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Heterogenität und Interkulturelle Pädagogik

Durch Heterogenität in der Grundschule entstehende Anforderungen/Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten

Hausarbeit 2009 29 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thema & Aufbau der Arbeit
1.2 Forschungsüberblick

2 Hauptteil
2.1 Begriffliche Voraussetzungen: Definition Heterogenität
2.2 Erfahrungsbericht: Heterogenität in der Klasse 3b der Brüder-Grimm-Schule Ingelheim
2.3 Durch Heterogenität entstehende Anforderungen in der Schulanfangsphase
2.3.1 Anforderungen an Kinder in der Schulanfangsphase
2.3.2 Anforderungen an Lehrer in der Schulanfangsphase
2.3.3 Anforderungen an Eltern in der Schulanfangsphase
2.3.4 Elterngespräche und Beratung
2.4 Testverfahren zur Feststellung von Lernstand und Lernfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler
2.4.1 Allgemeine Bedingungen für die Durchführung von
entwicklungsdiagnostischen Tests
2.4.2 Ziele der Testverfahren und Auswertung der Testergebnisse
2.5 Heterogenität in Grundschulklassen
2.5.1 Interkulturelle Pädagogik und Heterogenität durch die Integration ausländischer Schüler
2.5.2 Beispiele für den Umgang mit Heterogenität in Grundschulklassen

3 Schluss
3.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.2 Forschungsausblick
3.3 Fazit

Literaturliste

Thema: Durch Heterogenität in der Grundschule entstehende Anforderungen/Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten

1 Einleitung

Das Thema Heterogenität, besonders in Grundschulklassen, hat mich bereits im Herbst 2008 nachdem ich ein Praktikum an einer Grundschule absolviert hatte, sehr interessiert. Man kann davon ausgehen, dass sich Heterogenität in Schulklassen durch die Entwicklung der Gesellschaft, weiter verbreitet. Als angehender Lehrer werde ich daher später viel mit heterogenen Klassen zu tun haben. Das Hausarbeitsthema gab mir zusätzlich die Möglichkeit, eigene Erfahrungen, die ich in meinem Schulpraktikum gemacht habe zu reflektieren und mich mit dem Thema zu beschäftigen. So konnte ich mir eine gewisse Vorstellung davon machen, was später im Beruf, oder auch in anderen Praktika, womöglich auf mich zukommen wird und mich somit darauf vorbereiten.

1.1 Thema & Aufbau der Arbeit

In meiner Hausarbeit widme ich mich allgemein dem Thema Heterogenität in Grundschulklassen, um dann genauer auf durch Heterogenität entstehende Anforderungen, beziehungsweise Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten einzugehen. Zunächst biete ich einen Forschungsüberblick, um die aktuelle Forschungssituation darzulegen. Im Hauptteil werde ich den Begriff Heterogenität erläuterten, da dieser in meiner Arbeit von elementarer Bedeutung ist. Es folgt ein Erfahrungsbericht über den Umgang mit Heterogenität in einer meiner Praktikumsklassen. Dieser Bericht ist sehr umfangreich, da er mich persönlich im Bezug auf Heterogenität zu neuen Erkenntnissen gebracht hat. Des Weiteren beschreibe ich die Anforderungen, die durch Heterogenität in der Schulanfangsphase entstehen. Diese sind noch einmal untergliedert in Anforderungen an Kinder, Lehrer und Eltern, da an diese drei Gruppen die größten Anforderungen gestellt werden. Unter dem Aspekt Anforderungen an Eltern, spielen Elterngespräche und Beratung eine besondere Rolle. Diese werden darüber hinaus an einem Beispiel einer Dortmunder Grundschule erläutert. Außerdem gehe ich auf Testverfahren zur Feststellung von Lernstand und Lernfähigkeiten von Schülerinnen und Schülern ein. Diese werde ich zum einen allgemein erläutern und auf die Bedingungen zur Durchführung entwicklungsdiagnostischer Tests genauer eingehen. Weiter beschreibe ich die Ziele der Testverfahren und Auswertung von Testergebnissen. Ein zusätzlicher Aspekt meiner Arbeit ist das Oberthema Heterogenität in Grundschulklassen. Hierbei geht es genauer um Heterogenität durch die Integration ausländischer Schüler. Dieses Thema schließt mit Beispielen und Ideen für den Umgang mit Heterogenität in Grundschulklassen. Das Ende der Arbeit bilden eine Zusammenfassung der Ergebnisse, ein Forschungsausblick und ein Fazit. Auch die Integration körperlich- oder geistig Behinderter spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, ich werde aber aufgrund der Komplexität dieses Themas nicht weiter darauf eingehen.

