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Frauensozialarbeit: Soziale Arbeit mit Frauen

Gewalt und Frauenprojekte

Hausarbeit 2007 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Gewalt gegen Frauen
2.1 Gewaltformen
2.2 Frauenhäuser
2.3 Beratungsstellen für misshandelte Frauen

3. Frauenprojekte
3.1 Gesundheit und Therapie
3.2 Mütterzentren
3.3 Frauenbildung

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sozialarbeit mit Frauen besteht aus verschiedenen Praxisfeldern, die auf unterschied-liche Art und Weise miteinander vernetzt werden können. Sie konzentriert sich auf die Lebenssituationen der Frauen, ihre Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnisse und Bewäl-tigungsstrategien ihrer Probleme. Das Ziel dieser Arbeit ist „die Frauen aus der Opfer-rolle und individuellen Schuldzuschreibungen herauszuführen und Problembear-beitungen ermöglichen, die zu einer Entlastung und Stärkung der Selbsthilfefähigkeit führen“ (Klees-Möller 2000, S.178).

In unserer Arbeit möchten wir einige Felder und Projekte derzeitiger Frauenarbeit darstellen und überlegen, wie heutzutage in Deutschland die Frauen mit besonderen Lebenssituationen unterstützt werden. Im zweiten Kapitel wird das große und komplexe Thema „Gewalt gegen Frauen“ betrachtet. Dieses Thema beschäftigt sich zunächst mit der Beschreibung der Gewaltformen gegen Frauen. Danach wird die Frage gestellt, wie ein Aufenthalt in einem Frauenhaus misshandelten Frauen und ihren Kinder helfen kann. Frauenhäuser als Selbsthilfeprojekte werden mit ihren zentralen Arbeitsbereichen und grundlegenden Konzeptionen geschildert. Nicht weniger wichtige Rollen in diesem Thema spielen Beratungsstellen, deren Aufgaben und Ziele als nächstes dargestellt werden. Im Kapitel drei werden autonome Frauenprojekte der Bereiche Gesundheit, Mutterschaft und Bildung beleuchtet, die auf der Basis Selbsthilfe entworfen wurden. Hier wird beschrieben, welche Methode und Beratungskonzepte entwickelt und welche Angebote in spezifischen frauenbezogenen Einrichtungen vorhanden sind. Im letzten Kapitel schildern wir unsere Stellungnahme zum dargestellten Thema, überlegen, welche Vor- und Nachteile die Frauenarbeit hat, und versuchen die Lücken in dieser Arbeit mit eigenen Erfahrungen zu füllen.

2. Gewalt gegen Frauen

Das Thema Gewalt gegen Frauen ist in der Bundesrepublik Ende der 70er Jahre durch Aktionen der Neuen Frauenbewegungen und durch Berichte von Betroffenen öffentlich gemacht worden. Gewalt im Geschlechterverhältnis beginnt dann, wenn die körperliche oder seelische Integrität einer Frau unter Ausnutzung männlicher Vorherrschaft und patriarchaler Machtverhältnisse verletzt wird. Nur die Betroffenen selbst können entscheiden, wann und wodurch sie sich in ihrer Integrität verletzt fühlen. Schwere Gewalt führt zu behandlungsbedürftigen, körperlichen Verletzungen und kann psy-chische Probleme (Selbstwertverlust, Depressionen, Ängste, Selbstmordabsichten) bis hin zu Traumatisierung bewirken. (vgl. Brückner 2002)

Nach Auswertung der bundesweiten polizeilichen Kriminalstatistiken von 1995 bis 1997 ergibt sich folgendes Bild auf der Opferseite: Von den Opfern bei Mord- und Totschlagsdelikten sind zwischen 32% und 34% weiblich, wobei die Opfer von Sexual-morden fast ausschließlich Frauen sind. Im Bereich der Sexualdelikte sind die Opfer ganz überwiegend weiblich (zwischen 92% und 93%). Bei der Gesamtheit der Körper-verletzungsdelikte werden Frauen zu 32% bis 33% der Fälle Opfer, wobei ihr Anteil der vollendeten einfachen Körperverletzung mit 36% bis 37% höher liegt. Bei den Raub-delikten werden Frauen mit 31% bis 32% zu ca. einem Drittel Opfer. Bei den Straftaten gegen die persönliche Freiheit liegt Frauenanteil bei 39%. (vgl. Schweikert 2000, S. 43)

