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Innovative Arrangements zur eigenkapitalähnlichen mezzaninen Finanzierung mittelständischer Firmenkunden

Überblick und Diskussion distinktiver Merkmale

Bachelorarbeit 2008 45 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzungen und notwendige Hintergrunderläuterungen
2.1. Innovative mezzanine Arrangements
2.1.1. Abgrenzung von klassischen mezzaninen Finanzierungen
2.1.2. Zur Notwendigkeit innovativer Lösungen aus Bankensicht
2.2. Zur begrifflichen Verwendung „eigenkapitalähnliche“ Mezzanine
2.3. Eingrenzung des Begriffs „mittelständische Firmenkunden“
2.4. Definition „distinktives Merkmal“

3. Überblick und Systematisierung innovativer mezzaniner Arrangements
3.1. Tabellarischer Überblick und Systematisierung innovativer mezzaniner Arrangements
3.2. Mezzanine Arrangements mit Prozessinnovationen
3.2.1. Mezzanine mit Besonderheiten bei der Bonitätsprüfung
3.2.1.1. Mezzanine mit Bonitätsprüfung mittels Due Diligence
am Beispiel der EquiNotes von Deutscher Bank und IKB
3.2.1.2. Mezzanine mit verringerten Bonitätsanforderungen am
Beispiel des Programms STEM der Bayern LB und West LB
3.2.2. Innovativität der technisch-organisatorischen Gestaltung der
Refinanzierung
3.2.2.1. Standardisierte Mezzanine mit Refinanzierung über
Verbriefungen am Beispiel der HVB PREPS
3.2.2.2. Wenig standardisierte Mezzanine aus Fondskapital am
Beispiel des MidCapFund BY / BW
3.3. Mezzanine Arrangements mit Produktinnovationen
3.3.1. Innovative Mezzanine zur Erschließung neuer Kundengruppen
3.3.1.1. Mezzanine mit verringerten Belastungen zu Beginn der
Finanzierung am Beispiel der Mittelstands Mezzanine
der Nord LB
3.3.1.2. Kleinstmezzanine am Beispiel des
ETL-Eigenkapitalprogramms
3.3.2. Innovative Mezzanine mit besonderen Haftungsqualitäten
3.3.2.1. Nachrangige Arrangements zur Vermeidung der
Insolvenz am Beispiel von H.E.A.T Mezzanine der
HSBC Trinkaus & Burkhard
3.3.2.2. Mezzaninkapital mit Teilnahme an laufenden
Verlusten am Beispiel der Smart Mezzanine der
Haspa, LBBW und HSH Nordbank
3.3.3. Innovative Mezzanine mit besonderen
Liquiditätssicherungs- und Haftungsqualitäten
3.3.3.1. Mezzanine mit Aussetzung der Zinszahlungen und
Teilnahme an laufenden Verlusten am Beispiel der
CB MezzCap der Commerzbank
3.3.3.2. Mezzanine mit ausschließlich gewinnabhängiger
Verzinsung und Teilnahme an laufenden Verlusten
am Beispiel des Buchanan Genussscheinfonds

4. Diskussion distinktiver Merkmale der Gruppen innovativer Mezzanine
4.1. Distinktivität durch Besonderheiten bei der Bonitätsprüfung
4.1.1. Distinktivität durch verringerte Risikokosten
4.1.2. Distinktivität durch zusätzliche Absatzmöglichkeiten im
Unter-Investment-Grade-Segment
4.2. Distinktivität auf Grund der technisch-organisatorischen
Gestaltung der Refinanzierung
4.2.1. Distinktive Merkmale standardisierter Mezzanine mit
Refinanzierung über SPVs
4.2.1.1. Distinktivität durch Vermeidung von Risikokosten bei
der Bank und in Folge geringere Finanzierungskosten
des Unternehmens
4.2.1.2. Distinktivität durch Unabhängigkeit von der Hausbank
4.2.1.3. Distinktivität durch netzwerkverteilte Leistungserstellung
4.2.2. Distinktive Merkmale wenig standardisierter Fonds-Mezzanine
4.3. Distinktivität durch Erschließung neuer Kundengruppen für die Bank
4.3.1. Distinktivität durch zeitliche Verlagerung der Zahlungsströme
4.3.2. Distinktivität durch Ansprache von kleinen Unternehmen
4.4. Distinktivität durch besondere Eigenkapitalnähe
4.4.1. Distinktivität durch besondere Haftungsqualitäten
4.4.2. Distinktivität durch besondere Haftungsqualitäten sowie
Liquiditätsschonung in Abhängigkeit von der Geschäftslage

