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Zur Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die Pflege am Beispiel der Prävention: Das PRECEDE-PROCEED-Modell

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Erläuterung und Abgrenzung zentraler Begriffe
1.1 Gesundheitswissenschaft und Pflegewissenschaft
1.2 Gesundheitsförderung und Prävention

2 Konzepte von Prävention
2.1 Zielgrößen
2.2 Methoden
2.2.1 Gesundheitserziehung und -bildung
2.2.2 Gesundheitstraining
2.2.3 Gesundheitsselbsthilfe
2.2.4 Gesundheitsaufklärung und –beratung
2.2.5 Präventivmedizin
2.3 PRECEDE- PROCEED als Präventionskonzept
2.3.1 Bedeutung
2.3.2 Phasen

3. Ausblick

Gesetze und Rechtsverordnungen

Literatur

1 Erläuterung und Abgrenzung zentraler Begriffe

1.1 Gesundheitswissenschaft und Pflegewissenschaft

Im Zuge der seit Beginn der Moderne immer zunehmenden Individualisierung und Säkularisierung der Weltgesellschaft zeigt sich auch ein wachsendes Interesse an der Erhaltung und Förderung von Gesundheit. Lange Zeit in der Medizin aufgehoben, emanzipierte sich im vergangenen Jahrhundert die Gesundheit von der Krankheit. Eine Konsequenz daraus war die Entwicklung der Disziplin Gesundheitswissenschaft, die sich in Deutschland noch im Stadium der Etablierung befindet[1]. So ist selbst die Bezeichnung uneinheitlich: „Um die interdisziplinäre Ausrichtung des Gebietes zu betonen, wollen wir von „Gesundheitswissenschaften“ im Plural sprechen“ (Hurrelmann/ Laaser 2003, 25). Alternativ wird vielfach auch der internationale Begriff Public Health verwendet[2].

Im Gegensatz zur Krankheitsorientierung der Medizin ist Gesundheitswissenschaft bestrebt, „die somatischen, psychischen, sozialen und ökologischen Bedingungen der Gesunderhaltung zu erforschen“ (ebd.). Dennoch ist sie organisatorisch häufig in medizinische Fakultäten oder Forschungseinrichtungen integriert[3]. Wo eigenständige gesundheitswissenschaftliche Institute und Fachbereiche existieren, besteht oft eine Verbindung mit der Pflegewissenschaft. Diese verfügt über den Standortvorteil, aus ihrer Themenstellung eine gänzlich andere Perspektive als die Medizin entwickeln zu können - anstatt (wie die Gesundheitswissenschaft) Gefahr zu laufen, als Ergänzungswissenschaft mit lediglich anderer Blickrichtung auf Krankheit (im Sinne von Präventivmedizin) aufgefasst zu werden. Dafür tut sich die Pflegewissenschaft allerdings auch schwerer damit, ein eigenes Paradigma zu entwickeln, und sie ist im Hochschulbereich weniger anschlussfähig. Ihr Verhältnis zur Gesundheitswissenschaft ist eines der Un-terordnung, wobei sich beide Disziplinen aufeinander zubewegen (vgl. Thiele/ Hofmann 2005, 11ff.). „Während die Medizin ihren Schwerpunkt auf die Heilung von Krankheiten gerichtet hat, richtet die Pflege heute ihren Schwerpunkt wieder neu auf die Gesundung und auf die Gesundheit der ihr anvertrauten Personen. Das heißt, dass Prävention und Gesundheitsförderung zentrale und selbstverständliche Aufgabengebiete der Krankenpflege sind“ (Brieskorn- Zinke 2004, 14f.).

1.2 Gesundheitsförderung und Prävention

Während Prävention auf die Vermeidung spezifischer Krankheiten und Risikofaktoren gerichtet ist, soll Gesundheitsförderung zu einem umfassenden Wohlbefinden und Mehr an Lebensqualität beitragen. Gesundheitsförderung ist grundsätzlich an alle Individuen adressiert; Prävention fokussiert gefährdete Bevölkerungsgruppen und bearbeitet ganz bestimmte Themen[4]. Diese Trennung ist allerdings eher analytischer Natur und an den Schnittflächen nicht immer aufrecht zu erhalten[5]. Gesundheitsförderung kann auch „als komplementäres Angebot oder komplementäre Sichtweise zur Prävention“ (Siggemann 2000, 720) betrachtet werden.

Definition: „Prävention bezeichnet alle Interventionshandlungen, die sich auf Risikogruppen mit klar erwartbaren, erkennbaren oder bereits im Ansatz eingetretenen Anzeichen von Störungen und Krankheiten richten. Die Interventionshandlungen lassen sich je nach Zeitpunkt des Eingriffs in einer Abfolge von Entwicklungsstufen der Störung in primäre, sekundäre und tertiäre Prävention unterscheiden“ (Laaser/ Hurrelmann 2003, 395).

Primärprävention bedeutet demnach Krankheitsvermeidung, Sekundärprävention Krankheitsfrüherkennung und entsprechende Behandlung, Tertiärprävention Rehabilitation bzw. Vermeidung oder Abmilderung von Folgeschäden.[6]

Neben dieser Unterscheidung nach dem Zeitpunkt lässt sich Prävention auch nach der Zielgröße (Ebene) und der Methode einteilen. Diese Kriterien sollen in der vorliegenden Arbeit verdeutlicht werden. Es wird (am Beispiel der Krebsfrüherkennung) zu zeigen sein, dass der Anspruch der Prävention teilweise mit den Bedingungen der Wirklichkeit kollidiert. Insbesondere soll es um die Frage gehen, ob durch das Auffinden von Berührungspunkten zwischen Pflege und Präventivmedizin diese Kollision abgemildert werden könnte.