2.1 Gewaltformen

Es gibt verschiedene Gewaltformen gegen Frauen, die schwer voneinander abgrenzbar sind. Sie gehen in der Realität meist ineinander über und beinhalten gleichzeitig mehrere Gewaltaspekte.

Bei Gewalt in der Ehe und Partnerbeziehungen geht es überwiegend um Männer als Täter und Frauen als Opfer. Für viele Frauen ist Gewalt durch ihren Partner meist kein einmaliges Erlebnis, sondern alltägliche Realität. Männer setzen in Beziehung eine breite Palette von Kontroll- und Beherrschungsmitteln ein. Frauen müssen in der Regel nicht nur eine Form der Gewalt erleiden, häufig erfahren sie Gewalt in Form von physischer, sexueller, psychischer, sozialer und ökonomischer Machtausübung durch ihren Partner. Häusliche Gewalt hat für die betroffene Frau negative physische, psychische, soziale und ökonomische Folgen. Die Opfer flüchten häufig mit den gemeinsamen Kindern, sie geben die gemeinsam genutzte Wohnung auf, sie verzichten auf ihr alleiniges oder ihren Anteil am gemeinsamen Eigentum, um in Ruhe gelassen zu werden. Gravierend sind neben den körperlichen insbesondere die seelischen Folgen. Die systematische Zerstörung des Selbstwertgefühls der Frau durch die Misshandlung und Demütigungen schränkt auch ihre Handlungs- und Abwehrmöglichkeiten ein. Je länger die Misshandlungen erfolgen, desto schwerer ist es für betroffene Frauen, sich um Hilfe nach außen zu wenden. Diese strafbare Gewalt erfüllt vor allem Tatbestände wie Mord und Totschlag in versuchter und vollendeter Form, Sexualdelikte, Freiheits-beraubung, Körperverletzung, Drohung, Nötigung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung. Betroffene Frauen erleben aber auch nicht kriminalisierte Handlungen als sehr verletzend und bedrohlich, dazu gehören Verfolgungen des Mannes, ständige Anrufe zu Hause, auf der Arbeitsstelle, Auflauern an bestimmten Orten, Belästigung und Bedrohung von Verwandten. (vgl. Schweikert 2000) Partner-gewalt gegen Frauen findet laut internationaler Untersuchungen in 10% bis 25% der Beziehungen (einschließlich 1% bis 8% Vergewaltigungen) statt, davon werden etwa 5% als schwer gewalttätig eingestuft. In einer repräsentativen deutschen Studie berich-ten 5,2% der befragten Frauen von schwerwiegenden körperlichen Gewalterfahrungen, 16,1% von Gewalterfahrungen überhaupt und 2,5% von sexuellen Gewalterfahrungen. Ein Teil der Frauen hat ein- bis zweimal im Jahr leichte Gewalt in spezifischen Situa-tionen erlitten (z.B. Ohrfeigen), ohne dass diese sich steigerte, ein anderer Teil erfuhr wiederholte, zumeist anwachsende Gewalt, die mit weiteren Zwangs- und Kontroll-formen einherging. (vgl. Brückner 2002, S.22)

