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Das Glück und der Mensch

Ein Spaziergang von Epikur zur Hauptperson Marcuse und weiter zu Frankena, von den alten Zeiten bis in die jüngste Gegenwart

Essay 2010 101 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

Vorwort zur Lage
Moral - Was soll's? Hält sich ja eh keiner dran. Und Glück?

Der erste Versuch: Die Entdeckung von Glück, Spaß und Freude in der antiken Philosophie
Das Schöne im Leben - Glück und Glückseligkeit: Diogenes in der Tonne und das Postulat subversiver Philosophie
Allgemeine Grundsätze antiker Ethik: "Ich werde jeden Tag gottgleicher." (Epikur)

Die Abschaffung des Glücks durch die Kirche und die bürgerliche ´Vernunftphilosophie´
Paulus und Mathilde von Magdeburg
"Der Asket macht aus der Tugend eine Not." (Nietzsche)
Was z.B. Nicolai Hartmann aus dem deutschen Idealismus machte
Kant und der Formalismus

Aufklärung - Revolution - Mensch
La Mettrie und der falsche Traum der Aufklärung
De Sade und das Elend bürgerlicher Moral

Materialismus und Wirklichkeit
Der "Feuer-bach"
Entfremdung - der Mensch im real existierenden Kapitalismus

Individuum und Allgemeinheit
Vom Zufall zur Innerlichkeit oder raus in die Welt
Zur Realität
Vernunft und individuelles Glück/Allgemeinheit und Individuum
"Die Wahrheit des Hedonismus wäre seine Aufhebung in einem neuen Prinzip der gesellschaftlichen Organisation, nicht in einem anderen philosophischen Prinzip".
Der Weg und das Ziel

Kapitulationen
Botho Strauss: ein deutscher ´Postmoderner` auf dem Weg zum Faschismus
Menschenbilder aus der Psychoanalyse
Soziobiologisches
Zygmunt Bauman und das Moralische innendrin
Zynismus als herrschende Ideologie (Sloterdijk)

Formalismen
Fehler und Traum bei Habermas' Diskursethik - von der Sprachphilosophie zur Kriegspropaganda
Die Analytiker und Apel
Zur Ideologie der Besetzung des Kosovo
Die Ethik des entwickelten Kapitalismus: Utilitarismus
Frankena
Immer schlimmer: Bioethik

Schlussbetrachtung

Literaturliste

Vorwort zur Lage

Moral - Was soll's? Hält sich ja eh keiner dran. Und Glück?

Der historische Misserfolg der 10 Gebote ist eine Tatsache, da kann man nicht daran rütteln. Nichts ist klarer als Gulbransons Karikatur aus der Zeit des I. Weltkriegs: Ein kleines Mädchen fragt seine Großmutter 'Oma, nach dem Krieg gelten dann die Zehn Gebote wieder?'.

Bekanntlich soll man ja niemanden töten, außer im Krieg, aber da möglichst viele.

Den Extremfall Krieg beiseite, die handelsübliche Moral, das Alltagsverhalten, ist ein Hin-und-her, ein Durchlavieren, ein Zickzacklauf, um das Schlimmste zu verhindern und vielleicht doch noch ein Stückchen Glück zu ergattern - und auch nicht zu sehr als Missetäter und böser Mensch dazustehen. (Der bayrische Volksmund hat dazu das 'Elfte Gebot' kreiert: Du sollst dich nicht erwischen lassen.)

Das wäre noch nichts besonderes, aber diese Banalität wurde Philosophie. Zum spießbürgerlichen 'Da kann man halt nichts machen' kamen bekräftigend die Bücher kaum mehr wiedererkennbarer Intellektueller, meist ehedem oder angeblich 'linken' Zuschnitts.

Bei der Kochtopfphilosophie 'Das Leben ist halt grausam, Bub.' endet eine lange, zutiefst negative Entwicklung der Moralphilosophie in der Theorie und der Glückssuche in der Praxis.

Der Aufbruch der '60er Jahre intensivierte eine fundamentale Kritik nicht nur an der damals aktuellen Politik, sondern auch am extrem repressiven Lebensstil dieser Zeit. 'Flower Power', Blumen und endlich Frieden überall, sexuelle Befreiung, Zusammenleben in 'Kommunen' - ein individuell glückliches Leben ohne Gewalt und Unterdrückung wurde als ein in der Praxis verwirklichbares Ziel angesehen. Die Wirklichkeit führte aber dann zu den unmittelbar politischen, sozialrevolutionären Konsequenzen der ´60er und '70er Jahre.

Die anfangs allgemeine und radikale Gesellschaftskritik, die mit der Utopie eines glücklicheren und freieren Lebens hohe moralische Ansprüche hatte, verengte sich in den späteren Jahren auf immer kleiner werdende (daher immer langweiligere, daher immer weniger 'Missfallen und Anstoß' erregendere) Einzelprobleme, die je nach Mode wechselten. Die Frauenfrage wurde entdeckt, war das Thema ausgereizt, wurde der ausgenutzte 'Gastarbeiter' (heute: Migrant, gemeint sind die Einwanderer) gefunden. Die meistgelesene Neuerscheinung der '80er Jahre war daher Günter Wallraffs 'Ganz unten' (1985). Dabei wurde allerdings die Existenz des ausgebeuteten Normalarbeiter unbestimmter Nationalität (u.a. auch deutscher) vergessen.

Man warf sich auf Randgruppen verschiedenster Art: Hauptsache 'Rand-'. Ein eigenartiges Sammelsurium entstand: ein Pluralismus zur Vermeidung der Grundlagenkritik. Macht der eine auf Gay-Emanzipation, macht die andere auf Tibet: Wiederherstellung der Leibeigenschaft von Buddhas Gnaden. Und - erstes und karrieremäßig erfolgreichstes Schlachtfeld der Ex-Linken - man bemerkte die Zerstörung der Natur und wurde ökologisch. Hier war viel Moralisches dabei, etwa die Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen bei Hans Jonas, allerdings wurde sonst ziemlich alles vergessen: von einer dialektischen Bestimmung des Mensch-Natur-Verhältnisses bis zur Analyse der Verantwortlichkeit, d.h. der Produktionsweise und der Machtverhältnisse.

Die Pulverisierung des radikalen Anspruchs auf Veränderung des individuellen wie auch gesellschaftlichen Lebens in dialektischer Verbindung, in dem die Zielsetzung des Glücks noch mitschwang, gipfelte in der banalen Privatisierung des Denkens und Lebens. Damit verschwanden im Bewusstsein die Subjekte! 'Alternativ' ist jede neue Waschmaschine.

Wird es schwierig in der Krise seinen erreichten Konsumstandard zu halten, versucht man wenigstens seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren.

Das Motto 'Unter dem Pflaster liegt der Strand' des Mai '68 in Paris, gemeint ist die Wiedereroberung des eigenen Lebens in einer allgemeinen sozialen Umwälzung, also das Paradies als konkrete Utopie, ist antiquarisch geworden.

"... so sucht der Nachtschmetterling, wenn die allgemeine Sonne untergegangen, das Lampenlicht des Privaten". (Marx, Dissertation)

Ein 'postmoderner Zeitgeist' hat sich aus folgenden banalen Elementen entwickelt, sie seien kurz aneinandergereiht:

- Enttäuschung: So etwa der frühere '68er Autor und jetzt durchgedrehte Antikommunist Peter Schneider: "Wir sind ja umstellt, belagert, dumm gemacht von fettgedruckten, längst widerlegten Hoffnungen. (...) Dass einer seine Hoffnung nicht aufgibt, sich seine Hoffnung nicht nehmen lässt, will mir nicht mehr als Vorzug erscheinen." ('Die Zeit' 26.12.1986)
- Damit kommt Zynismus als Lebensform: dazu u.a. das Kapitel über Sloterdijk, und gleichzeitig die Ablehnung politischer und sozialer Analyse und Programmatik: Unter dem Vorwurf der 'Ideologie' wird dem tiefergehenden Denken nicht mehr getraut. Resultat: primitiver Antikommunismus wie unter Adenauer: "Wann immer der Kapitalismus darauf hingewiesen werden muss, dass er der Welt nicht helfen kann, kann er darauf hinweisen, dass der Kommunismus nicht einmal sich selber helfen kann." (Martin Walser, Büchner-Preisrede 1981),
- Kult rein passiver Subjektivität ("Betroffenheit") und Unverbindlichkeit als Höchster Wert, damals dargestellt in der Love-parade der Spaßgesellschaft.

Diese Stimmung in Kultur, Literatur, Politik und Philosophie wurde treffend als 'Postismus' (1) bezeichnet: postindustriell, poststrukturell, post... Ab geht die Post. Ein solcher Sumpf ist natürlich das passende Bewusstsein zur Jahrtausendwende: Millenium.

Die Postmoderne ging vorüber und hat wenig Spuren hinterlassen. Aktuelle Ethik ist zeitgemäß und sieht Moral als einfachen Handel unter irgendwelchen Leuten zur Befriedigung willkürlicher Interessen an, das Konzept Menschenwürde wird aus der Philosophie entfernt. Ein armer Inder verkauft an einen reichen Amerikaner seine Niere: Handel getätigt, no problem.

Wie kann es da um unser Glück bestellt sein?

