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Burnout - eine fallbezogene Analyse

Seminararbeit 2010 26 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Thema
1.1 Aufbau der Arbeit

2. Phänomen Burnout
2.1 Was versteht man unter Burnout?
2.2 verschiedene Erklärungsansätze
2.3 Bedeutender Faktor Stress
2.4 Diagnosekriterien von Burnout?
2.5. Burnout bei Frauen

3 Analyse des Fallbeispiels Anna
3.1 Biographische Analyse von Annas Leben
3.2 Annas Lebensbewältigung nach dem Konzept von Böhnisch
3.3 Annas Lebensweltorientierung nach dem Konzept von Thiersch
3.4 Annas Burnoutverlauf
3.5 Was kann Anna tun?

4. Resümee

5 Anhang

6 Literaturverzeichnis

1. Einführung in das Thema

Das Thema der Hausarbeit in dem Fach Störung, Leiden, Anderssein lautet:

Phänomen Burnout - Eine fallbezogene Analyse

Der Anreiz über dieses Thema zu schreiben entstammt aus folgendem Gedanken heraus: Ab wann leidet man oder ist man anders in unserer heutigen Gesellschaft? Meine Überlegung zielte darauf ab zu schauen was Menschen, die offenkundig vollkommen gesund sind, krank macht. Denn auch das bedeutet für mich Anderssein: das Leben mit einer Krankheit, die einem vielleicht in vielerlei Hinsicht einschränkt, sowohl im privaten als auch im gesellschaftlichen Bereich. Mehrere Unterhaltungen mit meinen Freunden machten mich dann schlussendlich auf das Thema Burnout aufmerksam. Wir haben herausgefunden, dass in unserem näheren Umfeld zwei Menschen die wir kennen an Burnout erkrankt sind. Dies war der ausschlaggebende Punkt darüber zu schreiben, denn theoretisch kann es jeden von uns treffen, wenn wir nicht in der Lage sind uns gewisse Schutzmechanismen anzueignen. Gerade deswegen ist das Thema Burnout meiner Meinung nach ein sowohl interessantes als auch sehr aktuelles Problem. Immer wieder erreichen uns aus den Medien Nachrichten von Prominenten die sich ausgebrannt fühlen und nicht selten ihre Karriere deswegen beenden. Eines der prominentesten deutschen Bespiele dürfte der ehemalige Fußball- und Nationalspieler Sebastian Deisler sein, der mit den Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden, und dem daraus entstehenden Druck nicht zurrecht kam. Im Jahr 2004 beendete er seine Karriere mit der Diagnose Burnout[1]. Dies ist aber kein Problem was nur Prominente betrifft, auch eine Vielzahl der deutschen Bürger hat mit Burnout Symptomen zu kämpfen. Erschreckende Ergebnisse lieferte hierzu die Techniker Krankenkasse mit ihrer im Jahr 2008 durchgeführten Stressstudie. Demzufolge waren deutsche Arbeitnehmer aufgrund des Burnout Syndroms zusammengefasst zehn Millionen Tage krank geschrieben. Rechnet man dies auf den Einzelnen um, so sind es ungefähr 40 000 Arbeitnehmer die durchschnittlich ein ganzes Jahr ausfielen[2].

1.1 Aufbau der Arbeit

Der erste Teil meiner Hausarbeit (Punkt 2 Phänomen Burnout) beschäftigt sich mit dem Burnout allgemein. Hier werde ich versuchen eine allgemeingültige Definition zu nennen, verschiedene Ansichtsweisen hinsichtlich der Entstehung geben, Folgen und Diagnosekriterien auzählen. Zusätzlich möchte ich noch aus einer geschlechterdifferenzierten Sicht das Thema beleuchten. Der zweite Teil meiner Hausarbeit (Punkt 3 Analyse Fallbeispiel) orientiert sich an einem Fallbeispiel von einer Burnouterkrankten, das im Anhang mit aufgeführt ist. Ich werde den Fall aus unterschiedlichen Perspektiven heraus betrachten, den Verlauf analysieren und Lösungsvorschläge suchen.

2. Phänomen Burnout

Der Begriff Burnout hat in unserer heutigen Gesellschaft einen hohen Stellenwert eingenommen. Jeder kennt ihn und weis zumindest ansatzweise was damit gemeint ist. Jedes Jahr sind es mehr, ehemals hoch motivierte Menschen, die daran erkranken. Burnout ist allerdings keine Diagnose die in einem klassischen medizinischen Klassifikationssystem zu finden ist. Deswegen ist laut der Techniker Krankenkasse „(…) der Forschungsstand zum Burnout Syndrom noch nicht zufriedenstellend[3]. Dies erschwert im Allgemeinen eine Annäherung an diese Problematik. Gabriele Kypta verweist in diesem Zusammenhang an das typische Bild in der Burnout Forschung: eine brennende Kerze die an beiden Seiten brennt. Sie soll das Sinnbild eines übergroßen Energieeinsatzes darstellen[4].

