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Wirklichkeit im Prisma der Systemtheorie

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Wesen der Systemtheorie
2.1 Allgemeine Charakteristik
2.2 Abstraktion der Wirklichkeitselemente
2.3 Funktionale Zusammenhänge und ihre Bedeutungen

3. Leistungsvermögen der Systemtheorie
3.1 Problem vielschichtiger Wirklichkeit
3.1.1 Betrachtungsmängel
3.1.2 Betrachtungsvorzüge
3.2 Aussagekraft über Politische Systeme

4. Perspektive zum menschlichen Nutzen

Anlage

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie alle Lebewesen werden wir in eine komplexe, natürliche Welt geboren, in deren Regelsystem wir leben. Faszinierenderweise haben wir daneben künstliche Organisationen unserer Existenz und unseres Miteinanders darin konstruiert, die Politischen Systeme.

Sie betreffen uns unablässig und bestimmend in vielschichtiger Interaktion.

Es beginnt schon damit, dass ein guter Platz für unsere Geburt bereitgestellt ist, wir gesichert und gebildet aufwachsen dürfen. Selbstverständlich ist das wahrlich nicht, gerade im Vergleich zu anderen Staaten im Jetzt und in der Vergangenheit.

Offensichtlich unterscheidet sich die Qualität Politischer Systeme sehr und sie beeinflusst, wie gut es den Menschen in ihrer organisierten Lebenswelt geht.

Darum ist die Aufgabe so wichtig, mit der Systemtheorie Wirklichkeit verstehbar zu machen und eine gedankliche Basis für weitergehende Betrachtungen der Politischen Wissenschaft zu schaffen. Die daraus folgenden Erkenntnisse könnten Grundlage dafür sein, auf die Phänomene gezielt zurückzugreifen und das Wissen zum Fortkonstruieren und Verbessern der Lebenswelten Politischer Systeme zu nutzen.

Wie weit kann der Systemtheorie diese nutzbare Mission des Verstehens von tatsächlichen funktionalen Zusammenhängen und Wirkungen dieser Komplexe gelingen?

Um das zu beantworten, muss ich untersuchen, wie die Systemtheorie sich der Wirklichkeit nähert.

Es ist dabei sinnvoll, sich auf eine bestimmte Reinform der Systemtheorie zu konzentrieren, sonst würde eine Bewertung in Variationen verschwimmen. Ich verwende deshalb nur eine Auswahl von Primär- und Sekundärtexten, die sich mit einer bestimmten Formulierung und Einordnung der Systemtheorie beschäftigen[1].

Hier soll Systemtheorie nach Easton, einem ihrer Initiatoren, begriffen sein. Das heißt Politische Systeme werden als offene[2], selbstregulative, anpassungsfähige Handlungssysteme in einer Umwelt gesehen.

Folgende Fragen sollten beantwortet werden:

Welche Elemente der Wirklichkeit werden überhaupt betrachtet und inwiefern für den Gebrauch modifiziert? Wie bringt die Systemtheorie sie in Funktionszusammenhänge?

Daraus folgend lassen sich diese Fragen bearbeiten:

Welche Aussagekraft erreicht die Systemtheorie in ihrer Betrachtungsweise?

Welche nutzbaren Perspektiven eröffnet sie? Als Einstieg nun eine Annäherung an das, was Systemtheorie eigentlich meint.

2. Das Wesen der Systemtheorie

Die Idee von Systemen beschäftigt sich prinzipiell mit der gesamten uns zugänglichen Welt, die unendlich viele Zusammenhänge und Wechselspiele prägen. Uns bleibt es offen, bestimmte Systemausschnitte herauszugreifen und unserem Verständnis zu erschließen.

Dabei muss im Vorfeld entschieden werden, welcher Inhalt jeweils aus der Vielfalt der Phänomene von Interesse ist. Dann muss das Ausgewählte in adäquate Entsprechungen, zum Beispiel in unsere sprachliche Kodierung, überführt werden. Die Qualität wird davon bestimmt, wie treffend die Symbolik (als Behältnis für die von uns verstandene Wirklichkeit) gelingt und wie verständlich und anwendbar sie für jeden ist.

Hier geht es um einen Zugriff auf das Politische System.

2.1 Allgemeine Charakteristik

Die Systemtheorie nimmt für Politische Systeme an, „that there are certain basic political activities and processes characteristic of all political systems even though the structural forms through which they manifest themselves may and do vary considerably in each place and age”[3].

