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Der Manifesto antropófago, oder der Versuch Brasilien aufzuwerten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 18 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ein Blick in die Geschichte Brasiliens

3 Zum Antropofagia-Konzept bei de Andrade
3.1 Der Movimento antropófago
3.2 Der Manifesto antropófago

4 Schlussbetrachtung

5 Quellenverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
5.2.1 Landeskunde

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Oswald de Andrades Manifesto antropófago von 1928. Ziel ist es die Bedeutung eben dieses Werkes für die brasilianische Kultur, und deren Vorstellungen bezüglich der eigenen Nation darzustellen. Wie sieht de Andrade das Brasilien seiner Zeit? Mittels welches Konzeptes möchte er Brasilien gegenüber Europa abgrenzen, und warum wird eine Abgrenzung als notwendig erachtet?

Dabei beziehe ich mich neben de Andrades Manifesto antropófago vor allem auf Sandführs Dissertation Só a Antropofagia nós une: Assimilation und Differenz in der Figur des Anthropophagen.

2 Ein Blick in die Geschichte Brasiliens

Im April 1500 landet der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral an der Küste des heutigen Brasilien und beansprucht das umliegende Land formell für die portugiesische Krone. Der Name Brasilien leitet sich von einer Ladung Brasilholz ab, welche der italienische Seefahrer Amerigo Vespucci von einer Entdeckungsreise, die er für den portugiesischen Hof 1501 unternimmt, mitbringt.[1]

Die Kolonisierung Brasiliens beginnt 1530. Zur Hauptstadt wird unter dem ersten Generalgouverneur (1549) die neu gegründete Stadt Salvador. Danach beginnt Portugal Sklaven aus Afrika in die Region zu verschleppen. 1554/ 55 werden die Städte São Paulo, im Süden des Landes und Rio de Janeiro, in der gleichnamigen Bucht, gegründet.[2]

1580 erbt Philipp II. von Spanien die portugiesische Krone. Die spanische Herrschaft ist von häufigen englischen und holländischen Angriffen geprägt, da sich Spanien in jener Zeit mit diesen im Krieg befindet. Ab 1640 ist Brasilien – nach erfolgreicher Revolte – allerdings wieder unter portugiesischer Herrschaft.[3]

Bereits im frühen 17. Jahrhundert beginnen jesuitische Missionare im Amazonastal, unterstützt von der portugiesischen Krone, aktiv zu werden. Sie bemühen sich die indigene Bevölkerung vor Übergriffen der Kolonisten zu schützen, welche seit der Jahrhundertmitte bis zum Oberlauf des Paraná vorgedrungen sind, um die dort lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen zu versklaven.[4]

Nachdem 1693 große Goldvorkommen in Brasilien entdeckt worden sind, führt der anschließende Goldrausch Zehntausende Siedler in das portugiesische Überseegebiet. Die wirtschaftliche Entwicklung schreitet mit der Entdeckung der Diamanten und Errichtung riesiger Kaffee- und Zuckerrohrplantagen weiter voran. Außerdem begünstigen die Reformen des portugiesischen Premierministers Marquês de Pombal die weitere Entwicklung. So befreit er die indigenen Sklaven, setzt die Steuern herab, lockert das königliche Monopol für den Außenhandel, zentralisiert den Regierungsapparat und verlagert 1763 den Regierungssitz von Bahia nach Rio de Janeiro.[5]

Durch die Napoleonischen Kriege nimmt die brasilianische Geschichte eine überraschende Wendung. 1807 muss der portugiesische Herrscher, Kronprinz Johann, mit einem Großteil seines Hofes vor den herannahenden französischen Truppen nach Brasilien fliehen. Er wählt Rio de Janeiro als Sitz für die Regierung aus und wird 1816 zu König Johann VI. gekrönt. 1821 reist er nach Portugal zurück, ernennt aber zuvor seinen zweiten Sohn Peter zum Regenten Brasiliens. Da sich dieser weigert Brasilien wieder den Status einer Republik zugeben und auch nicht nach Europa zurückkehren will, erklärt er das Land 1822 für unabhängig und lässt sich noch im selben Jahr zum Kaiser von Brasilien wählen. Als Peter I. führt er bis 1831 die Regierungsgeschäfte, dankt aber wegen aufkommender Kritik zugunsten Peter II. (1831-1889), dem fünf Jahre alten Erbfolger, ab. Während dessen Herrschaft wachsen Bevölkerung und Wirtschaft, so konnte die inländische Produktion um über 900 Prozent gesteigert werden. Außerdem wächst eine breite Bewegung für die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien heran. Die Aufnahme afrikanischer Sklaven wird daraufhin 1853 unter Strafe gestellt. 1871 erringen die Gegner der Sklaverei einen ersten Sieg, als das Parlament beschließt, die Kinder von versklavten Müttern als freie Bürger zu anzusehen. Der Liberalismus verbreitet sich von nun an im Land. 1885 werden alle über 60-jährigen Sklaven befreit, 1888 schließlich auch alle Übrigen in den Stand freier Bürger versetzt.[6]

Im November 1889 führt ein Militärputsch unter Führung General Manuel Deodoro da Fonsecas zur Abdankung Peters II. Fonseca ruft eine Republik aus, übernimmt deren provisorische Regierung, erlässt einige republikanische Reformen wie die Trennung von Kirche und Staat, und nimmt für Brasilien eine Verfassung nach US-amerikanischem Vorbild an, durch welche sich Brasilien als Bundesrepublik, mit dem offiziellen Titel Vereinigte Staaten von Brasilien konstituiert. Zum ersten Präsidenten der Republik wird Fonseca gewählt, der das Land aber schon bald in die Diktatur führt (bis 1891).[7]

In der Folgezeit etabliert sich ein oligarchisches System, dessen Wohlstand durch die große Kaffee-Nachfrage gesichert ist. In den Jahren des Ersten Weltkrieges geht die Nachfrage nach Kaffee stark zurück, wodurch in den 1920er Jahren große Teile der Bevölkerung ein Ende der Oligarchie fordern. Als 1930 die Kaffeepreise nochmals einbrechen, führt Getúlio Vargas, der „Vater der Armen“, einen Aufstand an und wird so Präsident. In den ersten Monaten seiner Regierungszeit wächst die Wirtschaft Brasiliens wieder spürbar.[8]

[...]


[1] vgl. Brasilien, in: MSN Encarta

[2] vgl. ibid.

[3] vgl. ibid.

[4] vgl. ibid.

[5] vgl. Brasilien, in: MSN Encarta

[6] vgl. ibid.

[7] vgl. Brasilien, in: MSN Encarta

[8] vgl. Brasilien, in: Wikipedia

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640625949
ISBN (Buch)
9783640626144
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150945
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Schlagworte
Brasilien Manifesto antropófago Oswald de Andrade Kannibalismus

Autor

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