Nein, nicht das 'positive thinking' ist gemeint - das erhöht ja nur die Arbeitsleistung, ein glückliches Leben als zentrales Thema der Ethik ist gefragt. Auch die ´Happylogie´ als Sparte der Psychologie verteilt nur gute Ratschläge, um den bestehenden Zustand besser ertragen zu können. Der Versuch nicht-religiöse/nicht-metaphysische Ethik zu entwickeln ist in der historisch idealistisch beherrschten Philosophie schwierig (So oft taucht die Frage auf: Irgend etwas 'Höheres' muss doch da sein, oder?) Wie kann man in einer von Metaphysik befreiten praktischen Philosophie das Glück und das Streben des Menschen danach analysieren?

Der Blick auf historische Versuche kann in einer Periode, die von Habermas mit 'Die Neue Unübersichtlichkeit' charakterisiert wurde, aller Geschichtsfeindlichkeit zum Trotz, deswegen wird mit dem antikem Hedonismus und dem späteren Verfall des Glücksbegriffes begonnen. Die Fragen, die damals - vor über 2000 Jahren - nicht beantwortet werden konnten, haben die Aufklärung, Feuerbach, Marx, Marcuse u.a. von neuem beleuchtet.

Heute kann eine wirklich neue ´Tendenz´ der Philosophie nicht beobachtet werden. Amerikanische Theorien (soweit von ´Theorien´ in diesem Fall überhaupt gesprochen werden kann), der alte Habermas, Peter Singer und Sloterdijk sind bekannt, Herbert Marcuse fast vergessen. Eine kritische Analyse ist wohl angebracht.

1. Anmerkung: Das satirische Wörterbuch "Dummdeutsch" von E. Henscheid u.a. (1985) schreibt unter dem Stichwort 'Postmoderne': "Die Postmoderne muss Anfang der 80er Jahre und parallel zur 'Postbürgerlichkeit' in irgendwelchen obskurantischen akademischen Faselrunden begonnen haben - und bezieht neuerdings, wenn's hart auf hart geht, alles, aber auch alles ein, auch das, was noch bis vor kurzem als 'Moderne' galt, z.B. einen Romancier, der zwischen 1900 und 1925 veröffentlichte: "Svevo ist der postmoderne Schriftsteller, der vielleicht mehr als alle anderen die Dämmerung des Subjekts erfasst hat." So - sage und schreibe - Claudio Magris in seinem entsetzlich törichten Vorwort zur neuen deutschen Italo-Svevo-Ausgabe, Rowohlt Verlag 1983. Obwohl doch einer Ausstellung in Frankfurt 1984 nach zu schließen, die "Postmoderne" von 1960 - 1980 anzusetzen ist. Überhaupt".

2. Anmerkung: Zur Ergänzung des postistischen Gesamtkunstwerkes ist im gleichen Büchlein auch der Begriff "postapokalyptisch" zu finden. Aus einem Prospekt des Suhrkamp Verlages:"(366 Geschichten, Sprüchen, usw.) ... die ... zu dem irritierenden Vexierbild eines nachbabylonischen und postapokalyptischen Schaltjahres zusammengesetzt worden sind." Wer's versteht...

Der erste Versuch: Die Entdeckung von Glück, Spaß und Freude in der antiken Philosophie

Das Schöne im Leben - Glück und Glückseligkeit: Diogenes in der Tonne und das Postulat subversiver Philosophie

Von Sokrates kennt man vielleicht den Schierlingsbecher und seine ekelhafte Frau Xantippe, von Platon den Philosophenstaat, von Aristoteles den Namen - Diogenes in seinem Weinfass ist erstaunlich populär. Erstaunlich? Hier scheint die Philosophie subversiv zu sein, also (tatsächlich) modern. Das berühmte "Geh mir aus der Sonne", zum weltbeherrschenden Alexander dem Grossen gesagt, verlangt keinen weiteren Kommentar - der Weltbeherrscher soll keinen Schatten werfen, mehr wird von ihm nicht verlangt, mehr kann er für Diogenes nicht tun. Der Lehrer von Diogenes, der Sokrates-Schüler Antisthenes, sagte unmissverständlich, dass der 'Weise nicht nach den geltenden Gesetzen lebe' und lehnte Gefolgschaft dem Staat gegenüber wie auch Götterkult ab. Die Askese, die Selbstgenügsamkeit, - wie sie eben Diogenes in seinem Weinfass praktizierte - hatte keineswegs den gleichen Charakter wie in der späteren christlichen Theologie: Nicht der Luxus, nicht die schönen Dinge des Lebens und der Genuss an sich wurden abgelehnt, sondern die mögliche Abhängigkeit davon. Die persönliche Freiheit war das höchste Gut. Sein statt Haben! Wenn diese Philosophen als 'Kyniker', d.h. als 'Hundemenschen' bezeichnet wurden, dann ist bestimmt nicht deren hündische Ergebenheit gemeint. Laertius zitiert: "Die mir eine Gabe reichen, umwedle ich, die mir nichts geben, belle ich an, und Schurken beiße ich." Schön ist die Diogenes-Darstellung bei Sloterdijk: Der leicht verwahrloste, bärtige Rebell, ein Bohemien der Antike, der sich mit den Athener Starprostituierten herumtreibt, aber auch öffentlich auf dem Marktplatz masturbiert - die Sexualität ist frei und nur ein Bedürfniss wie der Hunger, das gestillt werden muss, und sexuelle oder sentimentale Abhängigkeit von einem Partner (als eine Form von Idolatrie, von Götzenverehrung, angeprangert) kann nicht zum kynischen Lebensstil gehören. Es geht Sloterdijk natürlich um das Bild, um die Idee des Diogenes - um das Konzept des Kynismus, das er darstellen möchte (wie er auch betont), dieser Kynismus ist ihm aber zu lieb und teuer als das er sich um dessen historische Grenzen viel scheren würde: Der geschichtliche Diogenes (sowenig auch über ihn bekannt ist) arbeitete zweifellos als Lehrer in den Fächern, die damals zur Erziehung der reichen Söhne der Aristokratie gehörten; er hatte als Philosoph seine Schüler um sich und wohl auch eine Reihe von Büchern geschrieben (von denen aber keines erhalten blieb). Er lässt sich nicht zum einfachen 'Aussteiger' reduzieren, noch zum Grossonkel der Hippies. Die Hundemenschen der Antike stellten sicher eine kontinuierliche Provokation dar: Sie waren von keiner kultischen Religion noch von einer Staatsideologie zu bekehren - von denen wollte keiner fürs Vaterland sterben:

"Es sei vernünftig, dass sich der wertvolle Mensch nicht um des Vaterlandes willen opfere. Denn man darf die Einsicht nicht wegwerfen um des Vorteils der Dummen willen." (Diogenes, zitiert bei Laertius).

Die sogenannten 'Guten Sitten' waren keiner Achtung wert. Philiskos z.B., ein Schüler des Diogenes von Sinope, propagierte in seinen satirischen Theaterspielen den Genusses von Menschenfleisch und den Geschlechtsverkehrs zwischen Eltern und Kindern. Die Grenzen der Kyniker liegen deutlich im Grundkonzept selbst: Man kommt über die Willkürlichkeit der Werte, die das Handeln bestimmen sollen, nicht hinweg. Die Verteidigung eines freieren Lebensstils, der repressive Verhaltensnormen durchkreuzt, und die Nicht-Anerkennung offizieller Ideologien ist an sich noch keine Bedrohung für die Existenz der bestehenden gesellschaftlichen Situation - und sowieso nicht für alle nachvollziehbar: Dieser Weg bleibt ein Privileg der von den Aristokraten ausgehaltenen Philosophen. Es ist keine analytische Kritik, die soziale Konsequenzen fordern würde!

Das Ende der kynischen Bewegung in der Zeit des Verfalls der Antike war ihr Einfließen in die christliche Kirche! In einer solchen, die sozialen und weltanschaulichen Grundmauern erschütternden Krisenzeit wird ein Retter - egal welcher Art er sein mag - gesucht. Im besten Fall sieht man natürlich einen realistischen, gesamtgesellschaftlichen Ausweg. Ein anderer, 'alternativer', aber rein individualistischer Lebensstil kann jedoch integrierbar sein. So sieht der Kirchenvater Augustinus keinerlei Unverträglichkeit der Hundemenschen mit dem christlichen Mönchstum, und Maximos von Alexandria, ein 'Christlicher Kyniker' wurde Bischof von Konstantinopel. Diogenes hätte da allerdings in seinem Weinfass rotiert, mit Bischöfen und ähnlichen Würdenträgern hatte er wirklich nichts zu tun!

So wie Antisthenes war auch der Gründer der hedonistischen 'kyrenaischen Schule', Aristippos, ein Schüler des Sokrates. Seine Richtung verfügt über eine ausgebildete Erkenntnistheorie: Wir können nur unserer subjektiven, sinnlichen Empfindungen sicher sein. Also kann auch nur die unmittelbare Lust, d.h. das Vorhandensein angenehmer Empfindungen, Zweck unserer Existenz sein. Kein anderes Kriterium kann von dieser lebensorientierten Philosophie akzeptiert werden. Ausschließlich der Moment des Vergnügens zählt: "Nur was der Augenblick dir gibt, kannst du wirklich genießen." sagt ja auch Goethes Faust. Kurz zusammengefasst:

"Ziel sei die einzelne Lust, Glückseligkeit sei die Summe der einzelnen Lustempfindungen". (Laertius)

Es ist also die sinnliche, körperliche Lust, nicht das 'geistiges Vergnügen', die wirklich erstrebenswert ist: "Weit besser als die seelischen seien die körperlichen Lüste, und die körperlichen Leiden schlimmer als die seelischen." Was für ein Unterschied zwischen dieser sogenannten "grobsinnlichen Genusslehre" und der lust- und körperfeindlichen katholischen Religion, die über 500 Jahre nach den Hedonisten ihren Siegeszug antrat!