Die jeweiligen sichtbaren Ausprägungen von Struktur und Institutionen[4] in jedem Politischen System können aus den allgemein gültigen Systemeigenschaften aller Politischen Systeme verstanden werden.

Diese universalen Prinzipien, denen ein Politisches System laut der Systemtheorie folgen muss, beginnen damit, dass es einer Umwelt ausgesetzt ist. Die Prozesse im Politischen System bilden ein eigenes Gefüge, dessen inneres Wirkungsgerüst[5] von dem der Umwelt abgegrenzt ist. Aber gleichzeitig steht es in einem offenen Austausch mit dem Lebensraum, nimmt Einflüsse auf und wirkt auf ihn zurück. So sieht Easton auch die „Response[6]

als Motivation der Ausgestaltung und Veränderung des Politischen Systems.

Das Verhalten muss zwei große Problemstellungen lösen: Einerseits der Umwelt zu begegnen und andererseits das innere Funktionieren den Bedürfnissen der Systemmitglieder gemäß zu regeln. Optimierend und den Erfordernissen anpassend wirkt dabei das „Feedback“6.

Informationsfluss und Austausch über das Verhalten und die Umsetzungen ermöglichen erst eine Zufriedenstellung. Nun zu den Rollen der einzelnen Elemente eines Politischen Systems.

2.2 Abstraktion der Wirklichkeitselemente

„We delimit the System under observation [] some variables seem to have greater significance in helping us understand the political areas of human behaviour”[7].

Unabdingbare, interessante und besonders ausdrucksstarke Variablen müssen für die Systembetrachtung aus einer Fülle zusammengebracht werden.

Als Motivation, überhaupt ein Politisches System zu bilden, steht die quasi unbefriedigte Modelliermasse Mensch in der Umwelt. Sie besteht aus ungeordneten Personenmengen in einem Gebiet, die natürliche Bedürfnisse treiben, die unter Disparitäten leiden (beispielsweise besseren oder schlechteren Zugang zu Trinkwasser haben), sich womöglich einander um Vorteile wegen verletzen. Alles was der umfassenden Befriedigung einer Menscheneinheit und ihrer Teile dient, wird von der Systemtheorie als „Forderungen“ an das Politische System[8] abstrahiert.

Um ihren Zustand zu überwinden, muss die Menschenmasse bereit sein, Leistungen zu erbringen. Das heißt, Forderungen müssen von „Unterstützungen“ begleitet werden.

Dies fängt damit an, dass die Bereitschaft da ist, Regeln zu folgen. Loyalität und Verzichterduldung sind dabei genauso wichtige Beiträge wie aktivere Einbringungen finanzieller Art (z.B. Steuern, Spenden) und persönlicher Einsatz (z.B. Bundeswehr, Parteienmitgliedschaft).

Gemeinsam bilden Forderungen und Unterstützung den „Input“, den eine Gesellschaft produziert.

Das Politische System ist die auserkorene legitimierte Macht, die verbindliche Handlungen für die Gesellschaft durchsetzt. Gewählte Personengruppen, die sogenannten „Gatekeeper“, übernehmen die Rolle, artikulierte und unartikulierte Wünsche in politische Forderungen umzuwandeln[9]. Das Politische System setzt dann nach einem Verarbeitungsprozess Leistungen frei, die „Outputs“. Diese können die Form von Gesetzen haben, die das Miteinander regeln, sie können Entscheidungen zur Verteilung von Gütern bedeuten oder die Einrichtung von Institutionen (z.B. Gesundheitswesen).

[...]


[1] Grundlage Easton (1967): A Systems Analysis of Political Life; weitere siehe Literaturverzeichnis.

[2] Offen im Sinne des Einfluß- und Stoffaustausches

[3] Easton (1965): A Framework for Political Analysis, S.49.

[4] gewissermaßen Polity

[5] Künstliche Organisation unsrer Existenz.

[6] Easton (1965): A Framework for Political Analysis, S.25.

[7] Easton (1965): A Framework for Political Analysis, S.31.

[8] Ähnlich der Idee vom Volonté Générale.

[9] Vgl. Nohlen (1995): Politische Theorien, S.627.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640620548
ISBN (Buch)
9783640620289
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150588
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II
Note
1,8
Schlagworte
Politische Wissenschaft Vergleichende Verfassungslehre David Easton Politik Gesellschaft

Autor

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