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Stress im Lehrerberuf - Psychosomatische Erkrankungen bei Lehrerinnen und Lehrern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 22 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Daten und Begriffsklarungen
2.1 Der Umfang der Fruhverrentung bei Lehrem
2.2 Begriffsklarungen und juristische Ablaufe
2.2.1 Fruhinvaliditat
2.2.2 Rechtliche Definition der Dienstunfahigkeit
2.2.3 Der Weg zur Fruhpensionierung wegen Dienstunfahigkeit
2.3 Statistische Untersuchungen zur Fruhverrentung

3. Zwei typische Erkrankungsformen im Lehrerberuf
3.1 Das Burnout-Syndrom
3.2 Die Innere Kundigung

4. Praventionsmafinahmen
4.1 Stressmanagement
4.2 Ausgewahlte Entlastungsansatze
4.3 Verbesserung der Lehrerausbildung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Halbtagsarbeiter“, „Dauerferienhaber“ und „faule Beamten“; das sind typische AuBerungen die man hort, wenn man in der Bevolkerung Umfragen macht zur Arbeit und der Arbeitsintensitat von Lehrerinnen und Lehrern. Diese Einschatzung des Berufs des Lehrers oder der Lehrerin mag ein Grund dafur sein, dass bisher kaum untersucht wurde, ob und in welchem AusmaB ein eventuell erhohtes Risiko einer psychosomatischen Krankheit bei Lehrerinnen und Lehrern besteht.

Dass dies der Fall ist, werden wir im ersten Teil der vorliegenden Arbeit zeigen. Zuerst einmal werden wir uns mit Begriffsklarungen beschaftigen und der Folge psychosomatischer Krankheiten auf die weitere Berufstatigkeit und die auf, aus einer solchen Erkrankung resultierende, Fruhverrentung. Dabei wird es wichtig sein zu untersuchen, ob Lehrerinnen und Lehrer uberdurchschnittlich oft betroffen sind zur Uberprufung, ob es an ihrem Beruf liegt, dass sie psychosomatisch erkranken.

Des Weiteren wird diskutiert werden, welche negativen Folgen Fruhverrentungen von Beamten fur den Staat haben, insbesondere durch zusatzliche Kosten. Um dieses Problem naher zu beleuchten und zu zeigen, wie ein Lehrer oder eine Lehrerin juristisch fur Dienstunfahig erkannt wird, beschaftigt sich diese Arbeit mit dem Ablauf vom Beginn der Erkrankung bis zu Dienstunfahigkeit.

Nachdem sich der erste Teil der Arbeit vor allem um Statistiken und juristischen Ablaufen gedreht hat, wird es im zweiten Teil um mogliche PraventionsmaBnahmen gehen. Den Ubergang bildet die exemplarische Vorstellung zweier typischer Erkrankungen, das Burnout und die Innere Kundigung.

SchlieBlich geht es dann um Vermeidungsstrategien, wie Stressmanagement, Entlastungsansatze und eine Verbesserung der Lehrerausbildung. Letztere kOnnte in der Zukunft viele Kosten vermeiden und sollte auch als Investition des Staates gesehen werden. Dabei wird auch der Begriff des so genannten „Praxisschocks“ diskutiert werden.

Zum Ende mochte ich darauf hinweisen, dass im folgenden Verlauf der Arbeit mit dem Begriffen „Lehrer“ oder „Lehrkrafte“ jeweils sowohl Lehrerinnen als auch Lehrer gemeint sind.

2. Daten und Begriffsklarungen

2.1 Der Umfang der Fruhverrentung bei Lehrern

Als erstes wird der Umfang der hier untersuchten Personen bestimmt. Dabei handelt es sich um die hauptberuflich beschaftigen Lehrerinnen und Lehrer. Diese Personengruppe umfasst etwa 800.000 Lehrkrafte von denen in den alten Bunderlandern uber 90 % verbeamtet sind.[1]

Der Anteil von Lehrern, welche krankheitsbedingt fruhzeitig aus ihrem Beruf ausschieden lag in den 1990er Jahren bei 50 - 60 %. Dabei erfolgte die Pensionierung im Durchschnitt mit 55 Jahren.[2] Lediglich ein einstelliger Prozentsatz erreicht das gesetzliche Rentenalter. Um zu entscheiden ob es sich um ein Lehrerproblem handelt oder nicht, muss man diese Zahlen nun mit den vorliegenden Daten fur andere Berufe vergleichen. Es erreichten in diesem Zeitraum etwa 15 % aller Beamten und 20 % aller erwerbstatigen Menschen das gesetzlichen Rentenalter.[3] Somit liegt der Wert bei Lehrern deutlichen unterhalb dieser Zahlen. Somit wird deutlich, dass es einen signifikanten Unterschied gibt zwischen den Lehrern und anderen Erwerbstatigen. Auch wird erkennbar, dass es nicht ausschliefilich auf eine Tatigkeit im Staatsdienst zuruckzufuhren ist, wie der Vergleich mit den Zahlen anderer Beamter zeigt.

