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Beratung in der Managementliteratur

Seminararbeit 2009 32 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Beratung als Untersuchungsgegenstand
2.1 Definitorische Abgrenzung des Beratungsbegriffes
2.2 Stand der Beratungsforschung

3 Schwerpunktthemen der Beratung in der Managementliteratur
3.1 Systematisierung der Beratungsleistung
3.2 Anbieterseitige Betrachtung ausgewählter Beratungsarten
3.2.1 Strategische Unternehmensberatung
3.2.2 Organisationsberatung
3.2.3 Personal- und IT-Beratung
3.2.4 Internalisierung von Beratungsleistungen und Inhouse Consulting
3.3 Nachfrageorientierter Beratungsbedarf
3.3.1 Problemlösungskompetenz
3.3.2 Organisationsentwicklung
3.3.3 Lernleistungssteigerung und Hilfe zur Selbsthilfe
3.3.4 Identifikation und Ausnutzung von Chancen
3.3.5 Change Management und Implementierungsunterstützung
3.4 Rolle und Funktion des Beraters
3.4.1 Rollentypologie in der Literatur
3.4.2 Offizielle Beratungsfunktion aus idealtypischer Perspektive
3.4.3 Latente Funktionen aus realtypischer Perspektive
3.5 Grenzen der Beratung und Erfolgsmessung

4 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Systematisierung externer Beratungsleistung

Abbildung 2: Rolle und Funktion des Beratereinsatzes

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Unternehmensberatung ist eine der am schnellsten wachsenden und gleichzeitig eine der umstrittensten Branchen im Dienstleistungsbereich.[1] Der Consulting Markt boomt. Ein dynamisches Wachstum,[2] niedrige Markteintrittsbarrieren und relativ geringe Investitionskosten locken immer mehr Wettbewerber in das Consulting Geschäft. Dies führt jedoch zu einer breiten Masse an differenzierten aber intransparenten Beratungsdienstleistungen. In dieser wird die Ermittlung und Selektion des optimalen Beraters für den individuellen Bedarf zum Problem.[3] Unabhängig von ihrer Bedeutung in der Praxis sehen sich Unternehmensberatungen erheblicher Kritik bezüglich ihrer Wissenschaftlichkeit und des Problemlösungspotenzials ihrer Ansätze ausgesetzt.[4] Insgesamt wird ihnen mangelnde Professionalität unterstellt.[5] Auch das Image der Beraterbranche, welches den Eindruck vermittelt Berater sammeln bereits vorhandenes Wissen ein, bereiten es in bunten Schaubildern auf und verkaufen es dem Klienten erneut, ist negativ behaftet.[6] Der Berater, der dem Klienten die Uhr stiehlt, um ihm anschließend die Uhrzeit zu nennen, ist nur eines der negativ konnotierten Sinnbilder.[7] Positive Bilder hingegen finden sich kaum und nur temporär.[8] Die implizite Fragestellung dieser expliziten Kritik ist dabei, inwieweit Beratung überhaupt eine angewandte Wissenschaft ist und damit durch gesicherte Erkenntnisse und methodisch bewährte Methoden reproduzierbare, messbare und sichere Erfolge erzeugen kann.[9]

Es stellt sich daher die Frage, wie das praxisdominierte Thema der Beratung in der wissenschaftlichen Managementliteratur wahrgenommen wird und welchen Mehrwert Beratung für ein beratenes Unternehmen zu erbringen vermag.

1.2 Gang der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit beleuchtet das Konzept der Beratung in der Perzeption der Managementliteratur näher. Dazu wird zunächst im 2. Kapitel die definitorische Abgrenzung des Beratungsbegriffes betrachtet, sowie ein allgemeiner Überblick über die Beratungsforschung gegeben. Im 3. Kapitel folgt nach einer Systematisierung angebotener und nachgefragter Beratungsleistungen eine Analyse der Schwerpunktthemen in der Managementliteratur. Diese werden aus drei verschiedenen Perspektiven betrachtet: Zunächst erfolgt eine synoptische Untersuchung der in der Literatur betrachteten und am Markt angebotenen Beratungsarten aus Anbieterperspektive in 3.2, um dann in 3.3 auf den in der Literatur konstatierten Beratungsbedarf bei Unternehmen einzugehen (Nachfrageperspektive). Aus der Synthese von angebotenen Beratungsarten und nachgefragter Beratungsleistung folgt in 3.4. eine Betrachtung des literaturseitig angenommenen Nutzenstiftungspotenzials von Beratung in Form von Funktion und Rollenbeschreibung (Berater - Klient - System). Die Grenzen der Beratung findet in der Literatur findet Eingang in Kapitel 3.5. Abschließend wird im 4. Kapitel eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die weitere Beratungsforschung gegeben.