Trotz aller Sympathie für Aristippos, die mir von Herzen kommt, Glückseligkeit quasi nur als mathematische Summe von Lüsten zu definieren, ist abwegig: Glückseligkeit ist eine kontinuierliche, innerliche Grundstimmung und keine einfache Funktion der Anzahl köstlicher Lustempfindungen pro Woche - denn die könnten durch die gleiche oder höhere Anzahl von schlechten Stimmungen, Misserfolgen, etc. neutralisiert werden. Auch in der prinzipiell höheren Bewertung der körperlichen Lust im Vergleich zur geistigen liegt etwas Verzweifeltes: Wie kann man die Überlegenheit der einen gegenüber der anderen feststellen? Besteht eine Unverträglichkeit beider? Besser nicht zu viel denken, aber sich vergnügen? Steht in allem nicht die tragische Einsicht, in den unmenschlichen Klassengesellschaften, Glück nur in kurzen, zufälligen, also sinnlichen, Momenten genießen zu können, nicht aber längerfristig oder dauerhaft?

Die gleichzeitige Selbsteinschränkung hebt den konservativen Aspekt im Vergleich zum auch vorhandenen subversiven hervor: Um sich möglichst oft 'wohl' zu fühlen, braucht man natürlich sehr viel Einsicht und Intelligenz (zweifellos!), denn man muss das Beste aus allem machen (!), und auch vor der übertriebenen Abhängigkeit vom Genuss wird aufgrund der möglichen negativen Folgen abgeraten. Bei Lust ist Vorsicht geboten! Die nachfolgenden Philosophen dieser Schule betonten noch mehr die 'Einsicht': d.h. die Selbstkontrolle. Theodoros Ateos war der Meinung, dass die geltenden moralischen Prinzipien nur dazu geschaffen sind, die 'Unverständigen' in Zaun zu halten:

"Der 'Weise' kann auch stehlen und ehebrechen, und natürlich auch den Tempel plündern."

Eine radikale Individualisierung der Verhaltensformen und eine materialistische Kritik geltender Ethik! Den Beinamen verdankt Theodoros seinem konsequenten Atheismus: Er vertritt keinen Agnostizismus, keinen Kompromiss: Gott gibt es für ihn nicht.

Und doch: Es schwingt immer eine überaus negative Grundstimmung mit! Die Weisen der Antike sind sich sehr wohl bewusst, dass es letztendlich nur um eine unterschiedliche Haltung zu einem nicht-veränderlichen gesamtgesellschaftlichen Zustand geht. Der absolute Rückzug findet dann bei Epikur statt, für den Lust nur noch Schmerzlosigkeit bedeutet. Weder Kyniker noch Hedoniker, weder Hundemenschen noch Genießer haben eine praktische Veränderung des Ganzen im Sinn. Sie versuchten jedoch immerhin bewusst - als Philosophie - ein Stückchen Glück zu finden.

Hier liegt - wie Marcuse richtig sagt - "ein sonst verfemtes Stück menschlicher Befreiung".

Glück - bzw. der Glücksmoment - bleibt zufällig. Es kommt oder kommt nicht. Eudämonie als kontinuierliche Glückseligkeit lässt sich letztendlich so nicht durchsetzen. Der kontemplative, also passive Charakter behauptete sich in der späteren Entwicklung. In schlimmeren - spätantiken - Zeiten war für die Philosophen der längst aufgelösten Polis kein Platz mehr: Ihre Epigonen wandten sich, wie gesagt, dem asketischen, lebensfeindlichen Christentum zu. So wird die Unhaltbarkeit einer Position deutlich, die - in der antiken Gesellschaft der Sklaverei - alles beim Alten lassen möchte und auf keinen Fall eine soziale Veränderung anstrebt - da ja immer nur die 'Anderen' arbeiten, nicht aber die Philosophen und ihre Schüler. Das parasitäre Leben will man möglichst genießen. Sozialkritische Positionen waren nur bei wenigen, echten Apostel des Genusses vorhanden. Wenn Aristoteles in der 'Politika' die Sklaverei verteidigt, "da es immer Aktive und Passive gibt", konnten hedonistische Denker mit der gesellschaftlichen Tatsache der Sklaverei nicht wirklich einverstanden sein. Sie meinten es wohl ehrlich - aber nur in Worten, denn eine radikale Veränderung der Realität war weit weg von ihrem Denken und Fühlen.

Allgemeine Grundsätze antiker Ethik: "Ich werde jeden Tag gottgleicher." (Epikur)

Was sofort in der antiken Glücksphilosophie auffällt, ist die unglaubliche, fast unverschämte Praxisbezogenheit. Glück kann man in der Philosophenschule lernen: Lebenskunst für den Alltag, Psychotherapie bei ernsteren Problemen (mit der entsprechenden Methodik: Diät, Meditation, Gespräch, Dialog, Askese, Sport, usw.!). In späteren Zeiten ging man zum Beichtvater, und heute vertraut man dem Psychiater seine Probleme an. (Ob übrigens beide Figuren den noch älteren Schamanen an Erfolg übertreffen, ist zweifelhaft und ein anderes Thema - Carlos Castaneda hat sich damit ausführlichst befasst) Gehen wir an das Konzept antiker Ethikvorstellungen aus unserer, modernern Warte heran.

Glück wird heutzutage als etwas rein Persönliches, Individuelles gesehen. Nichts ist noch unbestimmbarer, weniger definierbar, theoretisch unfassbarer als der anscheinende Zufall des Glückserlebnisses. Daraus ergibt sich die allgemeine Anerkennung jeder persönlichen Vorstellung von Glück. 'Jeder ist seines Glückes Schmied', diese Redensart behauptet sogar, wer sich seine selbstzusammengeschusterte Glücksidee nicht auch allein, auf sich selbst gestellt verwirklichen kann, sei selber schuld. Glück, egoistisch aufgefasst, hat zudem etwas Unmoralisches an sich, also ist es auch kein Thema für die moralisch saubere Philosophie. (Jene will auch noch wissenschaftlicher sein als die Mathematik und vergnügt sich daher vorsichtshalber mit rein akademischen 'Letztbegründungen' sowieso anderen rein theoretischen, belanglosen Konstruktionen.)

All dieses Wirrwar von Vorstellungen, alltäglich wiederholt, ist in seiner psychologistischen Reduktion des Glücks, in seinem schrankenlosem Narzissmus natürlich so widersprüchlich wie unverdaulich. Um bei hohlen Redenarten zu bleiben: 'Geld macht nicht glücklich' sagt man, wenn nichts so heiß ersehnt wird wie Geld. 'Aber es beruhigt', kommt dann hinterher. Hier ist eines doch schon ersichtlich: Es wird bestimmten Umständen und Faktoren zugestanden, das Erreichen von Glücksmomenten zu erleichtern, zu begünstigen oder überhaupt erst möglich zu machen. Dies gibt der Auffassung vom Glück als reinen Zufall und als einen von rein individualistischen Kategorien bestimmten, nur emotionalen Vorgang einen empfindlichen Stoß. Alle Umfragen, die dieses Thema anschneiden, zeigen immer, dass die Glücksfantasien bei den meisten Menschen doch dieselben sind (leider sind es sehr oft die falschen - dies wurde auch von Marcuse analysiert).

Für den modernen, bürgerlichen und individualistischen Ethikbegriff ungewohnt geht einerseits die antike Lebensphilosophie vom Wohlergehen des Einzelnen aus: Es ist ja der einzelne Schüler, der seinen Lehrer dafür zahlt, ihm Unterricht in der (glücklichen) Bewältigung seiner Lebensprobleme zu geben, für Lektionen in Lebenskunst (dem in den Konzepten herrschender Ideologien denkenden modernen Menschen klingt das sofort nach Betrug).

Andererseits ist aber das Menschenbild der Antike längst nicht so tief im Narzissmus versunken wie das heutige Selbstverständnis des modernen Individuums. In jener Geschichtsepoche wurden 'dem Menschen' (bzw. seiner sozialen Klasse und Schicht) allgemein gültige Wünsche und Bedürfnisse, Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen unterstellt. Deren angenommene generelle Gültigkeit ließ es zu, zwischen dem Einzelnen und der Allgemeinheit eine unproblematische, enge Beziehung zu sehen. So war auch das bürgerliche Bild des singulären, vollkommen einzigartigen Genies (für das sich heute jeder hält, der Abitur gemacht hat) damals unbekannt. Die gleiche soziale Klassenzugehörigkeit der Schüler (aus den Familien der antiken Sklavenhalter kommend) erleichterte die Auffassung eines nicht-antagonistischen Verhältnisses zwischen Individuum und Allgemeinheit. Für Sokrates konnte deswegen als Einziges 'das Erkennen' wichtig sein: wer unmoralisch handelt, hat nicht erkannt, was auch für ihn selbst wie für andere vernünftig gewesen wäre; denn die Interessenlage ist bei allen Menschen annähernd die gleiche.