1.2 Forschungsüberblick

Es gibt zahlreiche Literatur, die sich mit dem Thema Heterogenität in Schulen auseinandersetzt. „Grundschule ist seit ihrer Entstehung 1920 als gemeinsame Schule für alle Kinder konzipiert“ (VBE Heft 59, August 2008, S. 142.). Somit ist Heterogenität als Bestimmungsmerkmal von Grundschulen bereits historisch begründet. Wobei dieser Ansatz in der Realität nicht immer umgesetzt wird. Maßnahmen struktureller Homogenisierung wie beispielsweise das Wiederholen einer Klasse, die Überweisung auf eine Förderschule, als auch das dreigliedrige Schulsystem, welches versucht homogene Gruppen zu bilden, widersprechen dieser Ansicht von Schule (Vgl. VBE Heft 59, August 2008, S. 142.). Dass Heterogenität in Schulen existiert ist ein Fakt. Über die Frage wie damit umzugehen ist gibt es hingegen unterschiedliche Ansichten. Zum einen gibt es die Befürworter von offenem Unterricht, die versuchen individuell mit jedem einzelnen Schüler und seinen Bedürfnissen umzugehen. Und zum anderen gibt es die Gegner des offenen Unterrichts, die auf klare Unterrichtsstrukturen und -inhalte beharren, sodass Bildung vergleichbar bleibt. Die Literatur beschäftigt sich mit Heterogenität im Speziellen, beispielsweise Heterogenität durch die Integration behinderter oder ausländischer Schüler. Darüber hinaus gibt es aber auch Werke die sich mit Heterogenität im Allgemeinen beschäftigen und zunächst einmal definieren was Heterogenität ausmacht und wie man diese erkennt. Für Lehrer gibt es ebenso jede Menge Ratgeber für den Umgang mit Heterogenität.

2 Hauptteil

Die Förderung des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Herkunft, besonders auch der Umgang mit Fremdheit und neuen Situationen, ist für Pädagogen und Lehrer eine unablässige Herausforderung. Ziel ist es, einen Lernprozess bei allen Beteiligten auszulösen. Durch das Erkennen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten können eigene, bis dahin nicht hinterfragte, Positionen überdacht werden und gegebenenfalls neue Lösungsstrategien erkannt werden. In vielen schulischen und pädagogischen Einrichtungen in Deutschland, wie auch in anderen Ländern, gibt es zu einem vermehrt lernbehinderte Kinder oder Kinder mit Einschränkungen, aber auch Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Kulturen, insbesondere solche mit Migrationshintergrund.

Hierbei werden das Wissen und die Kenntnis über Heterogenität und Migration besonders gefordert und eingesetzt. Es ist notwendig, den Hintergrund der einzelnen Kinder zu kennen, damit man auf bestimmte Situationen fachspezifisch und vor allem individuell agieren und reagieren kann. Wichtig ist es, zwischen den Schülerinnen und Schülern differenzieren zu können, um verschiedene Ansätze und Praxen mit den Kindern und Jugendlichen personengerecht anzuwenden. Aus den so eben genannten Gründen müssen Kinder auf den wechselseitigen Kontakt und die verschiedenen Lernweisen vorbereitet werden, um Konflikte und Auseinandersetzungen zu vermeiden und effektiv lernen zu können.

