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Wandel der Familie

Folgen für die Sozialisation der Kinder

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Familie
2.2 Sozialisation

3 Familie als primäre Sozialisationsinstanz

4 Wandel der Familie und die Folgen für die Sozialisation
4.1 Die Entstehung der modernen Kleinfamilie
4.2 Wandel der Familienstruktur und die Folgen für die Sozialisation
4.3 Neue Familienformen und die Folgen für die Sozialisation
4.3.1 Ein-Eltern-Familien
4.3.2 Stieffamilien

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Was könnte besser und schöner sein als eine glückliche Familie, lebend am Rande der Erde mit ihren kleinen Freuden des Lebens. Schon in der Zeit der Renaissance entwickelte sich ein Idealtyp der Gesellschaft, das Bild „...des natürlichen Miteinanders von Eltern und Kindern“[1].

Doch was können wir in der heutigen Zeit über diese Utopie sagen? In den Medien ist ständig die Rede von Scheidungen, Wiederverheiratungen, sinkenden Geburtenrate und neuen Beziehungsformen, wie z.B. homosexuelle Partnerschaften. Man müsste sich kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen, denn in der vorindustriellen Zeit existierten auch Vorstellungen einer Drei-Generationen-Familie, als typische und meist verbreitete Familienform. Später jedoch wurde diese Theorie widerlegt, denn die geringe Lebenswahrscheinlichkeit und hohe Sterblichkeit der Kinder verhinderten die Bildung eine Großfamilie. Fakt ist aber, dass sich die Familie bzw. die Familienstruktur in geschichtlichen Kontext verändert hat. Doch in wie weit hat sich der Sozialisationsprozess verändert? Wird er nicht dadurch gestört? In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Veränderung der Familienstruktur, die gleichzeitig die Sozialisation beeinflusst, die wiederum die gesamtgesellschaftliche Entwicklung lenkt, auseinandersetzten und herausfinden was diese Veränderung für die Sozialisation des Kindes bedeutet. Denn die Familie ist die wichtigste Sozialisationsinstanz, in der das Kind zum ersten Mal erfährt was das Gute und Böse ist. Hierbei verwende ich das Buch „Familie heute. Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erziehung“ von Rosemarie Have-Herz. Zu beachten ist aber, dass dieses Thema sehr komplex ist und ich nur einen groben Überblick in dieser Hausarbeit darstellen kann.

Der Aufbau des vorliegenden Textes sieht wie folgt aus: Nach eine kurzen Definition der wichtigsten Begriffe wird im Kapitel drei die Familie als Sozialisationsinstitution in groben Zügen beschrieben. Im Anschluss daran widmet sich das vierte Kapitel dem Hauptthema dieser Hausarbeit, dem Wandel der Familie und den Folgen für die Sozialisation. Schließlich werden im fünften Kapitel die zentralen Aussagen und Feststellungen der vorliegenden Arbeit in konzentrierter Form zusammengefasst.

2 Definition

2.1 Familie

In der Soziologie bezeichnet die Familie verschiedene Ansichten und Zusammensetzungen einer familialen Lebensform, die mindestens zwei Generationen umfasst. Außerdem weist sie einen dauerhaften Zusammenhang, der im Innern durch Solidarität und persönliche Verbundenheit gekennzeichnet ist. Viele weitere Merkmale, wie z.B. ein gemeinsamer Haushalt oder die gemeinsame Verwandtschaft, sind soziokulturell variabel und bilden keine Voraussetzungen für eine familiale Lebensform.[2]

In der heutigen Gesellschaft ist die traditionelle Familie die dominanteste Familienform. Diese ist durch eine „...Lebensgemeinschaft eines Ehepaares mit seinen eigenen (unmündigen) Kindern im eigenen privaten Haushalt“[3] charakterisiert. Des Weiteren unterscheidet sie sich hinsichtlich der Haushaltsform, der Partnerschaft und der Elternschaft von anderen familialen Lebensformen. Dabei bildet sie eine Wirtschaftsgemeinschaft, in der ein verschiedengeschlechtliches Ehepaar zusammen mit ihren „biologischen“ Kindern in einem gemeinsamen Haushalt wohnt. Diese Familienstruktur wird in der Soziologie als Kernfamilie oder auch als Kleinfamilie bezeichnet.

