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Die Geschichte von Menschen mit einer geistigen Behinderung

Hausarbeit 2008 10 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Geschichte
2.1. Menschen mit Einschränkungen vor Beginn der Geschichtsschreibung
2.2. Menschen mit Behinderungen am Anfang überlieferter Weltgeschichte
2.3. Behinderung im Antiken Griechenland und im Römischen Reich
2.4. Die Situation geistig behinderter Menschen in Mittelalter und früher Neuzeit
2.5. Der Beginn der Behindertenpädagogik
2.6. Das Anstaltswesen der Inneren Mission bis ins 20. Jahrhundert
2.7. Geistig behinderte Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus

3. Schluss

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bei meinen Recherchen zu dieser Hausarbeit stieß ich auf eine ganze Reihe von Begriffen, die durch unterschiedliche Zeitalter hindurch gebraucht wurden, heute aber entweder als Schimpfwort gelten oder aber in sonstiger Weise nicht (mehr) als passender Sprachschatz für Menschen mit einer geistigen Behinderung empfunden werden. So wurden Menschen mit einer geistigen Behinderung „Wechselbälge“, „Narren“, „Trottel“, „Idioten“, „Schwachsinnige“, „Blöde“, „Geistesschwache“, „Mongos“, „Wasserköpfe“ oder „Dummköpfe“ genannt.

Wenn man sich selber fragt, in welchem Zusammenhang diese Begriffe heute noch auftauchen, dann stellt man fest, dass man die wenigsten überhaupt noch mit einer geistigen Behinderung in Zusammenhang bringen würde.

Neben dem Sprachgebrauch im Alltag ist auch ein kurzer Blick auf Begriffe in der Fachwelt bzw. in der Arbeit an der Basis mit geistig behinderten Menschen selbst interessant. Wenn man von den Behinderten spricht, ist das in der Fachwelt heute nicht mehr passend. Ja selbst das Wort geistige Behinderung ist teilweise nicht mehr gewünscht oder wird gar als abwertend empfunden. So möchten Menschen, die der Organisation „People First“ angehören, lieber Menschen mit Lernschwierigkeiten genannt werden.

Insofern kann man sagen, dass die Einstellung zu Behinderung, die sich ja nicht zuletzt in Sprache ausdrückt, eine Entwicklung genommen und sich verändert hat, aber wie in nachfolgenden Ausführungen zu sehen sein wird, nicht kontinuierlich zum Positiven, sondern im Verlauf der Geschichte durchaus wechselhaft und zwar bis hinein in das vergangene 20. Jahrhundert.

Im Rahmen dieser kurzen Hausarbeit möchte ich mich auf einen relativ kurzen Abriss der Geschichte von Menschen mit Behinderungen, in manchen Epochen speziell mit geistigen Behinderungen, beschränken, der auch nur bis in die Zeit des Nationalsozialismus reichen soll. Die Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert ist sehr vielseitig und komplex, ich blende sie wegen ihres Umfanges in dieser Arbeit aus.

2. Die Geschichte

2.1. Menschen mit Einschränkungen vor Beginn der Geschichtsschreibung

Im nordöstlichen Irak fand man bei einer Ausgrabung (Neandertaler) das Skelett eines etwa 35-40 Jahre alten Mannes. Eine Vielzahl von verheilten Verletzungen lässt darauf schließen, dass er schwer behindert gewesen sein muss (Blindheit des linken Auges, Lähmung von rechtem Unterarm und rechter Hand, eingeschränkte Gehfähigkeit). Wahrscheinlich konnte dieser Mann weder sich selber versorgen noch einen diesbezüglichen Beitrag für seine Sippe leisten. Aber er konnte den Ausgrabungen zufolge alle seine Verletzungen ausheilen und lebte noch viele Jahre weiter. Daraus kann man wohl schlussfolgern, dass er von seinen Sippenmitgliedern mitversorgt wurde, obwohl sie, bezogen auf manuelle Arbeit, nichts von ihm erwarten konnten. Dieses Beispiel ist exemplarisch, aus vielen weiteren Funden, z.B. auf der Krim, in Südmähren, nordöstlich von Moskau, in Westfrankreich/Dordogne kann man ähnliches ableiten: Fürsorge für kranke und behinderte Sippenmitglieder ist keine Erfindung der Neuzeit (Mayer 2001).

2.2. Menschen mit Behinderungen am Anfang überlieferter Weltgeschichte

„Die babylonische Weltanschauung“ war geprägt von dem Glauben, dass der Mensch als „Diener von und für die Götter erschaffen sei (...). Krankheiten und Behinderungen wurden als Strafe der Götter gedeutet (...). Die ‚Hauptfunktion’ Behinderter, deren Schädigung schon bei der Geburt festgestellt wurde, bestand in der Verwendung als Omen des Götterwillens. (...) Die vereinzelten Hinweise über die Stellung beziehungsweise die Behandlung Behinderter in den altägyptischen Reichen lassen kaum vermuten, dass diese besondere Fürsorge erfuhren“ (Krull o. J.). Dagegen nimmt Mayer an, dass „in Sumer und Babylonien (...) es vom 3. bis zum 1. Jahrtausend v. Chr. üblich“ gewesen sei dass „die Art des Gebrechens zum Personennamen werden konnte, wobei dies auch bei angesehenen Familien vorkam, ohne dass dies als unschicklich betrachtet wurde“ (Mayer 2001). Daraus würde zu schließen sein, dass behinderte Menschen nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, sondern ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft waren. So gibt es auch immer wieder Hinweise, dass Menschen mit Behinderungen bestimmte Berufe ausübten (Torhüter, Viehfütterer, Maler, Musiker, sogar höhere Verwaltungsposten). Nach Mayer wurde Behinderung nicht als Strafe, sondern eher als Folge von Launen der Götter interprediert.

Den Weisheitslehren von Amenemope (Altägypten, 1. Jh. v. Chr.) „Lache nicht über einen Blinden und verspotte nicht einen Zwerg! Erschwere nicht das Befinden eines Gelähmten. Verspotte nicht einen Mann, der in der Hand Gottes [geistig behindert] ist...“ (Mayer 2001) kann man entnehmen, dass Spott und Diskriminierung auch schon vor 3000 Jahren in der ägyptischen Gesellschaft existierte. Aber dies war gesellschaftlich nicht unbedingt toleriert. Zwar konnten behinderte Menschen an den Höfen der Herrscher mitunter Karriere machen (Sänger, Musiker), aber ob diese Akzeptanz im ganzen Reich verbreitet war, ist uns nicht bekannt.

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Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640604180
ISBN (Buch)
9783640604272
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149667
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
Geschichte Menschen Behinderung

Autor

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Titel: Die Geschichte von Menschen mit einer geistigen Behinderung