Das Ziel griechisch-römischer Moraltheorie auf dieser Basis ist ein insgesamt gelungenes, wirklich glückliches Leben; dies wird ermöglicht durch "Erfüllungs- statt Empfindungsglück". Damit wird der Unterschied zwischen den Begriffen 'Glückseligkeit' (griech. eudaimonia, lat. beatitudo) und (zufälligem) 'Glück' (griech. eutychia, lat. fortuna) deutlich: 'Glückselig' kann ein Leben bezeichnet werden, in dem die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen im Grossen und Ganzen befriedigt worden sind. Was er machen wollte, ist ihm, soweit es objektiv überhaupt möglich war, auch gelungen, und falls nicht, waren seine Entscheidungen an sich richtig: Es geht um das auf dem Tun des Einzelnen beruhendes Handlungsglück, kein "unverdientes", d.h. zufälliges, willkürliches Glück.

Lässt sich dieses Lebensglück verwirklichen? Sehr früh war, bereits bei Demokrit und Sokrates, der Ansatz zu 'Verinnerlichung' und 'Moralisierung' vorhanden, der dieses Konzept ja verlässt. "Unrecht leiden ist besser als Unrecht tun" sagt Sokrates zum Thema 'Gut-sein'. 'Tugend' wird so zum Selbstzweck (wie bei Kant) und führt nicht unbedingt zu Zufriedenheit und Glückseligkeit. Diese Auffassung steht im Gegensatz zur vorhergenannten Haltung des Diogenes und des Aristippos, wie auch zu der von Epikur und den Sophisten. Tugendhaft leben ist kein Mittel zu einem glücklichen Leben mehr, sondern soll das Glück selber sein. Der metaphysische Plato sieht in der 'Idee des Guten' dasjenige, was jede Seele anstrebt und wofür sie alles tut (Plato, Gorgias). Da das Streben danach im Menschen von Natur aus angelegt ist (d.h. in Platos konstruierter Ideenwelt), muss seine Durchführung Selbstzweck sein: Was man sonst noch davon hat, ist nur zufällig.

Aristoteles sieht die Sache ganz anders: "Wenn aber manche Leute sagen, der Gefolterte oder der von Schicksalsschlägen betroffene sei glücklich, wenn er nur gut sei, so behaupten sie mit oder ohne Absicht Unsinn."

Die anti-metaphysische, materialistische Tendenz bei ihm ist auch in seiner Anerkennung von persönlichem Wohlstand (!) und sozialer Herkunft (!) als wichtige Faktoren für die Glückseligkeit des Einzelnen zu sehen. Allerdings wertet er die intellektuelle Tätigkeit ("bios theoretikus"), das Forschen, Erkennen, Verstehen für das Glücklichsein höher als alles andere, da nur sie allein autark ist, also nichts anderes für sich selbst braucht.

Das Bild des vor sich hinbrütenden Gelehrten, das hier allmählich auftaucht, endet in der Reduktion der tatsächlichen Vielfältigkeit des Menschen: Leiblichkeit, Sinnlichkeit, Fleisch und Haut, Hunger und Sex fangen an, aus der Begrifflichkeit der Philosophie zu verschwinden.

Eine andere Art von Rückzug ist der folgende: Zur Frage der Unstillbarkeit der eigenen Begierden führt Epikur aus, dass es durchaus ein Maximum an Wohlbefinden gäbe, dass man logischerweise nicht mehr steigern, sondern nur verlängern oder wiederholen könne. Einverstanden. Der bestmögliche Zustand in Kontinuität kann aber nur absolute Schmerzfreiheit bedeuten, nicht Lust. Warum? Reine Lust ist am besten nach Unlust zu genießen (behauptet er), denn dann weiß man erst, was man hat. Also kann man nur glücklich sein, wenn man zuvor (und wieder danach) todunglücklich ist. Erstrebenswert kann das nicht sein. Er schlägt daher die 'Ataraxie' vor. Dieser statische Dauerstand als Lebensziel hat viel vom Konzept der ihm eigentlich konträr gegenüberstehenden Stoa: Die Ataraxie ('Unaufgeregtheit') Epikurs geht über in die Apathie ('Leidenschaftslosigkeit') der Stoiker. Dahinter steckt die Angst, die Befriedigung seiner Bedürfnisse doch nicht erreichen zu können.

"Die Lust wird verkümmert, sofern die vorsichtige, abwägende, zurückhaltende Beziehung des Individuums zu Menschen und Dingen, deren Herrschaft über es gerade dort nicht freigeben will, wo sie wirklich glückbringend ist: als genießende Hingabe." schreibt Marcuse als Kritik an Epikur.

Eine andere Überlegung Epikurs ist überzeugender - und sehr verständlich. Für ihn ist das Haupthindernis für das Glück der Menschen die Angst. Die Angst bleibt immer allgegenwärtiges Charakteristikum jeder repressiven Gesellschaft, egal in welchem Jahrtausend. Zu ihren wichtigsten Formen, die von ihm aufgezählt werden, gehört die Furcht vor dem Tod. Sie kann auch das schönste Leben überschatten: Man versucht wegen ihr unnötigerweise scheinbar sicher und gefahrlos, und eingebildeterweise gesund zu leben. Diese Angst führt zu einer falschen Lebensführung. Hiermit ist Epikur wohl einer der ersten Denker, der explizit von der Möglichkeit 'falscher' Wünsche und Begierden spricht! Er sieht den Tod als absoluten End- und Gegenpunkt und argumentiert folgendermaßen:

"Gewöhne dich daran zu glauben, dass uns der Tod nichts angeht. Denn jedes Gut und Übel liegt in der Empfindung, der Tod aber bedeutet den Verlust der Empfindung... Denn was nicht weh tut, wenn es da ist, das schmerzt in der Erwartung grundlos."

Ist das antike Glückseligkeitskonzept nicht schrecklich naiv? Aus einem vom persönlichen Interesse ausgehenden, aber unbedingt durchdachten, vernünftigen Handeln soll eine kontinuierliche, auch innere, Lebenszufriedenheit entstehen. Glückseligkeit, als Lebensziel; das Ideal eines sowohl materiell und sinnlich genießenden wie auch denkenden, erkennenden (also freien) Menschen - auf diese Zielrichtung kann eine sinnvolle Ethik auf keinen Fall verzichten. Welchen Zweck hätte sie sonst?

Welche Einwände können dagegen auftreten? Die primäre Kritik an der Eudämonie als grundlegendes Konzept wird wohl die postulierte Eintracht von Vernunft und Lust in Zweifel ziehen: Entweder man ist vernünftig ('brav') oder 'man tobt sich aus' (Ballermann auf Mallorca und ähnliches).

Aber: Gefühle, Emotionen, die unmittelbar mit Lust zu tun haben, stehen zur Vernunft nicht unbedingt im Widerspruch! Kopf und Herz, das Geistige und das Sinnliche sind in jener Epoche noch eine Einheit. Zu einer Entgegensetzung dieser Pole war die Antike insgesamt zu lustbetont, auch wenn bei den verschiedenen griechisch-römischen Philosophen das Denkende in der Regel die Oberhand hatte. Sogar Plato ist der Meinung, dass nur Gefühle, die aufgrund von Fehlurteilen entstanden sind, uns das Leben schwer machen. Ansonsten ist das aus Einsicht und Lust gemischte Leben das höchste der Ideale - mit Vorrang der Vernunft. Für Aristoteles ist Lust ein Merkmal richtigen Handelns und "ungehinderte Tätigkeit eines naturgemäßen Zustands" (9) - denn hier zeigt erst sich der Mensch. Ohne Emotion ist die menschliche Persönlichkeit unvollkommen - dazu gehört natürlich auch die nicht-pathologische, sinnvolle Angst: Die in der Antike sprichwörtliche, blinde Furchtlosigkeit der Kelten war für die Griechen nie akzeptabel. Zu den Vertretern hedonistischer Gedanken, die nicht metaphysischer, reduzierender Vernunftinterpretation zum Opfer gefallen sind, gehört der unbekannte Zeitgenosse Platos, Eudoxos von Knidos (ca. 391-336 v.Chr.). Er erklärte, das Luststreben ist allen Lebewesen gemeinsam, muss also schon von daher ein hohes Ziel sein; wozu Lust erstrebt wird, ist keine vernünftige Frage, sie ist selbst das Endziel; kommt zum Guten noch Lust dazu, ist es noch besser, also ist Lust auch von vornherein etwas gutes. Überzeugend.

Welche anderen Hindernisse zur Verwirklichung der 'Eudaimonia' wurden zur damaligen Zeit gesehen? Zu Fehlentscheidungen durch Unkenntnis und durch das Überhandnehmen unkontrollierter Emotion - all dies sollte in der Praxis behebbar sein - kommt ein neuer, wichtiger Faktor hinzu, von Plato aufgeworfen: die Spaltung der menschlichen Seele!

