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Ländliche Räume - Herausforderung für die Raumplanung

Seminararbeit 2009 22 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

Abbildungen

1 Einleitung

2 Definition und räumliche Abgrenzung

3 Ländliche Räume heute
3.1 Ländliche Räume in der Nähe von Verdichtungsräumen
3.2 Ländliche Räume in der Peripherie

4 Herausforderung für die Raumordnung und Regionalpolitik

5 Ausblick

Literatur

Abbildungen:

Abb. 1: BBR (2001): Raumentwicklung und Raumordnung in Deutschland. Kurzfassung des Raumordnungsberichts 2000. Bonn. S. 8.

Abb. 2: LUTTER, H. (2005): Raumordnungsbericht 2005. Kernaussagen, Powerpoint- Präsentation,<http://www.bbsr.bund.de/cln_016/nn_22548/BBSR/DE/Fachthemen/ Raumordnung/RaumentwicklungDeutschland/Raumordnungsberichte/ROB2005/R OB2005Kern__ppt,templateId=raw,property=publicationFile.ppt/ROB2005Kern_pp t.ppt> (Stand: 2005-05-18) (Zugriff: 2009-05-07).

Abb. 3: BBR (2006): Perspektiven der Raumentwicklung in Deutschland, <http://deposit.d- nb.de/ep/netpub/46/03/21/985210346/_data_stat/gg301257we.pdf> (Stand: 2006- 11-30) (Zugriff: 2009-05-07).

Abb. 4: BBR (2006): Perspektiven der Raumentwicklung in Deutschland, <http://deposit.d- nb.de/ep/netpub/46/03/21/985210346/_data_stat/gg301257we.pdf> (Stand: 2006- 11-30) (Zugriff: 2009-05-07).

1. Einleitung

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verlangt die „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse“ für alle Bürger des Landes (Grundgesetz Art. 72). Dies bezieht sich aber nicht auf eine gleichstarke wirtschaftliche Entwicklung oder einen identischen Wohlstand der Regionen, sondern vielmehr auf die Chancengleichheit der Menschen bezüglich eines Arbeits- und Ausbildungsplatzes, sowie der gleichwertigen Versorgung von Waren und Dienstleistungen an ihren Wohnorten (BBR 2001:5). Die Raumordnungspolitik in Deutschland hat sich diese Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse unter anderem als Hauptziel ihrer Tätigkeit gesetzt. Es werden im Bundesgebiet verschiedene Raumkategorien nach dem Raumordnungsbericht 2000 ausgewiesen. Hierzu zählen Verdichtungsräume, Siedlungs- und Verkehrskorridore sowie ländliche Räume. Diese drei Kategorien unterscheiden sich gravierend bezüglich ihrer Charakteristika, Ausstattung und Perspektiven voneinander. Deutlich sichtbar ist diese Differenz bereits bei den Bildungseinrichtungen. Während Eltern in Großstädten die Wahlmöglichkeit für eine geeignete Grundschule ihres Kindes besitzen, ist es für einige Schüler in dörflichen Strukturen durchaus Realität jeden morgen eine Busfahrt zu absolvieren, um überhaupt an eine Schule zu gelangen. Hierbei ist ein Rückgang der Schülerzahlen als Folge des demographischen Wandels erkennbar (BBR 2006:22). Schulschließungen sind die Konsequenz dessen und ein Ergebnis der unzureichenden Versorgung. Dass dies keine ausreichende Existenz der öffentlichen Dienstleistungen widerspiegelt, scheint nicht diskutiert werden zu müssen. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob diese Bedingungen, ebenso wie Arbeitsplatzmangel und Schließung von Einkaufsläden, in allen Kommunen „gleichwertige Lebensverhältnisse“ repräsentieren. Welche Zukunft besitzen ländliche Räume in Zeiten umwälzender Prozesse, wie der Globalisierung oder der Erweiterung des europäischen Binnenmarktes? Inwiefern kann die Politik diese Zukunft mitgestalten? Dies sind Fragen, die in der folgenden Arbeit beantwortet werden sollen. Dazu muss vorab der Versuch unternommen werden, ländliche Räume zu definieren und von den anderen Gebietskategorien abzugrenzen. Anschließend folgt eine Charakterisierung und gegenwärtige „Bestandsaufnahme“ der Regionen. Bevor aufgrund dieser Ergebnisse Perspektiven und resultierende Aufgaben für die Raumordnung und Regionalpolitik vorgestellt werden.