5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Anhang 1: Überblick und Systematisierung innovativer Mezzanine
Anhang 2: Funktionsweise von standardisierten, verbrieften Mezzaninprogrammen am Beispiel der PREPS 2006-
Anhang 3: Kostenkomponenten einer Kreditfinanzierung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Vor dem Hintergrund der Veränderungen im Bankenaufsichtsrecht durch Basel II[1] und der zunehmenden Dynamik der Märkte im Zuge der Globalisierung hat der früher wenig beachtete Markt für mezzanine Finanzierungen in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen.

Bereits 2003 umfasste das Transaktionsvolumen in Europa ca. fünf bis sechs Milliarden Euro. Mittlerweile dürften es mehr als sieben Milliarden Euro jährlich sein, woran deutsche Unternehmen[2] den zweitgrößten Anteil haben.[3]

Dabei wurden derartige Finanzierungsformen auch für mittelständische Firmenkunden deutscher Kreditinstitute in den letzten Jahren zunehmend interessant. Welche inno-vativen Arrangements hier seitens der Kreditinstitute angeboten werden, welche Wett-bewerbsvorteile sie den Kunden bringen und in welchem Umfang sich durch entstehende nachhaltige Wettbewerbsvorteile neue ertragsmäßige Spielräume auch für Banken und Initiatoren eröffnen, soll im Folgenden untersucht und diskutiert werden.

Im zweiten Kapitel werden zunächst die zentralen Begriffe der Aufgabenstellung in der Weise definiert und abgegrenzt, wie sie in der vorliegenden Arbeit verwendet werden.

Das dritte Kapitel bezieht sich dann auf einen tabellarischen Überblick über innovative Mezzanin-Finanzierungen am deutschen Markt (Anhang 1). Diese Übersicht kann auf Grund der Vielzahl der Anbieter nicht vollständig sein, berücksichtigt aber sehr wohl die größten Anbieter und somit den größten Teil der Transaktionen. Aus diesem Überblick folgt ein Ansatz zur Systematisierung der Arrangements anhand gemein-samer innovativer Merkmale einzelner Angebote, bzw. anhand der Ähnlichkeit der Innovationen.

Im vierten Kapitel werden daran anschließend die distinktiven Merkmale der Inno-vationen herausgearbeitet und diskutiert. Hierbei wird das Augenmerk zum einen auf den zentralen Nutzen der innovativen Arrangements für die mittelständischen Kunden gerichtet. Zum anderen wird die Vorteilhaftigkeit für die Wettbewerbssituation der Bank anhand der Kostenkomponenten des Kreditprozesses[4] betrachtet.

Im Abschluss werden die zentralen Überlegungen und Erkenntnisse zusammengefasst und bewertet. Dabei wird auch der feststellbare Markterfolg der Mezzanine einbezogen.

2. Begriffsabgrenzungen und notwendige Hintergrunderläuterungen

2.1. Innovative mezzanine Arrangements

2.1.1. Abgrenzung von klassischen mezzaninen Finanzierungen

Um das Spektrum innovativer Arrangements zu umreißen, ist zunächst eine Abgren-zung klassischer mezzaniner Finanzierungen notwendig. Dazu bieten sich die allgemei-nen Merkmale in Verbindung mit den gebräuchlichsten Voraussetzungen und Vereinba-rungen an.