Worin liegt nun das Problem fur den Staat? Man sollte doch annehmen, dass angesichts einer grofien Arbeitslosigkeit die ausgeschiedenen Lehrkrafte leicht zu ersetzen sind. Das Hauptproblem sind die gewaltigen Kosten. Im Jahre 2000 beliefen sich diese nach Angaben des Bundesinnenministeriums auf etwa 22 Milliarden Euro.[4] Losungen sucht man heute zum Beispiel in der Rente mit 67, das heifit das formale Alter fur die Rente wird nach hinten gesetzt. Allerdings muss so eine Losung fragwurdig erscheinen, wenn schon in der augenblicklichen Lage nur ein geringer Teil der Lehrkrafte das Rentenalter von 65 Jahren erreicht. Eine bessere Losung konnte die Pravention gegen das fruhe Ausscheiden aus dem Beruf sein.

2.2 Begriffsklarungen und juristische Ablaufe

2.2.1 Fruhinvaliditat

Damit man das Thema der Fruhverrentung richtig beschreiben kann, braucht man einige grundlegende Begriffe. Dazu gehort Fruhinvaliditat. AuBerdem muss der juristische Hintergrund einer Fruhverrentung geklart werden.

Fruhinvaliditat beschreibt das „krankheitsbedingte Ausscheiden aus dem Erwerbsleben vor dem Erreichen gesetzlich festgelegter Altersgrenzen.“[5] Bei einem Beamten redet man in diesem Fall von einer Fruhpensionierung. Dabei handelt es sich aber nicht zwangsweise um ein krankheitsbedingtes Ausscheiden. Allerdings wird es im weiteren Verlauf dieser Arbeit um krankheitsbedingtes Ausscheiden gehen.

Fruhinvaliditat wird in Deutschland von der Rentenversicherung abgedeckt.

2.2.2 Rechtliche Definition der Dienstunfahigkeit

Nun mussen wir uns mit den geltenden Bestimmungen fur Lehrerinnen und Lehrer auseinandersetzen. Dabei liegen die geltenden Beamtengesetze zugrunde wie zum Beispiel, das Beamtenrechtsrahmengesetz und das Bundesbeamtengesetz. Hinzu kommen noch die Landesbeamtengesetze.[6]

Der Normalfall sollte zunachst das Erreichen der Regelaltersgrenze sein. Die lag in Deutschland bis 2006 bei 65 Jahren und wird in Zukunft schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Teilweise kann nach Vollendung des 64. Lebensjahres auf Antrag in die Rente gegangen werden, was mit einem geringen Versorgungsabschlag belegt wird. Bestimmt sozialmedizinische Voraussetzungen erlauben einen vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand. Zuerst einmal konnen Behinderte mit einem Behinderungsgrad von mehr als 50 % ab dem 60. Lebensjahr in Rente gehen. Der vorzeitige Ruhestand ist der am haufigsten vorkommende Fall und der, welcher im weiteren Verlauf im Zentrum der Betrachtung stehen soll. Es ist ein vorzeitiges Berufsausscheiden „aufgrund dienstlich relevanter gesundheitlicher Leistungseinschrankungen (Vorliegen von Dienstunfahigkeit)“[7] moglich. Der Vollstandigkeit halber muss noch das seit 1999 geltende Altersteilzeitmodell erwahnt werden, welches in zwei Varianten, ermoglicht entweder fruhzeitig aus dem Dienst auszuscheiden oder in den letzten 5 Jahren nur die Halfte der Zeit zu arbeiten.[8] Allerdings verursacht dieses Modell keinen Kosten fur den Staat.

Da wir uns im weiteren Verlauf vor allem mit der Dienstunfahigkeit beschaftigen ist es notig diesen Begriff inhaltlich zu klaren. Die Dienstunfahigkeit bei Beamten wird im §42 des BBG beschrieben und sagt aus, dass „der Beamte auf Lebenszeit [...] in den Ruhestand zu versetzen [ist], wenn er infolge eines korperlichen Gebrechens oder wegen Schwache seiner korperlichen oder geistigen Krafte zur Erfullung seiner Dienstpflichten dauernd unfahig (dienstunfahig) ist [...]. Als dienstunfahig kann der Beamte auch dann angesehen werden, wenn er infolge einer Erkrankung innerhalb eines Zeitraumes von 6 Monaten mehr als 3 Monate keinen Dienst geleistet hat und keine Aussicht besteht, dass er innerhalb weiterer 6 Monate wieder voll dienstfahig wird [...].“[9]

