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Mitarbeiter in virtuellen Unternehmen - Neue Anforderungen, neue Möglichkeiten?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 27 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aufbau der Arbeit

3. Das virtuelle Unternehmen
3.1. Zum Begriff „virtuell“
3.2. Zum Begriff „virtuelles Unternehmen“
3.3. Merkmale des virtuellen Unternehmen
3.3.1. Temporäre Kooperation rechtlich selbständiger Unternehmen
3.3.2. Reduktion auf Kernkompetenzen
3.3.3. Einsatz von modernen Informations- und
Kommunikationstechnologien
3.3.4. Geschlossenes Auftreten der Unternehmenseinheiten nach außen
3.4. Voraussetzungen erfolgreicher Kooperation
3.4.1. Vertrauen
3.4.2. Flexible Informationssysteme
3.4.3. Mitarbeiter

4. Mitarbeiter in virtuellen Unternehmungen
4.1. Neue Arbeitsformen in virtuellen Unternehmungen
4.1.1. Teamkonzepte
4.1.2. Networking
4.1.3. Telearbeit
4.2. Veränderte Rahmenbedingungen als Ursache für neue Anforderungen an die Beschäftigten in virtuellen Unternehmungen
4.3. Anforderungen an die Mitarbeiter in virtuellen Unternehmen
4.3.1. Soziale Kompetenzen
4.3.2. Fachliche Kompetenzen
4.4. Anforderungen an die Führungskräfte in virtuellen
Unternehmen
4.4.1. Soziale Kompetenzen
4.4.2. Fachliche Kompetenzen
4.5. Neue Möglichkeiten für Mitarbeiter in virtuellen
Unternehmen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

„Die vielschichtigen Produktmärkte des 21. Jahrhunderts werden die Fähigkeit verlangen, eine große Auswahl an Produkttypen weltweit und schnell anzubieten, mit denen die individuellen Wünsche des Kunden erfüllt werden. Diese Güter wird man nicht nur an ihrer ästhetischen und technische Qualität messen, sondern auch am dazugehörigen Service-Paket, einschließlich der Möglichkeit für den Kunden, an der Produktentwicklung teilzunehmen. ...Ein Sachleistungs-unternehmen wird also keine isolierte Fertigungsstätte sein, sondern vielmehr ein Knotenpunkt der vielfältigen Verstrebungen zwischen Lieferanten, Abnehmern, Konstrukteuren und anderen beteiligten „Dienstleistern“.“ (Earl Hall)

1. Einleitung:

Wir befinden uns in einem Zeitalter weltweiter politischer und wirtschaftlicher Veränderungen. Globalisierung und interkulturelle Zusammenarbeit sind schon lange keine undefinierbaren Begriffe mehr, sondern gehören zum Alltag.

In der Wirtschaft führt die Liberalisierung der Märkte, die jedem Subjekt und Wirtschaftsunternehmen die Möglichkeit gibt, sich dort zu engagieren, wo es seine Vorteile sieht, zu einem erhöhten Wettbewerbs- und Leistungsdruck. Die Verschärfung des Wettbewerbs führt zu immer neueren Innovationen und so zur stetigen Verkürzung von Produktlebenszyklen. Dadurch hat sich die Struktur der Wirtschaft in den letzten Jahren gravierend verändert. Kooperationen von wirtschaftlich selbständigen Unternehmen zur gemeinsamen, und im Endeffekt kostengünstigeren, Auftragserfüllung sind keine Seltenheit mehr. Um rentabler zu arbeiten, werden kostenintensive Arbeitsprozesse ausgelagert und Kunden – Liefer- Beziehungen aufgebaut. Um gemeinsame Ziele zu verwirklichen, werden Kooperationen eingegangen.

Ein weiterer Aspekt unseres Zeitalters ist die verschwindend gering werdende Dauer der Informationsübertragung. Durch neue Technologien und den Ausbau des World Wide Web können Daten innerhalb von Sekunden von einem zum anderen Ende der Welt transferiert werden. Die Individuen der Welt rücken somit immer näher zusammen. Dieses führt unter anderem dazu, daß Unternehmen international kooperieren und kommunizieren können, ohne daß ihnen dadurch hohe Kosten zu entstehen. Die Überwindung von Raum und Zeit ist somit kein Problem mehr.