Mezzaninkapital weist eine Reihe von Merkmalen sowohl von Eigen- als auch Fremd-kapital auf. Charakteristisch sind dabei insbesondere folgende Elemente:

- Nachrangigkeit gegenüber anderen Gläubigern im Liquidationsfall
- Vorrangigkeit gegenüber dem Eigenkapital
- höhere Verzinsung als beim Fremdkapital
- zeitliche Befristung[5]

Neben der konkreten Ausgestaltung der Konditionen einer mezzaninen Finanzierung ist der rechtliche Charakter zu beachten. Nach deutschem Recht gibt es hier stille Gesell-schafter (§§230 – 236 HGB), Wandel- und Optionsanleihen, Genussscheine (§221 AktG) und nachrangige Darlehen.[6] Dabei ist die Ausgestaltung als nachrangiges Bank-darlehen in Europa die in den letzten Jahrzehnten bei weitem häufigste Kontraktform.[7] Ein weiterer zentraler Aspekt mezzaniner Finanzierungen ist die relativ hohe notwen-dige Kontraktgröße, welche auch im Falle klassischer Nachrangkredite von Seiten der Banken erwartet wird. Kleinere Tranchen sind auf Grund der Individualität und des damit einhergehenden hohen Prüfungs- und Ausreichungsaufwands klassischer Mezzanine in aller Regel zu teuer. Darüber hinaus benötigt der Kapitalnehmer eine deutlich überdurchschnittliche Bonität, was den Kreis in Frage kommender Unter-nehmen weiter einschränkt.[8]

Eine Innovation im Sinne eines innovativen Arrangements liegt vor, wenn ein Produkt, bzw. ein Prozess, in diesem Fall das Mezzaninkapital bzw. sein Vergabeprozess, durch neuartige Kombinationen von Verfahren, Produkten oder Systemen verändert oder neu gestaltet wird. Dieses kann auf Grund des Bestrebens des Initiators, sich vom Wett-bewerb abzusetzen, geschehen, ebenso wie durch verändertes Kundenverhalten. Wesentlich ist, dass das neue Produkt oder der neue Prozess dem Kunden einen zusätz-lichen Nutzen bringt oder dem Initiator bzw. der Bank[9] Kostensenkungen ermöglicht und somit direkt oder indirekt die Wettbewerbsposition der Bank verbessert.[10] Aus-gehend von dem oben bezeichneten Nachrangdarlehen fallen darunter alle die Kon-trakte, welche entweder von den vorgenannten allgemeinen Merkmalen abweichen oder neue Gestaltungsmerkmale implementieren. Daneben fallen Veränderungen oder neu-artige Standardisierungen einzelner Schritte des Vergabeprozesses hierunter.

2.1.2. Zur Notwendigkeit innovativer Lösungen aus Bankensicht

Die Notwendigkeit zur Innovation auch und gerade im Bereich des Angebots an Krediten und Finanzierungen ergibt sich für Banken aus der im vorigen Abschnitt angesprochenen Notwendigkeit, sich in einem dynamischen Wettbewerb zu behaupten. Dabei sind speziell die jüngeren aufsichtsrechtlichen Neuerungen um Basel II sowie der längerfristige Trend zur Finanzierung über den Kapitalmarkt zu berücksichtigen. Darüber hinaus ist insbesondere in Deutschland ein intensiver Wettbewerb im Banken-sektor zu beobachten. Dieser wirkt als Katalysator für Innovationen zur Festigung der immer wieder neu zu behauptenden Wettbewerbspositionen der Kreditinstitute.