Also setzt sich die Dienstunfahigkeit zusammen aus Leistungsunfahigkeit im konkreten Amt und aufierdem aus einer Langzeiterkrankung mit negativer Prognose.[10]

Die Grundlage zur Uberprufung dieser Sachverhalte ist die amtsarztliche Prognose. Wenn der Amtsarzt eine Dienstunfahigkeit feststellt konnen allerdings seit den 1990er Jahren Beamte auch geringer wertige Tatigkeiten innerhalb ihrer Laufbahngruppe ubertragen werden.[11] Wichtig ist aufierdem das ein Wiedereintritt in das Berufsleben moglich ist. Und zwar kann dies auf zweierlei Weisen geschehen. Zum einen auf eigenen Antrag des Beamten, zum anderen auch als Zwang. Voraussetzung dafur bildet eine positive Prognose bei der Bewertung der Krankheit.

2.2.3 Der Weg zur Fruhpensionierung wegen Dienstunfahigkeit

Grundsatzlich betrifft dieser Ablauf nur Beamte auf Lebenszeit. Die Dienstunfahigkeit und die damit verbundene Fruhpensionierung konnen von zwei Seiten ausgehen. Zum einen von dem Beamten selber auf Antrag, zum anderen gegen der Willen des Beamten, die sogenannte „Zwangspensionierung“.[12] Grundlage ist hier §44 BBG. Als erstes muss der Dienstvorgesetzte ein „amtsarztliches Gutachten uber den Gesundheitszustand des Beamten ein[zu]holen.“[13] Dieses bietet dann die Grundlage zur spateren eventuellen Feststellung der Dienstunfahigkeit.[14] Dieses Gutachten muss verschiedene Aspekte beinhalten. Namlich die Angabe funktioneller Diagnosen, die Erstellung eines positiven und negativen Leistungsbildes, eine Stellungnahme zur Dienstfahigkeit, die Notwendigkeit therapeutischer oder rehabilitativer Mafinahmen, die Notwendigkeit einer Zusatzbegutachtung, eine Prognose im Hinblick auf die Wiederherstellung der Leistungsfahigkeit innerhalb der nachsten 6 Monate, die gesundheitliche Eignung fur mogliche andere Dienstposten sowie die Erforderlichkeit einer Nachuntersuchung.[15]

Abschliefiend muss allerdings noch erwahnt werden, dass die endgultige Entscheidung uber die Dienstunfahigkeit eines Beamten bei der Behorde liegt, welche auch fur die Ernennung des jeweiligen Beamten zustandig ist.

2.3 Statische Untersuchungen zur Fruhverrentung

In diesem Abschnitt beschaftigen wir uns noch einmal genauer mit dem Umfang der Fruhverrentung. Allerdings stehen nun die Grunde der Fruhverrentung im Vordergrund, um zu testen, ob es sich tatsachlich um ein hauptsachlich psychosomatisches Problem handelt.

Erste grofiere Untersuchungen zu dem Thema Fruhpensionierung von Lehrpersonen kann man erst in den 1990er Jahre finden. Allerdings sind viele Untersuchungen nicht reprasentativ oder ungenau. Eine Ausnahme bietet eine Untersuchung des Bayerischen Obersten Rechnungshofes von 1993. Dabei wurden 311 dienstunfahige Lehrkrafte als Grundlage genommen, von denen 51 % wegen psychischen und psychosomatischen Beschwerden in die Fruhpensionierung kamen.[16]

[...]


[1] Vgl. Weber, A. Krankheitsbedingte Fruhpensionierungen von Lehrkraften. In: Hillert und Schmitz. Psychosomatische Erkrankungen bei Lehrerinnen und Lehrern. Ursachen Folgen Losungen. Stuttgart. 2004. S.23 ff. Im Folgenden: Weber. Fruhpensionierungen

[2] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 24

[3] Weber. Fruhpensionierungen. S. 24

[4] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 25

[5] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 26

[6] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 27

[7] Weber. Fruhpensionierungen. S. 27

[8] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 27

[9] §42 BBG

[10] Vgl. Lederer, P. Begutachtungen fur den offentlichen Dienst. In: Gostomzyk, J. Angewandte Sozialmedizin. Landsberg. 2000

[11] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 29

[12] 12 Vgl. Lederer, P. Begutachtungen fur den offentlichen Dienst. In: Gostomzyk, J. Angewandte Sozialmedizin. Landsberg. 2000

[13] Weber. Fruhpensionierungen. S. 29

[14] Vgl. Lederer, P. Begutachtungen fur den offentlichen Dienst. In: Gostomzyk, J. Angewandte Sozialmedizin. Landsberg. 2000

[15] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 30

[16] Vgl. Weber. Fruhpensionierungen. S. 31

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640618248
ISBN (Buch)
9783640618552
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150315
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Lehrer Stress Beruf

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