2 Konzepte von Prävention

2.1 Zielgrößen

Die Präventivmedizin steht im Mittelpunkt der personalen Prävention. Auf das Verhalten des Menschen und seine Beweggründe sowie Veränderungspotentiale bezieht sich die Gesundheitspsychologie (Verhaltensprävention). Die gesellschaftliche Perspektive steht im Fokus der Gesundheitssoziologie: Verhältnisprävention fragt nach den Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit jenseits des Einzugsbereichs des Individuums.

In der Regel sind im konkreten Fall alle drei Ebenen relevant, wenn es um die Frage nach Grundlagen präventiver Strategien geht. So wird etwa die Entscheidung zur Teilnahme an freiwilligen Früherkennungsuntersuchungen mit der Bereitschaft korrespondieren, im weitesten Sinne die eigene Gesundheit zu schonen und reflektiert mit ihr umzugehen. Allerdings nützt das sensibelste Bewusst-sein des eigenen Gesundheitsverhaltens nicht viel, wenn der Mensch massiv krankmachenden Umwelteinflüssen unterliegt.

Ebenso können in der Praxis die verschiedenen methodischen Ansätze nicht sauber getrennt werden. Die Vielfalt möglicher Herangehensweisen soll im Folgenden aufgezeigt werden.

2.2 Methoden

2.2.1 Gesundheitserziehung und -bildung

Gesundheitserziehung richtet sich an Kinder und Jugendliche und „bezeichnet alle Strategien der Stärkung der Persönlichkeit durch Wissens- und Kompetenzvermittlung, um die Selbstorganisation des Gesundheitsverhaltens und die Gestaltung gesundheitsrelevanter Umweltbedingungen zu ermöglichen“ (Hurrelmann 2000, 103). Je nach Ausrichtung wird dabei mehr auf eine Verhaltenskorrektur oder eine Kompetenzförderung abgezielt (vgl. ebd., 108). Gesundheitsbildung ist das entsprechende Konzept für Erwachsene. Beispielsweise gehört zu einer Alkoholtherapie nicht nur der körperliche Entzug, sondern auch die Ausein-andersetzung mit Wirkungsweisen und Folgeschäden, die Reflexion über das eigene (Sucht-)Verhalten und Motivation zur Verhaltensänderung, Chancen der Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen und Verantwortung übernehmen zu lernen (vgl. Waller [ca. 2002a], 16).

Im Vordergrund steht der individuelle und nicht der soziale oder ökologische Kontext, was aus einer kritischen Perspektive als victim-blaming verstanden wird (vgl. ebd., 12f.).

2.2.2 Gesundheitstraining

Als Gesundheitstraining werden alle personenbezogenen Maßnahmen der Gesundheitsförderung zusammengefasst (vgl. ebd., 21): Meditation und Entspannung (z.B. Yoga), Körperorientierte Selbsterfahrung (z.B. Feldenkrais- Methode), Massage (z.B. Fußreflexzonenmassage), Atemarbeit. Auch wenn hier sicherlich individuelle Präferenzen die größte Rolle spielen, lässt sich Gesundheitstraining für pflegerische Zwecke nutzen, etwa indem Schlafstörungen mit Autogenem Training nach Schulz entgegengewirkt wird.

2.2.3 Gesundheitsselbsthilfe

Gesundheitsselbsthilfe lässt sich unterteilen in individuelle und soziale, letztere nochmals in haushaltsinterne und haushaltsexterne durch Bekannte, Verwandte und ähnliche Personen sowie Gesundheitsselbsthilfegruppen und –organisationen. Zusätzlich fördern Selbsthilfekontaktstellen in unterschiedlicher Trägerschaft die Selbsthilfe. Darüber hinaus sind die Krankenkassen gesetzlich gehalten, sich an den Kosten der Selbsthilfe zu beteiligen (§20 Abs. 4 SGB V).

Für die Pflege ist es oftmals sinnvoll, PatientInnen an Selbsthilfegruppen zu verweisen, um beispielsweise im Rahmen eines Beratungsgesprächs über Kontinenzförderung Perspektiven für das weitere Vorgehen nach dem Klinikaufenthalt aufzuzeigen.

[...]


[1] Eine Konsequenz des „Mißbrauch(s) der früheren sozialhygienischen Ansätze im Nationalsozialismus“ (Hurrelmann/ Laaser 2003; 27)

[2] Zum Verhältnis von Public Health und Health Sciences vgl. ebd., 30f.

[3] Zu den Vor- und Nachteilen dieser Organisationsform vgl. ebd., 32f.

[4] Zur historischen Herleitung der Unterschiede vgl. Badura 1992,

[5] Auf die Notwendigkeit einer Integration ist verschiedentlich hingewiesen worden, vgl. Waller [ca. 2002], 6f.

[6] Gesundheitsförderung kann als primordiale Prävention bezeichnet werden, vgl. Laaser/ Hurrelmann 2003,

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640621279
ISBN (Buch)
9783640621477
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150702
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Schlagworte
PRECEDE-PROCEED Prävention

Autor

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Titel: Zur Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die Pflege am Beispiel der Prävention: Das PRECEDE-PROCEED-Modell