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War der erste Attische Seebund die Fortsetzung des Hellenenbündnisses von 481?

Wissenschaftlicher Aufsatz 2003 9 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Vorgeschichte des Seebundes

2. Die Gründung des Attischen Seebundes

3. Die Zielsetzung des delisch-attischen Bündnisses

Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

In dieser Arbeit soll geklärt werden ob der delisch-attische Seebund als Fortsetzung des Hellenenbündnisses von 481 gelten kann. Giovanni und Gottlieb hatten behauptet:

„Nicht nur hat der Hegemonialwechsel von 478/7 keinen Bruch im Hellenenbund verursacht; nicht nur handelt der delisch-attische Seebund für den Hellenenbund. Nicht nur verfolgt der delisch-attische Seebund dieselben Ziele und hat dieselbe Organisation wie der Hellenenbund von 481: der delisch-attische Seebund ist der Hellenenbund selbst.[1]

Zentrale Fragen sind zum einen jene nach der Kontinuität des Verhältnisses der Bündnispartner zueinander sowie die der strategischen Ausrichtung des Bündnisses nach offensiven oder defensiven Zielsetzungen. Wichtigste Quelle ist hierbei „Der Peloponnesische Krieg“ des Thukydides. Nach der Schilderung der Vorgeschichte des Bündnisses wird anhand der Eidesschwüre der vertragliche Inhalt geprüft um im Anschluss deren politische Umsetzung und Auslegung beurteilen zu können.

1. Die Vorgeschichte des Seebundes

Schon in der Vorgeschichte des attischen Seebunds waren die Intentionen und Handlungen Spartas und Athens unterschiedlicher Natur. Zum Schutz seiner Handelswege hatte Athen halbherzig und ohne Erfolg Schiffe zum Aufstand der Stadt Millet beordert, die sich von der persischen Herrschaft befreien wollte. Sparta verweigerte jede Hilfe. Der persischen Rache für diesen Übergriff musste die Stadt Athen sich im Jahre 490 ebenfalls ohne spartanische Hilfe erwehren. Erst als Xerxes 480 boiotischen und attischen Boden am Thermopylenpass plünderte konnten sich Athen und Sparta zu gemeinsamem Handeln durchringen. Als die griechische Flotte am Thermopylenpass in Bedrängnis kam flohen die Athener, während die Spartaner versuchten die Stellung zu halten. Erst die List des Themistokles, der den Persern einen falschen Standort der griechischen Flotte zukommen ließ, führte zur entscheidenden Seeschlacht bei Salamis. 479 kam es zur Landschlacht mit dem verbliebenen persischen Heer bei Plataiai und zur Seeschlacht am Mykale-Gebirge. Sparta machte nun den Vorschlag, die kleinasiatischen Griechen, die sich den Persern gegenüber freundlich verhalten hatten, könnten auswandern und sich in anderen perserfreundlichen Städten ansiedeln. Die Athener mit ihrem Wortführer Themistokles hingegen plädierten für eine Aufnahme der Städte in das Bündnis. Da sich Sparta dieser Politik nicht verpflichtet fühlte und das Ziel der Persergefahr als gebannt betrachtete war ein Ausstieg aus dem Bündnis und seinen Verpflichtungen nur eine Frage der Zeit.[2] Im Jahre 478/477 fuhr die hellenische Flotte unter Führung des Spartaners Pausanias mit dem Ziel Byzantion nochmals aus, um dieses von der persischen Besatzung zu befreien. Das Vorhaben gelang und die Truppen blieben einige Zeit vor Anker, in der sich jedoch Probleme zwischen Pausanias und den Ioniern ergaben. Diese beklagten sich bei der Führung in Athen über das harte Regiment des Spartaners und über Ungerechtigkeiten bei der Lebensmittelvergabe. Athen löste Pausanias durch Kimon ab und Plutarch beschrieb die Handlungen des Aristeides wie folgt:

„Als er, mit Kimon als Feldherr zur Kriegsführung ausgesandt, beobachtete, dass Pausanias und die anderen Befehlshaber der Spartiaten bei den Bundesgenossen wegen ihrer Schroffheit verhasst waren, verkehrte er selber mild und gütig mit ihnen, sorgte auch dafür, dass Kimon sich im Felde freundlich und zugänglich zeigte, und entzog so, unmerklich, nicht durch Waffen, Schiffe und Rosse, sondern durch Sanftmut und kluge Politik, den Lakedaimoniern (Spartanern, Anm. d. Verf.) die führende Stellung.“[3]

Hier wird deutlich, dass Sparta sich nicht aktiv aus der Leitung der hellenischen Armee zurückzog, sondern Athen dies sehr subtil versuchte zu gewährleisten.