Wie die Zukunft aussehen wird und wie sich die wirtschaftliche Struktur durch diese Entwicklungen verändert, kann freilich niemand voraussagen.

Jedoch läßt sich aus den oben aufgeführten Charakteristika unserer Zeit schon heute eine gewisse Tendenz für die nächsten Jahrzehnte aufzeigen.

Durch die ständige Weiterentwicklung und die dadurch immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen reicht es heutzutage nicht mehr aus, nur allein ein gutes Produkt zur Verfügung zu stellen. Die Unternehmen sind, um wettbewerbsfähig zu bleiben, dazu gezwungen, ihre Produkte an den Wünschen der Kunden auszurichten bzw. weiter zu entwickeln. Der Kunde wird für das Unternehmen der Zukunft als Co-Produzent wichtig werden. Dafür wird es notwendig sein, ihn in den Fertigungsprozeß, und besonders in den Produktplanungsprozeß, mit einzubeziehen. Wettbewerbsvorteil werden in der Zukunft nur noch diejenigen Unternehmen aufbauen, die die individuellen, und dadurch sehr unterschiedlichen, Präferenzen der Käufer jederzeit, überall, zuverlässig und preisgünstig befriedigen können.[1]

Internationale Zusammenarbeit wird durch die neuen Medien immer leichter.

Dieses führt dazu, daß weltweit Unternehmenskooperationen entstehen werden, um durch Zusammenarbeit erfolgreich bleiben zu können. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt und die Kräfte nicht bündelt, um mit anderen einen gemeinsamen Weg zu beschreiten, wird über kurz oder lang in seiner Existenz bedroht sein.

2. Aufbau der Arbeit

In den Mittelpunkt dieser Arbeit soll ein strategisches Konstrukt gestellt werden, in welchem die oben aufgeführten Gegebenheiten unseres Zeitalters als Erfolgspotentiale Berücksichtigung finden und das erstmals 1992 von Davidow und Malone angesprochen wurde: „Das virtuelle Unternehmen“.

Durch die Ausführungen der nächsten Seiten soll der Leser erst einmal ein Verständnis erlangen, um was es sich bei einem virtuellen Unternehmen handelt. Er wird erfahren, welche Merkmale es besitzt und welche Voraussetzungen geschaffen sein müssen, damit eine solche Unternehmung funktioniert.

Danach betrachten wir die virtuelle Unternehmung in seiner Mikrostruktur und gehen dabei insbesonders auf die Mitarbeiter ein. Im Anschluß daran werden die durch die Organisationsstruktur bedingten neuen Arbeitsformen erläutert.

Letztendlich soll ein Überblick über die sich daraus ergebenden Anforderungen und Möglichkeiten für die Mitarbeiter im virtuellen Unternehmen gegeben werden.

3. Das virtuelle Unternehmen

3.1. Zum Begriff „virtuell“

Soll einem das Konstrukt des virtuellen Unternehmen deutlich werden, so muß man erst einmal den Begriff „virtuell“ verstehen.

In der Physik bedeutet „virtuell“, daß etwas der Wirkung, nicht aber der Sache nach vorhanden ist. Ähnlich dem verbindet man Umgangssprachlich mit virtuell Attribute wie „nicht wirklich“, „scheinbar“ oder „der Anlage nach vorhanden“.

Das Konzept der virtuellen Unternehmensorganisation entstammt dem anglo-amerikanischen Sprachraum und wurde 1992 von Davidow und Malone in ihrem Buch „The virtual Corporation“ erstmals erwähnt. Die beiden beschrieben Virtualität mit Attributen wie „nicht real“, aber in der Möglichkeit doch existierend („Als-ob-Realität“), als „anpassungsfähig“ und „interaktiv“.[2]

Ein Objekt kann somit als virtuell bezeichnet werden, wenn es alle wesentlichen Merkmale eines Objektes erfüllt, es aber real nicht existiert.

3.2. Zum Begriff „virtuelles Unternehmen“

Als Malone und Davidow 1992 in den USA und ein Jahr später in Deutschland mit ihrem oben genannten Buch erstmals die Diskussion um eine neue Art von Unternehmen entfachten, welches die Ausnutzung von Synergieeffekten und der neuen Technologien zur flexiblen und effizienten Eroberung der Weltmärkte in den Mittelpunkt rückte, wirkte dieses Konzept noch rätselhaft und undurchsichtig.

