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Klima und Gletscherstände in den Alpen seit dem 15. Jahrhundert

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 19 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Meteorologie, Aeronomie, Klimatologie

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Das Klima der Alpen - bestimmender Geofaktor
2.1 Klimafaktoren und ihre Wirkungsweisen in den Alpen
2.2 Niederschlag
2.3 Temperatur

3 Gletscher

4 Exkurs: Methoden der Gletscheruntersuchung

5 Historische Betrachtung des Alpenklimas in den vergangenen 500 Jahren

6 Fazit und Ausblick

7 Literatur

8 Abbildungsnachweis

1 Einleitung

Zunächst wird an dieser Stelle der Raum der Alpen kurz dargestellt und eingegrenzt, damit im Folgenden dies zur Basis der Arbeit genommen werden kann. Der andauernde Kollisionsprozess zwischen der afrikanischen und der europäischen Platte bewirkt noch heute eine Hebung der Zentralalpen um ungefähr 1 cm pro Jahr. Im Gradnetz liegen die Alpen

zwischen 44° und 48° nördlicher Breite und zwischen 6° und 16° östlicher Länge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildung 1 illustriert die folgenden Aussagen und soll ebenfalls im weiteren Verlauf der Arbeit als Orientierungsgrundlage dienen. Die Alpen erstrecken sich von ihrem Westrand am Golf von Genua bis zu ihrem Ostrand, der in die Ungarische Tiefebene mündet. Die Westalpen stellen den schmaleren Teil dar (ca. 150 km), wenngleich sich mit dem Mont Blanc (4807 m NN) und dem Monte Rosa (4634 m NN) dort die höchsten Gipfel befinden. Gen Osten verbreitern sich die Alpen und erreichen in Tirol ihre maximale Breite von ungefähr 250 km, die durchschnittliche Höhe nimmt hingegen ab. West- und Ostalpen werden anhand einer gedachten Linie differenziert, die sich vom Bodensee durch das Rheintal bis zum Coma See erstreckt.

Das Klima und die Gletscherstände der vergangenen 500 Jahre in den Alpen als thematische Grundlage für die folgende Arbeit setzt zwei Schwerpunkte. Einerseits wird das Klima im Allgemeinen den ersten Teil bestimmen, in dem die Klimafaktoren mit dem größten Einfluss herausgestellt werden. Anschließend werden Grundzüge einer möglichen Differenzierung des Alpenraumes durch das Klima vorgenommen, womit deutlich werden soll, dass das Klima für die Strukturierung des alpenländischen Raumes ein zentraler Faktor sein kann, wenn physisch-geographische Aspekte in den Vordergrund treten und eine regionale Ausdifferenzierung der Alpen notwendig wird. Abschließend steht ein Teilkapitel welches die Entwicklung des Klimas in den vergangenen 500 Jahren thematisiert. Dabei werden unter anderem auf Gletscher in ihrer Funktion als bedeutsame Indiziengeber zurückgegriffen, da ihre erosiven Kräfte einerseits aber auch ihr Wachsen respektive Abschmelzen Rückschlüsse auf den klimatischen Verlauf zulassen.

Der zweite thematische Schwerpunkt liegt auf den Gletschern, die ebenfalls in ihrer Entwicklung der vergangenen 500 Jahre dargestellt werden sollen. Die Gletscherstände sind allenfalls exemplarisch darstellbar, da die Quellenlage, insbesondere für den Zeitraum von 1500 bis 1800 recht überschaubar ist. Es soll hier jedoch der Versuch unternommen werden, allgemeine Tendenzen in den Gletscherständen ausfindig zu machen. Dabei wird auch deutlich werden, dass die Gletscher nicht einem kontinuierlichen Abschmelzen unterliegen, sondern dass es ebenso Phasen gegeben hat, die empirisch belegbar sind und entgegen der allgemeinen Auffassung eine Zunahme der Gletschermasse zur Folge hatten. Da Gletscher aufgrund ihrer zahlreichen Erscheinungsformen differierende Reaktionen auf das Klima zeigen, müsste eine allgemein differenzierende Darstellung einer glazialen Typologie erfolgen, die herausstellt, um welche Gletschertypen es sich in den Alpen handelt. So ist beispielsweise die Form eines Gletschers insofern bedeutsam, als ihre Oberfläche der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, was wiederum Folgen für das Ausmaß des Schmelzprozesses mit sich bringt. Bei der Betrachtung eines halben Jahrtausends jedoch, bleiben die Formen und Typen vernachlässigenswert, weshalb hier auf eine erschöpfende Glazialtypologie verzichtet werden kann.