2.1 Was versteht man unter Burnout?

Burnout- das ist die jung Lehrerin, die schon nach ihrem ersten Jahr im Schuldienst gealtert aussieht (…) Burnout, das ist die Malerin, die ihren Stil in der Hoffnung auf einen Durchbruch immer weiter perfektioniert (…) Burnout ist der junge Entwicklungshelfer, der nach einem Jahr Sisyphusarbeit im afrikanischen Busch erkennen muss, wie winzig es ist was er bewirken kann[5]. Die Beispiele sind alle nicht erfunden sondern stammen aus der Realität und könnten beliebig weiter aufgeführt werden. Allgemein betrachtet kann man Burnout als Energieverschleiß ansehen. Quasi eine tiefe Erschöpfung aufgrund von Überforderung, welche durch endogene und exogene Faktoren ausgelöst werden kann, wie z.B. Familie, Arbeit, Gesellschaft, Wertesysteme etc.[6]. Die Frage die man sich durchaus stellen kann ist diejenige danach, ob das Phänomen Burnout eine Krankheit unseres Zeitalters ist? Burisch beantwortet diese Frage eindeutig mit nein, denn schon in Thomas Manns (1875-1955) Roman Buddenbrooks lassen sich Burnout Züge wiederfinden[7]. Leider ist Burnout nicht eindeutig beschrieben, sodass es schwer fällt eine allgemeingültige Definition zu finden. Dies ist zweifellos ein schwerwiegendes Hindernis für eine fundierte Forschung, denn laut Burisch sind alle „ einschlägigen Versuche bis heute entweder zu umfassend oder zu spezifisch (…)[8]. Demnach haben viele Forscher eine ganz eigene Definition, begründet zum Beispiel durch Fall- Vignette, Interviewausschnitte etc. Im Sinne der englischen Umgangssprache bedeutet Burnout so viel wie: ausgebrannt sein[9]. Eine allgemein anerkannte Definition stammt von der renomierten Burnout Forscherin Christiane Maslach: „ Ein Burnout Syndrom liegt vor, wenn sich der Betroffene gefühlsmäßig ausgezehrt fühlt, was mit Empfindungen des Ausgelaugtseins und der Überbeanspruchung einhergeht (…) das Erleben der eigenen Nützlichkeit und Effektivität ist stark beeinträchtigt (…) und eine Versachlichung von menschlichen Beziehungen, die durch gefühllose und abgestumpfte Reaktionen gegenüber Mitmenschen charakterisiert wird[10].

2.2 verschiedene Erklärungsansätze

Hauptsächlich findet man in der einschlägigen Fachliteratur zwei Erklärungsansätze zum Thema Burnout: den persönlichkeitszentrierten und den organisationszentrierten Ansatz. Ich möchte in diesem Abschnitt jeweils einen Vertreter der verschiedenen Ansätze vorstellen und kurz auf dessen Theorie eingehen[11]. Der bekannteste Vertreter des persönlichkeitszentrierten Ansatzes ist Herbert Freudenberger. Seiner Meinung nach wird Burnout hervorgerufen, „(…) wenn sich der Betroffene auf einen Fall, eine Lebensweise oder eine Beziehung einlässt, die den erwartenden Lohn nicht bringt[12]. Demnach sieht Freudenberger den Auslöser für Burnout in der Diskrepanz zwischen den Erwartungen und der Realität. Diese Erwartungen zielen in der Regel auf immaterielle Belohnungen, wie Anerkennung und Dankbarkeit ab. Man kann die Erwartungen mit Zielen gleichsetzen. Das Erreichen von Zielen spielt also eine entscheidende Rolle in diesem Erklärungsansatz. Probleme entstehen im Wesentlichen aus drei Arten heraus:

1. Die Ziele sind unrealistisch, sodass sie entweder gar nicht oder nur mit einem
sehr hohen Energieaufwand zu schaffen sind,
2. Ziele sind fremdbestimmt, entsprechen also nicht den eigenen Bedürfnissen.
Demnach verschaffen sie auch keine Befriedigung,
3. Von Zielen die realistisch sind erwartet man unrealistische Belohnungen

Diese drei Unterscheidungen nach Freudenberger lassen sich allerdings im alltäglichen Leben nicht gut trennen, vielmehr sind sie miteinander verbunden. Da Freudenberger einer der frühen Begründer des Phänomen Burnouts war, stütze er seine Annahmen hauptsächlich auf das Überengagement bei Personen in helfenden Berufen. Ziel laut Freudenberger ist es, die Helferperspektive und Realität in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen[13]. Eine ganz andere Sichtweise vertritt hingegen Christina Maslach. Ihre Definition von Burnout habe ich im vorherigen Abschnitt schon einmal erwähnt. Worin sieht sie das Burnout begründet? Sie betrachtet Burnout mit dem organisationszentrierten Ansatz. Burnout ist demnach ein „ Anzeichen einer schweren Funktionsstörung innerhalb einer Organisation (…)“[14]. Hier ist also nicht die Persönlichkeit entscheidend, sondern die schlechte Situation in der Arbeit. Auslösende Faktoren sind nach Maslach z.B. der Mangel an positivem Feedback, Hierarchieprobleme, Druck von Vorgesetzten, mangelnde Ressourcen usw.. Die Situation am Arbeitsplatz wird von potentiell Betroffenen erkannt, trotzdem werden die Fehler nicht in der Organisation sondern bei sich selber gesucht. Desweiteren werden negative Gefühle am Arbeitsplatz als unprofessionell empfunden, sodass noch härter gearbeitet wird. Wenn kein emotionaler Abstand zu der Arbeit gemacht wird kann, laut Maslach, ein Burnout entstehen[15].