2. Definition und räumliche Abgrenzung

Ländliche Räume wurden in der wissenschaftlichen Literatur seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr unterschiedlich definiert. Noch in den 70ger Jahren wurden sie von der Raumordnung der Bundesrepublik Deutschland eher als „Restkategorie“ gegenüber dem Verdichtungsraum negativ bewertet (WIEßNER 1999:300). Gegenwärtig hat sich herauskristallisiert, dass der „ländliche Raum“ per se gar nicht vorhanden ist. Seit den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts haben sich die ländlichen Gebiete der Bundesrepublik derart verändert, dass keineswegs mehr die Rede von einem homogenen ländlichen Raum sein kann (MOSCH 2005:573). So wird die Bezeichnung im Singular hinfällig und findet nur noch im Plural, als die „ländlichen Räume“, Verwendung (WIEßNER 1999:300-301). Eine einheitliche Definition lässt demnach nicht aufstellen.

Diese Entwicklung der Definition lässt sich mit der Veränderung des Gegenstandsbereiches der ländlichen Räume im 20. Jahrhundert erklären. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung und damit dem Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft fand gleichzeitig eine Veränderung des Begriffes statt (HENKEL 1999: 28). Die Umbrüche, die sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft betreffen, hinterlassen auch räumliche Auswirkungen, die es zu beachten gilt. So schrumpften in den 90ger Jahren „durch die Modernisierung der Wirtschaft und die Zunahme der Mobilität“ traditionelle Industrien und Gewerbe (BBR 2001:3). Ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen im tertiären Sektor und eine gleichzeitige Abnahme im primären Sektor, nach der Sektorentheorie Fourastiés, ist ein Ergebnis dieses Prozesses, das vor allem den Agrarraum betrifft (KULKE 2008:23). Allein von 1989 bis 1996 sank die Zahl der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft von rund 850000 auf circa 160000 Personen (WIEßNER 1999:302). Im Gegenzug sind vermehrt Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich entstanden (BBR 2001:3). Durch deren Sinken von Beschäftigten im Agrarwesen sind viele Anstellungen in ländlichen Regionen verloren gegangen und parallel keine Ersatzarbeitsplätze entstanden. So ist die Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz für viele Menschen gestiegen und Städte haben sich flächenmäßig derart ausgedehnt (BBR 2001:3), dass mitunter „eine eindeutige Abgrenzung zwischen städtischem und ländlichem Raum heute kaum noch möglich ist“ (HENKEL 1999:31).

Daher ist es auch ziemlich schwierig ländliche Räume zu definieren, denn aufgrund ihrer enormen Vielfalt müssen sie über bestimmte Merkmale abgegrenzt werden. HENKEL (1999:29) verweist darauf, dass sowohl „landschaftliche, wirtschaftliche, demographische, soziologische, administrative und baulich-physiognomische Kriterien“ herangezogen werden müssen. Um ländliche Regionen abgrenzen zu können, erfordert es einer Differenzierung in Bezug auf städtische Gebiete. HENKEL (1999:30-31) listet hierzu verschiedene Merkmale, wie die Gemeindegröße, die Bevölkerungsdichte, die Zentralität und den „Industriebesatz“ auf, die hierzu genutzt wurden. Gemeinden bis zu einer Einwohnerzahl von 2000 Personen „galten als Landgemeinden im engeren Sinne, Gemeinden von 2000 bis 5000 Einwohnern als Landgemeinden im weiteren Sinne oder auch als Landstädte“ (HENKEL 1999:30). Dieses Kriterium hat aber durch kommunale Gebietsreformen und Zusammenschlüsse mehrerer Gemeinden „seinen Sinn verloren“ (HENKEL 1999:30). Während die Bevölkerungsdichte ländlicher Kreise durch das Bundesraumordnungsgesetz für bis zu 200 Einwohnern/qm² festgelegt wurde, besitzt das Kriterium der Zentralität keine eindeutige Aussagekraft, da in ländlichen Räumen außer den Oberzentren, sowohl Mittel-, Grund- und Nebenzentren als auch azentrale Räume, auftreten können (HENKEL 1999:30). Der „Industriebesatz“ meint nach FUCHS die Anzahl der Industriebeschäftigten pro 1000 Einwohner. Bei maximal 60 Industriebeschäftigten pro 1000 Einwohner handelt es sich um Agrargebiete, bei 60-120 Personen um agrargewerbliche Mischgebiete und ab 120 Industriebeschäftigten pro 1000 Einwohner um Industriegebiete (HENKEL 1999:31).

MOSE (2005:575-577) unterscheidet fünf ländliche Raumtypen: Das wären „ländliche Räume in der Nähe von Agglomerationsräumen und großräumigen Verkehrsachsen“, welche eine positive Entwicklung besitzen (MOSE 2005:575-577). Außerdem gäbe es „attraktive ländliche Räume für den Tourismus“, die vor allem an den Küstenregionen vorzufinden seien, sowie „ländliche Räume mit günstigen Produktionsbedingungen für die Landwirtschaft“, welche Börden und Weinanbauregionen repräsentieren (MOSE 2005:575- 577). „Gering verdichtete ländliche Räume mit wirtschaftlicher Eigendynamik“ und „strukturschwache periphere ländliche Räume“ seien nach MOSE (2005:575-577) in Deutschland ebenfalls noch vorhanden.