Meine Unentschlossenheit, meine Willensschwäche, meine Schwankungen - all die seelischen, oft so schmerzhaften Zwistigkeiten in mir selbst können nur auf eine Art erklärt werden: Es gibt mehrere seelische Teilgebiete. Das 'Vernünftige' kann aber die andere Teile kontrollieren, den 'Muthaften' und den 'Begehrlichen'. Auch Epikur ging von der Existenz eines 'Unbewussten' aus. In der Antike hatte man also bereits Vorahnungen der Psychoanalyse. Verinnerlichte Repression und Über-Ich stellten sich in der allgemeinen Entwicklung der Klassengesellschaften allmählich ein.

Die führt zu einer anderen interessanten Fragestellung: Gab es überhaupt Moralität, moralisches Fühlen in der Antike?

Richtig ist, dass so etwas wie 'Christliche Nächstenliebe' gänzlich fehlte. Die alten Philosophen und ihre Schüler waren ein elitärer Haufen, weder Missionare noch Weltverbesserer (geschweige denn Revolutionäre).

"Die antike Ethik ist gleichsam aus der Kundenperspektive formuliert, aus der Sicht dessen, der sich Vorteile davon verspricht, wenn er sich dem Lehrprogramm eines Philosophen oder einer bestimmten Schule anvertraut." schreibt Christoph Horn.

Sicher lassen sich bei den verschiedenen Richtungen Ansätze einer universellen, allgemein verbindlichen Ethik für die Menschheit finden (wenn man danach sucht), in der Regel jedoch sind die Familie und die Freunde, die Sippe und die 'polis', die Stadtgemeinschaft, die wirklichen Bezugspunkte. Nach Auffassung der Hedonisten um Aristippos ist sogar die Freundschaft nur um ihrer unmittelbaren Vorteile wegen wertvoll. Schön! Es fehlt die Verlogenheit.

Die Sophisten stellten ganz offen die Frage, ob sich Moral überhaupt lohnt. Die Frage ist natürlich berechtigt. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Richtung hielt eine Moral- und Rechtsordnung zwar für notwendig - und das ist sie ja ohne Zweifel - der dafür erforderliche Konsens kann aber nur vorübergehend sein. Epikur drückt sich zu diesem Thema erstaunlich grob aus:

"Ich spucke auf das sittlich Gute und diejenigen, die es ohne Sinn anstarren, solange es keine Lust verschafft."

Die Freundschaft ist für ihn aber eines obersten Gebote, an den traditionellen Werten wurde nur von wenigen und nur selten gerüttelt.

Wie ist es möglich, dass die antiken Philosophen mit einer beglückenden Unverfrorenheit über Moral diskutieren konnten, während sich in unserem Zeitalter alles verklemmt, verängstigt und mit schlechtem Gewissen abspielt?

Sie kannten eben kein schlechtes Gewissen.

Der Begriff des 'Gewissens' ist nicht unabhängig von den sozialen Systemen und deren Kulturen. Genau in der frühen Antike erfolgte der Übergang von der 'Schamkultur' zur 'Schuldkultur'. In ersterer wird falsches Verhalten den Anderen oder der Gemeinschaft gegenüber mit sozialer Ächtung bestraft. In der Schuldkultur sind die Verbote - als von Gott/Göttern gegeben oder zumindest als ewig und unabänderlich deklariert - so verinnerlicht und verabsolutiert, dass der "daimonion", die 'innere göttliche Stimme', also wir selbst, uns dafür bestrafen. Davon kommt bezeichnenderweise das Wort 'Dämon'. Statt einfacher Regelbeachtung - die im Prinzip eine kritische Regelinterpretation oder ein Infragestellen der Regeln ermöglicht - müssen wir uns selbst quälen und foltern.

Resümee: Trotz aller Sympathie für die Glücksphilosophen der Antike, die in ihrem Denken erstaunliches entwickelt haben, durch die Einschränkung ihrer Ratschläge auf das individuelle Leben der Reichen kippte damals ihre Philosophie leicht um. Eine andere, düstere Zeit begann: das Mittelalter.

Die Abschaffung des Glücks durch die Kirche und die bürgerliche ´Vernunftphilosophie´

Paulus und Mathilde von Magdeburg

Das Gegenstück zum attraktiven antiken Denken des Diogenes und des Aristippos, mit seiner freien Diskussion um Egoismus und Sinnlichkeit, ist die katholische Vision des irdischen Jammertals, das man ertragen muss und nur mit der Erwartung des jenseitigen Glücks ertragen kann.

Die weitere Lebens-, Körper- und Sexualfeindlichkeit kann daraus abgeleitet werden. Genauer darauf einzugehen ist unnötig, die Diskussion über den Charakter der katholischen Kirche ist seit spätestens 150 Jahren beendet. Nur ein paar Zitate der Apostel und Kirchenväter, von Ludwig Feuerbach gesammelt und im "Wesen des Christentum" zitiert:

"Wir natürlich folgen ... den Fußstapfen des Erlösers nach. Ein solches Beispiel gab uns ja Christus, von dem wir lesen, dass er geweint. aber nicht lesen, dass er gelacht hat." (Salvianus)

"Ich weiß von keinen Freuden, als nur aus deinem Leiden." (evangelisches Gesangbuch)

"Wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wird es erhalten zum ewigen Leben." (Johannes 23, 25)

"Ich weiß, dass in mir, d.h. in meinem Fleische wohnet nichts Gutes." (Paulus, Römer 7, 18.14)

"Die Keuschheit verbindet den Menschen mit dem Himmel. Gut ist die eheliche Keuschheit, aber besser die Enthaltsamkeit des Witwenstandes, das beste aber die jungfräuliche Unbescholtenheit." (Bernhardus)

"Hieraus erhellt, was die Erbsünde ist, nämlich die sündhafte Begierde... Die Ursache der Sünde stammt aus dem Fleisch." (Ambrosius)

"Der Mensch ist geboren vom Weibe und deswegen mit Schuld." (Bernardus). Usw., usf.

Wie konnte es nur dazu kommen? Augustinus hatte das Lebenskunstideal, das Streben nach Glückseligkeit in der Antike noch vor Augen. Er verband es mit dem Glauben an den einzigen Gott und der göttlichen Liebe. Vor dem Zusammenbruch des Römischen Reiches wurde von vielen der ersten christlichen Denkern eine Synthese des Christentums mit der Ethik der Eudämonie versucht; man stand damals ja noch in Konkurrenz mit den "heidnischen" Denkern. Schnell - und in erster Linie in der westlichen Kirche, weit weniger in der orthodoxen-oströmischen - siegte der naive Glaube an die unmittelbar bevorstehende Rettung über vernünftige, philosophische Überlegungen zur Gegenwart. Nur in der arabischen Philosophie von Al-Farabi (mit dem bezeichneten Beinamen 'al muallim at-tani' - der zweite Meister - nach Aristoteles!) bis Ibn Sina (Avicenna) und Ibn Rushd (Averroe) wurde die tendenziell materialistische, aristotelische Linie weitergeführt.

Der negative Gipfel der Entwicklung waren die Kreuzzüge, die gleichzeitig mit den ersten Massenmorden an den Juden stattfanden, und mit ihnen das gleiche Motiv, das gleiche Ziel hatten: Erst wenn alle Nicht-Christen vernichtet sind, wird der Erlöser wiederkommen. Das 'Reich Gottes auf Erden' soll - ganz in der jüdischen Tradition - kurz bevorstehen!

"Wahrlich, ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis dass sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich." heißt es bei Matthäus 16, 27-28. Die Offenbarung des Johannes spricht vom Antichristen und den Gläubigen, die "... lebten und regierten mit Christo tausend Jahre" (Offenbarung 21, 1-5).

Nach der endgültigen Vernichtung des ´Antichristen´ (über dessen Identität verschiedene Meinungen existierten: Saladin, der Papst, Friedrich II., usw.) beginnt dann das Paradies auf Erden. Und man wartete, wartete... bis zu den Kreuzzügen, als mit den edlen Rittern zusammen oder alleine plündernde Massen nach Jerusalem aufbrachen, um mit der Abschlachtung der mohammedanischen "Heiden" das neue Königreich des Erlösers auf praktischem Wege einzuleiten; Gleichzeitig begannen 'zu Hause' die ersten Morde an den Juden: in Mainz, Köln, etc.

Die Texte der christliche Religion wurden (wie sonst!) wortwörtlich aufgefasst. Keinerlei Abstraktion des Glaubens war vorstellbar Die Lehre Gottes - wie die Pfarrer sie darstellten - ist immer konkret, fassbar, fühlbar. Mathilde von Magdeburg fantasierte im 13. Jahrhundert über die katholischen Nonnen als reale 'Bräute Christi': Es sei für sie selbstverständlich, unberührt zu bleiben, denn der Herr Jesu wartet ja auf sie: Bei ihrer leiblichen (!) Auferstehung - natürlich in voller Jugend und Schönheit - wird er sie alle entjungfern!

Für die Philosophie blieb nur noch die in jeder Hinsicht glücklose Rolle als 'Magd der Theologie' übrig; die Moral, das Problem eines glücklichen, erfüllten Lebens, das Verhältnis der Menschen untereinander, ihr Verhältnis zum Staat und seinen Institutionen, zur Gesellschaft wurden rigoros ausgeklammert. Dafür waren Persönlichkeiten wie Mathilde von Magdeburg zuständig, während der überlebenden Rest-Philosophie Fragestellungen aus den Wissenschaften, zu Logik und Vernunft zugewiesen wurden.