2 Beratung als Untersuchungsgegenstand

2.1 Definitorische Abgrenzung des Beratungsbegriffes

Beratung geht als Form menschlicher Interaktion auf die griechische Antike zurück und wurde seit alters her unmittelbar mit der Lösung von Problemen oder der Optimierung der Problemlösungsfähigkeit verbunden.10 Im täglichen Leben ist der Begriff der Beratung derart allgegenwärtig, dass selbst in der Literatur häufig auf eine[10] terminologische Aufarbeitung verzichtet wird.[11][12] Die existierenden Differenzierungsversuche in der einschlägigen Literatur mit Blick auf die Verwendung sind sehr unübersichtlich und stark perspektivengetrieben: Management-Consulting beispielsweise zielt auf die oberste Führungsebene, Unternehmensberatung hingegen auf die zahlenmäßigen, betriebswirtschaftlichen und strukturellen Seiten einer Organisation und Organisationsberatung wird häufig auf soziale und interaktive Aspekte, wie Führung, Konflikt oder Motivation bezogen.[13] Trotz zahlreicher Bemühungen verwandte Begriffe wie Wirtschaftsberatung, Betriebsberatung, Organisationsberatung, Führungsberatung usw. trennscharf voneinander abzugrenzen, hat sich weitläufig der allgemeine Begriff der Unternehmensberatung bzw. unter US- amerikanischem Einfluss der des Consulting durchgesetzt.[14] Angesichts der Heterogenität von Unternehmensberatung ist daher in Kauf zu nehmen, dass bei der Diskussion über eine trennunscharfe Situationsbeschreibung artverwandte Tätigkeiten, wie z.B. Wirtschaftsprüfung immer am Rande mitdiskutiert werden.[15]

Eine allgemeingültige Definition von Unternehmensberatung liegt somit bisher nicht vor, und die existierenden Differenzierungsversuche unterscheiden sich teilweise grundlegend.[16] In der Literatur häufig wiederkehrende Beschreibungsmerkmale finden sich in der folgenden Definition in Anlehnung an Nissen (2007):[17]

Unternehmensberatung ist eine professionelle, unabhängige auftragsindividuelle und zeitlich befristete Dienstleistung, die gegen Entgelt betriebswirtschaftliche Fragestellungen mit dem Klienten definiert, strukturiert, analysiert und Problemlösungen erarbeitet, sowie deren Realisierung begleitet.

Insbesondere die Merkmale "Unabhängigkeit" und "Professionalität“[18] finden als normative Komponente sehr oft Eingang in die Definition und implizieren eine Konnotation mit dem Beraterbegriff, die zwar wünschenswert, aber dennoch nicht näher spezifiziert wird. Da aber auch die Problemlösung wiederum durchaus subjektiv und suggestiv ist, raten einige Publikationen Beratung lediglich als probleminduzierte Kooperation zu beschreiben.[19] Genereller Konsens besteht in der Tatsache, dass das Vorhandensein betriebswirtschaftlicher Probleme zum wesentlichen Bestandteil von Unternehmensberatung gehört.[20] In der Regel geht die Literatur von einem externen Dienstleister aus.[21] Beratungsleistungen können jedoch auch durch interne organisatorische Einheiten erbracht werden (strategische Planungseinheiten, Inhouse Consulting).[22] Insbesondere letztere erfährt einen erheblichen Bedeutungszuwachs in der Literatur. Beratung mit Begriffen wie Strategie, Kultur, Organisation und Methoden, die selbst erklärungsbedürftig sind, in Verbindung zu bringen, erschwert das Verständnis zusätzlich, genauso wie die Tatsache, dass die Bezeichnung des Unternehmensberaters rechtlich nicht geschützt ist.[23]

2.2 Stand der Beratungsforschung

Der allgemeine Begriff der Beratung fungiert als Sammelbegriff für die Bestreitung existenzieller Probleme. Das allgemein zunehmende Bewusstsein über die Komplexität der Welt (und die damit verbundene Verunsicherung) führen dazu, dass Beratung allgegenwärtige Praxis ist. Sehr grob können zwei Bereiche unterschieden werden: die psychosoziale Beratung (z.B. Studienberatung, Schuldnerberatung, Eheberatung, Rechtsberatung usw.), welche alle Belange der praktischen Lebensführung beinhaltet und die Organisationsberatung, die sich auf einen anderen Gegenstandsbereich, die Organisation bezieht.[24] Beratung ist daher keineswegs ein ausschließliches Phänomen der Betriebswirtschaft. Bei der Suche nach Publikationen mit dem Begriff „Beratung“ in wissenschaftlichen Datenbanken sind die meisten Suchergebnisse medizinische oder psychologische Publikationen.[25] Empirische Untersuchungen von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Beratungsforschung zeigen jedoch deutlich, dass Unternehmensberatung eine Domäne der Wirtschaftwissenschaft ist.[26]

Fokus der vorliegenden Arbeit soll in der betriebswirtschaftlich orientierten Beratung liegen. Es ist festzuhalten, dass die Wurzeln der Beratung nicht in der fundierten Theorie liegen, sondern vielmehr auf praxisorientierte Geschäftsideen im Zeitalter der Industrialisierung zurückzuführen (klassische, inhaltsorientierte Beratung seit 1886) sind. Indirekte theoretische Basis bildet daher der Taylorismus (bzw. das Scientific Management).[27]

