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Die Indianerkulturen Altamerikas am Beispiel des Aztekenreiches

Studienarbeit 1999 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das aztekische Reich
2.1. Der Weg zur Macht – Die Geschichte der Azteken
2.2. Im Namen Huitzopochtlis – Die Azteken und der Krieg
2.3. Die aztekische Gesellschaft
2.4. Landwirtschaft, Handel und Handwerk
2.5. Die politische Situation des aztekischen Reiches zu Beginn des 16. Jahrhunderts
2.6. Quetzalcoatl – Die Rückkehr der weißen Götter

3. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als die Spanier im Jahre 1519 unter der Leitung der Hernán Cortés mit der Absicht … Gott (…) zu dienen; (…) und auch um Reichtümer zu erlangen …[1] den Boden des heutigen Mexiko betrat, stießen sie auf eine der alten amerikanischen Hochkulturen: Die Azteken.

Wer waren diese Azteken, deren Reich zur Zeit der Eroberung durch die Spanier vom Pazifischen Ozean bis zum Golf von Mexiko, vom zentralen Hochland bis Guatemala reichte? Was weiß man über ihre Geschichte, ihre Kultur, über ihre Gesellschaft und ihre Religion? Diese Fragen sollen hier auch im Hinblick darauf untersucht werden, wie sich die Verhältnisse im aztekischen Reich auf die Conquista auswirkten.

Eine wichtige Quelle für Fragen der aztekischen Geschichte und des aztekischen Alltags ist der Codex Mendoza, eine in der Mitte des 16. Jahrhunderts verfasste aztekische Bilderhandschrift. Der in drei Teile (Geschichte, Tributzahlungen, Alltagsleben) aufgeteilte Codex wurde mit spanischen Erläuterungen versehen. Eine weitere Bilderhandschrift ist der Codex Aubin, deren unbekannter Autor einen erklärenden Text in Nahuatl, der Sprache der Azteken, verfasste. Auch diese Bilderhandschrift stammt aus dem 16. Jahrhundert, stellt allerdings eine Kopie dar, deren Vorlage nicht mehr vorhanden ist und die wohl auf vorspanischen Werken beruhte. Der Codex Aubin reicht weit in die spanische Zeit hinein.

Eine andere Quelle stellen die Berichte der spanischen Augenzeugen dar, die an der Conquista beteiligt waren. Zum einen wären dabei die Briefberichte zu nennen, die Hernán Cortés an Kaiser Karl V. sandte. Sie liefern wichtige Informationen über die politische Situation zur Zeit der Eroberung, wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass Cortés bemüht war, sein Handeln vor dem Kaiser zu rechtfertigen. Eine weitere wichtige Quelle stellt der Bericht des Bernal Díaz del Castillo dar, der sehr ausführlich ist, jedoch mit großem zeitlichen Abstand verfasst wurde.

Als letzte Quellengruppe sind die Werke spanischer Autoren zu nennen, die auf indianische Informanten zurückgriffen. Der frühste umfassende Bericht über die Geschichte und Kultur stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde von dem schon als Kind nach Mexiko gekommenen Dominikaner Diego Duran verfasst, die „Historia de las Indias de Nueva España e islas de tierra firme“.

Grundlegende Monographien zum Thema, in die auch die angegebenen Quellen mit eingeflossen sind, liefen Nigel Davis, Hanns J. Prem, Wilfried Westphal und George Vaillant.

2. Das aztekische Reich

2.1 Der Weg zur Macht – Die Geschichte der Azteken

Bevor man sich mit dem[2] aztekischen Reich zur Zeit der spanischen Conquista beschäftigen kann, muss zunächst einmal geklärt werden, was man überhaupt unter dem Begriff ‚Azteken‘ versteht bzw. wie sie sich selbst definierten.

Die Azteken im engeren Sinne waren ein Volksstamm, der sich aus dem Nordwesten kommend nach langer Wanderung Anfang des 14. Jahrhunderts auf einer Insel im Texcoco-See niederließ. Der Name wurde von ‚Aztlan‘ (= Ort der Kraniche), der mythischen Heimat des Stammes, hergeleitet. Die Azteken selbst nannten sich jedoch nicht ‚Azteken‘, sondern auf Geheiß ihres Gottes Huitzilopochtli ‚Mexica‘:

Und darauf wandelte er [der Gott] dort ihnen ihren Namen um. Er sprach zu den Azteken: „Jetzt ist euer Name nicht mehr Azteken. Vielmehr (heißt ihr jetzt) Mexica“.[3]

Mit diesem Namen sollten sie auch dem späteren, modernen Staat und seiner Bevölkerung den Namen geben.