2.1 Begriffliche Voraussetzungen: Definition Heterogenität

Da der Begriff Heterogenität eine wesentliche Grundlage in meiner Arbeit darstellt, werde ich diesen zum besseren Verständnis zunächst einmal erläutern. Allgemein beschreibt Heterogenität eine Ungleichheit einer bestimmten oder unbestimmten Menge hinsichtlich eines oder mehrerer Merkmale. Dasselbe meint auch der Begriff Inhomogenität. Heterogenität findet Anwendung in vielen Bereichen, zum Beispiel in der Genetik, Informatik, Mathematik, Naturwissenschaft und Pädagogik. In dem für die Pädagogik wichtigen Aspekt beschreibt Heterogenität die Ungleichheit beziehungsweise Differenzen zwischen einzelnen Individuen einer Gruppe oder einer Schulklasse hinsichtlich verschiedener Merkmale und Faktoren wie beispielsweise dem Lernstand, Alter, Herkunft und Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmer. Um dies genauer zu definieren, bietet die exemplarische Unterscheidung von Martin Wellenreuther eine durchdachte Einteilung von Heterogenität. Er unterscheidet hierbei zwischen vier Merkmalen, unter denen sich Heterogenität manifestieren kann. Zum einem die Wissensbasis, die besagt, dass jeder Schüler und jede Schülerin einer Klasse in den verschiedenen Wissensbereichen über unterschiedliche Kenntnisse verfügen. Daraus folgt, dass die zu lernende Informationsmenge für den jeweiligen Lernenden differenziert ist. Des Weiteren unterscheiden sich Schülerinnen und Schüler darin, wie schnell sie Informationen aufnehmen, wie viele Informationen sie im Arbeitsgedächtnis speichern und wie effizient sie Informationen in ihr Langzeitgedächtnis integrieren können. Weiterhin gibt es Unterschiede der Schüler in ihrer Lernlust, ihren Ängsten und ihrem Maß an Motivation. Dies bezieht sich auf alle motivationsbedingenden Faktoren, unter anderem auch auf Schul- oder Prüfungsängste. Der letzte Aspekt Wellenreuthers ist die verschieden ausgeprägte Kenntnis und Anwendung von Lernstrategien und Verfahrensweisen bei der Problembearbeitung, sowie die Ausprägung der Fähigkeit, die eigenen Problemlösungen kritisch zu beurteilen ( Vgl. Roßbach, H.-G., Wellenreuther, M., 2002, S. 44-57.).

Jedoch bleibt Heterogenität auch immer ein relativer Begriff, welcher vom Maßstab abhängt und nur zusammen mit Homogenität, der Gleichheit einer Eigenschaft über die gesamte Ausdehnung eines Systems oder einer Gruppe, zu betrachten ist. So ist Heterogenität ein Begriff, dessen Definition von Subjektivität des jeweiligen Betrachters, beeinflusst wird (Vgl. Wenning, N., 2007, S. 24.).

2.2 Erfahrungsbericht: Heterogenität in der Klasse 3b der Brüder-Grimm-Schule Ingelheim

Die Brüder-Grimm-Schule Ingelheim ist eine von vier Grundschulen in Ingelheim. Seit dem Jahre 2001 zählt die Schule zu einer der ersten Schwerpunktschulen in Rheinland-Pfalz und unterscheidet sich somit von anderen Schulen. In Schwerpunktschulen werden beeinträchtigte Kinder, die bisher Förderschulen besuchten, in die Klassen von Regelschulen integriert. Die Beeinträchtigungen der Schülerinnen und Schülern reichen dabei von Lern-, Sprach- und Körperbeeinträchtigung, über die geistige Beeinträchtigung bis hin zu sozial-emotionalen und einer Vielzahl an unterschiedlichen Beeinträchtigungen, die sich teilweise mit den bereits genannten überschneiden und durch Migration ausgelöst werden. Zurzeit besuchen 261 Schülerinnen und Schüler elf Klassen der dreizügigen Grundschule. Davon sind 33 Kinder in irgendeiner Form beeinträchtigt. 22 Lehrkräfte sind für die pädagogischen Aufgaben zuständig. Unterstützt werden sie von sieben Integrationshelfern, dem Förderverein sowie dem Schulelternbeirat. Das Konzept dieses integrativen Unterrichts sieht keine reinen Integrationsklassen vor. Die Schule als Ganzes sieht sich als Integrationsort. Das pädagogische Angebot der Schule wird ergänzt durch eine Hausaufgabenbetreuung an drei Nachmittagen und durch verschiedene Kooperationen mit Vereinen und zusätzlichen Arbeitsgemeinschaften. Gefördert und differenziert wird meist individuell innerhalb der Klassen. Der Unterricht wird zu circa einem Drittel der Zeit von zwei gleichberechtigten Lehrkräften, einem Förderlehrer und einem Grundschullehrer, betreut. Darüber hinaus gibt es weitere Fördermöglichkeiten für Kleingruppen. Hierzu zählen die Förderung der Psychomotorik, der Fähigkeiten in Mathematik und Deutsch, Deutsch als Zweitsprache sowie Sport- und Motorik-Förderung. Selbstständiges Lernen wird an dieser Schule groß geschrieben. Dieses äußert sich beispielsweise in Themenarbeit, Wochenplanarbeit oder Atelierarbeit, von denen die letzten Beiden im Anschluss noch erläutert werden. Die Vorteile dieser Unterrichtsformen liegen in der individuellen Förderung jedes einzelnen Schülers. Die Schule wird zu einem „Ort des Lernens“, in dem die Lehrkraft die Aufgabe des Mittlers und Beraters übernimmt. Ziel ist nicht die Anhäufung von Wissen, sondern die Aneignung elementarer Kompetenzen. Zur Dokumentation und Reflexion des Lernerfolgs wird für jedes Kind ein individueller Förderplan entwickelt. Dieser enthält eine Bestandsaufnahme des aktuellen Lernstandes sowie die angestrebten Lernziele für einen überschaubaren Zeitraum.