Diese Dichotomie - die radikale Trennung - zwischen der für Moral zuständigen Pfarrer und der sich mit wissenschaftlichen Grundlagen beschäftigenden Philosophen hatte die Entstehung der Vernunftphilosophie als unmittelbare Folge.

Der wirkliche Mensch war weggewischt, nur noch über abstrakte 'Vernunftwesen' wurde nachgegrübelt. Foucault schrieb detailliert über den Zusammenhang zwischen der 'Disziplinargesellschaft' des christlichen Mittelalter und der Zerstörung des antiken Menschenideals mit seinem Glücksverständniss. In der neuzeitlichen Philosophie wurde der existierende, leibliche Mensch, so wie er ist, genausowenig anerkannt wie im düsteren Mittelalter. Descartes stellte 'die Weichen zur Unterdrückung des Individuums'. "Cogito ergo sum": Ich denke, also bin ich. Auf diese Weise wird zum erstenmal ein vergeistigtes 'Ich' der materiellen Welt, die ja seinen Körper einschließt, gegenübergestellt. So wurde "ein Subjekt, das durch Selbstpraktiken konstituiert war (in der antiken Lebenskunst-Philosophie), durch ein Subjekt als Begründer von Wissenspraktiken" ersetzt . Daraus ergibt sich die im Ansatz (und nur dort) richtige Kritik der Postmoderne an der 'Vernunftphilosophie'.

"Der Asket macht aus der Tugend eine Not." (Nietzsche)

Also nicht dass die bürgerliche Philosophie der Aufklärung in Deutschland in Kontraposition zur Kirche Glück und Lust wiederentdeckt hätte! "Das Prinzip der eigenen Glückseligkeit" sei als Prinzip der Lebensführung "am meisten verwerflich", sagt Kant in der 'Grundlegung zur Metaphysik der Sitten'. Er kam aus einer pietistischen Richtung, die von den Gedanken eines glücklichen (sinnlichen, genussvollen) Lebens von vornherein Lichtjahre entfernt war.

Der zur damaligen Zeit revolutionäre Grundsatz Kants: 'Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde', stellte einen geradezu blasphemischen Aufruf zur Befreiung vom moralischen Diktat durch Kirche, Kaiser und Aristokratie (denen noch in Kants Jahrhundert Wunderheilerfähigkeiten unterstellt wurden) dar: Der Einzelne, als Vernunftwesen, ist fähig für sich zu entscheiden: die bürgerliche Revolution in der Ethik. Daher ist bis heute der Kantsche Solipsismus in der offiziellen Schul- und Hochschulphilosophie gegenwärtig (obwohl bereits Hegel kein gutes Haar daran gelassen hat - und das zurecht). Mit Solipsismus ist die Vorstellung gemeint, es gäbe nur mich auf der Welt. Anders ausgedrückt: Woher soll ich denn wissen, ob der andere mit dem, was ich mir als allgemein gültiges Gesetz vorstelle, auch wirklich einverstanden ist? Der Formalismus Kants gibt Platz für jeden Unsinn, man denke nur an nicht generalisierbare Extremsituationen: Hösle gibt ein herrliches Beispiel in seinem Buch `Moral und Politik´ und zwar aus dem Film 'Dr. Strangelove': Der Weltuntergang wäre durch ein Telefonat noch knapp zu verhindern; die Hauptperson hat aber kein Kleingeld für den Münzfernsprecher und will deswegen den Cola-Automaten knacken: ein Soldat hält dabei auf: Verboten! Man knackt keine Automaten - auch wenn der Planet zerplatzt!

Ich kann meinen Mitmenschen nicht fragen, was er denkt, das wäre gegen das Konzept. Erst Habermas hat mit seiner formalistischen Diskursethik aus dem Kantschen, solipsistischen Dilemma herausgeführt. Die Frage des Verhältnisses zwischen der absoluten Oberhoheit der abstrakten, vom Menschen entfremdeten Vernunft und dem konkreten Menschen bleibt beim preußischen Philosophen aus Königsberg unbeantwortet.

Eine Beziehung zwischen der Kantschen Vernunft und dem menschlichen (individuellen) Glück besteht nicht, es sei denn rein zufällig.

"Dass ... eines Menschen Existenz an sich einen Wert habe, welcher bloß lebt, um zu genießen, ... das wird sich die Vernunft nie überreden lassen (!). Nur durch das, was er tut, ohne Rücksicht auf Genuss, in voller Freiheit und unabhängig von dem, was ihm die Natur auch leidend verschaffen könnte, gibt er seinem Dasein, als der Existenz einer Person einen absoluten Wert, und die Glückseligkeit ist, mit der ganzen Fülle ihrer Annehmlichkeit, bei weitem nicht ein unbedingtes Gut."

Die 'Grundlegung zur Metaphysik der Sitten' bringt den Ausgangspunkt und die Essenz Kantscher Moral: "Die Lossagung von allem Interesse". Moralisches Handeln wird vernünftigem Handeln gleichgesetzt, und jenes wiederum dem Handeln aus Pflichtgefühl. Individuelle, kollektive und soziale Bedürfnisse und Interessen werden davon abgetrennt. Es handelt sich um eine Ideologie der Herrschaft, da Pflicht in der sozialen Wirklichkeit von der jeweiligen Macht, der Obrigkeit festgelegt wird.

Die Frage nach dem Verhältnis zwischen individuellem und allgemeinem Glück ist auf der Basis der vorhergegangenen Zitate eigentlich schon hinfällig. Kant findet sowieso keine Antwort:

"Worin nämlich jeder seine Glückseligkeit zu setzen habe, kommt auf jedes sein besonderes Gefühl der Lust und Unlust an, und selbst in einem und demselben Subjekt auf die Verschiedenheit der Bedürfnisse nach den Abänderungen dieses Gefühls, und ein subjektiv notwendiges Gesetz (als Naturgesetz) ist also objektiv ein gar sehr zufällig praktisches Prinzip, das in verschiedenen Subjekten sehr verschieden sein kann und muss, mithin niemals ein Gesetz abgeben kann...".

Für Kant, der also sinnliches Glück, Lust und Gefühl ausklammern muss, ist Liebe und Ehe nur "die Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften". Der Bürger sieht natürlich nur den Besitz!

"Der Mann erwirbt ein Weib, das Paar erwirbt Kinder und die Familie Gesinde."

In Bezug auf die sexuelle Lust wird die Verneinung des körperlichen, realen Menschen in der bürgerlichen Philosophie am offensichtlichsten.

Zum Beispiel Spinoza: "Man gebe sich dem Vergnügen nur insoweit hin, als es zur Erhaltung der Gesundheit hinreicht." (24). Oder Leibniz, der erklärt, dass die "Wollust der Sinne nach den Regeln der Vernunft wie eine Speise, Arznei oder Stärkung gebraucht werden muss.". Oder Fichte: "Die absolute Ehrlosigkeit, ... würde es darum sein, wenn das zur Ausübung jenes Vorrechts (der Fortpflanzung des Menschen) verliehene Vermögen gemacht würde zu einem Mittel sinnlicher Lust."

Die antike Philosophie der Lebenskunst, nach Diogenes und Aristippos, nach Epikur und Seneca, des glücklichen, zufriedenen Lebens in dem Lust und Vernunft noch eine Einheit bilden, ist völlig verschwunden. Die neuzeitliche Philosophie fühlt sich genötigt, mit dem vergeistigten Menschen das Terrain des wirklichen Lebens und seiner unmittelbaren Bedürfnisse zu verlassen, und wendet sich der Abstraktion (im negativen Sinn) zu, um schließlich zum schwebenden (Hegelschen) 'Weltgeist' zu gelangen.

Hegel, jener Erfinder des 'Weltgeistes', drückt die Dichotomie zwischen idealistischem Vernunftprinzip/Geschichtsprinzip und dem Glücksbedürfnis des armseligen Einzelnen folgendermaßen aus:

"Glücklich ist derjenige, welcher sein Dasein seinem besonderen Charakter, Wollen und Willkür angemessen hat und so in seinem Dasein sich selbst genießt. Die Weltgeschichte ist nicht der Boden des Glücks. Die Perioden des Glücks sind leere Blätter in ihr..."

Der erste Satz klingt für einen Philosophen wie Hegel erstaunlich banal. Äußert sich hier nicht die enttäuschte Kleinbürgerseele, der frühere, begeisterte Parteigänger der Französischen Revolution, der - wenn auch mit einer enormen intellektuellen Leistung - Philosophie auf ein reines Gedankengebäude, weit weg vom wirklichen, d.h. individuellen wie sozialen Leben, reduziert? Der Wunsch nach Glück im Sinn der antiken Eudämonie sei seiner Meinung nach falsch, da es dieses in eine "gemeine Welt und Wirklichkeit verlege".

Hegel bewundert die Stoiker, die "gleichgültig gegen Alles, was den unmittelbaren Trieben, Empfindung usf. angehört" sind. In dieser "inneren Unabhängigkeit und Freiheit des Charakters in sich" liegt ihre Stärke.

Und was schreibt er über Liebe und Ehe? "Die Ehe unterscheidet sich vom Konkubinat, da es bei diesem letzteren hauptsächlich auf die Befriedigung des Naturtriebes ankommt, während dieser bei der Ehe zurückgedrängt ist. ... Die Ehe soll nicht durch Leidenschaft gestört werden, denn diese ist ihr untergeordnet."