Die sexuelle Misshandlung umfasst sexuelle Praktiken, zu denen die Frau direkt oder indirekt gezwungen wird. Dazu gehören vaginale, anale und orale Penetration, Zwang zu anderen sexuellen Handlungen, Zwang zur Prostitution, erzwungenes Anschauen von Pornographie etc. Frauen aller Altersgruppen und jeder sozialen Herkunft können Opfer werden. Vergewaltigungen passieren zu jeder Tages- und Nachtzeit. Jede Verge-waltigung ist ein Angriff auf den Körper und das sexuelle Selbstbestimmungsrecht der Frau und verbunden mit Todesangst. Nach Untersuchungen der Berliner Landes-kommission Berlin gegen Gewalt für den Berliner Raum finden über 60% der Vergewaltigungen durch einen Täter aus dem sozialen Nahraum (Bekannter, Freund, Kollege, Verwandter etc.) der weiblichen Opfer statt. Ziel des Vergewaltigers ist das Auskosten der eigenen Dominanz und entsprechend die Beherrschung oder auch Demütigung einer Frau mit sexuellen Mitteln. Laut Kriminalstatistik werden in den alten Bundesländern seit den 80er Jahren etwa 6.000 Vergewaltigungen und versuchte Vergewaltigungen (erzwungener, außerehelicher, vaginaler Geschlechtsverkehr) ange-zeigt, sowie etwa 3.700 Fälle sexueller Nötigung. Hochgerechnete Umfrageergebnisse führen zu Schätzungen, dass etwa jede siebte erwachsene Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung geworden ist, wobei etwa zwei Drittel der Taten im sozialen Nahraum stattfanden. Und nur etwa jede fünfte vergewaltigte Frau erstattet überhaupt Anzeige, und noch in wenigen Fällen wird eine Anklage erhoben. (vgl. Brückner 2002, S. 16-19)

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ebenso wie der sexuelle Missbrauch eines der späteren öffentlich gewordenen Gewaltthemen, das jedoch trotz der Breite des Problems weniger Aufsehen, als die bisher erwähnten, erregt hat. Von den befragten Frauen wird sexuelle Belästigung folgend beschrieben: Konfrontation mit einem unerwünschten Verhalten, das als solches die betroffene Frau erniedrigt oder das in einer Situation stattfindet, in der eine ablehnende Haltung zu beruflichen Beeinträchtigungen führen kann. Dieses unerwünschte Verhalten reicht von anzüglichen Bemerkungen, über Porno-Bilder, Briefe und Anrufe mit sexuellen Anspielungen, unerwünschte Berüh-rungen und Küsse bis zu Aufforderungen zum Sexualverkehr. Über 70% der befragten Frauen aus verschiedenen Arbeitsbereichen haben schon mindestens einmal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt, 3% waren schon bedroht oder zu sexuellen Handlungen gezwungen worden. (vgl. Brückner 2002, S. 38)

Eine weitere Form der Gewalt ist Frauenhandel. Die Opfer des Frauenhandels sind inzwischen zu 80% bis 90% junge Frauen aus Mittel- und Osteuropa, die durch Schlep-perorganisationen oder über private Kanäle zum Zwecke meist sexueller Ausbeutung in die BRD gebracht werden. Zum Teil wissen die Frauen, was sie erwartet, Arbeit in der Sexindustrie oder direkt in der Prostitution; zum Teil werden ihnen Arbeitsmöglich-keiten vorgegaukelt, die nicht existieren, und sie werden für die Prostitution gefügig gemacht. Über 50% der Prostituierten hatten körperliche und 35% sexuelle Gewalt-erfahrungen durch Freier, Zuhälter/Betreiber von Bordellen etc. oder zuhälterische Partner während ihrer Prostitutionszeit. Aufgrund ihrer rechtlichen, sozialen und psychischen Lage haben Frauen oftmals wenige Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Das gilt insbesondere für nichtregistrierte und für drogenabhängige Prostituierte. (vgl. Brückner 2002, S. 43-51)

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Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640618439
ISBN (Buch)
9783640618576
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150468
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
Schlagworte
frauensozialarbeit gewalt gegen frauen frauenhaus frauenprojekte soziale arbeit

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Titel: Frauensozialarbeit: Soziale Arbeit mit Frauen