Die methodische Vorgehendweise dieser Arbeit besteht in der analytischen Bearbeitung und Darstellung dreier Publikationen[1], die auf Überschneidungen, sowie Differenzen in ihren Darstellungen untersucht werden. Schließlich basiert diese Arbeit auf einer Synthese dieser drei Darstellungen. Tiefergehende Aspekte werden durch verschiedene Fachaufsätze eingeführt und belegt. Da eine Gesamtdarstellung aller Gletscher und aller klimatischen Einflussfaktoren im Einzelnen weder zielführend noch möglich ist, wird überwiegend eine exemplarische Darstellungsweise der Gegebenheiten vorherrschen.

Schließlich wird die Arbeit mit einem Fazit enden, dass die Entwicklung des alpinen Raumes unter glazialen und klimatischen Aspekten in den vergangenen 500 Jahren zusammenfassen in den Kontext der aktuellen Diskussionen um den Klimawandel stellt.

2 Das Klima der Alpen - bestimmender Geofaktor

Birkenhauer (1980) nennt das Klima den „fundamentalen“[2] Geofaktor und unterstreicht damit die Bedeutsamkeit des Klimas für den gesamten Alpenraum. Andere abiotische Geofaktoren wie der Boden stehen in ihrer Wirkmächtigkeit auf den Alpenraum wesentlich hinter dem Klima. Belegbar wird diese Aussage durch die Betrachtung des Alpenraumes auf diversen Ebenen. Ausreichend erscheit es hier, wenn die agrarische Nutzung als Beispiel angeführt wird. Freilich ist der Boden hier ebenfalls insofern bedeutsam, als ein agrarisch nutzbarer Boden zunächst zur Verfügung stehen muss, um Landwirtschaft zu betreiben. Das Klima jedoch ist tatsächlich entscheidend, da seine wesentlichen Faktoren (Niederschlag und Temperatur)[3] über die Nutzungsart entscheiden, da die Varianz des Klimas die Anbaubedingungen darstellt.

Die bereits erwähnten Klimafaktoren Neiderschlag und Temperatur werden im Folgenden näher dargestellt. Ihre Wirkungsweise auf den Raum, sowie seine strukturierende Wirkung auf das Gebiet sollen im Vordergrund stehen.

2.1 Klimafaktoren und ihre Wirkungsweisen in den Alpen

Zunächst wurde das Klima im Allgemeinen als der bedeutsamste Geofaktor herausgestellt. Nun wird das Klima in seinen für den rezenten Formenwandel bedeutsamen Faktoren ausdifferenziert. Es erfolgt eine Darstellung der Faktoren Niederschlag und Temperatur und ihrer spezifischen Wirkungsweisen. Es soll allerdings schon jetzt darauf hingewiesen werden, dass der Niederschlag eine ausschlaggebende Funktion innehat und die Temperaturen lediglich die Differenzierung nach Niederschlägen akzentuiert.[4]

2.2 Niederschlag

„Als ‚Wasserschloss Europas’ bilden die Alpen ein ausgeprägtes Wasserüberschussgebiet (Anm.: Hervorhebung im Original)“[5]. Der Grund für die im Vergleich zum Umland signifikant höheren Niederschläge liegt im „ Staueffekt (Anm.: Hervorhebung im Original) des Gebirges auf die Niederschläge“[6]. Da mit zunehmender Höhe auch die Verdunstung abnimmt, hat die Höhe also noch einen weiteren Zunahmeeffekt auf den Wasserhaushalt der Alpen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Klimadiagramm der Station Garmisch aus den Bayrischen Alpen illustriert die vorangegangene Aussage, wenn ein Vergleich mit München vorgenommen wird. Der Jahresniederschlag Münchens liegt ungefähr bei 1000 mm. Das heißt, der Jahresniederschlag hat um mehr als 30 % zugenommen, was auf den oben genannten Staueffekt zurückzuführen ist.