Wie nicht anders möglich war die darauffolgende Kritik an Hegel (Schopenhauer außer Acht gelassen) hedonistischer Natur: Feuerbach und Marx.

Übrigens, der Neo-Metaphysiker Vittorio Hösle kommt in seinem schon zitierten 1.200 Seiten schweren Band 'Moral und Politik', erst 1997 erschienen, bei dem nicht sehr überzeugenden Versuch, Kant und Hegel mit Hans Jonas zu kombinieren, dem Glück nicht näher als die Altmeister. Es sei einfach vergebliche Mühe, sich so sehr danach zu sehnen - außer man ist ein Walfisch, denn:

"Die kommunikative Kultur der Wale ist von bewundernswerter Anmut und der Verdacht nicht irrational, diese intelligenten Meeressäuger seien glücklicher als Menschen." (Seite 286)

Man nehme auch diese Blüten der modernsten Metaphysik zur Kenntniss: "... Askese und Kontemplation, aus deren Verbindung der Geist schäumt" (S. 366). (Die Wortwahl!)

"... meiner geistigen Bestimmung nicht angemessene Natürlichkeit (etwa meiner Nacktheit)" (S. 370)

Dass aus dieser Ecke nichts mehr kommen kann, darüber dürften wohl keine Zweifel mehr bestehen. Der Stil ist so antiquiert wie der Inhalt.

Was z.B. Nicolai Hartmann aus dem deutschen Idealismus machte

Heute ziemlich vergessen (und auch zurecht), war Nicolai Hartmann in den 20er und 30er Jahren zweifellos einer der bekanntesten Universitätsphilosophen ('Katheder-philosophen') in Deutschland. Seine Arbeit ist ein anderes Beispiel für die Unmöglichkeit einer Weiterentwicklung der idealistischen Richtung der Philosophie.

Aus dem Baltikum stammend, Offizier im I. Weltkrieg, stramm konservativer Gesinnung hat er nie, wie z.B. Heidegger, offen für die Nazis Stellung genommen - natürlich auch nie gegen sie. Was er präsentierte, ist eine dem Faschismus freundlich gesonnene Version der deutschen Klassiker, im Zusammenhang mit seiner eigenen Theorie, der "Wertphilosophie", die in deren vermeintlichen Nachfolge stehen soll.

Niemand würde Kant und Hegel als faschistische Ideologen sehen. Aus der Widersprüchlichkeit ihres Denken und Handelns, bedingt durch den von ihnen gelebten historischen Moment zwischen Französischer Revolution und finsterster Reaktion, lässt sich allerdings ein "schwarzer Teil" herausfiltern, isolieren und instrumentalisieren. Das Revolutionäre beider Philosophen muss dabei nur schnell 'vergessen' werden. Bei Hartmann ist es ganz gut gelungen.

So läuft Geschichtsbetrachtung ja bis heute ab. Also handelt es sich eigentlich nur um die normale Geschäftsführung des Unibetriebes. Auch die Postmodernen arbeiten nicht anders. Ihre Vorwürfe gegen die 'Vernunftphilosophie', die ja bekanntlich an fast allem schuld sein soll (am 3. Reich, der Atombombe, Pol Pot, der Umweltzerstörung, der Ozonschicht und damit auch am schlechten Wetter), sind hinreichend bekannt.

Was machte jetzt Hartmann mit den historischen Vernunft-Idealisten?

Der 12. Deutsche Philosophenkongress, Oktober 1933: Das Datum lässt schon einiges erwarten. Die linken und liberalen Parteien sowie die Gewerkschaften sind schon verboten, jüdische Professoren bereits von den Unis verjagt.

"Ein inniges Zusammenwirken zwischen den Erkenntnissen der Philosophie und den Forderungen des Tages" wird vom Kongressvorsitzenden verlangt.

'Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen...´ wird gesungen, dann spricht Nicolai Hartmann, der Hauptredner des Kongresses. Es geht ihm um den Sinn des Ganzen. Ihn zu erfassen, gibt dem Menschen erst die Möglichkeit, sein eigenes Wesen zu begreifen. Als Vorläufer dieser "Neuen" Metaphysik gibt er Platon, Kant, Hegel und Nietzsche an.

Wie passen diese Denker denn zusammen?

Platon ist der "Klassiker aller Zeiten" (was immer das heißen mag), er hat das Sinnproblem allem übergeordnet, die Idee ist das Entscheidende - und "alles echte Führertum unter Menschen ist das Erleuchtetsein aus der Idee."

Kant darf man "nicht individualistisch missverstehen". Auch ihm geht es um die "Ziele eines größeren Ganzen".

Hegel stellt klar, dass "alle Sinngebung .. die Tat des Geistes ist, der sich in ihr verwirklicht". Beim Sinn handelt es sich um "lauter Menschenwerte... Aber .. nicht in individuo".

Nein, nicht der Einzelne verwirklicht jene Werte, dazu ist nur die Volksgemeinschaft fähig! Nicht die Menschheit in toto, sondern das Volk, "das in der Geschichte zu eigener Gestaltung gelangt" und im Gegensatz zu den anderen, 'weniger fähigen' Völkern definiert wird. Hier bleibt vom kosmopolitischen Aufklärungsgedanken, von Kant sein Leben lang vertreten, auch vom jugendlichen Hegel verteidigt, nichts mehr übrig.

Es wird noch schlimmer: "Der Einzelne ist in den Volksgeist gebunden, dem er angehört, und echte Einsicht für ihn ist es, zu verstehen, was dieser ist." Will er nicht verstehen, ist er ein "abgeschiedener Geist". W. F. Haug bemerkt dazu: "Musste man hier nicht an die Emigranten denken, etwa an Bloch, Cassirer, Tillich, Horkheimer?" Hartmanns Position ihnen gegenüber ist wohl klar.

Bei Hegel lässt sich noch mehr herausholen - und verunstalten. So sagt Hartmann: "Die Menge als solche ist zwar der Träger des objektiven Geistes, aber sie ist ebenso kopflos wie vielköpfig. Von ihr kann geschichtliche Führung nicht ausgehen, es ist ihr nicht gegeben zu wissen, “was sie will Erst das große Individuum muss es ihr sagen." Und weiter, immer in Bezug auf Hegel: "Weil aber das Wissen erst die Freiheit zur Wirklichkeit erhebt, so ist er (der politische Führer) mittelbar derjenige, durch den allein (!) Sinn- und Zielgebung in der Geschichte sich vollzieht."

Das kann man nicht missverstehen.

An Nietzsche gefällt ihm, dass er neue Werte in die Philosophie gebracht hat: "Kraft, Wille, Macht, ... Verantwortungsfreudigkeit." Doch er begeistert ihn nicht - er ist zu 'menschlich'. Hegel gibt dem 'Weltgeist' zu viel Macht, Nietzsche dem Menschen. Aber er, Hartmann, hat alles kapiert, denn: "Nicht die Werte selbst wandeln sich in der Menschengeschichte, sondern nur das Wertbewusstsein - genauso, wie im Fortschreiten des Wissens nicht die Welt sich wandelt, sondern nur das Weltbild." Der Vergleich hinkt auf beiden Beinen. Denn so wie die Welt ein Weltbild formt, wird durch das Weltbild der handelnden Subjekte auch die Welt verändert. Die weltverändernde politische und soziale Revolution von 1789 setzte zum Beispiel das Weltbild der Aufklärung voraus.

Als eine Variante des philosophischen Gewissenskultes schrieb Hartmann später:

"Das Wertgefühl ist das einzige Organ, das uns mit den Werten verbindet und uns ein Kriterium für sie und ihre Höhenunterschiede gibt...Wertgefühl und ein in ihm enthaltener Maßstab sind überhaupt Voraussetzung für die sittlichen Phänomene und können deshalb nicht empirisch entstehen. Der apriorische Charakter des Wertgefühls zeigt sich auch deutlich an dem Phänomen des Gewissens, das ja auf das Wertgefühl zurückgeht,... Die Stimme, die da warnt und nach vollbrachter Tat richtet, verurteilt, Schuldbewusstsein hervorruft - im Gegensatz zu der empirischen Handlungsweise des Menschen und seiner natürlichen Selbstbejahung - kann es nicht anders geben als apriorisch." (Nicolai Hartmann, Einführung in die Philosophie, 1949)

Ein von vornherein vorhandenes Wertgefühl ist natürlich reine Erfindung: Zum Thema 'schlechtes Gewissen' verweise ich auf die Antike und die Psychoanalyse.

Hartmann erhebt den Anspruch des 'Realismus', des Verbundenseins mit der Wirklichkeit. Bestimmte Werte zu fixieren und dann auch in der Alltagspraxis nach ihnen zu handeln, ist aber das unlösbares Dilemma der religiösen/idealistischen Ethik. Hartmanns Lösungsvorschlag liegt in folgendem Satz: (Die Suche nach den Werten ist ...) "eine Aufgabe von so erhebender Größe, dass schon das bloße Eintreten in ihren Dienst Sinnerfüllung ist."

Der Trick liegt darin, einen tatsächlichen Erfolg nicht mehr als absolut nötig anzusehen. Wie bei der Olympiade: Dabei sein ist alles. Dabei sein, in einer großen Bewegung, für große Ziele.

