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Adolf Eichmann - Bürokrat oder Massenmörder?

Referat (Ausarbeitung) 2010 20 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biografie

3 Aufstieg im Dritten Reich
3.1 Vor dem Krieg
3.2 Während des Zweiten Weltkriegs

4 Eichmann auf der Flucht
4.1 Entkommen vor den Alliierten
4.2 Flucht nach Argentinien
4.3 Leben in Argentinien
4.4 Die Entführung durch den israelischen Geheimdienst

5 Der Prozess in Jerusalem
5.1 Adolf Eichmann vor Gericht
5.2 Hannah Arendt und die "‘Banalität des Bösen"’

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Denkt man an die Zeit des Dritten Reiches von 1933 bis 1945, so kommen einem zunächst Bilder voller Grausamkeit in den Sinn, Bilder von leidenden Menschen, mordenden Soldaten und zerstörten Städten. Dadurch erfährt diese Epoche eine gewisse Unnahbarkeit, es fällt einem leicht sich zu distanzieren - schließlich hat man selbst mit derartiger Grausamkeit nichts gemeinsam.

Adolf Eichmann jedoch verkörperte nicht im geringsten den Prototypen des kaltblü­tigen SS-Soldaten, hünenhaft in Uniform und schwer bewaffnet. Vielmehr handelte es sich bei Eichmann um eine unscheinbare Figur, eine Person der man, begegnete ihr man auf der Straße, niemals die Brutalität und Kaltblütigkeit ansehen könnte, die Eichmanns Arbeit auszeichnete.

So steht Eichmann symbolisch für das selbsternannte "Rädchen im System", den willenlosen Befehlsempfänger, der sich selbst zu hundert Prozent in den Dienst ei­ner Sache stellt und jegliche Moral zugunsten der Pflichterfüllung verdrängt. Wohl die meisten totalitären System bauten und bauen auf Menschen auf, die sich be­dingungslos unterordnen können und Rückfragen an das, was sie tun, ausblenden. Adolf Eichmann war die erste Person der Neuzeit, die dahingehend analysiert wurde und steht so exemplarisch für viele andere, die ähnlich handelten.

Seine Person stieß in der Weltöffentlichkeit auf großes Interesse, als er schließlich 1961 den Prozess gemacht bekam. Als Berichterstatterin damals in Jerusalem vor Ort war auch die deutsche Philosophin Hannah Arendt, als Berichterstatterin für den "New Yorker". Als Reaktion auf das dort Gesehene verfasste sie ein Buch mit dem Titel "Adolf Eichmann oder die Banalität des Bösen", auf welches ich im vorliegenden Dokument näher eingehen werde.

Primär geht es mir jedoch darum, das Leben dieser Person Adolf Eichmann zu beschreiben und Einblicke zu gewähren in seine Entwicklung zum Prototypen des "‘gefährlichen Schreibtischtäters"’.

Der biografische Teil stützt sich, soweit nicht anders angegeben, auf das Buch "‘Mör­der und Ermordete: Eichmann und die Judenpolitik des Dritten Reiches"’ des Ham­burger Journalisten Robert Pendorf. Auf die Angabe weiterer Biografien wurde ver­zichtet, da der Informationsgehalt anderer Werke größtenteils deckungsgleich mit dem zuvor genannten Buch ist.

2 Biografie

Am 19. März 1906 wurde Adolf Eichmann als eines von fünf Geschwistern geboren. Sein Vater arbeitete als technischer Angestellter in einer Metallwarenfabrik, seine Mutter verstarb früh bei der Geburt des jüngsten Bruders. Bald darauf, im Jahre 1914, zog die Familie nach Österreich, in die Stadt Linz. Dort lebte man zunächst in bescheidenen Verhältnissen, bis schließlich der Vater parallel zu seinem eigenen Geschäft eine Karriere bei der Straßenbahn- und Elektrizitäts-AG begann.

Adolf Eichmann war zu jener Zeit bei Mitschülern wenig beliebt, Freunde hat er kaum. Zeitzeugen beschreiben ihn als zurückgezogen, wenig auffällig, still. Auch in der Schule tat er sich nicht durch besondere Leistungen hervor. Nachdem er die Staatsoberrealschule beendet hatte, begann er 1921 eine Ausbildung an der österrei­chischen Bundeslehranstalt für Elektrotechnik, welche er jedoch schon nach kurzer Zeit wieder abbrach. Die Gründe hierfür sind nicht näher bekannt, es kann nur spe­kuliert werden. Ein Theorie geht davon aus, dass die finanziellen Mittel der Familie Eichmanns nicht mehr ausreichten, um ihm eine nur wenig erfolgversprechende Aus­bildung weiter zu finanzieren.

Eine weitere Berufsausbildung beginnt er nicht, sondern arbeitet zunächst von 1925 bis 1927 als Verkäufer für die Oberösterreichische Elektrobau AG und bekommt dann eine Stelle als Vertreter der Vacuum Oil Company, welche noch heute unter den Bezeichnungen MOBIL Oil und ExxonMobil aktiv ist.[1] Große berufliche Erfolge kann er nicht verbuchen und wird schließlich im Juni 1933 gekündigt.