Ein nach Prozesskosten ganz besonders teures Produkt im Firmenkundengeschäft der Banken ist dabei die Kreditvergabe, ein Bereich der mezzanine Finanzierungen ein-schließt. Dass hier noch umfangreiche Einsparpotenziale vorhanden sind, wird auch von Vertretern der Praxis bestätigt.[11]

Die in der Solvabilitätsverordnung in deutsches Recht umgesetzten Richtlinien nach Basel II sehen im Kern vor, dass eingegangene Risiken durch Banken mit haftendem Eigenkapital zu unterlegen sind. Dies begrenzt die Fähigkeit der Kreditinstitute, Darlehen zu vergeben, in Abhängigkeit von der Bonität der Darlehensnehmer. Deren Bonität bestimmt sich wiederum zu einem gewichtigen Teil aus Ihrer Eigenkapital-quote,[12] die beim deutschen Mittelstand im Jahr 2003 nur bei durchschnittlich acht Pro-zent der Bilanzsumme lag.[13] Allein die Möglichkeiten der Innenfinanzierung zum Eigenkapitalaufbau sind in der Regel begrenzt und von der Geschäftsentwicklung abhängig.[14] Somit gewinnen einerseits mezzanine Finanzierungen auch für mittel-ständische Unternehmen an Bedeutung, um ihre wirtschaftliche Eigenkapitalbasis zu stärken. Dies führt tendenziell zu einer Nachfragesteigerung. Andererseits werden Ban-ken bestrebt sein, ihre buchmäßigen Kreditrisiken zu begrenzen.

Ersteres schafft Banken einen Mezzanin-Markt im Mittelstand, den es zu bedienen gilt. Letzteres erhöht den Druck, bilanzschonende Finanzierungslösungen zu konstruieren.

Dieser Hintergrund begünstigt demnach den ohnehin vorhandenen Trend einer Verla-gerung der Unternehmensfinanzierung weg von der Bank, hin zum Kapitalmarkt, der sich auch auf Mezzanine erstreckt.[15]

2.2. Zur begrifflichen Verwendung „eigenkapitalähnliche“ Mezzanine

Eigenkapital i. S. des HGB lässt sich durch vier Merkmale abgrenzen:

- Es ist nachrangig gegenüber Fremdkapital;
- Es hat eine unbegrenzte oder zumindest lange Laufzeit;
- Es nimmt am laufenden Verlust teil;
- Es wird erfolgsabhängig vergütet.[16]

Fremdkapital hingegen erfüllt diese Merkmale (ggf. mit Ausnahme des zweiten Aspekts) nicht.

Der Grad der Eigenkapitalähnlichkeit von Mezzaninen lässt sich daher bestimmen, welche der aufgeführten Merkmale es in welchem Umfang erfüllt. Dabei sind die Nach-rangigkeit und die lange Laufzeit Grundvoraussetzungen, damit das Kapital als wirt-schaftliches Eigenkapital berücksichtigt werden kann. Erst das bewirkt die gewünschte Verbesserung der Bonität aus Sicht der bevorrechtigten Kreditgeber. Die Kriterien für die Berücksichtigung als wirtschaftliches Eigenkapital sind keineswegs einheitlich, sondern variieren von Bank zu Bank. Oft wird zumindest entweder eine gewinn-abhängige Verzinsung oder ein beteiligungsähnliches Mitspracherecht vorausgesetzt.[17]

Der Begriff „eigenkapitalähnlich“ ist im Folgenden nicht ausschließlich auf den bilan-ziellen Ausweis als Eigenkapital beschränkt. Er bezieht sich vielmehr auf mezzanines Kapital, das dem Unternehmen Haftungsleistungen zuführt, also Eigenkapital zumindest im wirtschaftlichen Sinn darstellt.

2.3. Eingrenzung des Begriffs „mittelständische Firmenkunden“

Die Begriffe „Mittelstand“ und „mittelständisch“ i.S. von Wirtschaftsunternehmen wer-den in Wissenschaft und Praxis sehr unterschiedlich abgegrenzt. Verschiedene quali-tative aber insbesondere quantitative Merkmale können hierzu herangezogen werden.