Während die Unternehmensberatung als bedeutender Wirtschaftszweig fast alle anderen Branchen beeinflusst ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung noch vergleichsweise jung und wenig fortgeschritten.[28] Das Untersuchungsfeld der Beratungsforschung fällt im Vergleich zu anderen Domänen kaum ins Gewicht.[29]

Soziologische Beratungsliteratur beschäftigt sich hauptsächlich mit sozialwissenschaftlicher oder systemischer Beratung[30] und bewegt sich damit in einer kleinen Nische im Vergleich zur klassischen (inhaltsorientierten) Beratung, obwohl diese quantitativ den Beratungssektor geradezu repräsentiert, wodurch der Eindruck entsteht, dass das Thema der klassischen Beratung in der Literatur eine untergeordnete Rolle spielt.[31] Hinzu kommt eine überaus eindimensional anbieterseitige Betrachtungsweise und lässt die Klientenperspektive häufig außer Acht.[32] Weite Teile der Forschung sind darüberhinaus eher beschreibender als erklärender Natur. Es geht dabei um die Differenzierung der verschiedenen Arten der Beratung, die Nachfrage nach bestimmten Beratungsleistungen, die Beschreibung des Beratungsprozesses und die Analyse der Berater-Klienten-Beziehung.

[...]


[1] Vgl. Markwell, Unternehmensberater, 2003, S.168.

[2] Das Wachstum der Branche liegt seit Jahren im zweistelligen Prozentbereiche. 2008 stieg der Gesamtumsatz um 10,7% auf 18,2 Milliarden Euro. Allerdings existieren in Deutschland keine speziellen amtlichen Statistiken für Dienstleistungsformen wie zum Beispiel Unternehmensberatung, daher dienen die angegebenen Daten nur der groben Orientierung. Hierzu ausführlicher Vgl. Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V., Facts & Figures, 2009, S.4.

[3] Vgl. Mohe, M., Consulting, 2002

[4] Vgl. Bamberger, I., Strategische Unternehmensberatung, 1998

[5] Vgl. Titscher, S., Beratung, 2001, S.13f.

[6] Vgl. Niedereichholz, C. et al., Consulting Insight, 2006, S.1.

[7] Vgl. Markwell, S., Unternehmensberater, 2003, S.168.

[8] Vgl. Müller, W. R. et al., Organisationsberatung, 2006, S.19.

[9] Vgl. Heuermann, R. et al., Dienstleistungselite, 2003, S.278-279.

[10] Vgl. Müller, W. R. et al., Organisationsberatung, 2006, S.23-28.

[11]

[12] Vgl. Dichtl, M., Standardisierung, 1998, S.13.

[13] Vgl. Müller, W. R. et al., Organisationsberatung, 2006, S.29.

[14] Im Folgenden sollen die Begriffe Unternehmensberatung, Beratung und Consulting synonym verwendet

[15] Vgl. Mohe, M., Klientenprofessionalisierung, 2003, S.39-40.

[16] Für einen Überblick Vgl. Elfgen, R. et al., Zusammenarbeit, 1987, S.24-25. und Vgl. Schrädler, J., Organisationstheorie, 1996, S.10-14.

[17] Vgl. Nissen, V., Consulting Research, 2007

[18] im Sinne von fachlich versiert

[19] Vgl. Mohe, M., Klientenprofessionalisierung, 2003, S.39-40.

[20] Vgl. Walger, G. et al., Formen der Beratung, 1995, S.1.

[21] Beratung durch ein professionelles Beratungsunternehmen oder durch Universitäten und anderen wissenschaftliche Institutionen

[22] Vgl. Bamberger, I., Strategische Unternehmensberatung, 1998, S.9.

[23] Vgl. Heuermann, R. et al., Dienstleistungselite, 2003, S.9.

[24] Vgl. Müller, W. R. et al., Organisationsberatung, 2006, S.24-26.

[25] Vgl. Mohe, M., Entwicklungstendenzen, 2004

[26] Vgl. Mohe, M., Entwicklungstendenzen, 2004, S.693-694.

[27] Vgl. Handler, G., integrierte Beratung, 2007, S.57-63 und 83-85.

[28] Vgl. Nissen, V., Consulting Research, 2007, S.6.

[29] Vgl. Nissen, V., Consulting Research, 2007, S.31.

[30] Systemische Beratung wird häufig auch als ressourcenorientierte Beratung“ bzw. „lösungsorientierte Beratung“ bezeichnet und zielt primär auf das Stärken der Ressourcen und Kompetenzen des jeweiligen zu beratenden Systems. Hierzu ausführlicher Vgl. Seidl, D. et al., Praxistheorie, 2007, S.177-192.

[31] Vgl. Armbrüster, T. et al., Unternehmensberatung, 2001, S.690.

[32] Vgl. Müller, W. R. et al., Organisationsberatung, 2006, S.55. und Vgl. Mohe, M., Klientenprofessionalisierung, 2003, S.30-35.

Details

Seiten
32
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640619108
ISBN (Buch)
9783640618859
Dateigröße
900 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150690
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,0
Schlagworte
Management Unternehmensberatung Beratung Consulting Managementforschung Consulting Research Beratungsforschung

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