Üblicherweise versteht man unter den Azteken die Bewohner des Hochtals von Mexiko, im weiteren Sinne auch die Bevölkerung der benachbarten Talregionen, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zum ‚aztekischen Reich‘. Das ‚aztekische Reich‘ schließlich bezeichnete „ein politisches Gebilde unter der Führung der Dynastie von Tenochtitlan, für das ein einheimischer Name nicht bekannt ist.“[4]

Die Geschichte der eigentlichen Azteken, der ‚Mexica‘, ist die Geschichte eines kriegerischen, expansionistischen Volksstammes. Die Azteken kamen erst relativ spät in das Hochtal von Mexiko. Ihre Herkunft und ihre Vorgeschichte liegen im Dunkeln. Relativ sicher scheint zu sein, dass sie aus dem Nordwesten in das Hochtal einwanderten.[5] Ihrer Überlieferung nach stammten sie, wie erwähnt, aus dem mythischen ‚Aztlan‘, von dem berichtet wird:

… es liegt [der Ort] mitten im Wasser, von dem die [die Mexica] aufbrachen. Der Ort des Namens „Stätte des späteren Aufbruches“ ist eine Höhle.[6]

Von dort brachen die Azteken zusammen mit acht anderen Stämmen zu ihrer Wanderung auf. In Colhuacan[7], das am Ufer des Sees lag, fanden sie das Abbild ihres Gottes Huitzilopochtli, der sie von nun an leiten sollte:

… bis sie in Quanitl itzintlan angelangt waren, da ließen sie sich (an) einem sehr dicken Baum nieder. Da errichteten sie dort einen Erdaltar; auf ihn stellten sie das Kultbild. Nachdem sie es aufgestellt hatten, da holten sie ihre Wegzehrung hervor. Und da, wie sie schon im Begriffe waren, zu essen, da zerbrach über ihnen der Baum. Darauf hörten sie auf mit Essen. Sehr lange Zeit saßen sie da gesenkten Hauptes. Und daraufhin redete mit ihnen (das Kultbild des) Teufels, es sprach zu ihnen: „Befehlet denen, die euch führen, den acht Stämmen, sprechet zu ihnen: ‚Wir wollen nicht (weiter) gehen‘ (…)“Darauf brachen zuerst auf die acht Stämme, da ließen sie sie (die Azteken) zurück dort in Quauitl itzintlan. Lange Zeit verweilten diese dort …[8]

bevor sie ihre Wanderung fortsetzten. Nach mehr als hundertjähriger Wanderschaft, die sie an vielen Orten unterbrochen hatten, ließen sich die Azteken 1299 in Chapultepec, dem „Heuschreckenberg“ nieder. Aber auch dort konnten sie nicht bleiben, denn sie verärgerten ihre Nachbarn, die achte Stämme, die ‚vorausgeschickt‘ worden waren, durch Grausamkeiten. 1319 schlossen mehrere Stadtstaaten eine Koalition und vertrieben die Azteken vom Berg.[9]

Die Azteken wandten sich daraufhin an den Herrscher von Colhuacan, damit er ihnen, als seine Vasallen, ein anderes Gebiet zum Siedeln zuweise. Dieser ließ sich erweichen und wies ihnen Tizapan zu, ein allerdings unfruchtbares Land am Rande des Reiches von Colhuacan, das zudem von Schlangen verseucht war.[10] Der Herrscher hoffte wohl, dass die Azteken „deren Streitsüchtigkeit man fürchtete, sich daran die Zähne ausbeißen würden“.[11]