Die Europäische Kommission gibt als Obergrenzen für kleine und mittlere Unter-nehmen (KMU) einen maximalen jährlichen Umsatz von 50 Mio. Euro, eine maximale Mitarbeiterzahl von 250 und eine Bilanzsumme von 43 Mio. Euro an.[18] Zu beachten ist, dass nach dieser Definition 99 Prozent aller Unternehmen der Europäischen Union hier-unter fallen.[19] Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung geht einen Schritt weiter und zählt Unternehmen bis 50 Mio. Euro Umsatz und 500 Mitarbeitern zu den KMU.[20] In diesem Zusammenhang werden hier zudem qualitative Kriterien noch stärker in den Vordergrund gestellt. So ist für mittelständische Unternehmen der Aspekt der „Einheit von Eigentum, Leistung, Haftung und Risiko“[21] genau so charakteristisch, wie die Konzernunabhängigkeit und die Mitwirkung der Eigentümer an den unternehmerischen Entscheidungen. Diese Merkmale sind insbesondere in Deutschland prägend für die Identität des wirtschaftlichen Mittelstands und gehen weit über die definierten statis-tischen Größen für KMU, die in anderen Ländern alleiniges Kriterium sind, hinaus.[22]

Eine praxisorientierte Grenze zur Bestimmung des Mittelstands bietet die KfW. Als wichtiger Finanzier des deutschen Mittelstands offeriert sie ihr Mittelstandsprogramm zur langfristigen Investitionsfinanzierung Unternehmen bis zu einem Jahresumsatz von 500 Mio. Euro.[23] Bei großen Kreditinstituten zeigt sich eine etwas engere Eingrenzung. Sowohl die HypoVereinsbank, als auch die Commerzbank grenzen das Segment mittelständischer Firmenkunden branchenübergreifend bei 250 Mio. Euro Jahresumsatz ab. Wichtige Berücksichtigung findet bei beiden Instituten auch das Kriterium der wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Konzernangehörige Unternehmen werden i.d.R. im entsprechenden Verbund betreut und somit nicht als eigenständige mittelständische Kunden behandelt.[24]

Diese Abgrenzung soll auch im Folgenden als Hintergrund dienen, da sie den Bezug mezzaniner Finanzierungen zur Bank am besten abbildet.

2.4. Definition „distinktives Merkmal“

Ein distinktives Merkmal bezeichnet die Eigenschaft einer materiellen oder imma-teriellen Ressource oder eines Produkts, einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Ein Wettbewerbsvorteil entsteht dabei zunächst dadurch, dass die Eigenschaft einen ökonomischen Wert beinhaltet. Die Ressource muss dafür einen Nutzen bringen und hinreichend knapp vorhanden sein. Darüber hinaus lässt sich aber erst von einem distinktiven Merkmal sprechen, wenn drei weitere Bedingungen erfüllt sind:

- Inimitierbarkeit: Die Ressource darf für den Wettbewerb nicht ohne Weiteres kopierbar sein.
- Nicht-Substituierbarkeit: Die Ressource darf nicht einfach durch andere, möglicherweise leichter zu beschaffende Ressourcen ersetzbar sein.
- Immobilität: Die Ressource darf nicht frei am Markt verfügbar oder über einen anderen Weg als die Übernahme zu beschaffen sein.[25]

Im Bereich finanzieller Ressourcen werden alle drei Kriterien selten erfüllt. Oft steht z.B. dem Wettbewerb grundsätzlich die gleiche Finanzierungsquelle offen. Somit kann i.d.R. nicht von einem distinktiven Merkmal der Finanzierung an sich gesprochen wer-den. Sehr wohl ist dies aber in Bezug auf das anspruchsvolle Management der Ressourcen möglich.[26] Insofern ist eine entsprechende Finanzierung in der Lage, distinktiv zu wirken. Durch eine Vorteilhaftigkeit für das kapitalnehmende Unter-nehmen eröffnen sich in der Folge auch für die kapitalgebende oder vermittelnde Bank zusätzliche Ertragsspannen, wenn es gelingt, Anteile des finanziellen Vorteils zu verein-nahmen. Dies lässt auch aus Sicht der Bank von einer Distinktivität sprechen.