2. Die Gründung des Attischen Seebundes

Aus dem Verhalten der Athener geht hervor, dass ihrerseits aktiv auf ein Bündnis mit den ionischen Städten hingearbeitet wurde. Steinbrecher ist der Ansicht, dass nach Thukydides der Anstoß zur Gründung des Seebundes zwar von den Bündnispartnern ausging, Athen aber durch die partnerschaftliche Politik mit späteren Bündnispartnern die Basis für eine hegemoniale Stellung Athens im Bündnis schuf. Steinbrecher betont außerdem, dass für eine Weiterführung des Bündnisses mit dem Ziel der Verteidigung gegen die Perser keine neue Symmachie (nach dem Bund von 481) notwendig gewesen wäre.[4] Zur Bekräftigung der These von einer geplanten Hegemonialstellung Athens im neuen Bündnis betrachtet Steinbrecher auch die Vorläufer des 1. Attischen Seebundes. Gegen die Gleichsetzung des delisch-attischen Seebundes mit dem Hellenenbund sind mehrere Faktoren zu nennen. Steinbrecher verweist hier zunächst auf die Charaktere der Bündnisse, wobei es sich beim Hellenenbündnis nicht um eine Symmachie, sondern um einen „ad-hoc-Zusammenschluss, geboren aus der aktuellen Gefahr einer persischen Invasion“[5] handelte. Auch die Schwüre beider Bündnisse zeigen erhebliche Unterschiede. Bezüglich des Hellenenbundes sprach Herodot lediglich von „Griechen, die sich gegen die Perser durch Eidschwur verbündet hatten“[6] (Übers. d. Verf.), im delisch-attischen Bündnis wurden hingegen beiderseitige Eide mit jedem Verbündeten geschlossen. Die Formel der Symmachieverträge war im Allgemeinen „denselben Feind und Freund zu haben“, sicherlich konnten hier auch die Perser gemeint sein, beschränkt war die Loyalitätsformel auf sie jedoch nicht. Das delisch-attische war also kein multilaterales Bündnis, sondern wurde mit jedem Partner einzeln geschlossen, wie dies auch für das Bündnissystem Spartas nachgewiesen ist. Dies stärkte die Hegemoniebestrebungen Athens und verhinderte, dass Bündnispartner sich kollektiv gegen den Hegemon auflehnen konnten, da sie nicht miteinander sondern nur jeder mit Athen verbunden waren. So wenig der Eidesschwur auf einen Feind beschränkt war so wenig war er auf eine Dauer beschränkt. Die ewige Dauer des Bündnisses wurde im Eidesschwur repräsentiert durch die Versenkung von Metallstücken im Meer.[7] Wie stark die Stellung Athens in diesem Bündnis war zeigt auch die Tatsache, dass die Verwaltung der von den Bundesgenossen jährlich zu zahlenden Abgaben Aufgabe der Hellenenschatzmeister mit Sitz auf der Insel Delos war, die wiederum von der athenischen Volksversammlung gewählt wurden. Die Flotte betreffende Planungen wurden ebenfalls in Athen vorgenommen. Nach Heuss entstand so ein Ungleichgewicht zwischen Führung und Bund.[8] Als Novum des Bundesvertrages muss auch die Zahlung von Abgaben in die delische Kriegskasse gesehen werden. Durch diese Zahlungen, die Aristeides wahrscheinlich nach der geschätzten Höhe des Agrareinkommens berechnete, waren Städte mit nur geringer Finanzkraft in der Lage, dem Bündnis beizutreten.

[...]


[1] Giovanni/Gottlieb, S. 44f

[2] Alfred Heuss, S. 243

[3] Plutarch, Aristides 23.1 (Übers. d. Verf.)

[4] Steinbrecher, S. 76

[5] ebd., S. 68

[6] Herodotus, 7.148.1

[7] Steinbrecher, S. 72ff

[8] Heuss, S. 245

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