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Auswirkungen der Finanzmarktkrise am Beispiel des Versicherungskonzerns American International Group (AIG)

von Stefan Menk (Autor) Gerrit Kimpel (Autor)

Studienarbeit 2009 16 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Risikobewertung und risikogerechte Preisfestlegung
2.1 Der Value-at-Risk
2.2 Sensitivitäts- und Szenarioanalysen
2.3 Einschätzung systematischer Marktrisiken mittels des CAPM

3 Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise bei AIG
3.1 Die Bedeutung der Credit Default Swaps für AIG
3.2 Risikobewertung der Kreditderivate bei AIG
3.3 Konsequenzen der Finanzkrise bei AIG
3.4 Auswirkungen einer möglichen Insolvenz von AIG

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Formelverzeichnis

Formel 1: Kapitalwert

Formel 2: Standard CAPM Gleichung

Formel 3: Beta einer Finanzanlage

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat, ausgehend vom amerikanischen Immobilien­markt im vergangenen Jahr eine Dynamik entfaltet, die in der Geschichte so bisher beispiellos ist. Zahlreiche Firmen sind von den Folgen dieser Krise in unterschiedlicher Weise massiv betroffen. Die Auswirkungen sind besonders bei Unternehmen des finanziellen Sektors auf Grund ihres Engagements mit Finanzinstrumenten, die in Ihrer Werthaltigkeit auf verschiedene Weise bei amerikanischen Immobilien anknüpfen gravierend. In dieser Arbeit wird daher die Auswirkung der Entwicklungen auf den Versicherungskonzern American International Group (AIG) betrachtet. Dabei gilt es insbesondere das Risiko­management des Unternehmens im Hinblick auf seine Investitionspolitik zu untersuchen und dessen Folgen auf­zuzeigen. Im ersten Abschnitt werden dafür zunächst einige theoretische Ansätze aufgeführt, die bei der Einschätzung, Analyse und Quantifizierung von Risiken und der Bemessung der erforderlichen Erträge als Instrumente geeignet sind. Im zweiten Abschnitt wird von diesem Hintergrund ausgehend die Entwicklung der AIG im Verlauf der Krise 2007/08 analysiert.

2 Risikobewertung und risikogerechte Preisfestlegung

2.1 Der Value-at-Risk

Die wirklichkeitsnahe Einschätzung finanzieller und operativer Risiken stellt eine zentrale Aufgabe ganz besonders bei Finanzinstituten und Versicherungen dar. Gerade letztere handeln institutionell mit Risiken und sind im Fall eines Unternehmens wie der AIG mit dreistelligen Milliarden­beträgen direkt und indirekt über Versicherungsnehmer in den Finanz­märkten engagiert. Deren Risiken werden zumeist in Form des Value-at-Risk (VaR) quantifiziert. Der VaR gibt dabei den finanziellen Verlustbetrag an, der auf Grund von Rückschlüssen aus der Betrachtung historischer Szenarien mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (z.B. 95%) innerhalb eines bestimmten Zeitraums in der Zukunft (z.B. ein Monat) nicht überschritten wird.[1]

2.2 Sensitivitäts- und Szenarioanalysen

Um entsprechende mögliche Verlustgrößen bestimmen zu können, lassen sich verschiedene Techniken heranziehen, die dazu geeignet sind die Auswirkungen möglicher oder erwarteter Marktveränderungen abzuschätzen. An dieser Stelle werden hierfür beispielhaft die Sensitivitätsanalyse und Szenarioanalyse betrachtet.

Bei der Sensitivitätsanalyse wird zunächst die zukünftige Zahlungsreihe einer Investition unter bestimmten anzunehmenden Bedingungen aufgestellt. Die zukünftigen Zahlungen werden dann mit einem unternehmensinternen Kalkulationszinssatz auf den Betrachtungszeitpunkt gemäß folgender Formel abgezinst und addiert um den Kapitalwert (NPV = Net Present Value) zu ermitteln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 1: Kapitalwert

Im Rahmen der Sensitivitätsanalyse wird nun ermittelt, welche Auswirkungen die Veränderung einzelner Parameter der zukünftigen Geschäftsentwicklung (z.B. des Umsatzes, des Absatzpreises, des Marktanteils oder speziell bei Kreditinstituten und Versicherungen der Zinsspanne und der Kreditausfall­raten) auf die zukünftigen Cashflows und damit auf den NPV haben. Dabei wird zumeist ausgehend von den Basisannahmen eine optimistischere Annahme und eine pessimistischere Annahme für die betrachtete Größe getroffen. Außer dem variierten Parameter werden alle anderen Werte konstant gehalten. Hierdurch werden somit gezielt einzelne mögliche Effekte isoliert und im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf den Kapitalwert untersucht. Sensitivitätsanalysen finden in der Praxis breite Anwendung.