Es wird sich darüber hinaus zeigen, dass bestimmte Innovationen in der Lage sind, auch direkt positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit des Firmenkundengeschäfts der Bank zu wirken, indem Prozesse effizienter gestaltet werden.

3. Überblick und Systematisierung innovativer mezzaniner Arrangements

3.1. Tabellarischer Überblick und Systematisierung innovativer mezzaniner Arrangements

Zur Systematisierung innovativer mezzaniner Arrangements empfiehlt sich eine Aus-richtung an den in der Praxis bei Mezzaninen auftretenden innovativen Elementen. Die folgenden Schilderungen beziehen sich auf die in Anhang 1 dargestellte Systematik und die entsprechenden Gruppierungen.

In der im Anhang angefügten Tabelle wird dabei auf zwölf verschiedene Mezzanin-Pro-gramme[27] deutscher Anbieter Bezug genommen. Diese zwölf kommen in den Jahren 2004 bis 2007 auf ein kumuliertes Emissionsvolumen von annähernd sechs Milliarden Euro. Bei einer Gesamtausreichung mezzaniner Finanzierungen von schätzungsweise fünfundzwanzig Milliarden Euro in dieser Zeit[28] und insgesamt fast 60 Mezzanin-An-bietern[29] stellen diese sicher den größten Marktanteil dar. Dies gilt umso mehr, da der Großteil der in dieser Zeit insgesamt ausgereichten Mezzanine von fünfundzwanzig Milliarden Euro aus dem Bereich klassischer Mezzaninprodukte i.S. von Kapitel 2.1.1. stammt und ebenfalls von den in der Tabelle aufgeführten Anbietern herausgegeben wurde.

Die innovativen Arrangements lassen sich zuerst in zwei grundsätzliche unterscheidbare Gruppen aufteilen. Wie in Kapitel 2.1.1. umrissen, geschieht dies anhand des wesent-lichen innovativen Merkmals zunächst nach Prozess- und Produktinnovationen.

Erstere setzen dabei an, den Leistungserstellungsprozess einer Mezzanin-Finanzierung dergestalt zu verändern, dass die Produkteigenschaften verbessert, die Produktivität gesteigert oder Kosteneinsparungen ermöglicht werden.

Eine Produktinnovation verändert demgegenüber das Mezzanin in einem Konditions-element also in einem Kernbestandteil, wodurch ein neues Produkt geschaffen wird. Dieses muss gegenüber klassischen Mezzaninen einen für Kunden nutzenbringenden Vorteil gewähren. Das geschieht entweder durch eine Erweiterung von Nutzungs-möglichkeiten oder durch eine standardisierte Anpassung an konkret ermittelte oder vermutete Anforderungen seitens der Kunden.[30]

Die zweite Ebene bezieht sich in der Folge auf die beobachtbaren Innovationen im deutschen Mezzanin-Markt. Hier sind ggf. weitere Innovationen denkbar, im Rahmen der verfügbaren Informationen und überschaubaren Angebote aber nicht feststellbar.

Prozessinnovationen lassen sich am besten anhand der Phasen eines Kreditvergabe-prozesses bis hin zum Abschluss beobachten. Die Phasen sind im Einzelnen die Vertriebs- und Antragsvorbereitungsphase, danach die Bonitätsprüfungs- und Entschei-dungsphase und zum Schluss die Abschluss- und Refinanzierungsphase.[31]

Bei den untersuchten Arrangements lassen sich dabei Innovationen in der Bonitäts-prüfungsphase und in der Abschluss- und Refinanzierungsphase ausmachen. Die Bonitätsprüfung einiger Anbieter setzt dabei auf die Due Diligence[32] als besonders intensive Bonitätsermittlung. Andere weichen vom zumeist vorgefundenen Anspruch des Investment-Grades als Mindestbonität für eine Mezzanin-Finanzierung ab.