Darüber hinaus zählt die Brüder-Grimm-Schule zu einer der acht in Rheinland-Pfalz ausgewählten selbstverantwortlichen Schulen. Im Februar 2005 initiierte das rheinlandpfälzische Bildungsministerium das Schulentwicklungsprojekt „Selbstverantwortliche Schule“. Dieses Projekt ermöglicht es den Schulen, neue Wege der Förderung aller Schülerinnen und Schüler selbstverantwortlich zu verwirklichen (Vgl. http://www.bgs.bildung-rp.de/, Zugriff am 30.07.2009.).

Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich die Brüder-Grimm-Schule von anderen Grundschulen durch ihren Schwerpunkt des integrativen Unterrichts und durch das Projekt der selbstverantwortlichen Schule. Sicherlich arbeiten auch andere Grundschulen mit Formen des offenen Unterrichts, doch meist geschieht das erfahrungsgemäß in ganz anderem Umfang und unter anderen Vorgaben. Häufig ist an anderen Grundschulen eine Mischung aus offenem Unterricht und Frontalunterricht zu beobachten.

Während eines Praktikums in einer dritten Klasse der Brüder-Grimm-Schule konnte ich einen durch verschiedene Methoden abwechslungsreich gestalteten Unterricht beobachten.

Jeden Morgen wurde, nach der Begrüßung, der Schultag mit einer sogenannten Lerngymnastik begonnen, bei der alle zusammen gemeinsam Sport machten, um Kopf und Körper zu aktivieren. Anschließend tanzten die Schülerinnen und Schüler einfache, teils selbst ausgedachte Bewegungen auf Musik. Hierbei wurden die jungen Sportler darauf hingewiesen, dass diese Übung dazu diene, die Zusammenarbeit der linken und rechten Gehirnhälfte zu fördern. Die Bewegungsübungen dienten den Schülern zum einen dazu, wach zu werden und den Kopf frei zu bekommen, zum anderen förderten sie aber motorische Fähigkeiten und die Kreativität. An dieser Stelle ist allerdings kritisch anzumerken, dass die Schülerinnen und Schüler die Erklärungen zu den Übungen aufwendig aufsagten und unklar ist, ob sie diese Begründung wirklich verstanden haben.

Im Stundenplan der dritten Klasse ist täglich mindestens eine Stunde Atelierarbeit vorgesehen. Mittwochs ist Ateliertag. Darüber hinaus gibt es Zeit für die Bearbeitung des Wochenplans sowie gemeinsame Lernzeit. Sport- und Religionsunterricht tauchen im Stundenplan gesondert auf, da diese beiden Fächer von anderen Lehrkräften unterrichtet werden. Die gemeinsame Lernzeit kann vom Lehrer flexibel gehandhabt werden. Wenn etwas Wichtiges ansteht, äußert sie sich beispielsweise in kurzen, frontalen Phasen. In dieser Zeit können auch Referate oder Präsentationen von Schülerinnen und Schülern gehalten werden. Sofern Bedarf besteht, kann in der gemeinsamen Lernzeit auch der Wochenplan weiter bearbeitet werden.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640615889
ISBN (Buch)
9783640616107
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149964
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Bildungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Migration Interkulturelle Pädagogik Grundschule Didaktik Heterogenität Schulklassen Herausforderungen Bildungswissenschaften Lehrergespräche Testverfahren Diagnostik Lernstand Lernfähigkeiten Schulanfangsphase

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Titel: Heterogenität und Interkulturelle Pädagogik