Letztendlich sollte die Familie als ein dauerhaftes Zusammenleben von mindestens einem Elternteil und einem Kind, in der die Beziehung durch persönliche Verbundenheit und Solidarität geprägt sind, definiert werden.[4]

Wenn sich dieser Arbeit mit dem Wandel der Familienstruktur befasst, ist es außerdem notwendig den Begriff Familienstruktur zu definieren.

„Familienstruktur, family strukture, das relativ beständige, normativ orientierte Beziehungsmuster zwischen den Inhabern der in einem bestimmten Familiensystem enthaltenen Rollen.“[5] Einfacher dargestellt ist die Familienstruktur ein Muster der inneren Beziehung der familialen Rollenträger und der innerfamiliäre Rollenverteilung.

Im Verlauf dieser Abhandlung werden deshalb zeiggeschichtliche Veränderungen in diesem Muster festgestellt und im Hinblick auf ihre Folgen für die Sozialisation geprüft.

2.2 Sozialisation

Als Sozialisation wird ein Prozess bezeichnet, „... in dem der Mensch in die ihn umgebende Gesellschaft und Kultur hineinwächst und zu einem gesellschaftlich handlungs-

fähigen Subjekt wird.“[6] Anthropologisch gesehen ist der Mensch mit instinktgesteuerten Mechanismen ausgestattet und im Gegensatz zu anderen Lebewesen eine hilfsbedürftige Lebensfase braucht. Diese Hilfsbedürftigkeit bezieht sich nicht nur auf den materiellen, sondern auch auf den emotionalen Bereich. Demzufolge würde ein Entzug an liebevoller Zuwendung dem Kind die Lebensgrundlage entziehen und die Existenz gefährden. In der Soziologie wird diese Lebensfase auch als die „zweite, soziokulturelle Geburt“ bezeichnet, die im primären Sozialisationsprozess zu leisten ist.[7]

Zu beachten gilt, dass die Sozialisation kein zeitlich abgegrenzter Prozess ist, sondern das ganze Leben hindurch andauert. Dabei setzt sich der Mensch mit den natürlichen Anlagen insbesondere mit körperlichen und psychischen Grundmerkmalen („innere Realität“) und mit der sozialen und physikalischen Umwelt („äußere Realität) auseinander. Diese wechselseitige Abhängigkeit zwischen der inneren und äußeren Realität beeinflusst somit die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. In diesem Fall wird die innere Realität durch genetische Veranlagung, Intelligenz und psychisches Temperament gebildet. Die äußere dagegen wird durch Familie, Freundeskreis, Bildungseinrichtungen und durch materielle Umwelt charakterisiert.[8]

Die Persönlichkeitsentwicklung kann aber nur dann erfolgreich werden, wenn es zu einer guten „Passung“ zwischen den natürlichen Anlagen und der sozialen und physikalischen Umwelt kommt. Hierbei spielt die Familie die entscheidende Rolle als primäre Vermittler der äußeren Realität, weil sie die Einflüsse der äußeren Realität für das Kind filtriert und „übersetzt“. Da die Familie als erste „Variable“ der sozialen Umwelt dem Kind begegnet, wird sie auch als primäre Sozialisationsinstanz bezeichnet.

Nicht zu vergessen ist, dass in der heutigen Zeit die Sozialisationsfunktionen in gesellschaftliche Institutionen, wie z.B. Kindergärten, Schulen oder Organisationen, verlagert wurden. Dennoch spielt die Familie auch heute die wichtigste Rolle im Sozialisationsprozess, weil sie für die ersten Jahre des Kindes und somit für die Basisentwicklung verantwortlich ist.[9]

3 Familie als primäre Sozialisationsinstanz

Ausgehend von der Definition wird zum ersten Mal deutlich wie wichtig die Familie für die Entwicklung des heranwachsenden Kindes ist.

Schon zur Zeit der Entstehung des Begriffs der Sozialisation galt die Familie als Garant für die Stabilität der Gesellschaft. Der Sozialisationsprozess in der Familie wurde auch als „Vergesellschaftung der menschlichen Natur“ bezeichnet und galt bis in die 1950er-Jahre als unersetzlicher Vorgang für die Sicherung der gesellschaftlichen Integration.

