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Das Sprachspiel in den Philosophischen Untersuchungen

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprachspiel (als Modell einer primitiven Sprache)
2.1 Abrichtung
2.2 Verkürztes Sprachspiel

3 Wort

4 Benennung

5 Lebensformen
5.1 Vergleich mit einer Stadt
5.2 Weitere Sprachspielbegriffe

6 Regel
6.1 Anlass der Regelbefolgung
6.2 Negation der Philosophie
6.2.1 Grundgedanke der Negation
6.2.2 Das Problem des Verstehens und des Meinens
6.3 Verhältnis zwischen Regel und Spiel

7 Familienähnlichkeiten
7.1 Der Unterschied von Gemeinsamkeit und Gemeinsamkeiten
7.2 Gemeinsamkeiten von Sprache und Spiel

8 Das Beispiel der Empfindung und des Schmerzes
8.1 Privatsprache
8.2 Oberflächen- und Tiefengrammatik
8.3 Resümee

9 Literaturverzeichnis

10 Siglenverzeichnis

1 Einleitung

In seinem Vorwort schreibt der späte Wittgenstein, welcher der Urheber des Sprachspielbegriffs ist, von dem diese Hausarbeit handelt, er habe „schwere Irrtümer“ in seinem „Traktat“ festgestellt und wolle diese nun richtig stellen (vgl. PU, S. 8). Aufgrund dessen bezieht sich die vorliegende Hausarbeit in erster Linie auf die Erklärung des Sprachspielbegriffs in den Philosophischen Untersuchungen.

Und bereits in dem Umschlag der Philosophischen Untersuchungen ist folgendes Zitat Wittgensteins zu lesen:

„Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes `Bedeutung´ - wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung- dieses Wort so erklären: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“. (PU 43)

Diese Aussage macht bereits deutlich, dass sich die Theorie Wittgensteins nicht metaphysisch erklären lässt, da das allein stehende Wort oder „Zeichen“, wie Wittgenstein es auch nennt, kein eigenständiges Wesen ist (vgl. PU 116).

Mit der Beschreibung des Sprachspielbegriffs möchte Wittgenstein Klarheit in den philosophischen Problemen schaffen, denn es wird in den Philosophischen Untersuchungen deutlich, dass Wittgenstein eine Art therapeutische Stellungnahme einnimmt, insofern er eine Selbstaufgabe der Philosophie zugunsten unserer alltäglichen Sprache in Betracht zieht.

Diese Hausarbeit möchte nun das Sprachspiel; ihren Grundgedanken und ihre Voraussetzungen erklären, denn eine genaue Definition kann und will Wittgenstein uns nicht geben. Mein Hauptanliegen im Hinblick auf diese Hausarbeit liegt darin, dieses Zitat, anhand der folgenden Erklärungen, vollkommen verständlich zu machen.

Allerdings fällt es sehr schwer, den Sprachspielbegriff richtig erklären zu können. So spricht auch Wuchterl (1969, S. 147) von einer „Unmöglichkeit der Thematisierung der Sprachspiele als soziologische Fakten.“ Jedoch bin ich der Auffassung, dass diese Unmöglichkeit nicht nur in dem Sprachspielbegriff, sondern auch in der ganzen Komplexität der Alltagssprache beruht. Eben diese Komplexität ist wohl auch der Grund dafür, dass Wittgenstein den Sprachspielbegriff hauptsächlich durch sehr viele, dafür aber leicht verständliche, Beispiele zu erklären versucht. Aufgrund dessen werden auch in dieser Hausarbeit einige der vielen verschiedenen Beispiele Wittgensteins aufgegriffen.

2 Sprachspiel (als Modell einer primitiven Sprache)

Der Begriff des Sprachspiels soll zum Einen die Bedeutung des Äußerungskontextes betonen und zum Anderen auf weitere zusammenhängende Aspekte hinweisen, wie beispielsweise die nichtsprachlichen Äußerungsumstände, worunter auch das Muster aus PU 1 fällt, oder das Lernen (vgl. Schulte, 1989, S. 140). Wuchterl (1969, S. 122) nennt in seinem Buch folgende drei Arten der Sprachspiele Wittgensteins, wie sie in einer Lebensform vorkommen:

1. „als Modell einer primitive Sprache“
2. „als sprachliche Funktionseinheit“
3. „als Gesamtheit der sprachlichen Tätigkeiten“

In diesem Kapitel soll zunächst einmal das Sprachspiel als Modell einer primitiven Sprache erörtert werden. Die beiden weiteren Funktionen, die soeben genannt wurden, werden in dieser Hausarbeit im Zusammenhang mit der Lebensform (Kapitel 4) erklärt.

