten sich immer häufiger, aber nicht weil es das Publikum verlangt, sondern weil sie aus dieser Situation wieder heraus wollen, vertraglich jedoch gebunden sind. Um sich den Alltag im Container etwas erträglicher zu gestalten, beginnen Renate und Dieter mit versteckten satirischen Aussagen dem Fernsehwahnsinn ihrer Zeit zu trotzen.

3. Theoretische Grundlagen zur Wortbildung

3.1 Was ist Wortbildung?:

Bei Wortbildung handelt es sich um ein Verfahren zur Bildung neuer komplexer Wörter. Im Gegensatz zur Wortneubildung, bei der Wörter mit neuem Ausdruck und neuer Bedeutung gebildet werden (z.B. simsen), beruht die Wortbildung auf bereits vorhandenen sprachlichen Mitteln, wie „Wörter, Phrasen […] Konfixen, Wortbildungsaffixen, unikalen Einheiten und Fugenelementen“[12].

Um Wortbildungen untersuchen zu können bedarf es einiger morphologischer[13] Grundbegriffe, die die Basis für das Verständnis aller Wortbildungsarten schaffen. „Unter einem Morphem versteht man im Allgemeinen ein einfaches sprachliches Zeichen, das nicht mehr in kleinere Einheiten mit bestimmter Lautung und Bedeutung zerlegt werden kann.“[14] Dazu zählt man unter anderem, einfache Wörter (Simplizien) wie Hund, fein und schwarz. Diese Morpheme sind die Grundeinheit und der lexikalische Kern einer jeden Wortbildung, weshalb sie auch Wurzeln genannt werden. Weiterhin gibt es im Gegensatz zu den eben beschriebenen freien Morphemen[15] auch so genannte gebundene Morpheme, die sich in zwei Gruppen unterteilen: Die Präfixe, die vor der Wurzel stehen wie bei ur - in uralt; und die Suffixe, die nach der Wurzel stehen wie bei - schaft in dem Wort Schwangerschaft. Sowohl ur - als auch -schaft kommen nicht als freie Morpheme vor, können nicht frei verwendet werden. * Er ist ur. Ein weiterer Unterschied zwischen Suffixen und Präfixen besteht in den Wortarten der Wurzel an die sie sich binden. Während ein und dasselbe Präfix an unterschiedliche Wortarten gebunden werden kann (z.B. un - in Untier (N) und unbesonnen (A))[16], treten Suffixe meist nur mit einer speziellen Wortart auf (z.B. - haft in sagenhaft (A) oder - ian in Grobian (N)). Diese Erscheinung kann damit begründet werden, dass Suffixe sehr häufig die Wortart der Wurzel verändern, während Präfixe die Wortart der Wurzel meist intakt lassen.[17] So zum Beispiel bei der Wurzel Gunst (N) - das Präfix miss - verändert die Wortart nicht, Missgunst (N), während das Suffix - ig aus dem Nomen das Adjektiv günstig macht.

[...]


[1] Zum Beispiel unter Jugendlichen, wie Speicheltanz für Zungenkuss.

Quelle: www.pons.de/produkte/3-12-517655-7/

[2] Vgl. Donalies 2007: 35. Zu den kombinierenden Wortbildungsarten zählt Donalies Kompositionen

und explizite Derivationen. (Näheres sh. Punkt 3.2)

[3] Donalies 2007: 35.

[4] Ebd. S. 45.

[5] Ich erachte dies für notwendig, um die Wortbildungen im Werk dem Kontext gemäß verstehen zu

können.

[6] Vgl Strobel 1998: 92.

[7] Ebd.

[8] Die Programme des Ensemble wurden im Fernsehen und Rundfunk übertragen und ab 1962 gingen sie

jährlich auf Tournee.

[9] Strobel 1998: 93.

[10] Ebd. S. 97.

[11] Hildebrandt 2008: 257.

[12] Donalies 2007: 35.

[13] Morphologie ist die Lehre von den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten einer Sprache.

[14] Meibauer 2007: 29.

[15] Wurzelmorpheme kommen frei vor.

[16] Die Abkürzung N steht für Nomen, A für Adjektiv und V für Verb.

[17] Vgl. Meibauer 2007: 31.

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640597734
ISBN (Buch)
9783640598489
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v148825
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Wortbildung Dieter Hildebrandt Vater unser Gleich nach der Werbung

Autor

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