Doch die Azteken schafften es, das Gebiet urbar zu machen. Ihre Kriegslust machten sich unterdessen die Colhua zunutze, denn sie verpflichteten sie als Söldner im Kampf gegen ihre Nachbarn.[12] Allerdings verscherzten sich die Azteken bald das Wohlwollen der Colhua. Sie baten den Herrscher von Colhuacan um seine Tochter, damit diese ihren Anführer heirate. Doch statt einer Hochzeit wurde das Mädchen geopfert und ihre Haut abgezogen. Die Azteken waren auch noch so unverfroren, den Vater des Mädchens zu der Feier einzuladen. Dieser schwor daraufhin, die Azteken auszurotten. Sie mussten also wieder fliehen, diesmal auf eine Insel im Texcoco-See. Hier fanden sie dann auch endlich das von ihrem Gott Huitzilopochtli prophezeite Zeichen, einen aus einem Felsen wachsenden Kaktus, auf dem ein Adler saß, der eine Schlange in den Klauen hielt.[13] Hier gründeten sie im Jahr 1324 ihre Stadt: Tenochtitlan.[14]

Die Insel bot den Azteken viele Vorteile: Sie war geschützt, so dass man Angriffe leicht abwehren konnte, gleichzeitig konnten die Azteken selbst aber mit Hilfe von Kanus an jedem Punkt der Seenplatte militärisch eingreifen. Daneben eigneten sich die sumpfigen Ufer hervorragend zur Anlange der sogenannten chinampas, der schwimmenden Gärten, und auch der Fisch- und Vogelreichtum ermöglichte eine gute Ernährung der stetig wachsenden Bevölkerung.[15]

Zu dieser Zeit standen sich im Hochtal von Mexiko zwei Mächte gegenüber: Die Acolhua (nicht zu verwechseln mit den Colhua) und die Tepaneken. 1345 hatte bei den Tepaneken Tezozomoc den Thron bestiegen und dieser begann sogleich, die Stämme des Hochtals von Mexiko zu unterwerfen. Dabei wurden die Tepaneken von den Azteken unterstützt. Die Bedeutung der Azteken nahm dabei so sehr zu, dass sie 1418 vom letzten unterworfenen Staat, dem der Acolhua, den Tribut einfordern konnten und auch erhielten. Diese Bevorzugung der Azteken lässt sich z.T. dadurch erklären, dass 1416 ein Enkel des tepanekischen Herrschers den aztekischen Thron bestieg. Doch die Privilegierung der Azteken endete, als Tezozomoc 1426 starb und sein Sohn Maxtla an die Macht kam.

[...]


[1] Díaz del Castillo, Eroberung Mexikos, S. 18.

[2] Zum Folgenden siehe: Haberland, Das Hochtal von Mexiko, S. 58-64; Prem, Die Azteken, S. 60-62, 70-105; Davies, Die versunkenen Königreiche Mexikos, S. 217-244; Vaillant, Die Azteken, S. 95-97, 100-107.

[3] Zitiert nach: Geschichte der Azteken, S. 4.

[4] Prem, Die Azteken, S. 9-10; vgl. auch Davies, Die versunkenen Königreiche Mexikos, S. 217-218.

[5] Vgl. Prem, Die Azteken, S. 60.

[6] Codex Aubin, S. 2.

[7] Auffällig ist bei der Legende die Ähnlichkeit Aztlans mit Tenochtitlan und das Vorhandensein einer Stadt namens Colhuacan, die auch in der Realität der Hauptstadt der Azteken gegenüberlag. Vgl. dazu: Prem, Die Azteken, S. 62-64.

[8] Codex Aubin, S. 3-4.

[9] Vgl. Davies, Die versunkenen Königreiche Mexikos, S. 220-221.

[10] Vgl. ebd., S. 221; sowie: Haberland, Das Hochtal von Mexiko, S. 58.

[11] Westphal, Die Azteken, S. 38.

[12] Vgl. Davis, Die versunkenen Königreiche von Mexiko, S. 222.

[13] Vgl. ebd., S. 222-223; sowie: Haberland, Das Hochtal von Mexiko, S. 58.

[14] Siehe Codex Mendoza, Bd. III, S. 10-11.

[15] Vgl. Haberland, Das Hochtal von Mexiko, S. 58.

Details

Seiten
18
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783640619160
ISBN (Buch)
9783640618910
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150772
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
Schlagworte
Azteken Hernán Cortéz Mittelamerika Conquista

Autor

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