2.3 Bedeutender Faktor Stress

Burnout und Stress sind häufig miteinander verbunden. Dies ist damit zu begründen, dass Symptome wie Überbelastung, Überforderung und/oder ständige Misserfolgserlebnisse, wie sie beim Burnout Prozess beschrieben werden, Stressreaktionen im Körper auslösen. Ferner bedeutet dies, dass alle übermäßigen Belastungen die zu einem Burnout führen können auch die Belastungen aus dem Stress heraus entstehen[16]. Wer eine genaue Definition von Stress finden willnsucht vergeblich, denn tatsächlich gibt es heutzutage mehrere Erklärungs- und Definitionsansätze. Einig sind sei sich darüber, dass Stress keine Ursache darstellt sondern ein Zustand ist. Da Zustände geändert werden können, kann auch der Stress beseitigt werden nur bedeutet das für den Einzelnen, dass die Gründe für den Stress individuell herausgefunden werden müssen[17]. Wenn man aber doch eine Definition haben will, so kann man an die Anfänge des Wortes Stress zurückblicken, denn der Begriff kommt in seiner heutigen Bedeutung aus dem Englischen und wurde 1936 von dem Biochemiker Hans Selye (1907- 1982) in die Psychologie und Medizin übertragen. Selye bezeichnet Stress als „(…) unspezifische Reaktion des Körpers auf jede an ihn gestellte Anforderung[18] und meint damit die Reaktion des Körpers auf bestimmte Reize. Heutzutage können solche Reize laut Roman Schmitt die unterschiedlichsten Dinge sein wie zum Beispiel Zeitprobleme, wirtschaftlicher Druck, Beziehungsprobleme, rasanter Wandel etc.. Diese ganzen Einflüsse haben eine belastende Wirkung auf den Menschen und können Stress verursachen. Seiner Meinung nach sind nicht nur die äußeren Einflüssen für den persönlichen Stress entscheidend sondern auch die inneren Bewertungen der Menschen, mit denen sie zusehends nicht mehr fertig werden. Demnach sind wir alle dem Stress ausgesetzt, die Frage aber wie wir damit umgehen „(…) hängt von der individuellen Charakterstruktur ab[19]. Es liegt also an dem Menschen an sich, wie er mit dem Stress umgeht.

Stress ist aber nicht nur negativ zu bewerten, denn grundlegend kann er in zwei Arten aufgeteilt werden: in Eustress und Dysstress. Eustress ist der sogenannte positive Stress, der uns mehr Energie verleiht und unser gesamtes Tun beflügelt. Denn die Stressreaktion ist eine entwicklungsgeschichtlich alte Funktion, die schon unseren Vorfahren das Überleben sicherte. Laut dem Allensbach Archiv kennen rund 70% der Bundesbürger diese Art von Stress[20]. Das Gegenstück hierzu bildet der Dysstress, der uns gereizt und leicht erregbar macht. Wir ärgern uns und werden nervös[21].

[...]


[1] welt.de (13.10.09)

[2] bild.de (15.10.09)

[3] tk-online.de (18.10.09)

[4] Kypta, 2008, S.38

[5] Burisch, 2006, S.2

[6] Vgl. Freudenberger/North, 1992

[7] Verfilmung in Bayern (BR), 10.10.09, um 20.15 Uhr: T. Buddenbrook übernimmt das Familienunternehmen, wird dabei aber müder. Schlussendlich stirbt er.

[8] Burisch, 2006, S.14

[9] Vgl.Litzcke/Schuh, 2007

[10] Schmidt,2004, S.33

[11] Vgl Poulsen, 2009

[12] Freudenberger/Richelson, 1980 in Burisch,2006, S. 50

[13] vgl. Burisch,2006

[14] Burisch, 2006, S.52

[15] Vgl. hilfe-bei-burnout.de (20.10.09)

[16] vgl. Schmidt, 2004

[17] vgl. Kollak, 2008

[18] Litzcke/Schuh, 2007, S.6

[19] vgl.Schmitt, 2001, Vorwort

[20] vgl. Allensbach Archiv, in Litzcke/Schuh, 2007

[21] vgl.Kypta, 2008

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640619535
ISBN (Buch)
9783640619924
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150450
Institution / Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
2,3
Schlagworte
Burnout Analyse

Autor

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