In PU 7 wird der Sprachspielbegriff zum ersten Mal eingeführt. Wittgenstein legt ihn hier folgendermaßen dar:

„Wir können uns auch denken, dass der ganze Vorgang des Gebrauchs der Worte in (2) eines jener Spiele ist, mittels welcher Kinder ihre Muttersprache erlernen. Ich will diese Spiele `Sprachspiele´ nennen, und von einer primitiven Sprache manchmal als einem Sprachspiel reden“ (Wittgenstein, PU 7).

2.1 Abrichtung

Da Wittgenstein hier von dem Vorgang, also von der Situation des (sprachlichen) Gebrauchs in PU 2 spricht, ist es sinnvoll, diesen zunächst zu beschreiben:

Die Interaktion verläuft auf einer Baustelle, auf der die Bausteine „Würfel, Säulen, Platten und Balken“ bereit stehen. Der Bauende A ruft seinem Gehilfen B nur die jeweiligen Wörter, also die vorhandenen Bausteine, zu, woraufhin B ihm diese Bausteine bringt. Vorher muss B allerdings noch gelernt haben, welche Bausteine er mit welchem dazugehörigen Ruf oder Laut verbinden soll und welche er demnach bringen soll. In PU 8 gibt Wittgenstein ein weiteres Beispiel an, welches die Grundzüge aus PU 2 beinhaltet, allerdings noch Zahlwörter und die Wörter „dorthin“ und „dieses“ hinzunimmt, welche in Verbindung mit einer Handbewegung in die gemeinte Richtung gebraucht werden.

Diese Beispiele zeigen, dass Wittgenstein das Lernen als eine Abrichtung ansieht, insofern der Eine einen Befehl gibt und der Andere diesen ausführt.

Der Begriff der Abrichtung soll verdeutlichen, dass der Lernende gar keine andere Möglichkeit hat, sich eine bestimmte Tätigkeit anzueignen, außer eben durch kontinuierliches Training (vgl. Schulte, 1989, S. 143).

Desweiteren „ist das Lernen in der Abrichtungssituation mit unseren naturgegebenen Anlagen verknüpft“ (Schulte, 1989, S. 144).

So ein natürlicher Gebrauch oder so eine natürliche Handlung findet sich z. B. bereits in einer Begrüßung: Man hat gelernt, dem Gegenüber seine Hand, und nicht beispielsweise sein Bein, zu reichen. Dieses Gelernte hat man bereits nach kurzer Zeit verinnerlicht und gibt zur Begrüßung stets die Hand. Zumal es sehr merkwürdig erscheinen würde, wenn man seinem Gegenüber zur Begrüßung ein Bein ausstrecken würde.Es bringt nichts, wenn man fragt, wieso man etwas so und nicht anders macht, z. B. wieso man eben die Hand ausstreckt oder wieso man die Sprache so und nicht anders verwendet.

Die sinnvollste Antwort wäre wohl, dass man die Sprache aufgrund der Lebensform, in der man lebt, verwendet. So stellt auch Schulte (1989, S. 143) fest:

„Wem eine bestimmte Tätigkeit (...) fremd ist, wird zunächst nicht einmal imstande sein, Fragen zu stellen, die ihm weiterhelfen können.“

Eben so eine primitive Art der Sprache wird beispielsweise, wie auch Augustinus in PU 1 erklärt, von einem Kind benutzt, welches das Sprechen gerade erlernt, indem es zunächst einmal die vorgesagten Wörter nachspricht oder indem es Gegenstände benennt, auf die der Erwachsene mit einer Handbewegung hinweist (vgl. PU 7). Es muss also eine Art Ähnlichkeit zwischen dem Erlernen der Muttersprache und einem Spiel bestehen. So lassen sich unter diesen Formen der Sprachspiele auch Sprachlernspiele bzw. Benennungsspiele verstehen.

Hierzu sei allerdings zu erwähnen, dass Kinder die meisten Spiele erlernen, ohne dabei Abrichtung zu erfahren, so beispielsweise durch Zuschauen des Spiels oder, besser noch, da effektiver, durch aktives Mitspielen. Wittgenstein (PU 5) nennt diese Art des Lehrens auch „hinweisendes Lehren der Wörter“, da in diesem Fall z. B. das Kind, die Benennung des Dinges noch nicht erfragen kann.