Zu jener Zeit war Eichmann bereits Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, der NSDAP, welche am 24. Februar 1920 aus der Deutschen Ar­beiterpartei (DAP) hervorgegangen war[2] und seitdem eine deutschnationale und fremdenfeindliche Politik verfolgte. Warum Eichmann im April 1932 der Partei beig- treten war, kann nicht mit endgültiger Gewissheit festgestellt werden. Vermutungen exisiteren dahingehend, dass er sich, bedingt durch den Umzug der Familie von Deutschland nach Österreich, in gewisser Weise entwurzelt fühlte und an der "Heim ins Reich"-Kampange gefallen gefunden hatte. Nie war er jedoch durch antisemiti­sche Äußerungen aufgefallen.

Nichtsdestotrotz zeigte er großes Engangement bei der Parteiarbeit und beließ es nicht bei einer einfach Mitgliedschaft. Er meldete sich zur SS, welche damals noch der SA unterstand und primär mit Sicherungsaufgaben, also beispielsweise dem Saal­schutz, betraut war. Auf Grund seiner zierlichen Statur stellte man schnell fest, dass er als Saalschützer kaum einsetzbar war; gleichwohl erkannte man aber auch sein Organisations- und Verwaltungstalent. Dies geschah in etwa gleichzeitig mit der Kündigung durch die Vacuum Oil Company, ein Zusammenhang liegt nahe, zumal die SS zu jener Zeit in Österreich bereits verboten war.

Somit kehrte er schließlich im Jahre 1933 nach Deutschland zurück und arbeitete von nun an hauptberuflich für die SS. Zunächst erfuhr eine militärische Ausbildung, welche ihm bis dato vollends fehlte, zunächst in Passau, genauer dem Lager Lechfeld und später im Lager Dachau, welches zu jener Zeit noch nicht als Konzentrations­lager diente. Eichmann absolvierte seine Ausbildung, ohne sich durch besondere Leistungen hervorzutun. Einzig sein organisatorisches Talent wurde zur Kenntnis genommen. Auf Grund seiner, auf einer gemeinsamen Schulzeit beruhenden, Kon­takte zu Ernst Kaltenbrunner, wurde er zu Beginn des Jahres 1934 in die Zentrale des Sicherheitsdienstes (SD) nach Berlin berufen. Seine Tätigkeit beschränkte sich von nun auf das Führen der Freimaurerkartei.

Trotzdem kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit der Grundstein für die spä­tere Karriere des Adolf Eichmann als Organisator der Judentransporte in Arbeits­und Vernichtungslager gelegt wurde. Aus Tagebuchaufzeichnungen Eichmanns weiß man, dass er an seinem Arbeitsplatz Zugang zu einem umfangreichen Archiv mit jüdischer und sich mit dem Judentum beschäftigender Literatur hatte. Mit offen­sichtlich großem Interesse las er so unter anderem die Schriften Theodor Herzls, dem Begründer des Judentums, ebenso wie auch antijüdische Propaganda. Weiter­hin eignete er sich im Laufe dieser Zeit grundlegende Fähigkeiten im Hebräischen an, wollte gar Unterricht bei einem Rabbiner nehmen. Da dieses Gesuch abgelehnt wurde, eignete er sich die Sprache im Selbsstudium weiter an.

Es darf allerdings bezeifelt werden, dass dieses Engagement nur der Befriedigung seiner Wissbegierigkeit diente. Vielmehr kann man davon ausgehen, dass sich Eich­mann der Beschränktheit seiner militärischen Fähigkeiten bewusst war und daher den Wissensvorsprung auf dem Gebiet des Judentums zu seinem Vorteil in einer auch nach aussen hin sich immer judenfeindlicher präsentierenden Partei nutzen wollte.

Offensichtlich mit Erfolg: schon nach kurzer Zeit ging Eichmann der Ruf des "Ju­denspezialisten" voraus - der Grundstein einer Karriere war gelegt.

3 Aufstieg im Dritten Reich

3.1 Vor dem Krieg

Am 15. September 1935, etwas mehr als zwei Jahre nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, wurden die Nürnberger Gesetze verabschiedet. Die­nen sollten diese Gesetze dem "‘Schutze des deutschen Blutes"’, unterschied zwi­schen "Reichsbürgern" und "Staatsangehörigen"’ Mit "Reichsbürgern" bezeichnete man jene Gruppe, die auf Grund ihrer arischen Abstammung berechtigt war, im Deutschen Reich zu leben. "Staatsangehörige" hingegen waren jene Bürger, welche nicht deutscher Abstammung waren, wie beispielsweise die Gruppe der Juden. Die­ses Gesetz hatte nicht nur das Verbot von Eheschließungen zwischen den beiden Gruppen zur Folge, sondern nahm immer absonderliche Formen an, wie beispiels­weise ein Verbot des Sitzens auf Parkbänken für Juden - und schließlich auch ein Berufsverbot.

Adolf Eichmann war zu jener Zeit schon nicht mehr mit den Karteikarten in der Freimaurerabteilung beschäftigt, sondern arbeitete nun als Leiter des von Heinich Himmler gegründeten "Judenmuseums"’ Es ist überliefert, dass ihn diese Tätigkeit nur wenig ausfüllte, und so nutzte seine reichlich vorhandene Zeit, um sein Wis- sen über das Judentum und insbesondere die Fähigkeiten im Hebräischen weiter auszubauen.

[...]


[1] Hoffritz

[2] Hönicke, S.9

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640845699
ISBN (Buch)
9783640843206
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150242
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Adolf Eichmann Hannah Arendt Philosophie Politikwissenschaft Argentinien Kriegsverbrecher Schuldfrage Schuld Unschuld Verantwortung

Autor

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