Bei Innovationen in der Abschluss- und Refinanzierungsphase treten Finanzierungen über Fonds und Verbriefungen auf. Letztere weisen einen besonders hohen Standardi-sierungsgrad in der Vertragsgestaltung zwischen Mezzaninnehmer und –geber auf. Die betrachteten Arrangements werden von den Initiatoren alle entweder über Fonds oder Verbriefungen refinanziert, weswegen bei der folgenden Vorstellung maßgeblich auf das besonders innovativ gestaltete Verbriefungs-Modell der PREPS abgezielt wird.

Auf Seiten der Produktinnovationen lässt sich eine noch größere Vielzahl an Lösungs-ansätzen betrachten. Dabei gibt es zunächst eine Gruppe von Mezzaninen, deren Konditionen so modifiziert sind, dass die Mezzanine für neue Kundengruppen, vornehmlich für kleinere Unternehmen, interessant werden. Konkret geschieht dies entweder durch eine Verlagerung finanzieller Belastungen vom Finanzierungsbeginn auf die Laufzeit oder durch das Angebot sehr kleiner mezzaniner Finanzierungsbeträge.

Die zweite und dritte Gruppe liegen vom Charakter her eng beieinander. Beide Gruppen bieten Innovationen zur Verbesserung der Haftungsqualität. Die dritte Gruppe geht darüber hinaus und beinhaltet Lösungen, die zusätzlich auf Liquiditätsverbesserungen abzielen. Im Einzelnen sind der zweiten Gruppe Mezzanine zuzuordnen, die Nach-rangigkeit nicht nur im Insolvenzfall[33] anbieten, sondern bereits zur Insolvenz-vermeidung dienen können. Hinzu kommen Mezzanine, die an laufenden Verlusten teilnehmen. In der dritten Gruppe finden sich solche, die neben der Teilnahme an laufenden Verlusten entweder auch einen Aufschub der Zinszahlungen oder sogar eine vollständige Gewinnabhängigkeit der Verzinsung beinhalten.

Einige Zuordnungen könnten in verschiedener Weise vorgenommen werden. Gerade wenn ein neues Mezzanin-Produkt Innovationen anderer Anbieter aufgreift, bestehen oftmals mehrere innovative Komponenten. Das Augenmerk soll in der Tabelle und in den folgenden Ausführungen vor Allem darauf liegen, an welcher Stelle bestimmte Innovationen besonders gut deutlich gemacht werden können und wo sich im folgenden Kapitel distinktive Merkmale besonders gut zeigen lassen.[34]

[...]


[1] Zur Erläuterung von Basel II vgl. Sanio (2004), S. 3 – 18.

[2] „Unternehmen“ bezieht sich im Folgenden auf die Firmenkunden der Kreditinstitute. Banken, die zweifelsohne auch Unternehmen darstellen, sind hierbei nicht einbezogen.

[3] Vgl. Plankensteiner/Rehbock (2005), S. 4.

[4] Der Begriff „Kredit“ wird im Folgenden in einem weiten Sinn verwendet. Er bezieht sich nicht nur auf (Bank-)Darlehen, sondern fasst alle hier diskutierten Gestaltungsformen der Fremdfinanzierung ein. Insofern bezieht sich der Begriff „Kreditprozess“ auch auf diesen weit gefassten Kreditbegriff.

[5] Vgl. Weise (2003), S. 364. Im Vergleich dazu nennen Ahrweiler/Börner (2003), S. 62 noch die steuerliche Abzugsfähigkeit und das Fehlen von Sicherheiten als weitere Charakteristika. Müller/Ott (2006), S. 2f. nennen statt der höheren Verzinsung ebenfalls die i.d.R. vorhandene steuerliche Abzugsfähigkeit und die hohe Flexibilität als wesentliche Merkmale.