Jedoch haben sich die sozialen Rahmenbedingungen für die Familie seit den 50er Jahren durch schnelle Veränderungen gesellschaftlicher Lebensverhältnisse spürbar gewandelt. Somit sind wir verpflichtet die Sozialisationsfunktion der Familie heute in neuer Form anzusehen.[10]

Zunächst soll die Familie als soziales Beziehungsgefüge betrachtet werden. Dabei werden wichtige Beziehungsdynamiken festgestellt, die für die Sozialisation des Kindes wichtig sind. Ausgehend von eine idealtypischen Kernfamilie besteht diese aus vier sozialen Rollen: Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Die Beziehungsdynamiken können hierbei einerseits auf der Geschlechterebene, andererseits auf der Generationenebene beobachtet werden. Diese vier sozialen Rollen waren bis in die 50er Jahre innerhalb der traditionellen Kernfamilie fest definiert. Die Mutter war für die Erziehung der Kinder und für die Haushaltsführung verantwortlich, wobei die Rolle des Vaters durch die Verantwortung für die finanzielle Sicherheit der gesamten Familie charakterisiert war. Jedoch ist in der heutigen Zeit dieses traditionelle Muster der Kernfamilie immer seltener anzutreffen. Die spezifischen Rollen von Müttern und Vätern sind ständig im Wandel, der unaufhaltsam ist.[11] Dieser Wandel wird im nächsten Kapitel diese Abhandlung dargestellt. Zunächst aber müsste die Bedeutung der Eltern bei der Sozialisation des Kindes deutlicher dargestellt werden.

Die entwicklungspsychologische, lernpsychologische und persönlichkeitspsychologische Forschung hat die fast grenzenlose Lern- und Entwicklungsfähigkeit des Kindes nachgewiesen. Dabei sind die Eltern „ ...die allererste Beziehung, auf die das Kind sich einlässt.“[12]

Die Eltern-Kind-Beziehung ist der Maßstab für alle späteren Beziehungen des Kindes und somit ein großer Faktor für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung. In seinen ersten Jahren erlernt das Kind mit anderen Menschen umzugehen und seine soziale Umwelt zu erforschen. Dabei sind die Eltern Vermittler zwischen der Gesellschaft und der familialen Umwelt. Gesellschaftliche Normen und Regeln müssen übermittelt werden sowie mit Spannungen und Konflikten muss gelernt werden umzugehen. Wenn die frühe Eltern-Kind-Beziehung erfolgreich verläuft, „ ...dann stabilisiert sich hierdurch auch das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, es wird eine Art Urvertrauen in Sozialbeziehungen und in die eigene Persönlichkeit, eine Grundlage für den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls gelegt.“[13] [14]

Des Weiteren ist zu bemerken, dass die ersten Jahre in der Familie für die meisten Kinder eine „eigenständige“ soziale Welt darstellen. Die Erlebnisse und Erfahrungen des Kindes in seiner Familie stellen somit die Grundlage für die weitere Orientierung in der sozialen Welt. Eine bekannte These der Systemtheoretiker besagt, dass das Kind die soziale Welt durch die Augen des „Systems Familie“ wahrnimmt und diese entsprechend verarbeitet.[15]

[...]


[1] Begemann, Helmut: Strukturwandel der Familie, 2. Auflage, Witten 1966, S. 11

[2] vgl. Werner Fuchs-Heinritz: Lexikon zur Soziologie, 3. Auflage, Opladen 1995, S. 197

[3] Bernhard Schäfers: Grundbegriffe der Soziologie, 7. Auflage, Opladen 2001, S. 80 f.

[4] vgl. ebenda.

[5] Werner Fuchs-Heinritz: Lexikon zur Soziologie, 3. Auflage, Opladen 1995, S. 199

[6] Bernhard Schäfers: Grundbegriffe der Soziologie, 7. Auflage, Opladen 2001, S. 321

[7] vgl. ebenda.

[8] vgl. Klaus Hurrelmann: Einführung in die Sozialisationstheorie, 9. Auflage, Weinheim 2006, S. 26

[9] vgl. a. a. O., S. 30

[10] vgl. a. a. O., S. 128

[11] vgl. a. a. O., S. 129 f.

[12] a. a. O., S. 137

[13] a. a. O., S. 137 f.

[14] vgl. ebenda.

[15] vgl. a. a. O. S. 139

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640599783
ISBN (Buch)
9783640600182
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149469
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
"-"
Schlagworte
wandel der familie wandel familie scheidung sozialisation

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Titel: Wandel der Familie