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Liebe im Kindes- und Jugendalter

von Marie Wolf (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 17 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

1. Einleitung

Sexualität ist ein ebenso wesentlicher wie problematischer Bestandteil im Leben der Menschen. Schon Säuglinge haben sexuelle Empfindungen, in den Medien und in der Werbung wird Sexualität instrumentalisiert um uns zum Hinschauen zu animieren, das Internet, für jeden zugänglich, beinhaltet ein Spektrum aller vor- und unvorstellbaren menschlichen Spielereien und Paraphilien. So entspringt die sexuelle Energie einerseits aus uns selbst, andererseits werden wir fast bei jeder Gelegenheit mit Sexualität konfrontiert.1 Seit den 70er Jahren hat die fachwissenschaftliche Rezeption des Themas eine Kehrtwende von einer prinzipiellen Dämonisierung hin zur „wichtigen und wünschenswerten Lebensenergie“2 eingeschlagen, nichtsdestotrotz liegt vieles noch im Dunkeln des öffentliches Bewußtseins, insbesondere, wenn es um die Sexualität von Kindern oder Jugendlichen geht. Auch über Werte und Normen Menschen anderer Kulturen ist bisher nicht viel bekannt, insbesondere, was sexuelle Maßstäbe anbelangt.

Sexuelle Aufklärung, die nicht nur auf die Gefahren von Sexualität, sondern auch auf die Umgangsweise mit positiven und negativen Gefühlen aufmerksam macht, scheint daher logisch und notwendig zu sein. Wer aber übernimmt diese Aufgabe und wie kann sie ausgeführt werden?

Eine Untersuchung aus dem Jahr 1990 zeigt, dass immerhin noch 35% der Eltern der Meinung sind, dass der Schule (oder anderen Institutionen) die Aufgabe zur sexuellen Aufklärung zukommt.3 21% der Jungen und 11% der Mädchen geben in einer Studie aus dem Jahr 1996 an, dass sie niemanden hätten, mit dem sie über sexuelle Dinge sprechen könnten.4

Jugendliche brauchen also immer noch den Beistand und das fürsorgliche Interesse von (Sexual)Pädagogen. Außerdem ist es für angehende oder bereits beruflich aktive Lehrer sicherlich nicht von Nachteil, über sexualpädagogische Themen bescheid zu wissen, denn gerade in der Schule dreht sich alles ums Verliebtsein. „Eine Grundschülerin bringt es knapp auf den Begriff: „In einer Schule, wo es keine Jungen gibt, könnten wir nicht verliebt sein. Dann finde ich die Schule bescheuert.““5

Im folgenden soll, ausgehend von einer kurzen Bestandsaufnahme sexuellen Verhaltens von Kindern, Jugendlichen und Migranten, aufgezeigt werden, welche Probleme und Konsequenzen sich für die Sexualpädagogik ableiten lassen. Außerdem wird recherchiert, welche Informationsmaterialien zwei wichtige Institutionen zur sexuellen Aufklärungsarbeit, die Bundeszentrale für gesellschaftliche Aufklärung und ProFamilia, anbieten.

Die literarische Basis bildet die Monografie von Uwe Sielert, „Einführung in die Sexualpädagogik“6, diverse sexualwissenschaftliche Studien und Informationen aus dem Internet.

1.1.Begriffsklärungen

Für die verschiedenen, verwendeten Begriffe, wie „Sexualität“, „Sexualpädagogik“ usw. verweise ich hiermit auf die Arbeit meiner Referatspartnerin Franziska Kern, da sich diese Hausarbeit thematisch daran anschließt.

2. Sexualität bei Kindern

„Noch vor wenigen Jahren“7 wurde der Mensch erst im Jugendalter als sexuelles Wesen (an)erkannt, Sexualität bei Kindern war ein Tabuthema.

Zu welchen Ergebnissen führt es, wenn angehende Pädagogen im Jahre 2007 über die sexuelle Entwicklung von Kindern befragt werden?

Tabelle 2.a. 8 ist das Ergebnis einer kurzen, nichtwissenschaftlichen Befragung in einem Seminar für angehende Pädagogen. Die Ergebnisse werden zur Veranschaulichung kurz vorgestellt.