Wissenschaft und Politik sind sich über die Typisierung der ländlichen Räume jedoch nicht einig. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) der Bundesrepublik Deutschland definiert ländliche Räume weder nach den Kriterien von HENKEL (1999) noch findet es die gleiche Typisierung wie MOSE (2005). Grundsätzlich werden zwei verschiedene Raumtypen und eine „besondere Kategorie“, die Siedlungs- und Verkehrskorridore, vom BBR unterschieden (BBR 2001:7). Diese ausgewiesenen Kategorien, allgemein als Verdichtungsräume und ländliche Räume betitelt, unterscheiden sich bezüglich ihrer Bevölkerungsdichte (BBR 2001:7). Die räumliche Zuordnung dieser Raumkategorien für Deutschland wird in Abbildung 1 deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Raumkategorien der Bundesrepublik Deutschland (BBR 2001:8).

Die Vielfalt der ländlichen Räume und ihre damit verbundenen differenzierten Entwicklungschancen werden in Abbildung 1 ersichtlich. Flächenmäßig überwiegen ländliche Räume gegenüber den Verdichtungszonen. Innerhalb der ländlichen Räume gibt es jedoch auch erhebliche „Unterschiede in ihrer Wirtschaftsstruktur und Entwicklungsfähigkeit, in der Ausstattung mit Infrastruktur und in der Eignung für Landwirtschaft und Tourismus“ (BBR 2001:39). Die ländlichen Räume unterliegen bei dieser Typisierung einer Einstufung in unterschiedliche Entwicklungsperspektiven. Das sind einerseits ländliche Räume mit starken bis sehr starken Entwicklungsproblemen, Gebiete in der Peripherie, und andererseits ländliche Räume „ohne nennenswerte Entwicklungsprobleme“ und in der Nähe zu Verdichtungsräumen (BBR 2001:39-41).

3. Ländliche Räume heute

Im Folgenden sollen die unterschiedlichen ländlichen Raumtypen charakterisiert werden. Dazu dient die bereits vorgestellte Einteilung des BRR der Bundesrepublik Deutschland, welche grundsätzlich ländliche Räume in der Nähe zu Verdichtungsräumen und ländliche Räume in der Peripherie unterscheidet (BBR 2001:39-41).

3.1 Ländliche Räume in der Nähe von Verdichtungsräumen

Diese Räume profitieren von der positiven Entwicklung der Verdichtungsräume. Denn durch ihre räumlichen Nähe stehen sie unter dem Einfluss der Verstädterung und dem Angleich ihrer wirtschaftlichen Struktur zu den angrenzenden Ballungsräumen. Der Suburbanisierungsprozess führt hierbei zur Ansiedlung von Bewohnern und Betrieben aus den Kernstädten (RBB 2001:39). Das zeichnet sich durch eine „vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte“ aus (MOSCH 2005:575). Die Verlagerung hinein in die ländlichen Räume führt zu einer positiven Entwicklung dieser Gebiete (BÖDEKER 2002:62). Vor allem Regionen „um München herum, zwischen Neckar und Rhein, im Norden von Frankfurt und im Ruhrgebiet weisen vermehrt […] im direkten Umland der Verdichtungsräume ein großes Wachstum auf“ (BÖDEKER 2002:62). Die Flächennutzung, vor allem durch Wohnbauflächen, Gewerbeflächen und Verkehrsflächen, wird weiterhin zunehmen (BBR 2001:41). Wobei die neuen Bundesländer laut Raumordnungsbericht des BBR (2001:41) davon besonders betroffen seien, indem das Fortsetzen des dispersen Wachstums von Siedlungs- und Verkehrsflächen ins Umland hinein eine Abnahme der landwirtschaftlich genutzten Flächen und Freiflächen bedeutet.

Dem gegenüber steht jedoch eine infrastrukturelle Verbesserung für diese ländlichen Räume hinsichtlich der Erreichbarkeit städtischer Angebote und der Vergrößerung des Einzugsbereiches der Verdichtungsräume (BBR 2001:41). Immer häufiger werden diese Gebiete, wegen ihrer landschaftlichen Attraktivität und guter Infrastrukturanbindung an Verdichtungsräume, als Wohn- und Altersruhesitze genutzt (BBR 2001:42). Dies ist eine Folge des weiter anhaltenden Suburbanisierungsprozesses, der immer weiter in ländliche Gebiete vordringt. Besonders die Lage in der Natur, als weicher Standortfaktor, trägt dabei zur Beliebtheit bei (MOSE 2005:575). Abbildung 2 zeigt die ländlichen Regionen, die zwischen 1997 und 2001 vor allem von der Stadt-Umland-Wanderung profitierten.

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Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640627523
Dateigröße
738 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151164
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Geographie
Note
2,0
Schlagworte
Ländliche Räume Herausforderung Raumplanung

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Titel: Ländliche Räume - Herausforderung für die Raumplanung