Aufgrund dieser Abrichtung könne es sich, Schulz (1979, S. 63) zufolge, bei den primitiven Sprachspielen nicht um den hermeneutischen Zirkel handeln, da der Ausgangspunkt des hermeneutischen Zirkels für ein bestimmtes Verstehen schließlich in der Vertiefung des eigenen Vorwissens bestehe.

2.2 Verkürztes Sprachspiel

Diese primitiven Formen der Sprachspiele unterscheiden sich jedoch nicht vollkommen von den komplizierten:

„Unsere Handlungs- und Reaktionsweisen treten in den weniger komplizierten Situationen einfach deutlicher hervor und können deshalb den Betrachter nicht so leicht in die Irre führen“ (Schulte, 1989, S. 141).

Mit diesem Zitat werden zwei Sachen deutlich:

Erstens: Das Wort „Reaktionsweise“ macht deutlich, dass zu einem Sprachspiel mehr als die bloße Handlung, wie z. B. das Heranbringen der Baussteine, gehört. Man muss sich also sowohl der eigenen Funktion, als auch der Funktion des Kommunikations- bzw. Interaktionspartners, bewusst sein.

Zweitens: Die komplizierten Sprachspiele werden aus den primitiven Sprachspielen zusammengesetzt. Dieses zeigt sich unter anderem darin, dass Wittgenstein mit Absicht die primitive Form in seinen Beispielen wählt, insofern diese bloß verständlicher sind.

PU 18-20 beispielsweise betreffen die Beziehung zwischen der primitiven und unserer Sprache, wobei die Erklärung des Sprachspielbegriffs als Modell der primitiven Sprache eine verkürte Form der unseren ist.

Und wenn in PU 2 z. B. nur „Platte!“ zugerufen wird, kann es sich zwar sicherlich um ein Wort handeln, dennoch ist nicht auszuschließen, dass es sich auch um einen Satz handeln könnte. Folglich kann es sich bloß um einen elliptischen Satz handeln.

Da im Fall eines solch verkürzten Satzes Person A allerdings mit dem Ausruf „Platte!“ „Bring mir eine Platte!“meint, kann man wiederum nicht sagen, dass es eine Verlängerung des Satzes „Platte!“ sei, da Person B den Satz nicht zu Ende führen kann. Schließlich könnte mit „Platte!“ auch „Da drüben ist eine Platte!“ oder „Die Platte gefällt mir!“ oder dergleichen gemeint sein (vgl. PU 19).

3 Wort

Täglich sprechen wir verschiedene Wörter aus. Zwar können wir nachvollziehen, was mit den Wörtern in dem jeweiligen Zusammenhang gemeint ist, dennoch scheint es unmöglich zu sein, die Funktion der Wörter zu erklären. In den Philosophischen Untersuchungen ist Wittgenstein (PU 432) der Auffassung, dass jedes Zeichen allein tot scheine und erst in seinem Gebrauch lebe. Aus diesem Grund ist auch ein metaphysischer Erklärungsversuch unnötig, da ein Wesen des allein stehenden Wortes ausgeschlossen ist. Der Paragraph 1 in den Philosophischen Untersuchungen beginnt mit einem Zitat Augustinus, der die so genannte realistische Theorie der Bedeutung vertritt. Diese besagt, die Bedeutung eines Wortes sei dem Wort zugeordnet. Augustinus erklärt diese Theorie am Beispiel eines Kindes, welches die Sprache erlernt. Dieses verbindet zunächst die jeweiligen Gegenstände, auf welche die Erwachsenen zeigen, mit den Lauten, die die Erwachsenen aussprechen. Wittgenstein erklärt, bezogen auf das Zitat, dass das Kind hier zunächst nur die „Hauptwörter, wie `Tisch´, `Stuhl´, `Brot´ und die Namen von Personen“ lernt.

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Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640599721
ISBN (Buch)
9783640600144
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149447
Institution / Hochschule
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen - Abteilung Paderborn
Note
1,7
Schlagworte
Ludwig Wittgenstein Philosophie Familienähnlichkeit Bedeutung Wort Sprache Philosophische Untersuchungen PU Sprachspiel Benennung Lebensform Regel Empfindung Schmerzen

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Titel: Das Sprachspiel in den Philosophischen Untersuchungen