"Alles Große in der Geschichte ringt sich gegen große Widerstände hoch. Nicht im glücklichen Genießen erstarken die Völker der Welt, sondern in Not und Kampf und harter Arbeit."

Keine direkte politisch-ideologische Stellungnahme, aber eine hervorragende allgemein-philosophische Vorbereitung auf die kommenden Jahre des Faschismus und des Krieges.

Wir haben de facto die historische und "völkische" Relativierung der Werte durch die Schaffung eines 'Wertbewusstseins' und die Notwendigkeit der Sinnsuche in der "Volksgemeinschaft" unter dem geistigen Führerprinzip vor uns. Das Glück des Einzelnen ist der Krieg für die faschistische 'Gemeinschaft'. Ein anderes Glück kann es nicht geben.

'Dolce et decorum est pro patria mori.' (33)

Die Totalität der Naziherrschaft, die Willkür ihrer 'Werte', die Praxis ihrer Politik, ist hiermit philosophisch abgesegnet und zwar vom Vertreter der allermoralischten 'Wertphilosophie', durch die - seiner Meinung nach - positiven Weiterentwicklung des Denkens Platons, Kants, Hegels und Nietzsches. Man kann genug Übles bei ihnen finden. Diesen Philosophen wird aber die Methode des anti-historischen ´Wer-sucht-der-findet´ niemals gerecht. Das Konzept des Individuums in der Volksgemeinschaft war bei diesen Denkern nicht gegeben: Plato dachte an den Bürger der antiken ´polis´, nicht an den Sklaven; Kant dachte an den citoyen, nicht an den Proleten; für Nietzsche muss das wirkliche Individuum ("Empor ins Reich der Edelmenschen") erst noch kommen.

Ein Führerprinzip lässt sich am ehesten bei Plato finden - allerdings ist die Nazipartei im Bierkeller aufgewachsen und nicht im philosophischen Gespräch auf der Akropolis. Aber allein die Tatsache, dass es doch möglich ist, wie auch immer, die oft frei im Raum schwebende, nie wirklich greifbare, idealistische Philosophie auch zur Begründung des Naziterrors missbrauchen zu können, ist schon bedenklich. Sie sagt viel über die Metaphysik aus, nie darf man aber dem Unsinn verfallen, Plato mit Rosenberg zu vergleichen.

Kant und der Formalismus

Welchen Sinn hat formale Ethik im Zeitalter der Globalisierung? Ein eigenartiger Satz – und so soll er auch sein. Ist denn nicht gerade die formale Ethik Kants per definitionem allgemeingültig, vollkommen zeitlos, gänzlich unabhängig von historischen Entwicklungen?

Damit würde man Kant Unrecht tun. Sein Modell ist bedeutend komplizierter und durchdachter als die Vorstellungen sowohl vieler Kant-Liebhaber wie auch -Kritiker. Kant in seiner Zeit – was für eine Art von Aufklärer war Kant?

Diese Zeilen von Kant wurden berühmt:

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Johann Georg Hamann, Freund und Kritiker Kants, traf sofort den Kern: Der proton pseudos, der erste Irrtum Kants, liegt seiner Ansicht nach im terminus ´selbstverschuldet´. Bei den Unmündigen liegt die ganze Schuld; die, welche für deren Unmündigkeit verantwortlich sind – und nicht von Kant beim Namen genannt werden – gehen frei aus.

So schrieb Immanuel Kant:

„Der Geselle bei einem Kaufmann oder bei einem Handwerker; der Dienstbote...; der Unmündige...; alles Frauenzimmer und überhaupt jedermann, der nicht nach eigenem Betrieb, sondern nach Verfügung Anderer (außer der des Staates) genöthigt ist, seine Existenz (Nahrung und Schutz) zu erhalten, entbehrt der bürgerlichen Persönlichkeit, und seine Existenz ist gleichsam nur Inhärenz.“1

Spricht Kant über Recht und Gesetz wird seine Auffassung klar. Ehepartner, Kinder und Hauspersonal gehören als Menschen nicht zum Besitz aber zur ´Habe´, also darf eine Ehepartner der wegläuft (gemeint ist wohl immer die Ehefrau) vom anderen zurückgeholt werden „gleich als eine Sache“2 .

Die Idee der Aufklärung ist also dem Bürger vorbehalten. Also dem, der mit dem Aristokraten zusammen die Verantwortlichkeit für die gesellschaftlich erzwungene Unmündigkeit trägt.

Die Freiheit wird von Kant nicht positiv definiert, in anderen Worten, es gibt keinen Katalog der Rechte, keine Prinzipien.

Stattdessen entwickelt er eine Dichotomie:

„Zu dieser Aufklärung wird nichts erfordert als die Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“

„Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr dem ganzen Publikum der Leserwelt macht.“

Erstaunlicherweise versteht nun Kant als ´Privatgebrauch´ der Vernunft das Denken und Handeln der Menschen an ihrem Arbeitsplatz, in ihrer sozialen Position. Dort sind sie, wortwörtlich: „Teil der Maschine“! Und haben zu funktionieren wie der Offizier, der Adlige, der Bürger es will.

Dazu kommentierte Hamann ganz hervorragend:

„Was hilft mir das Feyerkleid der Freyheit, wenn ich daheim im Sclavenkittel.!

Wenn man sucht, kommt aber mehr zu Tage. Ein so banaler Konservativer war Kant in seiner Zeit nun doch nicht. Was schrieb er zur Französischen Revolution – und zwar in einem Moment als es vielen schon zu blutig zuging?

„Die Revolution eines geistreichen Volkes, die wir in unseren Tagen haben vor sich gehen sehen, mag gelingen oder scheitern... – diese Revolution, sage ich, findet doch in den Gemütern aller Zuschauer ... eine Teilnehmung dem Wunsche nach, die nahe an Enthusiasmus grenzt, und deren Äußerung selbst mit Gefahr verbunden war, die also keine andere, als eine moralische Anlage im Menschengeschlecht zur Ursache haben kann.“

(Streit der Fakultäten, 1798)

Das Menschenbild Kants ist einerseits eine ungeheure Abstraktion, anders wäre seine Ethik auch nicht denkbar. So wie die Engel fleischlose Geschöpfe sind, so hat auch sein Mensch der idealen Zukunft nichts anderes als Vernunft und Geist. Zugleich ist aber der Gelehrte, der Staatsbürger, der Aufklärer – kurz der Bürger - eine konkrete Figur.

Was hat der Kategorische Imperativ mit moralischen Entscheidungen zu tun?

Kommen wir zum Kern. Der Kategorische Imperativ lautet:

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“

Im ersten Moment kann man schon rein gefühlsmäßig mit einem solchen Satz nichts anfangen. Ernst Bloch erklärt es an einem sehr radikalen Beispiel:

„Liebe deinen nächsten wie dich selbst?“ fragte ein preußischer Offizier, wieso liebe ich mich so sehr. Ich liebe die anderen genau wie mich, nämlich nicht.“

Also auch nicht aus diesem Blickwinkel klappt es. Der Solipsismus im Konzept Kants verbietet es, zu fragen, was der andere Mensch denkt und fühlt.

Wir müssen von der Macht der abstrakten Vernunft ausgehen. Kant ist aber auch realistisch genug, um zu sehen, dass der tatsächliche Vorgang der Entscheidung sehr komplex verläuft. Neben dem kategorischen haben wir die hypothetischen Imperative: wenn ..., dann ... Wenn du für etwas sparen willst, dann gebe kein Geld aus. Wenn du in der Schule gute Noten haben möchtest, dann lerne. Damit wird die Willkür (pragmatischen) moralischen Handels deutlich. Zu einer Meta-Ethik, zu einer Letztbegründung moralischen Verhaltens gelange ich auf diese Weise nicht. Die Entscheidung und Entscheidungsgrundlage ist (mehr oder weniger) persönlich.

Darum eignet sich auch die Glückseligkeit nicht als höchstes Ziel der Moral. Die meisten griechischen Philosophen sahen sie als ´telos´. Im Streben nach Glückseligkeit ist die Vernunft das Mittel zum Zweck, sie gibt nur »Ratschläge der Klugheit«, wie man es am besten schafft, die eigenen Bedürfnisse möglichst problemlos zu befriedigen. Die eudämonistische Ethik führt daher zu lauter hypothetischen Imperativen. Die Glückseligkeitsmoral ist für Kant eine verfehlte Moral: Denn gerade in ihr gilt ja, dass ich etwas für ein bestimmtes Ziel tun soll. Eine solche Moral ist für ihn heteronomisch, d.h. sie steht außerhalb der abstrakten ´praktischen Vernunft´. Dieser Vorwurf trifft auch das metaphysischen Prinzip der Sittlichkeit, es stellt bestimmte Prinzipien ebenfalls ´von außen´. Die theologische Moral beruht in der Erwartung von Lohn und Strafe, im Dies- oder im Jenseits.

[...]


1 Kant, ´Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre´

2 ebenda, § 25

Details

Seiten
101
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640611546
ISBN (Buch)
9783640611287
Dateigröße
875 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v149972
Note
Schlagworte
Geschichte der Ethik von Epikur zu Frankena Herbert Marcuse materialistische Ethik

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Titel: Das Glück und der Mensch