Insgesamt sind vier von elf Fragen richtig beantwortet worden, nämlich dass die sexuelle Entwicklung des Menschen vor der Geburt beginnt, dass der Mensch ab dem ersten Lebensjahr körperliche Lust empfindet und die Sexualorgane wahrgenommen werden, und dass sich das Interesse an den Sexualorganen ab dem zweiten Lebensjahr entwickelt. Einige Fragen wurden mit einer zu geringen Jahreszahl beantwortet, inbesondere die Frage nach der Entwicklung von Gefühlen, die von den Seminarteilnehmern mit zwei Jahren angegeben wurde, tatsächlich aber erst um das fünfte Lebensjahr anzusetzen ist.9

Bleiben die Fragen, die mit einer zu hohen Jahreszahl oder gar nicht beantwortet wurden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese kleine Bestandsaufnahme lässt erkennen, dass unter den befragten Pädagogen zwar schon vieles über die Sexualität von Kindern bekannt ist, aber auf Fragen, die eindeutig sexuelle Handlungen thematisieren (Orgasmusfähigkeit, Selbstbefriedigung, sexuelles Interesse an der Sache an sich bzw. anderen Menschen) ein paar Jahren zuviel geschätzt wurden. Dieses Ergebnis stützt die These Sielerts, dass Sexualität bisher -und immer noch!- zum Lebensabschnitt der Pubertät gezählt wird.10

2.1.Probleme für die Sexualpädagogik

Das Hauptproblem für die Sexualpädagogik in bezug auf das Kindesalter, besteht darin, dass das traditionelle Denken, Sexualität sei nur zur Fortpflanzung erlaubt und insgesamt als problematisch einzustufen, dazu führt, Kinder vor allem Sexuellen zu bewahren und sexuelle Handlungen der Kinder zu ignorieren. Kindern werde damit aber die Möglichkeit genommen, eigene (Intimitäts)Grenzen zu erkennen und zu verbalisieren, so dass sie sich nicht gegen möglichen Missbrauch wehren können.11

Plausibel wird diese Annahme vor allem dadurch, dass nebst ersten sexuellen Interesse auch die Sprachentwicklung um das zweite Lebensjahr einsetzt.12 Wenn im Elternhaus das Thema Sexualität ignoriert würde, so wüßte das Kind wahrscheinlich nicht einmal, wie es seine Geschlechtsorgane bezeichnen soll, geschweige denn, sexuelle Übergriffe zu verbalisieren. Damit wäre das Kind schutzlos ausgeliefert.

[...]


1 Siehe Offit, A.: „Das sexuelle Ich“, Stuttgart: Ullstein 1979, S. 16: „Sexualität ist, was wir daraus machen...“. Die Unmöglichkeit, Sexualität als Realdefinition zu präsentieren.

2 Sielert, U.: „Einführung in die Sexualpädagogik“, Weinheim/Basel: Beltz Verlag 2005, S. 101.

3 Glück, G./Scholten, A./Strötges, G.: „Heiße Eisen in der Sexualerziehung. Wo sie stecken und wie man sie anfasst“, Weinheim: Deutscher Studienverlag 1990, S. 142ff.

4 Kluge, N./Schmidt-Tannenwald, I.: „Sexualität und Kontrazeption aus Sicht der Jugendlichen und ihrer Eltern“, URL: http://www.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=177[21.07.2007].

5 Milhoffer, P.: „Wie sie sich fühlen, was sie sich wünschen. Eine empirische Studie über Mädchen und Jungen auf dem Weg in die Pubertät“, Weinheim: Juventa 2000, S. 95.

6 Sielert, U.: „Einführung in die Sexualpädagogik“, Weinheim/Basel: Beltz Verlag 2005.

7 Ebd., S. 101.

8 Siehe Anhang, S.15.

9 Dies ist ein überraschendes Ergebnis, welches wahrscheinlich auf vorherige Themen im Seminar zurückzuführen ist, als es um die Entwicklung von Empfindungen und Gefühlen ging.

10 Sielert, Einführung, 2005, S. 101ff.

11 Ebd., S. 101ff.

12 Ebd., S. 185.

Details

Seiten
17
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640625635
ISBN (Buch)
9783640625840
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151030
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Schlagworte
Sexualität Pädagogik Entwicklung

Autor

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    Marie Wolf (Autor)

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