[6] Vgl. Müller/Ott (2006), S. 2.

[7] Vgl. Müller (2003), S. 212.

[8] Vgl. Pfaffenholz (2005), S. 108 sowie Koop/Maurer (2006), S. 91.

[9] Der Begriff „Bank“ wird im Folgenden Synonym für „Kreditinstitut“ benutzt und schließt somit Institute der Sparkassenorganisation ein.

[10] Vgl. Weinberger et. al. (2005-2007), Schlagwort „Innovation“.

[11] Vgl. Borke (2006), S. 5.

[12] Vgl. Pfaffenholz (2005), S. 99-101.

[13] Vgl. Paul/Stein (2005), S. 40. Die Nord/LB spricht hier sogar nur von 7 Prozent: Brezski/Determann (ohne Datum), S. 4.

[14] Vgl. Göttsche (2004), S. 40.

[15] Eine grafische Veranschaulichung des Status Quo und der möglichen Entwicklung bietet Kleine et. al. (2007), S. 12.

[16] Vgl. Schuler (2006), S. 12 und Gündel/Werner (2005), S. 13.

[17] Vgl. Schuler (2006), S. 12.

[18] Vgl. European Commission Publications Office (2006), S. 14.

[19] Vgl. a.a.O., S. 5. Weitere Informationen in diesem Zusammenhang bietet Weinberger et. al. (2005-2007), Schlagwort „KMU“.

[20] Vgl. Günterberg/Wolter (2002), S. 20.

[21] a.a.O., S. 3.

[22] Vgl. a.a.O., S. 1.

[23] Vgl. a.a.O., S. 11.

[24] Quelle: persönliche Gespräche, eigene Praxiserfahrungen.

[25] Vgl. Bartmann (2005), S. 75.

[26] Vgl. Volery (2006), S. 255.

[27] Der Begriff „Programm“ wird im Folgenden sowohl für verbriefte, als auch für fondsfinanzierte Mezzanine in Abgrenzung zu den klassischen nachrangigen Bankdarlehen benutzt. In der Praxis wird dieser Begriff oft auf hochgradig standardisierte, verbriefte Mezzanine beschränkt.

[28] Das Volumen des Mezzaninmarktes ist schwer zu ermitteln, da es keine zentralen Datenerfassungen gibt. Die Zahl von 25 Mrd. Euro lässt sich überschlägig schätzen, wenn man ausgehend von den Zahlen von Plankensteiner/Rehbock (2005), S. 4, die von einem Anstieg von fünf auf sieben Mrd. Euro im Zeitraum 2003 bis 2007 ausgehen, einen Mittelwert von gut sechs Mrd. Euro annimmt und diesen mit vier Jahren multipliziert.

[29] Vgl. Bruch (2008b), S. 4.

[30] Vgl. Weinberger et. al. (2005-2007), Schlagwort „Innovation“.

[31] Vgl. Buchanan Capital Group (ohne Datum c), S. 3.

[32] Der Begriff „Due Diligence“ wird im kommenden Kapitel 3.2.1.1. näher erläutert.

[33] Zum Begriff und den Gründen einer Insolvenz vgl. InsO §18 Abs. 2 und § 19 Abs. 1.

[34] Für die gesamte Tabelle siehe Anhang 1.

Details

Seiten
45
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640609161
ISBN (Buch)
9783640609093
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149940
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Professur Korn
Note
1,7
Schlagworte
Bankbetriebslehre Mezzanine Bankmanagement Finanzierung Corporate Finance Kredit Bank Eigenkapital Mittelstand distinktiv Finanzwirtschaft SPE SPV Kapitalmarkt Fremdfinanzierung Eigenfinanzierung Fredmkapital Mezzanin innovativ Finanzmarkt Unternehmen Kreditfinanzierung Corporate Banking Firmenkunde Firmenkundengeschäft Conduit Refinanzierung Innovation Finanzinnovation

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