Die beiden argumentierten, daß ein Außenstehender das virtuelle Unternehmen als ein „fast konturloses Gebilde mit durchlässigen und ständig wechselnden Trennlinien zwischen Unternehmung, Lieferanten und Kunden“ sieht.[3] Die interne Form wurde durch herkömmliche Arbeitsgruppen, Abteilungen und Unternehmensbereiche, die sich ständig und je nach Bedarf bzw. Aufgabenstellung reformieren[4], beschrieben.

In zahlreichen Arbeiten über das virtuelle Unternehmen finden sich seitdem verschiedene Definitionsansätze. Eine der vielzitiertesten Begriffsbestimmungen ist die von Byrne. Er definiert die virtuelle Unternehmung als „a temporary network of companies that come together quickly to exploit fast-changing opportunities. In a Virtual Corporation, companies can share costs, skills, and access to global markets, with each partner contributing what it’s best at.”[5]

Betrachten wir also im folgenden die Eigenschaften, die ein virtuelles Unternehmen in seiner Form und Funktionsweise kennzeichnen.

3.3. Merkmale des virtuellen Unternehmen

3.3.1 Temporäre Kooperation rechtlich selbständiger Unternehmen

Das virtuelle Unternehmen hat die Struktur eines Unternehmensnetzwerkes, das aus rechtlich selbständigen Unternehmen, Institutionen und/oder Einzelpersonen besteht, welche an einem koordinierten Wertschöpfungsprozeß beteiligt sind.

Ihre rechtliche Unabhängigkeit wird durch das Fehlen eines explizit festgelegten, gemeinsamen, juristischen Daches deutlich.

Die wirtschaftlichen Austauschbeziehungen können dabei sehr flexibel auftragsbezogen auf- und abgebaut werden. Die kundenspezifische Produktion und Distribution von Gütern und Dienstleistungen erfolgt erst zum Zeitpunkt der Nachfrage.

Die Zusammenarbeit der Unternehmen ist für den Abnehmer der Leistung im allgemeinen nicht ersichtlich, da es sich meist nur um zeitlich begrenzte Zusammenschlüße zur Ausnutzung von Marktchancen handelt. Nach der Auftragserfüllung gehen die Unternehmen wieder auseinander und es bilden sich zur Bewältigung neuer Aufgabengebiete wieder Kooperationen von Unternehmen.

3.3.2. Reduktion auf Kernkompetenzen

Im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmungen konzentriert sich die virtuelle Unternehmung auf Kombination von Kernkompetenzen. Kernkompetenzen stellen das unternehmensspezifische Wissen, die spezifischen Fertigkeiten und die von einem Unternehmen beherrschten Technologien dar, mit denen es sich am Markt von Konkurrenten positiv unterscheidet.[6] Das bedeutet, daß jeder Kooperationspartner eine Tätigkeit besonders gut – i.d.R. kostengünstiger, zumindestens besser als andere Kooperationspartner – ausführen kann.[7]

„Jeder Akteur trägt sein spezifisches Leistungs- und Qualifikationsprofil zu dieser virtuellen Unternehmung bei. Er kann Mitglied unterschiedlicher, völlig unabhängiger, auch nebenläufig operierender „Organisationen“ sein. Aufgabenbewältigung findet also nicht in statischen, vordefinierten Strukturen statt, sondern als problembezogene, dynamische Verknüpfung realer Ressourcen zur Bewältigung konkreter Aufgabenstellung.“[8]

[...]


[1] vgl. v. d. Oelsnitz

[2] vgl. Davidow, Malone 1993 S.13

[3] vgl. Davidow / Malone 1993 S.15

[4] vgl. Davidow / Malone 1993, S.15

[5] Byrne / Brandt 1993, S. 36-41

[6] Kemmner / Gillessen 2000, S.13

[7] Brill / de Vries 1998 S. 57

[8] vgl. Picot/Reichenwald/Wigand 1996, S.395

Details

Seiten
27
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638109314
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1498
Institution / Hochschule
Technische Universität Ilmenau – Betriebswirtschaftslehre
Note
2,3
Schlagworte
Mitarbeiter Unternehmen Neue Anforderungen Möglichkeiten Hauptseminar Personalführung

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