Zwei wesentliche Nutzen lassen sich dafür als Begründung anführen. Zum einen bietet diese Methode in Ergänzung zur Ermittlung eines NPV nicht nur eine bloße Abschätzung der zu erwartenden Gewinne, sondern gibt darüber hinaus die Möglichkeit spezielle einzelne Risiken für den zukünftigen Ergebnisverlauf zu identifizieren und zu bewerten. Zum anderen informiert die Sensitivitätsanalyse darüber, wo weitergehende Informationen oder Prognosen zur Beurteilung einer Investition benötigt werden.

Dem stehen jedoch teilweise offensichtliche Mängel gegenüber. Zum einen ignoriert die Methode Interdependenzen einzelner Parameter. So ist es durch­aus realistisch anzunehmen, dass z.B. der Marktanteil eines Unter­nehmens und der erzielbare Preis für ein Produkt nicht völlig unabhängig voneinander sind. Darüber hinaus kann ein durchweg positiver Ausfall des NPVs bei allen durchgespielten Variationen der Parameter die Unter­nehmens­führung in einer falschen Sicherheit über den Verlauf der Investition wiegen.[2]

Aus diesen Gründen findet die Szenariotechnik als Erweiterung der Sensitivitätsanalyse in der Praxis Anwendung. Hierbei werden nicht nur jeweils einzelne Erfolgsfaktoren ausgehend von den ursprünglichen Annahmen modifiziert, sondern komplexere Zukunftsszenarien entworfen und in ihren Auswirkungen analysiert.[3] Wichtiger Vorteil gegenüber der Szenarioanalyse ist, dass Abhängigkeiten zwischen den Erfolgsfaktoren berücksichtigt werden können. Eine entscheidende Schwierigkeit bei Anwendung dieser Technik besteht darin, die richtige Auswahl möglicher Szenarien zu treffen und die Entwicklungen im Fall eines bestimmten Szenarios korrekt abzuschätzen. Deutlich falsche Prognosen, wie z.B. bei den aus einem Wirtschaftsabschwung i.H.v. einem Prozent resultierenden Umsatzeinbußen oder die Zunahme von Schadensfällen einer Versicherung können erhebliche Auswirkungen auf die ermittelten NPVs haben. Dies gilt ganz besonders in Fällen, wo die Folgen historisch nicht beobachtbarer aber in der Zukunft für möglich gehaltener Entwicklungen prognostiziert werden sollen.[4]

2.3 Einschätzung systematischer Marktrisiken mittels des CAPM

Neben der Sensitivitäts- oder Szenarioanalyse zur Abschätzung des Risikos einzelner Projekte oder auch komplexerer Engagements lässt sich ein risikoadäquater Zusammenhang zwischen Risiko und Ertrag von Finanz­investitionen am Kapitalmarkt mittels des Capital Asset Pricing Models (CAPM) messen. Aus einer historischen Betrachtung vergangener Wert­entwicklungen einer Anlage im Vergleich zum Gesamtmarkt wird dabei ein risiko­bedingter Zuschlag zu einem erzielbaren risikolosen Zins gemäß folgen­der Formel ermittelt:[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. American International Group (2008), S. 115f.. Für eine weitergehende Darstellung des Value- at-Risk vgl. Brealey/Myers/Allen (2008), S. 663f..

[2] Vgl. Ross/Westerfield/Jaffe (2008), S. 229 – 232.

[3] Vgl. Ross/Westerfield/Jaffe (2008), S. 233.

[4] Für eine weiterführende Erläuterung der Snesitivitäts- und Szenarioanalyse vgl. Damodaran (2001), S. 260 – 263. Für eine neuere Darstellung vgl. auch Brealey/Myers/Marcus (2007) S. 243 – 246.

[5] Vgl. Ross/Westerfield/Jaffe (2008), S. 308.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640624997
ISBN (Buch)
9783640625130
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150977
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Professur für Finanzwirtschaft
Note
1,1
Schlagworte
AIG CDS CDO MBS ABS Finanzkrise Finanzmarktkrise Wirtschaftskrise Szenarioanalyse Sensitivitätsanalyse VaR Value-at-Risk CAPM Capital Asset Pricing Modell Versicherung Finanzwirtschaft Finanzinstrument Finanzierung Kreditderivat Derivat Immobilienkrise Bankenkrise Immobilienmarkt Folgen der Finanzkrise Corporate Finance American International Group

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