Rathjens (1982) differenziert diese Aussage und schränkt sie folgendermaßen ein: „Gebirgshindernisse regen die konvektive und advektive Wolkenbildung an, die die Einstrahlung wesentlich mindern kann, und sind daher in der Regel Inseln erhöhten Niederschlags in ihrer Umgebung. Doch nehmen die Niederschläge nicht unbegrenzt mit der Höhe zu.“[7]

Generell lassen sich zwei Bedingungen nennen, anhand derer das Auftreten von Niederschlägen begünstigt wird. Erstens ist zwischen Lee- und Luvgebieten zu unterscheiden. Zweitens tauchen weniger Niederschläge in den Zentralalpen auf als in den Randlangen. In den Leegebieten findet keine Wolkenbildung statt, die Niederschläge herbeiführen könnte. Der Unterschied zwischen den Lee- und Luvgebieten fällt nach Birkenhauer (1980) im Sommer größer aus.[8] Dass Randlagen und Luvgebiete in den Alpen weitestgehend identisch sind, hat Fliri[9] dargestellt.

2.3 Temperatur

Der zweite wichtige Klimafaktor in den Alpen ist die Temperatur. Obwohl die absoluten Temperaturen im Gebirge geringer sind als generell im Tiefland, „erhält es eine erhöhte Einstrahlung, der allerdings auch eine erhöhte Ausstrahlung bei Nacht und im Winter gegenübersteht.“[10] Somit sind die Gebirge relativ betrachtet wärmer als das Tiefland.[11] Ein weiterer Grund für eine erhöhte Einstrahlung ist die Reliefenergie, die eine Winkelveränderung zur Sonne bewirkt und somit die Einstrahlung intensiviert. Freilich trägt das Relief auch dazu bei, dass manche Täler eine geringere Einstrahlungsintensität erfahren, da sie im Tagesverlauf möglicherweise längere Zeit durch sie umgebene Erhebungen beschattet werden.

Verallgemeinernd lässt sich daher für den Alpenraum festhalten, dass die Temperatur mit zunehmender Einstrahlungsintensität zunimmt. Die Einstrahlungsintensität wird bedingt durch die Lage im Gradnetz einerseits. Das heißt, die Temperatur nimmt unter dieser einen Bedingung äquatorwärts kontinuierlich zu. Andererseits wird die Einstrahlung durch das Ausmaß der Bewölkung begrenzt. Daher entsteht ein inneralpiner „Wandel peripher-zentral“[12], für den die Sonnenscheindauer[13] den differenzierenden Indikator darstellt. Der Wandel peripher-zentral fußt auf dem oben beschriebenen Kontrast zwischen den Lee- und Luvgebieten und der damit einhergehenden relativen Trockenheit im Vergleich zu den Randlagen der Alpen.

Eine klimageographische Gliederung der Alpen

[...]


[1] Birkenhauer, Josef (1980):Die Alpen. UTB: Paderborn u.a.; Rathjens, Carl (1982): Geographie des Hochgebirges. Der Naturraum. In: Teubner Studienbücher: Geographie. Stuttgart.; v. Klebelsberg, Raimund (1948): Handbuch der Gletscherkunde und Glazialgeologie. Allgemeiner Teil. Wien.

[2] Birkenhauer (1980); S. 174.

[3] Siehe 2.1.

[4] Vgl. Birkenhauer (1980); S. 180.

[5] Birkenhauer (1980); S. 175.

[6] Ebd.

[7] Rathjens (1982); S. 32.

[8] Birkenhauer (1980); S. 179.

[9] Vgl. Birkenhauer (1980); S. 178.

[10] Rathjens (1982); S. 31.

[11] Vgl. Rathjens (1982); S. 35.

[12] Birkenhauer (1980); S. 179.

[13] Vgl. Birkenhauer (1980); S. 179.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640622061
ISBN (Buch)
9783640624119
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150239
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Geographie
Note
1,3
Schlagworte
Alpen Klimatologie Klimawandel Gletscher glazial Geographie

Autor

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Titel: Klima und Gletscherstände in den Alpen seit dem 15. Jahrhundert